Barça – Finanzen

#521418
Roland
Teilnehmer
Grandoli Newells Barca wrote:

Im Grunde musst du dir merken, dass der bilanzielle Gewinn eine abstrakte, teils kalkulatorisch ermittelte, teils theoretisch hergeleitete Größe ist. Der bilanzielle Gewinn ist demnach nie, nie und nimmer, nie und nimmerer gleich dem Cash-Bestand oder Bankguthaben des Vereins.

Warum gibt es in der Bilanz Gewinne aus Transfers, wenn das Transfersaldo negativ ist ?

Dazu ein modellhaftes Beispiel. In der Saison 10/11 kaufte der FC Barcelona unter anderem David Villa für eine Ablösesumme von 40 Mio. EUR. In der gleichen Saison verkaufte Barcelona Yaya Touré für 30 Mio. EUR. Aus Vereinfachungsgründen stellen wir uns einfach vor, dass die Transferperiode nur aus diesen beiden Transfers bestanden hat und Barcelona auch sonst keinen anderen Aufwand und Ertrag hatte. Ein Model eben.

Wenn man nach dem bilanziellen Gewinn fragen würde, so liegt es nahe zu sagen, dass dieser bei -10 Mio. EUR liegt. (Villa für 40 gekauft, Yaya für 30 verkauft). Das ist aber nicht ganz richtig, denn das zeigt nur die Transferbilanz bzw. das Transfersaldo.

In der Bilanz wird sowohl der Verkauf wie auch der Kauf der Spieler anders bewertet.

Kauf Villa: In der Buchführung ist Villa ein immaterielles Wirtschaftsgut und dessen Anschaffungskosten (Ablösesumme) werden wie beispielsweise eine Maschine bei VW über die Nutzungsdauer (Vertragslänge) abgeschrieben. Er ist eine Investition und kein Aufwand. Sieht dann so aus: 40 Mio.. EUR / 5 Jahre Vertragslaufzeit = 8 Mio. EUR. Was bedeuten diese 8 Mio. EUR ? Das sind sogenannte Abschreibungen, die den Wertverlust durch Verschleiß bzw. die periodengerechte Belastung darstellen. Villa kostet in der Saison bloß 8 Mio. EUR – und auch in den nächsten 4 Jahren á 8 Mio. EUR.

Verkauf Toure: Toure ist auch ein immaterielles Wirtschaftsgut und wurde über die Laufzeit abgeschrieben. 9 Mio. EUR Ablöse / 5 Jahre Vertragsdauer = 1,8 Mio. EUR. Sein Erlös betrug 30 Mio. EUR. Allerdings gehen nicht die gesamten 30 Mio. EUR als Verkaufserlös in die Berechnung ein, sondern nur der Teil, der über die noch bestehenden Abschreibungsbedarf hinausgeht. Wie sieht das aus ? Toure war 3 Jahre bei uns tätig udn wurde demnach auch drei Mal abgeschrieben. 3 * 1,8 Mio. EUR = 5,4 Mio. EUR. Der restliche Abschreibungsbedarf ist demnach 9 Mio EUR Gesamtabschreibung – 5,4 Mio. EUR bereits bereits getätigte Abscheibungen = 3,6 Mio. EUR. Diese 3,6 Mio. EUR vermindern die Verkaufssumme von 30 Mio. EUR. In die Bilanz (GuV) fließen 26,4 Mio. EUR als Verkaufserlöse.

Transfersaldo: -40 (D. Villa) + 30 (Y. Touré) = – 10
Bilanz: – 8 (D. Villa) + 26,6 (Y. Touré) = + 18,6

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Die genauen Vertragslaufzeiten wusste ich nicht und habe deshalb einfach 5 Jahre bei beiden angenommen. Es geht hier ja auch nur ums Prinzip. Außerdem habe ich hier aus Vereinfachungsgründen Löhne/Gehälter weggelassen, nicht berücksichtigt, dass es auch andere Abschreibungslogiken gibt (also nicht linear aufgeteilt anhand der Jahre) etc. Das ist also eine sehr abgespeckte Variante, die das Zusammenwirken von Erlösen und Abschreibungen veranschaulichen soll.