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Variabilität – Wie viel tut dem Spiel gut?

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  • #507216

    Leider bin ich gestern nicht mehr dazu gekommen euch meine Eindrücke zur Variabilität von Barca zu schreiben was ich nun nachhole. Dabei will ich aber zwischen der taktischen Variabilität und der personellen Variabilität Barcas unterscheiden.

    Taktische Variabilität

    In der taktischen Variabilität sehe ich Barca gut eingestellt. Dabei sind durchaus mehrere Varianten Barcas möglich. Einerseits kann man , wie im Spiel gegen Rayo gezeigt, den Ballbesitz ,, herschenken“, was dann aber dazu führt, dass der Gegner seine Defensivformation auflöst und so ein direktes und schnelles Spiel durch die Lücken zu Toren führen kann.
    Dabei wird dann aber das Pressing eine maßgebliche Rolle spielen. Denn wenn man lange Zeit gegen eine Mannschaft spielen würde, die den Ball sehr gut halten kann, dann müsste Barca in der Defensive ständig reagieren und könnte nicht proaktiv agieren. Deswegen ist es eher unwahrscheinlich, dass Barca diese Spielweise in den Spielen in der Champions League bzw. in La Liga Topspielen anwendet.

    Barcas Spiel kennzeichnete sich in den letzen Jahren immer durch einen relativ hohen Ballbesitzanteil. Dies sollte auch für die Zukunft immer die Spielweise Barcas bleiben, jedoch sollte auch unterschieden werden, wie gut man diesen Ballbesitz einsetzt.

    Wenn man ständig den Ball durch die eigenen Reihen schiebt, dann macht ein hoher Ballbesitzanteil überhaupt keinen Sinn. Die gegnerische Mannschaft kann ihre Defensivformation konstant beibehalten und das Verschieben wird auch kein großes Problem darstellen. Die Räume können gut zugemacht werden und Barca findet sich in einer Situation wieder, wo es keinen Zug zum Tor gibt. Man könnte auch meinen, dass diese Spielweise Barca die Kontrolle über den Ball gibt, jedoch liegt die Kontrolle des Spiels immer noch beim Gegner, weil er Barca zu diesem Ballgeschiebe bringt. Dies war besonders in den Spielen gegen die Bayern zu sehen. Barca kontrollierte zwar den Ball, jedoch erzwangen die Bayern sich die Standardsituation, die Barca bekanntlich immer sehr wehtun, und man konnte durch ein direktes Spiel auf den Flügeln die zu weit aufgerückten Außenspieler Barcas leicht umgehen, weil diese ja weit aufrücken mussten, um den Ballbesitzanteil zu sichern.

    Man muss diesen Ballbesitz vielmehr nutzen, um ein schnelles Kurzpassspiel zu vollziehen. Dabei sollte Zuspiele auf die Außen gespielt werden, damit man das Spiel in die Breite zieht. Dadurch öffnen sich Lücken bzw. Räume im Zwischenlinienraum. Wenn nun der Außenspieler schnell auf diese Situation reagiert, sofort zu einem besser positionierten Spieler passt, der dann schnell in die Lücke/Zwischenlinienraum einen Pass vollzieht, dann könnte dadurch eine durchaus gute Chance gelingen. Mit Spielern wie Messi, Pedro oder Neymar hätten wir super Spieler die schnell sind und diese Lochpässe auch nutzen könnten und auch den notwendigen Zug zum Tor besitzen.
    Viele hier im Forum haben sich darüber aufgeregt, warum die Außenspieler, respektive Alves, immer in den Strafraum flanken. Nun, Barcas Spiel hat sich nie durch hohe Bälle ausgezeichnet, geschweige denn Flanken, aber vielleicht versucht Tata die Mannschaft auf etwas einzustellen, was in der Zukunft passieren wird: nämlich die Verpflichtung eines echten Neuners.
    Auf der anderen Seite könnte man nun auch argumentieren, dass die Außenspieler durch ihre Flanken den Ball auf den zweiten Pfosten zu bringen, wo dann einer der Außenflügel bzw. der andere Außenverteidiger steht. Dabei fokussieren sich die Verteidiger nur auf den hohen Ball und achten nicht mehr auf den aufrückenden Spieler. Messi bearbeitet derweil die Innenverteidiger, die auch nicht ihre Positionen verlassen können.
    Man muss dieser ,, möglichen Variante“ auch entgegensetzen, dass sie fast noch nie funktioniert hat bzw. man nie diese Variante richtig funktionieren gesehen hat.
    Aber man könnte auch die oben genannte Variante für diese unnötigen Flanken verantwortlich machen. Die Mannschaft bzw. die Außenverteidiger verlieren absichtlich den Ball durch diese Flanken. Der Gegner löst dadurch sein Defensivformation auf und man kann durch gutes Pressing zum Torerfolg kommen. Sicher wäre das die wohl wahrscheinlichere Variante dieser ,, unnötigen“ Flanken.

