Juventus 3-0 FC Barcelona 11.04.17

#578304
rumbero
Teilnehmer

Die (Pep-) Revolution frisst ihre Kinder
Was wir jetzt erleben, ist letztlich der Fluch der Erfolge der Pep-Ära und der Methoden, mit denen sie erreicht wurden.

1) einige Spieler sind offenbar satt (Alba?), andere glauben, sie sind so überragend, dass 70 % manchmal reichen (Rakitić?), wieder andere wollen sich nicht mehr den Arsch aufreißen für Pokale, die sie schon mehrfach haben (Busquets?). Dass sie überhaupt die Motivation aufbrachten für CL-Titel Nr. 4, ist schon bewundernswert, das war es aber dann.

2) einige Weltklassespieler sind seit 10 Jahren Stamm und haben eine faktische Garantie, es bis zur Rente zu bleiben. Das hat uns viele Talente gekostet, die verliehen oder verschenkt wurden, weil sie nicht am Stammspieler vorbeikommen konnten. Das heißt aber auch, wir haben eine faktische Machtgruppe in der Mannschaft von Spielern, die seit 15 Jahren im Klub sind, und gegen die nichts geht.

3) Pep war ein autoritärer Trainer, der seinen Spieler bis ins Kleinste Vorschriften machte und die Umsetzung auch überprüfte. Das war gegenüber Rijkaards Lockerheit (=Vertrauen in die Reife seiner Spieler) in Sachen Effizienz und Spielkultur ein Fortschritt. Die Folge ist aber, dass einige unserer Pokalsammler es damals als junge Spieler nicht gelernt haben, sich selbstständig professionell zu verhalten. Man hört nichts über Luchos Führungsstil, aber ich vermute, dass er die Zügel nicht so anzieht, wie Guardiola. Das hatte sich ja auch bei Pep am Ende überlebt.

4) Einige Spieler galten schon bei Pep als lockere Vögel (Piqué, Alves), die permanenten Druck brauchen. Luchos Äußerungen von gestern waren gewissermaßen auch sein 2. Offenbarungseid (nach dem Rücktritt) in dieser Hinsicht. Seine Maßnahmen – Druck oder Motivationsansprachen/-tricks – funktionieren nicht mehr. Unzué hat offenbar auch nichts mehr in petto, ist aber als 2. Mann nicht so erschöpft.

5) Neue junge Spieler haben zu viel Respekt, um die Heroen mal zu kritisieren, werden aufgrund der Stimmung unter den Leadern (s.o.) schnell zu Mitläufern, die sich dem allgemeinen Phlegma anpassen.

Ich hoffe, dass sich ein Trainer findet, der sicher nicht Unzué heißen wird, der die Disziplin in der Mannschaft wieder herstellt (aktuelles Stichwort: Stellungsspiel ohne Ball). Aber das ist eigentlich eine nicht zu schaffende Herkulesaufgabe.