Der seltsame Fall des Gerard Piqué

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Einst noch als einer der besten Innenverteidiger der Welt betitelt, nun nur noch reines Mittelmaß. Gerard Piqué erlebte seit seinem Wechsel im Jahre 2008 zum FC Barcelona einen stetigen Rückgang seiner fußballerischen Leistung. Aber nicht nur das. Unter Luis Enrique scheint der Innenverteidiger seinen absoluten Tiefpunkt erreicht zu haben. Zuletzt wurde der Innenverteidiger drei Mal in Folge vom Teamchef gar nicht berücksichtigt. Doch wie lässt sich dieses Phänomen erklären? Wird der 27-Jährige in einem nicht gerechtfertigten schlechten Licht dargestellt? Und sind es rein sportliche Gründe, die Enrique zu seinen Entscheidungen veranlassen?

Ich gehöre nicht einmal mehr zu den drei besten dieser Welt“, so lauteten die ersten Worte Piqués in der neuen Saison 2014/15. Der Innenverteidiger bezog sich dabei auf seine vorangegangene Saison mit teils sehr mäßigen Leistungen unter Trainer Gerardo Martino. Doch aktuell scheint es, dass der 27-Jährige nicht einmal zu den drei besten Innenverteidigern des FC Barcelona zählt. Mit Javier Mascherano sowie Jérémy Mathieu hat Enrique schon früh in dieser Spielzeit sein Stammduo in der Innenverteidigung gefunden. Doch nicht nur das. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall Mathieus ist Marc Bartra an dessen Stelle getreten und kann sich mit guten Leistungen auszeichnen. Wird der einst so unantastbare Piqué zum längerfristigen Problemfall in Barcelona?

Piqué in einer rein sportlichen Krise? – Nein!

Allein schon ein Blick auf die Statistiken gibt einen kleinen Aufschluss über die Leistungen Piqués in dieser Saison. Der Spanier besitzt in allen relevanten Bereichen bezüglich der Verteidigung recht passable Zahlen. Pro Spiel ist der Spieler für 1.3 Interceptions verantwortlich und liegt damit nur knapp hinter dem bisher souveränen Javier Mascherano. In der Statistik für Tackles rangiert Piqué zwar hinter seinen drei Mitstreitern, jedoch hält sich der Abstand zu Bartra und Mathieu in einem sehr überschaubaren Maße. Des Weiteren warf sich der Barça-Riese in durchschnittlich 0.7 Schüsse pro Spiel – damit ist er absolut gesehen Zweitbester in dieser Wertung. Aber in einem Bereich hält Piqué sogar die Spitzenposition, und zwar bei der Anzahl der Clearances. Mit 3.3 Clearances durchschnittlich in jedem Spiel lässt er seine Konkurrenten hinter sich liegen.

In all diesen Statistiken, die eine objektive und neutrale Bewertung eines Innenverteidigers ermöglichen, liegt der Katalane nicht allzu weit von seinen Mitspielern entfernt beziehungsweise kann sogar seine Mitkonkurrenten hinter sich lassen. Rein statistisch gesehen lässt sich demnach keine schlüssige Argumentation herleiten, warum Piqué von Enrique in dieser Weise nicht berücksichtigt wird. Die Gründe müssen daher in anderen Bereichen liegen.

Fehlende Einstellung sowie geistige Rückentwicklung

Wir schreiben die 34. Minute im Spiel gegen Real Madrid. Marcelo zieht in einer unnachahmlichen Manier an die Grundlinie und bringt die Kugel in den Strafraum. Allerdings rennen alle Stürmer in Richtung des Torhüters und lassen den Rückraum offen, der Ball wäre locker flockig durch den Strafraum gerollt und die Situation hätte sich geklärt – von wegen! Mit einer tollpatschigen Grätsche sorgt Piqué dafür, dass der Ball und sein Arm sich berühren und dem Schiedsrichter keine andere Wahl lassen, als einen Elfmeter zu geben. Real Madrid erzielt den Ausgleich und gewinnt darauf folgend dann auch die Partie.

Dies war lediglich eine von vielen Situationen, die eine der größten Schwächen des Spaniers aufdecken, nämlich konstant auftretende Schlampigkeiten in seinem Spiel. Häufiger treten derartige Unzulänglichkeiten im Zweikampfverhalten Piqués auf, was bei der hohen Positionierung und dem daraus resultierenden riesigen Raum in der eigenen Hälfte zu einem Debakel führen würde. Es ist deshalb nur allzu verständlich, dass Enrique dieses Risiko bei einem zweikampfschwachen Piqué nicht eingehen will.

Des Weiteren sind die teils unglaublich kindischen und infantilen Aktionen außerhalb und sogar innerhalb seines Arbeitsplatzes ein weiteres Indiz für die fehlende Seriosität und Professionalität Piqués beim FC Barcelona. Der Spanier verbüßte in den letzten Wochen mit Schlagzeilen – verbale Auseinandersetzungen mit der Polizei, Platzierung von Stinkbomben in Flugzeugen, Nutzung des Smartphones auf der Ersatzbank – einen großen Teil seiner sportlichen Integrität, sowohl bei Fans als auch bei Enrique. Es scheint, dass sich der einstige Weltklasse-Verteidiger in Benjamin-Button-Manier zurückentwickelt zu einem pubertierenden Jugendlichen.

Wie wird es nun weitergehen?

Zum Schluss bleibt nun die Frage übrig, wie es mit dem Innenverteidiger weitergehen wird. Der Spanier wurde in einigen Medienberichten mit Vereinen wie Manchester United in Verbindung gebracht. Zweifellos wäre ein Verkauf des Spielers mit Blick auf die drohende Transfersperre ein Schuss in den eigenen Ofen und würde die Problematik um fehlendes Personal in der Innenverteidigung neu aufkeimen lassen. Allerdings ist auch klar, dass ein Gerard Piqué in dieser physischen und mentalen Verfassung für den FC Barcelona nicht mehr tragbar ist. Der Innenverteidiger besitzt ohne Zweifel immer noch eine unglaublich hohe Klasse, was den spielerischen Aspekt in einer Partie anbelangt. Jedoch sind derartige Konzentrationsschwächen sowie exzessive Verstöße nicht mehr tolerierbar und werden von Enrique nun auch dementsprechend bestraft. Sollte sich Piqué nicht schon bald wieder auf das Wesentliche konzentrieren und seine privaten Angelegenheiten außen vor lassen, dann wird auch sein Nimbus des unumstrittenen Platzes im Verein irgendwann wanken.

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