FC Barcelona 0-3 Bayern München 01.05.2013

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Ich glaube, dass die Gründe für den deutlichen Einbruch in der Rückrunde wesentlich vielschichtiger sind, als es den Anschein hat. Im ersten Spiel des Jahres ist die Mannschaft über den Champions League-Viertelfinalisten und fast Halbfinalisten FC Málaga hinweggefegt wie ein Tornado. Málaga spielte gut, aber Barça war an diesem Tag schlicht überragend. Man sprach schon von dem Champions League-Sieg, „wer soll diese Mannschaft aufhalten“, hieß es. Danach ist irgendetwas passiert, das über die bloße Taktik, die nur ein untergeordneter Teil des Erfolgs ist, hinausgeht.

Ich denke, dass das Fehlen von Tito Vilanova deutliche Spuren hinterlassen hat, die sich bis in die Gegenwart hinziehen. Nach dem Málaga-Spiel fehlte vielleicht jemand, der sie auf den Boden zurückholt. Bei den ersten schlechten Darbietungen fehlte jemand, der ihnen Dampf macht. Ich denke, Tito fehlte an allen Ecken und Enden. Er stand zwar mit der Mannschaft in Verbindung, aber welche Verbindung mochte das schon sein – Smalltalk. Es fehlte jemand, der die Motivation aufrecht erhält, jemand, der Nuancen der Unzufriedenheit und des Überdrusses in den Gesichtern der Spieler erkennt und entsprechend interveniert. Das Trainerdasein ist eine Verflechtung von komplexen sozialen Beziehungen zu der Mannschaft als Ganzes und zu den einzelnen Spielern. Die Mannschaft auf 100% zu bekommen, ist ein Drahtseilakt.

Ich denke, während der Abwesenheit von Tito haben die Spieler nicht alles aus sich herausgeholt. Jetzt fehlen wichtige Prozente zum Maximalniveau, die binnen weniger Tage und Wochen nicht mehr aufzuholen sind und waren.