Barcelona – Reiseberichte

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Anonym

Da ich mit Grandoli diesbezüglich vorher und auch jetzt etwas Kontakt hatte, hat er mich jetzt dazu gedrängt, auch in seinen Thread zu schreiben. Ich bin nämlich momentan auch auf einer Sprachreise in Barcelona unterwegs – vor einer Woche angekommen und bleibe noch 2 weitere. Aber bevor jemand was anderes spekuliert: ich muss danach auch aus Studiengründen und auch, weil dann mein Geld schon alle ist, zurück nach Deutschland und bleibe definitiv nicht länger als die besagten 3 Wochen :)

Wie ist es dazu gekommen? Wegen der Vorbereitung meines Staatsexamens (das erfolgreich lief) konnte ich das ganze Jahr nicht in den Urlaub o.ä. Da gleichzeitig meine Freunde entweder noch keine Examen hatten und wieder zur Uni müssen oder zum zweiten Teil mittlerweile sesshaft geworden sind und deshalb natürlich mit ihren Freundinnen anstatt mit mir verreisen, war ich auf mich allein gestellt. Und da ich schon länger mit dem Gedanken gespielt hatte, mal eine Sprachreise zu machen, war das der perfekte Zeitpunkt. An der Uni hab ich vor ca. einem Jahr nach Vorbereitung mit einer App einen fortgeschritten Spanisch-Kurs begonnen und hab mir damit schon ein paar Kenntnisse angeeignet. Dann war nur die Frage, was das Ziel ist. In Frage kamen für mich Teneriffa, weil man da einfach im November auch noch geniales Wetter hat, aber letztendlich war ich mir sicher, dass nur die zweite Möglichkeit, Barcelona, die richtige sein kann.

Dann bin ich vor einer Woche Sonntags aufgebrochen und kam nachmittags bei meiner Gastfamilie an. Fand diese Variante besser als eine Studentenunterkunft. Erstens bekommt man den katalanischen Alltag etwas besser mit und zweitens muss man sich nicht um eine warme Mahlzeit kümmern. Bisher hab ich leider nur den 64jährigen Rentner, der hier wohnt, etwas kennengelernt. Da hab ich aber echt Probleme, ihn zu verstehen, weil er sich rein gar keine Mühe gibt, langsam oder akzentfrei zu sprechen. Eigentlich hat er noch eine Tochter, die Krankenschwester ist, aber die hab ich erst 5 Sekunden gesehen und weiß bisher nur, dass sie immer auf Nachschicht ist, aber nicht, warum ich sie nie zu Gesicht bekomme :lol:

Die Schule an sich läuft relativ gut. Wurde nach dem Test in einen B2-Kurs eingestuft – zwar hab ich laut meiner Uni in Halle schon das Niveau, aber mir war klar, dass ich die Stufe nochmal machen werde, da ich aufgrund der kurzen Zeit, die ich lerne, auch in Deutschland gegenüber den anderen Studenten etwas zurückgeblieben war. Vor allem gibt es in der Schule Chinesen, Japaner, Brasilianer und auch Deutsche. Ich versuche, mich nicht zu erkennen zu geben, weil es mir nicht hilft, deutsch zu reden. Einmal war es aber etwas peinlich, als es am Ende rauskam, nachdem ich vorher so getan hab, als würde ich nichts verstehen :lol:

Das interessante spielt sich natürlich außerhalb der Schule ab. Gleich nach meiner Ankunft habe ich noch versucht, mich bei einem kleinen Spaziergang etwas zu orientieren, hab mich aber stattdessen einfach hoffnungslos verlaufen. Egal in welche Richtung ich geschaut habe, alles sah gleich aus. Am Ende hat mich eine Metrostation, ganz woanders, als ich dachte, wo ich bin, gerettet. Da mit der Orientierung klappt mittlerweile, zumindest in der Altstadt, ganz gut. Im Barri Gòtic kann ich anhand der größeren Straßen und Sehenswürdigkeiten ganz gut den richtigen Weg finden. Selbst wohne ich am Rand des Viertels Raval. Hier laufen manche unheimliche Gestalten rum und wir haben bei einer der Expeditionen auch gruselige Geschichten zu hören bekommen, aber in den nächsten Tagen sehe ich mich trotzdem mal etwas genauer um.

