Francesc Fàbregas Soler

#490904

Interview mit Cesc in der MD übersetzt von Frederico aus einer Barcelona-Fangruppe. Freundlicherweise hat er mir gestattet, es hier zu posten.

Cesc: “Leo und Neymar werden sich gut
vertragen”

Cesc Fàbregas traf sich mit Mundo Deportivo im Hotel der Nationalmannschaft

MD: Sie haben in der Nationalmannschaft sowohl als Falsche 9, auf den Flügeln, und gegen Uruguay als
beweglicher Angreifer gespielt. Wo fühlen Sie sich am wohlsten?

Es stimmt, dass der Trainer mir an dem Tag die absolute Freiheit gab, aber wir werden noch sehen, wie es
jetzt weitergeht. Ob es mir gefällt? Ja, jedem Spieler würde das gefallen. Wenn man einen Spieler als Kind
fragt „Hör mal, auf welcher Position würdest du gerne spielen?“, dann sagt er „Als freie hängende Spitze“.
Das ist die Position, auf der du als Spieler am meisten Spaß am Fußball hast.

MD: Pedro sagte letztens, dass er vielleicht mehr Tore für Spanien schießt, weil er mehr Freiheiten hat.
Fühlen Sie sich hier auch freier?

Bei Barça wird viel Gewicht auf das Positionsspiel (Zonen-Spiel) gelegt, dort gibt es nicht diese Freiheiten.
Jeder hat seinen speziellen Raum auf dem Spielfeld und so wurde die letzten Jahre auch immer gespielt.
Bei mir war das z.B. so, dass ich mich erst daran anpassen musste. Ich kam von einer Art Fußball zu
spielen, die komplett anders war, wie immer wieder gesagt wurde, eine „anarchische“ Art des Spiels. Zu
Anfang wollte ich über die rechte Seite, dann über die linke Seite, und das darf nicht sein, weil du dadurch
die Mannschaft ins Wanken bringst. Auf der rechten Seite ist normalerweise ja schon Xavi, oder noch
weiter außen Pedro oder Alexis oder wer auch immer, auf der linken Seite ist Andrés…es gibt Bewegung
mit dem Ball, aber nicht ohne ihn. Aber jede Mannschaft spielt auf eine andere Art und man muss
versuchen, sich anzupassen.

MD: Hatten Sie in dieser Saison irgendwann den Eindruck, dass man Sie in Frage stellt?

Das sehe ich nicht so, für mich ist der Fußball ein Sport, in dem du anderen gefällst, oder auch nicht. Im
Endeffekt musst du einfach so spielen, wie du es kannst. Man kann nicht der ganzen Welt gefallen, nicht
mal die ganz Großen schaffen das. Schau dir den Basketball an, zum Beispiel LeBron James, einer der
größten Spieler der Geschichte. Es gibt Leute, man weiß nicht warum, denen gefällt er nicht. Im Fußball ist
das nicht anders. Ich komme immer aufs Spielfeld um zu kämpfen, um das Maximum zu geben. Ich weiß,
dass ich es noch besser machen kann, auch weiß ich, dass ich gute Spiele gemacht habe. Und durch die
konstruktive Kritik, die ich immer nach den Trainings mache und die ich auch mit nach Hause nehme,
versuche ich besser zu werden.

MD: Es wurde viel über Ihre Zukunft gesprochen, sogar über Ihre Rückkehr in die Premier League. Haben
Sie irgendwann einen Abschied von Barça ins Auge gefasst?

Nein, nein, zu keinem Zeitpunkt.

MD: Was mit Tito Vilanova passiert ist, hat Sie sehr belastet, vor allem in bestimmten Zeiten?

Als er ging, war die Mannschaft sehr gut eingespielt, wir waren gut drauf, wir hatten ein hohes Vertrauen in
uns. Wir gewannen alles, spielten gut, es schien so, als ob es nicht fehlen würde. Aber ob du willst oder
nicht, wenn du dann jeden Tag zum Training kommst, die Spiele machst, dich unterhältst….dann fehlt der
Macher, und das ist der Trainer, und dass geht dir sehr nah. Du glaubst, man braucht niemanden, wenn
alles rund läuft, aber sobald du ein schlechtes Spiel hattest, hast du die ersten kleinen Zweifel, und da
brauchst du dann doch den Trainer. Und der war nicht da. Es war nicht einfach, auch wegen der Sache mit
Abidal, es war ein Jahr, dass in puncto Gesundheit nicht schlimmer hätte sein können. Das nächste Jahr
muss alles besser werden, wir müssen stark sein und ganz sicher wird alles gut werden.

MD: Der schlimmste Moment war das Ausscheiden gegen Bayern München?

