Variabilität – Wie viel tut dem Spiel gut?

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Leider bin ich gestern nicht mehr dazu gekommen euch meine Eindrücke zur Variabilität von Barca zu schreiben was ich nun nachhole. Dabei will ich aber zwischen der taktischen Variabilität und der personellen Variabilität Barcas unterscheiden.

Taktische Variabilität

In der taktischen Variabilität sehe ich Barca gut eingestellt. Dabei sind durchaus mehrere Varianten Barcas möglich. Einerseits kann man , wie im Spiel gegen Rayo gezeigt, den Ballbesitz ,, herschenken“, was dann aber dazu führt, dass der Gegner seine Defensivformation auflöst und so ein direktes und schnelles Spiel durch die Lücken zu Toren führen kann.
Dabei wird dann aber das Pressing eine maßgebliche Rolle spielen. Denn wenn man lange Zeit gegen eine Mannschaft spielen würde, die den Ball sehr gut halten kann, dann müsste Barca in der Defensive ständig reagieren und könnte nicht proaktiv agieren. Deswegen ist es eher unwahrscheinlich, dass Barca diese Spielweise in den Spielen in der Champions League bzw. in La Liga Topspielen anwendet.

Barcas Spiel kennzeichnete sich in den letzen Jahren immer durch einen relativ hohen Ballbesitzanteil. Dies sollte auch für die Zukunft immer die Spielweise Barcas bleiben, jedoch sollte auch unterschieden werden, wie gut man diesen Ballbesitz einsetzt.

Wenn man ständig den Ball durch die eigenen Reihen schiebt, dann macht ein hoher Ballbesitzanteil überhaupt keinen Sinn. Die gegnerische Mannschaft kann ihre Defensivformation konstant beibehalten und das Verschieben wird auch kein großes Problem darstellen. Die Räume können gut zugemacht werden und Barca findet sich in einer Situation wieder, wo es keinen Zug zum Tor gibt. Man könnte auch meinen, dass diese Spielweise Barca die Kontrolle über den Ball gibt, jedoch liegt die Kontrolle des Spiels immer noch beim Gegner, weil er Barca zu diesem Ballgeschiebe bringt. Dies war besonders in den Spielen gegen die Bayern zu sehen. Barca kontrollierte zwar den Ball, jedoch erzwangen die Bayern sich die Standardsituation, die Barca bekanntlich immer sehr wehtun, und man konnte durch ein direktes Spiel auf den Flügeln die zu weit aufgerückten Außenspieler Barcas leicht umgehen, weil diese ja weit aufrücken mussten, um den Ballbesitzanteil zu sichern.

Man muss diesen Ballbesitz vielmehr nutzen, um ein schnelles Kurzpassspiel zu vollziehen. Dabei sollte Zuspiele auf die Außen gespielt werden, damit man das Spiel in die Breite zieht. Dadurch öffnen sich Lücken bzw. Räume im Zwischenlinienraum. Wenn nun der Außenspieler schnell auf diese Situation reagiert, sofort zu einem besser positionierten Spieler passt, der dann schnell in die Lücke/Zwischenlinienraum einen Pass vollzieht, dann könnte dadurch eine durchaus gute Chance gelingen. Mit Spielern wie Messi, Pedro oder Neymar hätten wir super Spieler die schnell sind und diese Lochpässe auch nutzen könnten und auch den notwendigen Zug zum Tor besitzen.
Viele hier im Forum haben sich darüber aufgeregt, warum die Außenspieler, respektive Alves, immer in den Strafraum flanken. Nun, Barcas Spiel hat sich nie durch hohe Bälle ausgezeichnet, geschweige denn Flanken, aber vielleicht versucht Tata die Mannschaft auf etwas einzustellen, was in der Zukunft passieren wird: nämlich die Verpflichtung eines echten Neuners.
Auf der anderen Seite könnte man nun auch argumentieren, dass die Außenspieler durch ihre Flanken den Ball auf den zweiten Pfosten zu bringen, wo dann einer der Außenflügel bzw. der andere Außenverteidiger steht. Dabei fokussieren sich die Verteidiger nur auf den hohen Ball und achten nicht mehr auf den aufrückenden Spieler. Messi bearbeitet derweil die Innenverteidiger, die auch nicht ihre Positionen verlassen können.
Man muss dieser ,, möglichen Variante“ auch entgegensetzen, dass sie fast noch nie funktioniert hat bzw. man nie diese Variante richtig funktionieren gesehen hat.
Aber man könnte auch die oben genannte Variante für diese unnötigen Flanken verantwortlich machen. Die Mannschaft bzw. die Außenverteidiger verlieren absichtlich den Ball durch diese Flanken. Der Gegner löst dadurch sein Defensivformation auf und man kann durch gutes Pressing zum Torerfolg kommen. Sicher wäre das die wohl wahrscheinlichere Variante dieser ,, unnötigen“ Flanken.

