Chile besiegt Spanien: Sánchez und Co. kicken den Titelverteidiger aus dem Bewerb

StartSonstigesChile besiegt Spanien: Sánchez und Co. kicken den Titelverteidiger aus dem Bewerb
- Anzeige -
- Anzeige -

Nach dem Debakel gegen die Niederlande (1-5) stand die spanische Nationalmannschaft bereits mit dem Rücken zur Wand. Um die Chancen auf einen Achtelfinal-Einzug intakt zu halten, musste gegen die Mannschaft von Trainer Jorge Sampaoli ein hoher Sieg her. In einem Spiel geprägt von ähnlichen Pressing-Systemen setzte sich das chilenische Kollektiv gegen blasse spanische Individualisten letztendlich mit 2-0 durch und sorgte für das insgesamt fünfte Ausscheiden eines Titelverteidigers bei einer WM-Vorrunde.

Chile zerstört spanisches Aufbauspiel

Trainer Sampaoli bot gegen den Titelverteidiger ein 3-4-3 System auf. Dabei versuchte man besonders durch ein Offensivpressing das Aufbauspiel der ‘Furja Roja’ zu stören. Ein besonderer Fokus wurde auf die Doppelsechs der Spanier, Busquets und Xabi Alonso, gelegt. Beide wurden von den chilenischen Sechsern bzw. Vidal abwechselnd manngedeckt. Die beiden Außen Isla und Mena agierten sehr weit vorne und ließen den Spaniern keine Chance, im Aufbau nach außen zu spielen. Nach Ballgewinn wurde schnell auf die außen postierten Sánchez und Vargas gespielt. Diese Taktik machte sich beim ersten Treffer bezahlt. Nach einem schlampigen Rückpass von Alonso erläuft sich Vidal den Ball. Dieser passt sofort auf Sánchez, der den Ball zwischen zwei spanischen Spielern sofort wieder zu Vidal spielt. Sofort wurde auf den mitgelaufenen Aránguiz weitergespielt, der den Ball noch unter Bedrängnis zu Vargas passen kann. Mit einem tollen Hackentrick lässt er Casillas aussteigen und schießt im Fallen seine Mannen früh in Führung (20.). Wenn das chilenische Pressing umgangen wurde, dann ließen sich Isla und Mena in die Dreierkette hineinfallen und schufen somit eine Fünferkette. Die Doppelsechs wurde von den einrückenden Sánchez und Vidal unterstützt und vorne sollte Vargas als Anspielstation dienen. Man verteidigte also in einem 5-4-1, wobei selbst hier die Chilenen versuchten, die Iberer mittels tollem und hartnäckigem Spiel gegen den Ball weit nach hinten zu drängen. Generell waren die Südamerikaner bissiger in den Zweikämpfen und den Spaniern immer mindestens einen Schritt voraus, symbolhaft für das zweite Tor. Nach einem Freistoß faustet Casillas die Kugel wieder in den Strafraum. Die Mauer steht immer noch wie angewurzelt und Aránguiz kann unbedrängt das 2-0 schießen (43.).

Spaniens Problem des fehlenden Kollektivs

Teamchef Del Bosque veränderte seine Elf im Vergleich zum Spiel gegen die Niederlande auf zwei Positionen. Pedro ersetzte Xavi und Martínez sollte anstatt dem enttäuschenden Piqué für Ruhe in der spanischen Defensive sorgen. Dies schien anfangs allerdings nicht zu klappen. Schon in der ersten Minute hätten die Chilenen in Führung gehen können, jedoch wurde diese Chance aus aussichtsreicher Position im letzten Moment von den Spaniern noch vereitelt.

Auch die Spanier begannen schon früh in der chilenischen Hälfte zu pressen und den Spielaufbau zu stören. Da die chilenischen Akteure zu weit vorne standen, klappte diese Taktik auch und der Ball wurde mehrere Male erobert. Was allerdings danach produziert wurde, war wenig glänzend. Zu oft versuchten es die spanischen Offensivkräfte alleine – vom spanischen Tiki-Taka und schnellen, vertikalen Kurzpassspiel wie beim ersten Treffer der Chilenen war wenig bis überhaupt nichts zu sehen. Costas Sololauf nach Ballgewinn wurde schnell zunichte gemacht und das folgende Herumgestochere im Strafraum von Alonso und Silva zog nur eine Abseitsstellung nach sich (16′). Was den Spielaufbau betrifft, agierten die Spanier insgesamt zu langsam. Die Doppelsechs verschleppte viele günstige Momente für schnelle Konter. Beim wahrscheinlich pressing-resistentesten Spieler der Welt, Sergio Busquets, wurde das chilenische Pressing oftmals unwirksam, doch Alonso konnte mehrere Male der Ball abgenommen werden oder es war möglich, ihn zum Rückpass zu drängen. Deshalb sahen sich die Verteidiger der ‘Furja Roja’ des Öfteren gezwungen, das Mittelfeld zu überbrücken und den Ball lang nach vorne zu schlagen, in der Hoffnung, Costa könnte diesen Ball lange halten bzw. überhaupt bekommen.