    Personelle Variabilität

    Tata Martino hat es in dieser Saison durchaus nicht einfach. Er konnte bisher keine Veränderungen vornehmen, was die Personalien betrifft. Er muss nun versuchen aus dieser Mannschaft so viel herauszuholen, was möglich ist. Er muss seinen Plan, was diese Mannschaft betrifft, dem Spielermaterial anpassen, was er nun hat. Ich bin mir sicher, dass man erst nächste Saison die wahre Handschrift Tatas sehen kann. Zu der personellen Variabilität in dieser Saison haben wir aber auch schon viele interessante Varianten gesehen.

    Die wohl auffälligste Veränderung ist, dass Messi viel öfter im Mittelfeld agiert bzw. auch schon als Rechtsaußen agiert hat. Im Spiel gegen Real haben wir die Mannschaft in einer Art 4-4-2 gesehen. Dabei haben sich Messi und Neymar in den Halbräumen positioniert. Damit waren das Zentrum quasi unbesetzt, womit Real aber überhaupt nicht gerechnet hat. Denn Real hatte das Zentrum besonders dicht gestaffelt, weil man mit einem Messi im Zentrum gerechnet hatte. Dem war nicht so. Damit war der Plan Reals zerstört und die Spieler im Zentrum mussten weit auseinanderrücken um Messi zu decken. Dadurch wurden aber Lücken in den Ketten frei, wo letzen Endes beim ersten Tor Neymar bespielt wurde und so auch das erste Tor entstand.

    Die altbewährte Variante des 4-3-3 hat auch Tata diese Saison beibehalten. Dabei gibt es aber kein mehr so weites Aufrücken der Verteidiger. Sie halten sich mehr zurück und so haben unsere Außenflügel Pedro/Sanchez mit der nötigen Rückendeckung die Chance durch ihre guten Vorstöße mehr Torgefahr zu erzeugen.
    Messi agiert in diesem System auch immer wieder als Mittelfeldspieler, um im Mittelfeld eine gewisse Überzahl zu schaffen und das Kurzpassspiel aufrecht zu erhalten. Messi übernahm damit auch oft die Rolle eines Zehners. Er avancierte durch hohe bzw. direkte Zuspiele auf die Außen zum Vorlagengeber, was dadurch kam, weil er im Mittelfeld grundsätzlich immer mehr Raum hat, als vorne.
    Außerdem blüht unter Tata Cesc Fabregas richtig auf. Da dieser sich öfters etwas tiefer als Iniesta positioniert, hat er das Spiel quasi vor sich. Dabei sieht er oft offenen Räume, offene Lücken oder auch frei stehende Spieler. Auf einen Fabregas im Spiel kann man eigentlich nicht verzichten, da dieser das Spiel vorantreibt und dem Spiel auch eine gewisse Dynamik bzw. seinen Stempel aufdrückt.

