Kommentar | Keine Courage gegen Atlético: Barcelona hatte Angst vorm Verlieren

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Bei Betrachtung der Ausgangssituation und der Bedeutung des Spiels hatte man als Culé gehofft, dass der FC Barcelona alles reinwirft, um das Spiel gegen Atlético Madrid zu gewinnen. Insgesamt spielte Barça aber viel zu zögerlich und risikoarm – denn die Blaugrana hatte Angst vorm Verlieren. Ein Kommentar.

Grundsätzlich kann jedes Fußballspiel drei potentielle Spielausgänge haben: Sieg, Niederlage und Remis. Für den FC Barcelona war das im Heimspiel gegen Atlético Madrid etwas anders: In Bezug auf die spannende und knappe Tabellensituation in Spaniens Eliteklasse gab es für Barça daher im Grunde lediglich zwei Optionen: Sieg oder Niederlage – denn das Remis ist für Barça einer Niederlage im Kampf um den Titel gleichgekommen. 

Hätte man die Tabellensituation vorab nicht gekannt und das Spiel ohne Ton angeschaut, hätte man die Ausgangslage nicht erraten können – zu passiv, zu träge und letzten Endes auch mit zu wenig Risiko agierten die Katalanen im eigenen Wohnzimmer Camp Nou. Barça spielte so, als wäre das Remis ein gutes Resultat gewesen. 

Pedri, Dest, Ilaix und Co. noch inkonstant 

Es hatte den Anschein – und zwar nicht erst in dieser Partie – als gehe Barça im Saisonfinish die Luft aus. Während das Team um Kapitän Lionel Messi in den ersten drei Monaten des Jahres einen begeisternden Auftritt nach dem anderen hingelegt hat, landet die Mannschaft gerade in der entscheidenden Phase La Ligas auf dem harten Boden der Realität. 

Ja, in gewisser Weise konnte man eine gewisse Inkonstanz erwarten – es wäre extrem unfair, beispielsweise von einem 18-jährigen Pedri zu erwarten, dass er eine ganze Saison auf höchstem Niveau spielt. Dazu fehlt es ihm einfach noch an Erfahrung. Auch bei weiteren Spielern ist es ähnlich: Oscar Mingueza, Sergiño Dest – um nur wenige Beispiele zu nennen. 

Mit Sicherheit spielt dieser Aspekt eine Rolle, warum man gegen Atlético nicht das vollständige Leistungsniveau abrufen konnte. Dazu kommen Probleme, wie beispielsweise der fehlende Zielspieler, die sich schon durch die ganze Saison ziehen.

All das sind aber nur Teilaspekte, wenn man auf die Gesamtleistung der Mannschaft gegen Atlético blickt. Obwohl der FC Barcelona unter deutlich größerem Zugzwang stand, drückten die Rojiblancos dem Spiel in der ersten halben Stunde den Stempel auf. Barça wirkte zögerlich, abwartend, irgendwie auch sehr unsicher und unentschlossen.

Spielte Barça wirklich, um zu gewinnen? 

Man hatte das Gefühl, das Barça mit angezogener Handbremse spielte. Es machte nie den Anschein, als würde die Mannschaft des gesperrten Trainers Ronald Koeman ins Risiko gehen – obwohl es ein Endspiel um den Titel war. Auch die Auswechslungen und Reaktionen des Trainerteams waren für die Bedeutung des Spiels zu zögerlich: Erst in Minute 75. brachte man dann mit Ousmane Dembélé einen weiteren Offensivspieler – der Franzose hatte den Matchball auch noch auf dem Kopf, konnte ihn aber leider nicht verwandeln. 

Insgesamt hatte man das Gefühl, das Barça gespielt hat, um nicht zu verlieren – und nicht um zu gewinnen. Der absolute Wille, die Gier auf den Sieg, all das fehlte diesmal völlig. Dabei hat die Mannschaft in den letzten Monaten mehrfach aufgezeigt, dass sie Vollgasfußball spielen kann, wenn sie mit dem Rücken zur Wand steht. Beispielsweise bei den dramatischen Copa-Spielen gegen Granada und Sevilla.

Für die Bedeutung des Spiels gegen Atlético in dieser Ausgangssituation war das aber einfach zu wenig. Zu wenig Courage, zu wenig Risiko – und zu viel Angst vor dem Verlieren. So hat man eine Riesenchance auf die Meisterschaft vergeben, weil man ausgerechnet im großen Endspiel mutlos agierte.

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