Camp Nou

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Arbeit in Spanien
Teilnehmer

Zurück aus Spanien mein Erfahrungsbericht zu einem Besuch in Camp Nou beim CL-Spiel Barca vs. Mönchengladbach

Vorab aber @el-burro
Im Flieger hatte ich etliche Gladbacher im gesetzten Alter, die immer noch entsetzt waren von der Organisation und Behandlung der Zuschauer am Gästeeingang des Camp Nou. Was ich gehört habe deckt sich komplett mit folgenden Artikel:

https://sports.vice.com/de_de/article/wie-gladbach-fans-in-barcelona-selber-eine-massenpanik-verhinderten?utm_source=sportsfbde&utm_medium=link

Ist das eine normale Sache in Barcelona und dient der Beschleunigung des Eintritts? Oder doch eher Schikane mit dem Risiko, daß Menschen unnötig zu Schaden kommen?

Ich hatte es da entspannter. Hier mein Bericht:

Mit viel Überredungskunst konnte ich einen spanischen Kollegen dazu überreden (und einladen) mit mir zum Spiel zu gehen. Die Kartenfrage war damit kein Problem und ich entschied für mich Karten mittig zwischen der Haupttribüne und dem Gästebereich im „vierten Stock“ (Block 416) für 48€ das Stück.

Um etwas von der Championsleagueatmosphäre mit zu bekommen bestand ich – sehr zum Unverständnis und Unwillen meines Kollegen – auf eine frühe Anreise, um beim Fantreff bzw. -marsch der Gladbacher vorbeizuschauen. Von einem Kaufhaus? gegenüber der Plaza Espana bot sich uns ein fantastisches Bild, als sich immer mehr Gladbacher im herrlichen Licht der Abenddämmerung auf der wirklich schönen Plaza versammelten und einstimmten.

Spontan entschlossen wir uns, dem Fanmarsch am Ende anzuschliessen und ein Stück weit mit durch die weihnachtlich beleuchteten Strassen zu laufen. Es war eine tolle, ausgelassene und absolut friedliche Atmosphäre.

Etwa auf halbem Weg setzten wir uns ab und mein Kollege führte mich zu einer netten Tapasbar, wo wir uns noch etwas stärken konnten. Danach ging es auf mein Drängen zum Stadion, wo wir gut 1 Stunde vor Spielbeginn eintrafen. Die Eingangskontrolle war schnell erledigt. Ohne jede Körperkontrolle bin ich schon ewig nicht mehr in ein Stadion gekommen.

Schnell die Stufen über den bröckelnden Beton nach oben und es bot sich endlich der erwartete Blick ins weite Rund. Zu meiner Überraschung war das Stadion nahezu menschenleer. Selbst der Gästeblock war nur gering gefüllt, obwohl wir diese Truppe .vor über ner Stunde verlassen hatten.

Langsam füllte sich der Block und zu Spielbeginn war er vielleicht zu 40% besetzt mit einer für mich komischen Zuschauerstruktur. Rd. ein Drittel waren gestrandete Gladbacher, die nicht so Recht wussten, wie sie sich verhalten sollten, ein Drittel waren vor sich hin murmelnde Spanier und das restliche Drittel asiatische Touristen mit ihren neuen Messitrikots, die in erster Linie damit beschäftigt waren Alles mit ihren Handys aufzunehmen.

Als das Spiel begann war das Stadion etwa zu zwei Drittel gefüllt. Barca ging durch Messi schnell in Führung und nach ungefähr 10 Minuten wechselten wir den Block weil ich das ständige Gefuchtel mit den Handysticks nicht mehr ertragen konnte (warum greifen da eigentlich nicht die Stewards ein, die sonst Alles reglementieren) und gingen direkt unmittelbar unter die Gästeblöcke. Hier waren dann überwiegend Gladbacher, die das grottenschlechte Auftreten ihrer Mannschaft zunehmend mit Galgenhumor ertrugen. Und über uns thronte die 5m hohe zerkratzte Plexiglaswand hinter die man die Gäste offiziell gesteckt hatte. So etwas hatte ich in meiner langen Fussballfanlaufbahn noch nicht gesehen.

In der Pause der Gang durch die Katakomben zur Toilette, wo sich lange Schlangen bildeten, da höchstens noch die Hälfte der Urinale funktionsfähig war. Uns so was bei einem Weltklub.

In der zweiten Halbzeit schoss Barca die Gladbacher dann ganz schnell ab und eine Viertelstunde vor Schluß schlossen wir uns dem Strom der nach Hause gehenden Zuschauer an.

Ich hatte auch genug gesehen:
Ein imposantes aber in weiten Teilen doch sehr marodes Stadion.
Ein extrem einseitiges Fußballspiel.
Ein bis auf die Gladbacher Anhänger und ein kleines Grüppchen Barcafans im Unterrang emotionsloses Publikum.

Fazit: Kann man mal machen, muss man aber nicht.