    Das Thema Fabregas bringt mich zum nächsten Thema, die allerneuste von Tata probierte Variante: nämlich einem 4-4-2, wo Iniesta als Linksaußen spielt. Im Gegensatz zum 4-4-2 von Spiel gegen Real agiert Messi hier nicht als Außen, dies tut nun Iniesta. Er soll dem Spiel eine nötige Breite geben, was aber wohl nur sporadisch getan werden soll. Die Hauptaufgabe Iniestas ist es zusammen mit Messi mit ihren unwiderstehlichen Techniken Spieler auf sich zu ziehen, damit andere Räume bekommen, wo ein Fabregas hineinpassen kann.
    Am Anfang der Saison meinte Tata, dass man Busquets die Arbeit erleichtern müsste, da er bei gegnerischen Vorstößen oft das Nachsehen hat, weil er oft mit den Innenverteidiger in der Unterzahl steht. Ich glaube deswegen hat Tata Xavi in dieses System eingebaut. Xavi soll die nötige Ballkontrolle hinzugeben, damit diese gegnersichen Vorstöße überhaupt nicht einmal entstehen.
    Busquets positioniert sich deshalb mehr in den linken Halbraum, da ja hier kein linker Flügel ist und die Gegner tendenziell hier vorstoßen würden, würde es zu einem Ballverlust kommen.
    Durch diese Formation hätte man zwar die Spielkontrolle, jedoch beraubt man Barca dadurch seiner Offensivdynamik, die durch die drei Stürmer immer gegeben war.

    Das wären nun die mir auffälligsten taktischen und personellen Varianten von Barca. Es bleibt nun abzuwarten mit welcher Tata in die heiße Phase der Saison startet. Jedoch würde ich den Fans und Culés raten, lieber auf die nächste Saison warten, da Tata erst da seine Vorstellungen in der Mannschaft umsetzen kann.

    #507178

    Super Beitrag, Katelarga!

    In der ganzen Thematik um die Variabilität habe ich noch nicht darüber nachgedacht, wie es um die Barca-Variabilität steht. Dein Beitrag gibt mir den Anreiz jetzt mal über die variablen Spielweisen von Barca nachzudenken. Werde versuchen euch noch heute meine Eindrücke zu geben.

    #507170
    Kalelarga82
    Teilnehmer

    Sehr spannende und komplexe Thematik. Ich bin komplett eurer Meinung. Der mentale Aspekt, wie Barcelonitis11 schon erwähnt hatte, wird zu Recht genannt und ist ein wichtiger Bestandteil für die Umsätzung der Vielfältigkeit innerhalb eines Systems. Wenn man Worte wie mentale Stärke, Variabilität erwähnt, trifft das im Grunde genommen auf die Mannschaft des FC Bayern München zu.

    Pep Guardiola hat sehr viele Ideen, man muss es zugeben. Seine Spielphilosophie ist einzigartig und kommt einem nicht so schablonenhaft vor wie bei vielen anderen Trainern dieser Welt. Mir gefiel sein fluides System, als er noch bei uns tranierte wunderbar. Es fehlte vielleicht in den letzten Jahren noch ein zusätzlicher Spielertyp, aber ok…
    Der Mann hat sich nicht umsonst den Rekordmeister ausgesucht. Für seine Spielideen braucht er umso mehr Spielintelligente Leute und einen hohen IQ des gesamten Teams um eine gewisse Variabilität einzuimpfen.
    Und um diese Variabilität zu gewährleisten hat Pep eine Kader der seinesgleichen sucht. Man schaue sich nur die Bank an. Bei möglichen Spielerausfällen haben sie vorgesorgt und der Plan kann auf dem Papier weiter ausgeführt werden.