Wenn du mit insgesamt 7-0 verlierst, brauchst du nicht nach Ausreden suchen. Du musst es einfach so
akzeptieren, wie es ist. Dass es vielleicht ein bisschen übertrieben war, möglich, aber sie haben dich
verdient geschlagen. Man muss das dann abhaken und überlegen, was wir falsch gemacht haben, jeder für
sich und später dann mit dem Trainer mit allen anderen zusammen, denn ganz sicher hätten wir alle viel
mehr tun können, sowohl in Sachen Fußball, als auch in Sachen Wettbewerb. Nachdem man dem Gegner
gratuliert hat – und das haben wir getan – müssen wir jeder jeweils seinen Teil der Schuld herausfinden
und danach versuchen, besser zu werden. Was am Ende das Präsidium und der Trainer glauben, was
verändert werden muss, das ist deren Sache. Aber von Seiten der Spieler, muss jedem Einzelnen von uns
bewusst sein, dass wir nicht unsere Leistung gebracht haben, dass wir nicht auf unserem Niveau gespielt
haben. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

MD: Hatte man damit gerechnet, dass Valdés nicht verlängern würde?

Nein, ich hätte das nicht erwartet, aber das ist eine ganz persönliche Entscheidung. Wenn du dich so sehr
an einen Menschen gewöhnt hast, dann rechnest du einfach nicht damit. So viele Jahre haben wir jetzt
Víctor schon im Tor von Barça gesehen, dass man es sich einfach nicht ohne ihn vorstellen könnte. Ich war
überrascht, aber es ist eine ganz persönliche Entscheidung, und man muss dafür Verständnis haben.

MD: Wie haben Sie die Rückkehr von Abidal und seine spätere Entscheidung, nicht weiterzumachen,
erlebt?

Mit sehr viel Freude und mit sehr viel Traurigkeit. Einerseits freust du dich riesig, wenn du ihn wiedersiehst,
wenn du ihn im Training siehst, im Spiel, das war alles sehr emotional. Der Tag des Abschieds war auch
sehr emotional, aber auf die traurige Art, weil er ein sehr beeindruckender Kollege in den zwei Jahren war.
Ich habe sehr viel von ihm gelernt, und es tut mir in der Seele weh, ihn gehen zu sehen. Er ist ein sehr
wichtiger Mensch in dieser Mannschaft, in diesem Club, und solche Menschen vermisst man immer.

MD: Wird man Mourinho vermissen?

Das musst du Real Madrid fragen, er ist nicht unser Trainer. Davon abgesehen, müssen wir uns um unsere
Angelegenheiten kümmern, sonst nichts.

MD: Glauben Sie, dass jetzt die Madrid-Barça-Spiele friedlicher sein werden?

Ich weiß es nicht. Wir müssen stolz auf unsere Einstellung zum Fußball sein, die Pressekonferenzen, die
Art und Weise, wie wir uns auf und abseits des Spielfelds geben, wie wir immer versuchen, alles auf eine
professionelle und positive Art zu tun, mit gutem Beispiel vorangehen. Es bringt uns überhaupt nichts, auf
andere zu schauen, wir müssen uns um unsere eigenen Dinge kümmern. MD: Sie waren in der Premier League zeitgleich mit Ancelotti. Wie sind die Mannschaften vom nun
aktuellen Trainer von Real Madrid?
Das ist schon ein viele Jahre her, ich erinnere mich nicht. Aber als wir jetzt gegen PSG spielten, hatte man
den Eindruck, dass es eine Mannschaft sind, die gerne spielen, ziemlich gut kombinieren, mit sehr vielen
Spielanteilen im Mittelfeld und auf den Flügeln.

MD: Es gibt Leute, die behaupten dass Messi und Neymar nicht in derselben Kabine sein können…

Es sind auch Andrés, Xavi, Puyol und Dani Alves zusammen in der Kabine…und da sagt niemand etwas.
Alles hängt davon ab, was für ein Ego jeder Einzelne hat. Wenn Neymar mit der positiven Einstellung
kommt, die er in den Pressekonferenzen rüberbringt, mit der Bescheidenheit, die wir sehen, und mit der er
offenbar entschlossen ist, zu uns zu kommen, sehe ich da kein Problem. Mit Leo wird er sich gut
vertragen, weil Leo jemand ist, der super-entspannt ist, und der nicht gerne Konfrontationen mit anderen
sucht. Ich glaube, dass es immer von der Haltung desjenigen abhängt, der neu dazu kommt. Wir verstehen
uns untereinander alle phänomenal. Was ich bis jetzt von Neymar mitbekommen habe, den ich noch nicht
persönlich kennenlernen durfte, würde ich sagen, dass er ein super Junge ist, und ich glaube, er kommt zu
uns, um zu helfen, um sich zu beteiligen. Es wird kein Problem in irgendeiner Weise geben.

