FC Barcelona 3-2 Real Sociedad 15.04.17

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Ich möchte hier gar nicht Partei ergreifen – weder „pro-Gomes“ noch „contra-Gomes“ (Edit: doch, möchte ich, wie sich beim Schreiben herausstellte). Aber vielleicht hilft es dem ein oder anderen in seinen Denkprozessen einfach mal eine andere Perspektive einzunehmen.

Wenn ein Spieler bei einem gestandenen spanischen Erstligaverein zur Stammformation gehört und in Anbetracht seiner Leistungen von einem absoluten Topklub verpflichtet wird (im Gegensatz zu solch dubiosen Geschäften wie sie im Fall Douglas vorliegen), dort aber wie ein Zweitligakicker (Zusammenfassung der Sichtweise zahlreicher Beobachter) aussieht: Welche Gründe könnte es hierfür geben?

Für mich gibt es drei Optionen …

1) psychische Gründe: der Spieler leidet von Beginn an unter enormen psychischen Belastungen aufgrund der hohen Leistungserwartung
2) sportliche Gründe: der Spieler wird taktisch völlig falsch eingesetzt bzw. findet seinen Platz in der Mannschaft einfach nicht
3) individuelle sportliche Gründe: der Spieler besitzt eine (bei weitem) nicht hinreichende individuell-sportliche Klasse

Ein Teil der Anhängerschaft – ob dieser groß ist weiß ich nicht (in jedem Fall aber laut) – kommuniziert ganz eindeutig Option 3 als die einzig wahre. Die Gründe, weshalb das unwahrscheinlich ist sind offensichtlich. Um es kurz zu fassen: solche stark einseitigen und einfachen Erklärungsmuster treffen in Bereichen, in denen es um Menschen geht, äußerst selten zu.

Sehr viel wahrscheinlicher ist ein Mix aus mindestens zwei Varianten (die ich hier nur anskizziert habe und von denen es vll. noch weitere gibt).

Meine Meinung:

Wer ausschließlich meint, es handle sich im Falle André Gomes um Option 3 teilt die Welt gerne in Schwarz und Weiß. Das ist an sich höchst problematisch, soll hier aber nicht weiter Thema sein. Ich denke, bei Gomes handelt es sich um einen Mix aus den Varianten 1&2. Was wann genau und in welcher Intensität und Art und Weise zu den aktuellen Umständen führte, würde einer messerscharfen Analyse und Aufarbeitungen der Dinge bedürfen. Fest steht: sie verstärken sich wechselseitig und gewinnen so auch an Intensität. Was brauchen Spieler (Menschen) in solchen Phasen? Zuwendung, Stärkung und Unterstützung. In Form von Pfiffen geschieht das sicher nicht – das ist ein Armutszeugnis für jene, die sich daran beteiligen oder diese sogar initiieren.

Sollte jemand der Meinung sein, es handle sich um einen Mix aller genannten Varianten könnte ich das allerdings nachvollziehen. Dafür gibt es mit Sicherheit auch Argumente.