Brennpunkte | De Jongs Variabilität auf Kosten der Abwehr und ein aufblühender Dembélé

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Im La-Liga-Spiel gegen Real Valladolid wagte Ronald Koeman mit Frenkie de Jong ein kleines Experiment und setzte ihn variabel auf dem ganzen Spielfeld ein. Durch die Probleme in der Rückwärtsbewegung seiner Mannschaft änderte er dann wieder die Ausrichtung. Die Brennpunkte gegen Valladolid.

De Jong als Variable im Spiel 

Dass Frenkie de Jong für sein Spiel die Freiräume bekommt, die er benötigt, ist nicht erst seit Montagabend bekannt. Spielte er nominell als Sechser oder Achter, fällt der Niederländer gerne auch mal durch Tiefenläufe in Form eines Zehners oder einer hängenden Spitze auf. In anderen Situationen lässt er sich dann wiederum in die Abwehrkette zurückfallen und baut von dort aus das Spiel auf.

Gegen Real Valladolid wurde er erneut nominell als Abwehrchef der Dreierkette aufgestellt. Wie gewohnt hatte er jedoch auch hierbei seine Freiheiten, und auch wenn der niederländische Stratege aus der Abwehr heraus sonst immer in den Spielaufbau miteingebunden wird, so führte er diese Funktion gegen Valladolid noch einmal anders als sonst. Sobald der FC Barcelona in Ballbesitz war, veränderte sich nämlich die Grundordnung. Zwar wurde das Spiel aus einer Dreierkette heraus aufgebaut, doch sobald die Mittellinie mit dem Ball überquert wurde, rückte de Jong aus der Abwehr hervor und setzt sich im zentralen Mittelfeld fest. 

Durch seine Variabilität im Mittelfeld war de Jong immer anspielbar und für die Gäste schwer auszurechnen. Seine Präsenz im Mittelfeld sorgte dort stets für eine Überzahl.  Er war über die 90 Minuten nie abgemeldet, brachte 95 Prozent seiner Pässe an den Mann und hatte mit 110 die zweitmeisten Ballkontakte bei den Katalanen (nur Jordi Alba hatte mit 115 noch mehr). Er strahlte die Sicherheit aus, die es im passintensiven Spiel der Katalanen benötigt. Diese Qualität de Jongs wird auch mit Blick auf den anstehenden Clásico gegen Real Madrid ungemein wichtig sein. 

 

Mingueza und Lenglet allein gelassen 

Aus einer nominellen Dreierkette wurde durch die Freiheiten für Frenkie de Jong in der ersten Halbzeit streckenweise eine Zweierkette beziehungsweise unter Einbezug der Wingbacks eine Vierer- anstatt Fünferkette. Das dann verbleibende Innenverteidiger-Duo aus Oscar Mingueza und Clément Lenglet bildete die Absicherung, während die offensiven Außenverteidiger Sergiño Dest und Jordi Alba weiterhin sehr hoch standen. Barça hatte im Mittelfeld somit zwar einen Spieler mehr in Ballbesitz, konnte dies jedoch kaum einmal zu einem Vorteil ausnutzen. Vielmehr wurde es zum Problem für die Hintermannschaft, bestehend aus Mingueza und Lenglet, die nicht selten durch die Konter der Gäste gefordert und etwas allein gelassen wurde, da die Umschaltbewegung von Offensive zu Defensive an diesem Abend stellenweile überhaupt nicht zu funktionieren schien. 

Frenkie de Jong vernachlässigte somit seine defensive Pflichten. Dies, in Verbindung mit den hochstehenden Außenverteidiger, sorgte dafür, dass es Barça vor allem in der ersten Hälfte schwerfiel, die schnellen Gegenangriffe Valladolids zu verhindern, die nicht selten Gefahr ausstrahlten, wie beim Kopfball von Kenan Kodro in der 9. Spielminute, der nur den Querbalken traf. Auch in den darauffolgenden Minuten wurden die Gäste gefährlich, was dazu führte, dass Koeman nach der Pause umstellte.

Ab da war dann klar zu erkennen, dass de Jong von nun an seine Position im Mittelfeld bekleidete und die beiden Außenverteidiger wieder tiefer standen und mehr in die Defensive miteingebunden wurden. Dadurch gelang es dem Team, insgesamt wieder mehr Kontrolle über das Spiel zu bekommen und strukturierter zu verteidigen. Vor allem die defensive Grundordnung könnte im Clásico gegen Real von Bedeutung sein, das weiß auch Koeman, weshalb er wohl von seinem Experiment mit de Jong zurückwich. 

Dembélé blüht auf

Für das entschiedene Tor sorgte am Ende Ousmane Dembélé, einer der Spieler der Stunde im Team Koemans. Nach jahrelangen Anpassungs- und Verletzungsproblemen scheint der Franzose nun endlich seinen Platz bei den Katalanen gefunden zu haben.

In den vergangenen 24 Partien wirkte der Flügelspieler jedes Mal mit, 19-mal sogar von Beginn an. Zwar sind seine sechs Treffer und zwei Vorlagen in diesem Zeitraum noch ausbaufähig, doch immerhin erzielte Dembélé zwei dieser Tore in den vergangenen beiden Partien, bei Real Sociedad und nun gegen Real Valladolid – möglicherweise ein Zeichen, dass der Tor-Knoten nun ebenfalls geplatzt ist.

Es könnte die Kehrtwende seiner Karriere bei Barça sein, nachdem die Verantwortlichen den Franzosen vor einem halben Jahr noch gerne an Manchester United abgegeben hätten, soll nun sogar bald intensiv an einer Vertragsverlängerung gearbeitet werden. Diese aktuelle Rückrunde, sie ist nicht nur die Geschichte eines wiedererstarkten FC Barcelona, sondern auch die eines endlich aufblühenden Ousmane Dembélés.

 

Luis Manzi
Freier Sportjournalist
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