Personelle Variabilität

Tata Martino hat es in dieser Saison durchaus nicht einfach. Er konnte bisher keine Veränderungen vornehmen, was die Personalien betrifft. Er muss nun versuchen aus dieser Mannschaft so viel herauszuholen, was möglich ist. Er muss seinen Plan, was diese Mannschaft betrifft, dem Spielermaterial anpassen, was er nun hat. Ich bin mir sicher, dass man erst nächste Saison die wahre Handschrift Tatas sehen kann. Zu der personellen Variabilität in dieser Saison haben wir aber auch schon viele interessante Varianten gesehen.

Die wohl auffälligste Veränderung ist, dass Messi viel öfter im Mittelfeld agiert bzw. auch schon als Rechtsaußen agiert hat. Im Spiel gegen Real haben wir die Mannschaft in einer Art 4-4-2 gesehen. Dabei haben sich Messi und Neymar in den Halbräumen positioniert. Damit waren das Zentrum quasi unbesetzt, womit Real aber überhaupt nicht gerechnet hat. Denn Real hatte das Zentrum besonders dicht gestaffelt, weil man mit einem Messi im Zentrum gerechnet hatte. Dem war nicht so. Damit war der Plan Reals zerstört und die Spieler im Zentrum mussten weit auseinanderrücken um Messi zu decken. Dadurch wurden aber Lücken in den Ketten frei, wo letzen Endes beim ersten Tor Neymar bespielt wurde und so auch das erste Tor entstand.

Die altbewährte Variante des 4-3-3 hat auch Tata diese Saison beibehalten. Dabei gibt es aber kein mehr so weites Aufrücken der Verteidiger. Sie halten sich mehr zurück und so haben unsere Außenflügel Pedro/Sanchez mit der nötigen Rückendeckung die Chance durch ihre guten Vorstöße mehr Torgefahr zu erzeugen.
Messi agiert in diesem System auch immer wieder als Mittelfeldspieler, um im Mittelfeld eine gewisse Überzahl zu schaffen und das Kurzpassspiel aufrecht zu erhalten. Messi übernahm damit auch oft die Rolle eines Zehners. Er avancierte durch hohe bzw. direkte Zuspiele auf die Außen zum Vorlagengeber, was dadurch kam, weil er im Mittelfeld grundsätzlich immer mehr Raum hat, als vorne.
Außerdem blüht unter Tata Cesc Fabregas richtig auf. Da dieser sich öfters etwas tiefer als Iniesta positioniert, hat er das Spiel quasi vor sich. Dabei sieht er oft offenen Räume, offene Lücken oder auch frei stehende Spieler. Auf einen Fabregas im Spiel kann man eigentlich nicht verzichten, da dieser das Spiel vorantreibt und dem Spiel auch eine gewisse Dynamik bzw. seinen Stempel aufdrückt.

Das Thema Fabregas bringt mich zum nächsten Thema, die allerneuste von Tata probierte Variante: nämlich einem 4-4-2, wo Iniesta als Linksaußen spielt. Im Gegensatz zum 4-4-2 von Spiel gegen Real agiert Messi hier nicht als Außen, dies tut nun Iniesta. Er soll dem Spiel eine nötige Breite geben, was aber wohl nur sporadisch getan werden soll. Die Hauptaufgabe Iniestas ist es zusammen mit Messi mit ihren unwiderstehlichen Techniken Spieler auf sich zu ziehen, damit andere Räume bekommen, wo ein Fabregas hineinpassen kann.
Am Anfang der Saison meinte Tata, dass man Busquets die Arbeit erleichtern müsste, da er bei gegnerischen Vorstößen oft das Nachsehen hat, weil er oft mit den Innenverteidiger in der Unterzahl steht. Ich glaube deswegen hat Tata Xavi in dieses System eingebaut. Xavi soll die nötige Ballkontrolle hinzugeben, damit diese gegnersichen Vorstöße überhaupt nicht einmal entstehen.
Busquets positioniert sich deshalb mehr in den linken Halbraum, da ja hier kein linker Flügel ist und die Gegner tendenziell hier vorstoßen würden, würde es zu einem Ballverlust kommen.
Durch diese Formation hätte man zwar die Spielkontrolle, jedoch beraubt man Barca dadurch seiner Offensivdynamik, die durch die drei Stürmer immer gegeben war.

Das wären nun die mir auffälligsten taktischen und personellen Varianten von Barca. Es bleibt nun abzuwarten mit welcher Tata in die heiße Phase der Saison startet. Jedoch würde ich den Fans und Culés raten, lieber auf die nächste Saison warten, da Tata erst da seine Vorstellungen in der Mannschaft umsetzen kann.