    Werde mich jetzt wahrscheinlich wiederholen. Die Dinge wurden vorher auch schon genannt, aber da hier noch nicht soviel gepostet wurde, noch einmal :-)
    Die Bayern sind noch nicht eingespielt und für zu viel Wechselspiel innerhalb eines Spiels sind sie noch nicht bereit. Aber Pep vertraut auf die Intelligenz seiner Spieler und will seine Philosophie durchziehen, unter anderem die Variabilität. Ich denke wenn er Pech hat und diese variable Spielweise zu hoch dosiert kann es schnell einen Rüchschlag geben.
    Es wird spannend zu verfolgen sein, wie er seine Mannschaft in der weiterfolgenden K.O.-Phase der CL diesbzgl. einstellen wird.
    Je nachdem welcher Gegner auf sein Team trifft, wird er sich schon seine Gedanken machen und es unter anderen nicht überstrapazieren.
    Ich schätze ihn sehr risikoreich ein, unter anderen möchte er immer mit seiner Mannschaft aggieren, nicht reagieren. Das gehört zu seiner Spielphilosophie. Jeder kleine Fehler, oder die falsche Einschätzung der Spielintelligenz in seiner Mannschaft im Laufe einer Partie, oder in anderen Worten: Wenn die Variabilität nicht reibungslos verläuft kann es auch total daneben gehen. Das wird spannend anzuschauen. In sowelchen Fällen muss der Trainer dann eingreifen und das Risiko zügeln und den „gameplan“ auf bekannte Muster reduzieren. Das könnte er tun, aber an das letzgenannte glaube ich eher weniger. Da er an seine Spieler glaubt wird er seinen Plan durchziehen wollen. Genau da liegt die Schwäche der Bayern in meinen Augen. Eine fremde Philosophie für die Bayern ist in so kurzer Zeit, zu viel auf einmal. Da nützen dir die intelligentesten Spieler nicht. Mmn ist dort der Knackpunkt.

    Was hat Barca in der Hinsicht zu bieten:

    Weniger. Aufgrund des Spielermaterials kann man nicht mehr von unserer Truppe erwarten. Ich denke wenn Tata ein, zwei Spieler mehr hätte, würde das schon ganz anders ausschauen. Er hätte viel mehr Möglichkeiten als im Moment. Werde jetz kurz auf ein paar Positionen verweisen, wo man in meinen Augen in diesem Moment flexibel innerhalb eines Spiel sein könnte.

    Sturm: (Verschiebung der Sturmreihen)

    Eigentlich kann man es hier variabel nennen. Vieles haben wir schon damals unter Pep gesehen und wurde von Tito weiter ausgeführt.
    Das Alves oft als RF aggiert ist keine Neuigkeit. Demnach verschiebt sich dann so einiges. Alexis macht den 9er, Messi lässst sich fallen und Pedro bleibt auf Links. Das ist ein altes und bekanntes Muster was ich mittlerweile auch nicht mehr so als variantenreich ansehe weil es die Gegner von Barca schon seit Jahren kennen. Sie stellen sich perfekt darauf ein.
    Das mit Iniesta auf dem Flügel (siehe City vs Barca) ist auch nicht neu.
    Mir gefällt aber die Variante indem sich Cesc und Messi jeweils als falsche 9 abwechseln und la pulga dann die Fäden im Mittelfeld ziehen kann. Hierbei kann dann auch wieder Alves den rechten Flügel beackern, was wiederum eine Verschiebung im Angriff verursacht.

    Was ich mir in Zukunft bei Tata wünsche:

    Wenn der Sturm so aussieht: Neymar – Messi – Alexis
    So wie ich es von links nach rechts aufgelistet habe ist die Standartvariante. Alexis kann im Laufe des Spiels die Position mit Neymar tauschen (Rochade).

    2. Variante:
    Alexis wechselt innerhalb des Spiels auf LA, Neymar übernimmt die Rolle der f9 und Messi weicht auf RA aus.

