Ilaix Moriba: Barcelonas untypisches Mittelfeldtalent aus La Masia

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Der neueste Emporkömmling aus La Masia, Ilaix Moriba, ist als Mittelfeldspieler eher ungewöhnlich für einen Nachwuchsspieler des FC Barcelona. Aber gerade weil er anders ist und Barça-untypische Fähigkeiten mitbringt, steht der 18-Jährige bei Ronald Koeman hoch im Kurs.

Als Johan Cruyff Pep Guardiola in den Kader der ersten Mannschaft berief, rieben sich nicht wenige Beobachter die Augen: Dieser schlaksige Mittelfeldakteur soll gut genug für den großen FC Barcelona sein? Er war es und sollte den Weg ebnen für viele Spieler dieses Typus. Xavi Hernandez, Andres Iniesta oder Sergi Busquets folgten auf Pep und machten den Mittelfeldspieler aus La Masia weltberühmt und die Charakteristiken so typisch: Eher schmächtig gebaut, aufgrund seiner unzureichenden Physis wohl überall anders aussortiert, aber gleichzeitig eine hohe Spielintelligenz und eine Passfähigkeit besitzend, die in stundenlangen Rondos antrainiert wurde. Im aktuellen Kader entspricht Riqui Puig diesem Bild.

Der neueste La-Masia-Absolvent, der den Sprung in den Profikader geschafft hat, ist anders. Ilaix Moriba ist anders als die allermeisten anderen Mittelfeldspieler aus der Jugendschmiede der Blaugrana. Er ist untypisch für La Masia.

Guinea, Espanyol und 2010 nach La Masia

Der in Conakry, Guinea als Moriba Kourouma Kouruma geborene „Ilaix“ hatte immer auch diese körperliche Komponente im Spiel. Es waren auch die physischen Vorzüge, die den Barcelona-Verantwortlichen ins Auge stachen, als der Moriba bei Espanyol Barcelona spielte und dem Rivalen große Probleme bereitete: „Er war früher entwickelt als die anderen Spieler und hatte trotz seines angeborenen Talentes die Fähigkeit, auch destruktiv zu spielen“, beschreibt Oscar Hernandez, ehemaliger Nachwuchstrainer des FC Barcelona, den heute 18-Jährigen bei Bleacher Report. Für Hernandez und Co. war schnell klar, dass sie das Ausnahmetalent gerade wegen dieser nicht Barça-typischen Fähigkeiten verpflichten müssen. 2010 holte man ihn dann im Alter von sieben Jahren nach La Masia.

Box-to-Box-Spielweise als Unterscheidungsmerkmal

„Ilaix hat etwas, das ihn von anderen Mittelfeldspielern unterscheidet. Er hat Qualitäten, die andere nicht haben: Er ist ein Box-to-Box-Mittelfeldspieler, er ist gut vor dem Tor, kann Läufe mit dem Ball machen, ist aber auch kopfballstark und defensiv sehr aggressiv. Er ist ein sehr kompletter Spieler“, erklärt Hernandez.

Anhand der Charakteristik ist wenig verwunderlich, dass Ronald Koeman Moriba im Januar erstmals in den Profikader berief, war er doch von Anfang an auf der Suche nach eben jenem Box-to-Box-Mittelfeldspieler, der seinen Kader komplettiert. 

Moriba ging beim FC Barcelona nämlich nicht nur aufgrund seiner Frühentwicklung immer einen schnelleren Weg als seine Kollegen. 2010 als 7-Jähriger in U9-C gestartet, war er 2018/2019 schon Teil der Juvenil-A-Mannschaft, wo er zu ersten Youth-League Einsätzen kam. Auch wenn der Sohn einer Guineerin und eines Liberianers durch seine Körperlichkeit auffiel, würde eine Reduzierung darauf seinem Talent nicht entsprechen.

Moriba ist mehr als nur ein Zerstörer und Abräumer, er bringt nicht nur durch seine Ausbildung in La Masia auch viele Barça-typische Komponenten mit. „Er ist physisch sehr stark, aber er bringt auch eine hohe Spielintelligenz mit. Er ist nicht hier, weil er groß und stark ist, sondern weil er in jedem Aspekt des Spieles sehr gut ist“, streicht Denis Silva Puig bei Bleacher Report hervor, der den heute 1,85 Meter großen Moriba in der Juvenil A betreute.

Vergleiche mit Paul Pogba und Yaya Toure

Auf der Website des FC Barcelona wird er als “physischer Spieler mit großartigem Touch und Torinstinkt” beschrieben. Wegen seines Erscheinungsbilds bezeichnen ihn die Medien gerne als den „Paul Pogba aus La Masia“, andere sehen in ihm den ehemaligen Barcelona-Spieler Yaya Toure.

Er selbst eifert aber anderen Spielern nach: „Ich werde oft mit Pogba verglichen, aber wegen Iniesta und Busquets spiele ich im Mittelfeld“, erklärte Moriba bei Goal.com. Sein bis dato eindrucksvollstes Spiel lieferte er ausgerechnet gegen den Erzrivalen aus Madrid ab: Im August 2018 erzielte er bei einem 5:0-Erfolg gegen Real Madrid drei Tore. Schon als Teenager machte er auf sich aufmerksam, andere Vereine wurden hellhörig. Dass Moriba noch beim FC Barcelona spielt, war lange Zeit nicht sicher.

Moribas schneller Weg nach oben

Im Frühjahr 2019 sorgte eine Transferposse für Schlagzeilen und zahlreiche Vereine wie Manchester City oder Juventus Turin wollten den hochveranlagten Jungspund loseisen. Am Ende gelang es den Katalanen, das Talent an den Verein zu binden und statteten ihn mit einer Ausstiegsklausel von 100 Millionen aus. Angeblich soll er durch seinen neuen Vertrag zum bestbezahlten Jungprofi in Barcelonas Jugendakademie aufgestiegen sein.

Am Donnerstagabend feierte er beim Pokalspiel bei UE Cornella als frischgebackener 18-Jähriger sein Profidebüt beim FC Barcelona. “Das war das beste Geburtstagsgeschenk, das ich mir hätte wünschen können”, erklärte Ilaix Moriba nach dem hart erkämpften 2:0-Sieg nach Verlängerung in der Copa.

Was eine externe Lösung wie der im Sommer ablösefreie Gini Wijnaldum sein könnte, könnte mittelfristig nun auch der Youngster aus dem eigenen Nachwuchs werden: Jener Antreiber im zentralen Mittelfeld, der von Strafraum zu Strafraum rennt, das ganze Spielfeld beackert und eine Vielfalt an Fähigkeiten mitbringt – ganz so, wie es sich Koeman wünscht. Moriba könnte somit gleichzeitig auch der Wegbereiter für andere Spieler seiner Art beim FC Barcelona sein. So wie es Pep Guardiola 1990 war.

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