Spanier drängen auf ein Tor – Chile abwartend

Del Bosque nahm zu Beginn der zweiten Halbzeit einen Wechsel vor. Koke kam für den blassen Alonso, was sich prompt auch auf die Leistung der spanischen Auswahl auswirkte. Der Mittelfeldakteur sorgte für mehr Vertikalität im spanischen Team und bot sich mehrere Male als Anspielstation an. Auffallend war nun, wie oft Costa und Silva die Positionen tauschten. Die Ursache dieses Umstandes war in einer Aktion besonders sichtbar. Silva sollte für Costa Lücken reißen, in die er dann hineinlaufen kann. Das klappte einmal nach Iniesta-Zuspiel, jedoch konnten die chilenischen Verteidiger gemeinsam diese gefährliche Aktion entschärfen (48). Die Spanier konnten sich auch um den chilenischen Sechzehner festbeißen – Zwingendes sprang dabei aber vorerst noch nicht heraus. Durch Standardsituationen kam man zu gefährlichen Chancen: Nach einem Fallrückzieher von Costa kommt Busquets vor dem Tor freistehend zum Ball – und vergibt kläglich (54.). Die Chilenen blieben aber bissig und erspielten sich ein paar gute Kontersituationen. Eine dieser Möglichkeiten vergibt der mitgelaufene Isla nach Diagonalpass vor dem Tor alleinstehend (68.). Das kollektive und anstrengende Verteidigen forderte allerdings mit Fortdauer des Spiels seinen Tribut. Die Chilenen pressten nicht mehr so stark nach vorne und die Abstände zwischen den Ketten wurden zunehmend größer. Iniesta konnte so einen Schuss unbedrängt abfeuern – Bravo hielt diesen allerdings sehr gut (84.). Danach kamen von den Spaniern nur mehr eine Reihe von Standardsituationen, die größtenteils ungefährlich waren. Ramos kommt nach einem Eckball noch an den Ball – ein chilenischer Spieler wirft sich aber in seinen Schuss (92.). Danach kam nichts mehr und das Ausscheiden der Iberer stand endgültig fest.

Die Leistungen der Barça-Spieler

Del Bosque setzte in diesem Spiel auf vier Barça-Akteure: Iniesta, Busquets, Alba und Pedro. Vorne versuchten Pedro und Iniesta für Unruhe in der chilenischen Defensive zu sorgen. Sie blieben in ihren Einzelaktionen allerdings zu oft stecken und waren letztendlich auch relativ harmlos. Zu ihrer Verteidigung muss vorgebracht werden, dass oftmals die nötige Unterstützung ausblieb und das Zweikampfverhalten der Chilenen vorbildlich war. Alba hielt sich mit seinen Offensivläufen dieses Mal etwas zurück. Er blieb, aufgrund des chilenischen Pressings, hinten, um als Anspielstation zu dienen. Offensiv war aber leider nichts zu sehen – eine der schlechteren Partien des Flügelflitzers. Busquets war aufgrund seiner Pressing-Resistenz eine Säule im spanischen Aufbauspiel. Seine Körpersprache wirkte aber selten zuversichtlich und motivierend und die vergebene Chance vor dem Tor alleinstehend war nur einer von sehr vielen Rückschlägen der Südeuropäer. Er konnte seinem Team nicht den nötigen Ruck geben, noch einmal etwas zu bewirken.

Auch Trainer Sampaoli bot einen Barça-Spieler in seiner Stammelf auf: Alexis Sánchez. Und was der chilenische Ausnahmespieler leistete, war schier unglaublich. Er war ein ständiger Unruhekörper für die spanische Defensiv, fügte sich gut in das Offensivkollektiv seiner Mannschaft ein und war im Pressing eine der tragenden Säulen. Es ist zu schade, dass er diese Qualitäten bei Barça (gezwungenermaßen) nicht ausspielen kann, denn diese Leistung war eine Eins mit Sternchen Wert.

Fazit

Fakt ist: Zum fünften Mal in der langen Historie der Weltmeisterschaften ist der Titelverteidiger in der Vorrunde gescheitert. Die Spanier konnten nur ein Tor erzielen – und das nach einem Elfmeter. Mit sieben Gegentoren kassierte man mehr als bei der letzten WM und EM zusammen. Das Tiki-Taka in dieser Form ist nicht mehr erfolgsbringend, ganz im Gegenteil – der Gegner profitiert davon. Die WM zeigt, dass der Ballbesitzfußball schon längst vom Pressing-Fußball überholt wurde und nicht mehr die tragende Rolle im Weltfußball sein wird, ein Umstand, den die Spanier anscheinend verschlafen haben. Der Umbruch muss her und das schnell. Talente wie Koke, Isco oder auch Thiago müssen schnell eingebaut werden – andernfalls werden die Iberer in der Zukunft nur mehr eine untergeordnete Rolle im Weltfußball spielen.

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

AKTUELLE USER-KOMMENTARE