Juventus 3-0 FC Barcelona 11.04.17

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Es ist ein sehr bekanntes Muster, dass man in solchen Krisenphasen wieder einzelne Spieler herausnimmt und sie an den Pranger stellt. Medien und Fans wiegeln sich hier gegenseitig auf und versteigern sich in Dinge, die nicht vordergründig von Belang sind.

Wie ich bereits nach dem PSG-Debakel anmerkte ist es der Trainer, der sich am stärksten zu hinterfragen hat, wenn ein Spiel zwischen Teams auf (mehr oder weniger) Augenhöhe derart in die Hose geht. Die Spieler dürfen nicht aus der Kritik ausgeklammert werden (davon ist keine Rede!), aber am Ende ist es doch zu großen Teilen der Übungsleiter, der solche groben Aussetzer zu verantworten hat. Das weiß sicher auch Luis Enrique. Und in diesem Licht muss auch die (angebliche) Kritik an jenen Spielern betrachtet werden.

Ich persönlich wüsste nicht, weshalb jetzt ausgerechnet über Mascherano in Bezug auf ein mögliches Ende seiner Barça-Karriere debattiert werden müsste. Was die Leistung gegen Juve angeht kann man sich durchaus kritisch zeigen. Bedacht sollte hingegen werden, dass er trotz aller Bekundungen, er bevorzuge das defensive Mittelfeld, nicht auf seiner Position gespielt hat.

Auch wenn der Kader von Barça mit Sicherheit einige Fragezeichen aufwirft: bevor über einzelne Spieler diskutiert wird, müssen die zugrunde liegenden strukturellen Probleme angesprochen werden. Und da muss man Stand jetzt insbesondere die Politik des Präsidiums hinterfragen. Dort beginnt das Schlamassel, das sich auf alle untergeordneten Ebenen notgedrungen übertragen muss. Vordergründig fällt mir hier nur das Stichwort „Personalpolitik“ ein. Hier schließe ich ein: die Jugendarbeit, Integration von Eigengewächsen aus La Masia, Wahl des Trainers („Barça-DNA“), Wahl des Sportdirektors und weiteren wichtigen Posten, Vertragsverlängerungen, Kriterien für Spielerkäufe (Marketing, „Barça-DNA“), Spielerverkäufe, etc. Viele hier sind sich einig, dass sich diesbezüglich viele verheerende Entwicklungen abzeichnen. Und genau hier sind auch die Gründe für Negativentwicklungen zu suchen und zu finden. Langsam kippt das Gleichgewicht – nur die Klasse einiger einzigartigen Spieler im Kader kann vieles noch kaschieren. Der Pragmatismus von Lucho konnte das auch zwischendurch, aber die strukturellen Probleme sind besorgniserregender denn je.