    3. Variante:
    Alexis spielt die 9, Messi auf RA und Neymar bleibt auf seiner Position des rechten Flügels.

    4. Variante:
    Neymar, Cesc, Alexis

    Bei der Variante 4 tauscht Messi wieder für eine Moment die Position mit seinem Kumpel Fabregas. Jetzt ist er wieder im Mittelfeld.

    Es gibt vielleicht noch einige Varianten die sich natürlich dann überschneiden. Aber diese gefallen mir hier wunderbar. Mit dem Spielermaterial was zur Zeit verfügbar ist würde ich mir sowas aufjeden Fall wünschen.

    Mit dieser Aufstellung Neymar, Messi, Alexis/Pedro ist vieles möglich und ich finde unser Spiel, wenn man so will schon variabel mit dieser Aufstellung.
    Der Gegner wüsste nicht ob er zwischen Raumverteidigung oder Mannverteidigung wechseln sollte…
    Da kann man den Gegner wirklich überraschen.
    In dieser Hinsicht finde ich uns viel eingespielter als die Bayern und sowas traue ich uns total zu. Könnte reibungloser Verlaufen als im Moment bei dem deutschen Rekordmeister. Spiel-IQ haben wir und das ich wichtig. Wir müssen nur unsere mentale Stäre wieder zurückgewinnen, das fehlt ein wenig aber bin guter Dinge. Ansonsten sehe ich was die Variabilität in unserem Team angeht, mehr Vorteile als Nachteile. Die Spieler kennen sich untereinander schon sehr lange und eine Neymar schätze ich aüsserst spielintelligent ein das sich vieles von selber ergeben könnte.
    Das ist natürlich die Offensive Sichtweise. Ob die Defensive mit dieser Flexibilität im Sturm Leben kann ist eine andere Frage. Das gilt es zu bessern. Einige Methoden gibt es ja dafür. Ich glaube das das möglich ist.

    Das waren so meine Ideen was unser Team angeht. Wollte ein bischen mehr ins Detail gehen damit man es besser vor Augen hat. Hoffe das ich nicht am Thema vorbeigeredet habe. :woohoo: :woohoo: :woohoo:

    #507100

    Danke Barcelonitis! Möchte sich noch jemand an diesem Thema beteiligen und seine Meinung kundgeben? Würde mich freuen :)

    #506511

    Erst einmal möchte ich sagen, dass es mich freut, dass ich tatsächlich jemanden mit meinem Beitrag zum Nachdenken gebracht habe. Dies ist sicherlich die beste Kritik für meinen Beitrag und zeigt mir, dass ich in Zukunft damit weitermachen sollte und auch werde.

    Nun zu deinen Fragen. Im Grunde genommen hast du alle wichtigen taktischen Vorteile der Variabilität genannt, da könnte ich jetzt nichts mehr hinzufügen.
    Als ich dann weiterdachte, bin ich dann auf etwas gekommen, was mir völlig entgangen ist: nämlich, dass es hier lediglich um Menschen handelt, die wir auf dem Spielfeld sehen, nicht Maschinen.

    Und dann habe ich gemerkt, dass Variabilität nicht nur taktische Vor- bzw. Nachteile hat, sondern auch mentale. Für eine gewisse Variabilität, die die Bayern aktuell gerade haben, braucht es ein großes Maß an Intelligenz, um sich all diese taktischen Veränderungen überhaupt zu merken. Was passiert nun wenn man mal nervös ist oder einen schlechten Tag erwischt. Das könnte zu Konzentrationsschwächen führen und anschließend zu Fehlern.
    Eine Mannschaft sollte grundsätzlich nie zu eindimensional auftreten, aber wenn man zu viele Varianten besitzt, die man eingelernt hat, dann könnte es doch leicht sein, dass man bei irgendeiner Variante etwas falsch macht. Und jeder Fehler wird von Topklubs sofort ausgenützt.