Apropos Expeditionen: Die sind echt genial gemacht. Es gibt nur 3 pro Woche, aber unser Führer gestaltet das echt interessant, selbst bei Themen wie Picasso, was mich eigentlich sonst wenig bis gar nicht interessieren würde. Außerdem hab ich da ein paar coole Leute kennengelernt, während ich mit denen aus meiner Klasse wenig anfangen kann. Daneben habe ich aber auch viel auf eigene Faust unternommen. In den ersten Tagen war ich extrem unternehmenslustig und wollte erstmal alles so schnell wie möglich kennen lernen. Jetzt mit Beginn der zweiten Woche bin ich etwas entspannter, wobei ich natürlich noch nicht alles gesehen habe, was ich sehen möchte. Besonders freue ich mich auf einen Trip zum Montserrat am kommenden Wochenende, der ziemlich beeindruckend sein soll. Hier mal ein paar erste Bilder:

In der Olympiaanlage, im Hintergrund das Stadion, das ja auch lange vom RCD Espanyol benutzt wurde

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Blick auf den Plaça d’Espanya

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Kann mich nicht entscheiden, was schöner ist. Einmal Blick von der Kathedrale auf dem Tibidabo im Rahmen einer der Exkursionen, der höchsten Erhebung Barcelonas mit gleichzeitig perfektem Rundumblick

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Oder nicht ganz so hoch vom Bunker del Carmel, wo ich auf eigenen Faust hin bin. Von hier wirkt alles viel näher und man sieht trotzdem die komplette Stadt. Ein ziemlicher Unterschied, kommt auf den Fotos aber wahrscheinlich nicht so rüber.

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Weitere Fotos sortiere ich zu Hause noch und reiche sie gegebenenfalls nach, wenn es sich lohnt.

Aber damit komm langsam ich zu einem ganz besonderen Highlight, das sich eher aus Zufall ergab. Am gesamten Wochenende war ich auf mich allein gestellt, da die Pläne der anderen nicht so mit meinen korreliert haben. Da Samstag der angesagte Regen ausblieb, bin ich mal zum Camp Nou gefahren. Ich war ja schon einmal drin und hab das Spiel gegen Betis im vergangenen Dezember gesehen. Und Stadiontour auch schon gemacht, ich wollte nur mal vorbeischauen, da ich leider kein Spiel sehen kann – die Heimspiele sind an meinem An- und Abreisewochenende und dazwischen halt Sevilla und FIFA-Pause. Das ist echt bitter. Nachdem ich mir noch eine Tasse als Andenken und das Iniesta-Buch gekauft hab und noch viel Zeit war, bin ich zur Tram-Haltestelle, um mir mal anzuschauen, was man von der Ciutat Esportiva sehen kann, wenn ich einmal in der „Nähe“ bin (ist ja schon noch ein Stückchen weg). Dort war ich überrascht, nachdem der Vordereingang hochsicherheitsmäßig verriegelt war und ebenso die Seiteneingänge, aus einem derer übrigens ein junger Spieler gerade raus kam, als ich vorbei lief, der Hintereingang komplett offen war. Ich hab damit gerechnet, dass nur Eltern und so da rein dürfen, aber mich hat der Wachmeister auch ganz freundlich reingewunken. Nachdem ich mir ein paar Trainingsplätze angeschaut habe, bin ich dann bei einem Spiel der Alevín A gelandet (also U12-Mannschaft)

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Eine Mutter musste immer ganz hysterisch rufen :lol: Insgesamt war es zwar sicher kein gutes Spiel, aber sehr interessant zu sehen, wie das dort bei den Spielen so abläuft. Am Ende haben die Eltern noch mit dem Trainer geredet und da es nur einen Ausgang gab, stand ich sogar unbeabsichtigt im Weg, sodass mich der Trainer, Marc Serra, zur Seite schieben musste. War auf jeden Fall alles sehr familiär, eigentlich kein Unterschied zu einem Spiel von Kindern in der Kreisklasse. Nun war dieser Moment aber noch anderweitig von Bedeutung für mich.

Denn eigentlich habe ich mir den Sonntag für Museen aufgehoben, da viele von diesen am ersten Sonntag jeden Monats gratis sind. Dem nationalen Kunstmuseum hab ich eine Chance gegeben. Eigentlich bin ich nicht interessiert in Kunst, aber das ist das meistbesuchte Museum Barcelonas. Es war aber todeslangweilig. Danach war ich noch in einem Geschichtsmuseum, konnte aber nur Antike bis ca. 1700 sehen. Danach bin rausgeflogen, weil entgegen meiner Informationen aus dem Internet der Eintritt doch nicht gratis ist und ich kein Ticket hatte. Zumindest hatte ich dann genug von Museen und wusste, dass um 16 Uhr auch die Frauen in der Ciutat Esportiva ein Ligaspiel haben. Und da ich nun einmal wusste, dass da jeder einfach hingehen, war das beschlossene Sache :) War dann nur noch kurz am Strand spazieren und bin dann hingefahren, obwohl ich eigentlich im Voraus den kommenden Mittwoch im Miniestadi (Champions League gegen Twente) für Barça Femení eingeplant hatte. Weil der geisteskranke Bus eine Stunde für die Fahrt durch die Stand gebraucht hat, war ich natürlich noch 5 Minuten zu spät.