MD: Hast du Messi zu irgendeinem Zeitpunkt der Saison vermisst?

Wenn er nicht da ist, vermisst man ihn immer. Er ist der Beste in der Geschichte des Fußballs und immer
wirst du ihn vermissen. Auch wenn wir es uns nicht eingestehen wollen, manchmal muss man sich auch
andere Spielweisen ansehen, denn wenn er nicht dabei ist, muss man etwas tun. Die Sache ist die, in den
fünf Jahren, die Messi praktisch jede Partie gespielt hat, gewöhnt man sich daran, von ihm abhängig zu
sein, daran, dass er die Spiele entscheidet, dass er immer da ist…es wird immer schwerer, nach rechts
und nach links zu schauen, und festzustellen, dass Leo nicht da ist. Am Ende haben wir es, glaube ich,
ganz passabel gelöst. In den letzten Spielen waren wir gut und ab jetzt muss man die Saison spitzenmäßig
beginnen, und versuchen Verletzungen zu vermeiden, und dass Leo immer bei uns sein kann.

MD: Die letzte große Herausforderung, die dieser Nationalelf noch bleibt, ist gegen Brasilien zu spielen?

Mehr als eine Herausforderung, es ist die große Vorfreude, die Illusion der ganzen Nationalmannschaft, die
Illusion aller Spieler. Ich bin jetzt schon siebeneinhalb Jahre dabei, und es gab noch keine Möglichkeit,
gegen Brasilien zu spielen, und es wäre eine ganz besondere Freude: Wegen dem, was die Nationalelf von
Brasilien in der Fußballwelt darstellt, und wegen Brasilien überhaupt und auch wegen des ersten Mals.

MD: Wie würden sie erklären, was das Maracaná (Anm.: in Rio de Janeiro. 1950 gebaut, war es mit einem
Fassungsvermögen von bis zu 200.000 Zuschauern das größte der Welt) für einen Fußballspieler darstellt,
obwohl es umgebaut wurde?

Es ist ein tolles Gefühl, weil du weißt, dass es ein mythischer Ort ist. Ja, es wurde umgebaut, und vielleicht
ist es nicht das gleiche Gefühl, das man empfunden haben könnte, wenn man noch im alten Stadion
gespielt hätte. Das alte Stadion war sagenhaft und dieses hier erscheint schon mehr wie ein normales
Europapokal-Stadion, aber was sicher ist, ist die Tatsache, dass es über das alte Stadion gebaut wurde. Es
ist eine Freude, diesen mythischen Boden mit der Nationalmannschaft zu betreten, und wenigstens jetzt
sagen zu können, ich hab da einmal spielen dürfen.

MD: Die ganze Welt war über den Sportgeist von Tahiti erstaunt. Sie auch?

Das war wirklich erstaunlich, weil wir so etwas nicht oft sehen. Ihre Bescheidenheit, Ihre Lust zu spielen,
und uns kennenzulernen und eine gute Zeit zu haben, das vermittelte alles eine große Freude. Sie
beglückwünschten uns ständig und am Ende der Partie machten sie für uns den „Korridor“, und du fühltest
dich sogar ein bisschen schlecht, weil du dachtest „wir haben sie besiegt und sie machen das für uns, es
müsste anders herum sein“. Sie haben uns eine Lektion erteilt, wie man sich auf dem Spielfeld und abseits des Spielfelds benimmt, das war sehr angenehm und erfreulich. Wir haben von ihnen etwas gelernt, es war
eine Lektion in Sachen Bescheidenheit und Sportlichkeit.

MD: Wie verändert sich das Leben, wenn man Vater wird?

Es ändert sich, im Grunde denke ich jetzt bei allem was ich tue, an meine Tochter. Es verändert dein
Leben, weil es keine größere Verantwortung gibt, als eben diese. Ich bin begeistert, vermisse sie jetzt, aber
ich bin sehr glücklich.

MD: Zeigt man sich in der Kabine gegenseitig Fotos von den Kindern, und spricht man darüber, ob sie
schon sprechen können, oder ob sie dies oder das schon essen?

(Lachen) Weder spricht meine zurzeit, noch isst sie, nur den Nuckel und noch ein paar weitere Sachen. Sie
werden so schnell groß und manchmal zeigst du den anderen Bilder und sagst „schau mal hier, guck mal
wie groß“, vor allen Dingen jetzt gerade, wo ich sie fast 20 Tage nicht gesehen habe, und sie vermissen.