    Gleichzeitig bin ich aber dann darauf gekommen, dass Variabilität auch den Gegner mental zerstören und fordern kann. Wenn der Gegner in der Offensive ständig etwas neues zu bieten hat und man nicht aus dem Verteidigen rauskommt, dann sinkt die Konzentration, was anschließend zu Fehlern führen kann. Denn dieses ständige Verteidigen führt zu Frust und man wird ungeduldig, da man endlich aus dieser Situation rauskommen will. Da der Gegner immer etwas neues zu bieten hat, geht dies aber nicht. Und die nicht mehr vollständige Konzentration auf den Gegner führt auch zu Fehlern, die von Topklubs gnadenlos ausgenützt werden.

    Das heißt also, dass Variabilität sozusagen ein gewisser Drahtseilakt ist. Zu viel davon kann die eigene Konzentration verringern, zu wenig ließe das Spiel eindimensional erscheinen. Man muss also das richtige Maß an Variabilität finden, um den Gegner ständig zu bearbeiten und nicht zum Spielen kommen zu lassen.

    #474902

    Angeregt durch die Diskussion im Bayern-Thema habe ich mir in den letzten Stunden einige Gedanken zu dem Thema Variabilität im Spiel gemacht. Hierbei ist nicht die personelle, sondern die taktische Variabilität gemeint. Ich habe verschiedene Szenarios gedanklich durchgespielt und mir die Vor- und Nachteile eines variablen Spiels vergegenwärtigt. Im Vordergrund stand dabei die Frage, wann die Nachteile einer immer stärker werdenden Variabilität die Vorteile aufwiegen.

    Ausgangspunkt meiner Überlegungen war dabei natürlich das Spiel von den Bayern. Barcelonitis, der sich in unserem Forum scheinbar sehr gut eingelebt hat, hat im Bayern-Thema einige interessante Aspekte rund um das Bayern-Spiel aufgegriffen. Diese möchte ich an dieser Stelle kurz wiederholen:

    Bayern rotiert auf der Sechserposition. Mal baut Thiago das Spiel von hinten auf, dann auch mal Lahm, Kroos oder zwei Spieler. Die Flügel sichern die einrückenden Außenverteidiger ab. Mir ist noch Folgendes aufgefallen: Mandzukic lässt sich immer wieder auf die Flügel hinaustragen. Der rechte Flügel, im Spiel gegen den HSV Arjen Robben, verlässt häufig seine angestammte Position und orientiert sich ins Zentrum oder gar auf die gegenüberliegende Seite zu Götze(Ribéry). Wahrscheinlich kann man noch mehr variable Elemente im Spiel findet, wenn man das Spiel mal genauer verfolgen würde.

    Jedenfalls ist unverkennbar, dass die Bayern diesbezüglich einiges zu bieten haben. Ziel: Herstellung von Überzahlsituationen in Ballnähe. Optimierung des Gegenpressings. Bildung von Synergien zwischen spielstarken Spielern. Weiterhin würde ich sagen, dass das variable Spiel ein Angriff auf die moderne Erscheinung der Raumdeckung ist. Seit der Einführung der Raumdeckung ist es deutlich schwerer geworden, plötzliche Überzahlsituationen zu schaffen. Bei einem symmetrischen Spiel kommt es hauptsächlich auf die Klasse der Spieler und ihre Stärken im Zusammenspiel an. Der Gegner steht bei einer variabel agierenden Mannschaft vor einer großen Herausforderung: Wie sollte man diesem Spiel begegnen? Sollte derjenige Spieler, der sich von seiner angestammten Position entfernt, in Manndeckung genommen werden? Oder ist es besser, die Raumordnung beizubehalten und zu versuchen, die Variabilität taktisch aufzufangen?

    Das war jetzt ein kleines Brainstorming, jetzt seid ihr dran.

    Gibt es weitere Vorteile der Variabilität? Was sind die Nachteile dieser Spielweise? Ab welchem Punkt überwiegen die Nachteile die Vorteile? Wie beurteilt ihr in diesem Zusammenhang die Spielweise von Barça?

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