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Das Spiel war dann eine klare Angelegenheit für Barça. Unsere Torhüterin war wirklich so gut wie nie im eigenen Strafraum :lol: und auch ohne die Bestbesetzung konnte Barça sich immer durchkombinieren. Der Platz war auch herrlich – vermutlich der beste dort, außer dem Trainingsplatz der Herren. Der Herren-Bereich ist aber komplett gesperrt. Besonders positiv sind mit Marta Unzué aufgefallen, die ihre Gegner genauso wegputzt wie ihr Onkel, Line Røddik und natürlich Alexia Putellas. Sie hat mich von ihrer Ausrichtung auf dem Feld und ihrer Spielweise etwas an Messi erinnert, auch wenn man die Bewegungsabläufe natürlich nicht vergleichen kann. Jenni und Barbara kamen dann rein, um das Spiel zu entscheiden, da hat sie einfach im defensiven Mittelfeld anstatt im Sturm gespielt. Wer sich interessiert, hier die Highlights.

https://www.youtube.com/watch?v=PlO5aw6Sn2Q

Nach dem Spiel gab es nur einen Weg zu den Umkleidekabinen und dort haben auch alle Leute gewartet. Ich hab mir eigentlich wenig Hoffnung gemacht und gedacht, dass die Spielerinnen einen gesonderten Weg gehen können. Aber sie sind gerade dorthin, wo alle gewartet haben (man muss dazu sagen, dass es nur ca. 100 Zuschauer gab :lol: ). Ein paar sind direkt verschwunden, aber der Großteil hat noch mit Freunden oder Familie geredet und ist auch für ein paar Fotos oder Autogramme stehengeblieben. Waren echt alle total freundlich und keineswegs genervt oder so. Am Ende kam mein großer Augenblick. Ich musste mich sehr konzentrieren, da mein Gehirn ein paar Funktionen verloren hatte, dass ich gleichzeitig das Handy richtig halte, den Auslöseknopf drücke und trotz der Konzentration nicht vergesse zu lächeln. Aber seht da:

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Danach war der Tag für mich gerettet und gewisse Leute auf der Straße haben mich vielleicht für gestört gehalten, weil ich anscheinend grundlos gegrinst habe. Aber es ging nicht anders. Ich schätze, ich bin auch ein bisschen verliebt. Ein zweites Bild mit Line ist wegen dem schlechten Licht nicht geglückt, aber das hat mich nicht weiter gestört :)

Eine Sache fällt mir noch ein. Wenn ihr ein paar Seiten zurückblättert, seht ihr, wie Adrian über den einen Professor und Leiter bei den Expeditionen, Raúl, geschrieben hat. Bis heute hab ich das nicht mit der Person, die ich kenne, in Verbindung gebracht. Raúl macht die Führungen und alles echt super, aber war sonst eher etwas verschlossen. Das erste Mal war er letze Woche etwas verwundert, als er erzählt hat, dass ein ehemaliger Barça-Präsident so viele Immobilien besitzt und auf meine Nachfrage hin, welcher, und er mit „Núñez“ geantwortet hat, ich nicht ahnungslos darauf reagiert habe. Da hatten wir dann schon kurz gequatscht und heute hab ich ihm das letzere Bild gezeigt und seitdem hat er zumindest Interesse daran, mehr zu erzählen. Klingt vielleicht nicht so spannend, aber es macht richtig Spaß, mit einem echten Katalanen und Culer über Messi zu schwärmen, die Liga zu analysieren und so weiter. Nichts gegen die Barça-Fans aus Deutschland und Co, aber das ist schon irgendwie etwas besonderes, mit jemandem von da, der alles noch viel näher verfolgt und miterlebt, über die Dinge zu sprechen :)

Nun denn, es ist jetzt viel zu lang geworden und ich muss ins Bett, damit ich morgen für die Schule wach bin. Hoffentlich ist es nicht langweilig, denn ich weiß selbst, dass ich kein guter Geschichtenerzähler bin.

Bis demnächst!