Luis Suárez im Talk mit Gerard Piqué über Euphorie, Schuld und Heiligkeit (Teil 1/3)

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Luis Suárez befindet sich mit 28 Scorerpunkten in 35 Pflichtspielen endlich wieder in bestechender Form. Dass ‚El Pistolero‘ nicht nur sportlich aus allen Rohren feuern kann, sondern in der Vergangenheit auch verbal und physisch gegen seine Kontrahenten auf dem Platz ausgeteilt hat, ist kein Geheimnis. In seinem Interviewformat ‚The Players Tribune‘ hat Teamkollege Gerard Piqué den Werdegang des Vollblutstürmers im Nationaldress Uruguays aufgearbeitet, ohne dabei dessen Kehrseite, die mittelschweren Scharmützel am Rande der Legalität unerwähnt zu lassen. Im dreiteiligen Gespräch erfahrt ihr außerdem in welcher Statistik der ‚Uru‘ Leo Messi geschlagen hat, wieso ihm Piqué zum ersten Mal Gänsehaut beschert und wessen Wort er als heilig einstuft.

Internationale Anfänge

Gerard Piqué

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast.

Luis Suárez

Gerne!

P

Wir werden die Weltmeisterschaft und deine Karriere in der Nationalmannschaft besprechen, über die ich ein paar Nachforschungen angestellt habe. Um ehrlich zu sein, wäre es aber auch ein wenig zu viel verlangt, über deine Zeit bei Ajax und Liverpool zu recherchieren.

Ich war überrascht, als ich darauf gestoßen bin, dass du im Nationaldress debütiert hattest, kurz bevor wir während der U-20 WM 2007 in Kanada zum ersten Mal aufeinander trafen. Das war im Februar gegen Kolumbien. Erzähl mir mehr davon, immerhin bist du damals am Ende vom Platz geflogen. Bisher hatte ich keine Ahnung, dass das passiert ist.

S

Hahaha. Naja, wie soll ich sagen, das war nun mal mein erstes Jahr in Groningen… Ich konnte damals nicht mit Uruguay an der U-20-Fußball-Südamerikameisterschaft teilnehmen. Als ich dann aber bei Groningen begann, regelmäßig Tore zu schießen, wurde ich ins Nationalteam einberufen und kam zu meinem Debüt.

Da gab es diese Sache vor dem Spiel gegen die Kolumbianer – die Mannschaftskollegen erzählten mir, dass die Rückennummer 10 die einzig verfügbare Nummer wäre. Loco Abreu, unter dessen Obhut ich stand, riet mir davon ab, weil das Trikot Pech bringen würde, hahaha! Am Ende sollte er Recht behalten, ich gab mein Debüt und der Rest ist Geschichte.

P

Rote Karte, hahaha…

S

Ja, ja, ich meine, in meinem ersten Spiel gewannen wir immerhin 3:1 in Cúcuta gegen Kolumbien – es war also trotzdem eine sehr schöne Erfahrung.

P

Dann folgt die U-20-WM, mit dem Spiel, in dem wir uns beide mit einem 2:2-Unentschieden voneinander trennen. Damals machtest du kontinuierlich Fortschritte und warst von da an fester Bestandteil der Nationalelf.

S

Naja, ich war mir nicht im Klaren darüber, ob der Coach mich mit zur Copa America nehmen würde oder ob es für mich in Richtung U-20 gehen sollte. Sie entschieden sich für Zweiteres, wo ich mir auch selbst sicher war, Spielpraxis – unter anderem gegen euch (Spanien) – sammeln zu können. Ich erinnere mich, wie wir in dem Spiel mit einem Tor vorne lagen, bis ihr den Ausgleichstreffer erzielt habt. Es muss dann im September 2007 gewesen sein, als ich begann, mit der ersten Elf des Nationalteams zu spielen. Am meisten hat mich überrascht, dass ich bereits in den ersten Qualifikationsspielen in der Startelf stand.

P

Nach den Qualifikationen für die WM 2010 nahmst du an deiner ersten Weltmeisterschaft teil. Da gibt es sicher nostalgische Erinnerungen?

S

Ja. Ich glaube, während einer WM hast du immer ein Überraschungsteam dabei. Damals war das eben Uruguay. Es sollte sich alles zwischen uns und Ghana entscheiden und im Viertelfinale schafften wir es gegen sie im Elfmeterschießen zu bestehen. Ich ahne schon, dass du mich später auch auf den Handball ansprechen wirst, hahaha!

Es war eine spektakuläre Erfahrung. Wir gingen mit einer guten Form ins Halbfinale. Besonders Diego Forlán hat während der WM alles zerrissen. Es war der Wahnsinn, ich glaube, er war der Top-Star der Mannschaft. Für unsere Verhältnisse war das insgesamt eine überragende WM.

P

In der Gruppenphase ging es dann gegen Frankreich, das Spiel endete 0:0. Als Nächstes habt ihr Südafrika mit 3:0 geschlagen. Du erzielst das erste Tor, ihr gewinnt das nächste Spiel 1:0 und seid plötzlich Gruppensieger.

S

Ja.

P

Gegen Südkorea erzielst du dann zwei Tore und gewinnst 2:1, ehe dann im Viertelfinale, wie bereits erwähnt, Ghana wartet. Im Halbfinale warteten dann die Niederlande… auch das Spiel habe ich mir angeschaut…

S

Genau.

P

Ihr habt Offensivfußball praktiziert – das waren unglaublich viele Tore zu dieser Zeit.

S

Ja, und das kommt nicht von ungefähr. Das lässt sich jetzt im Nachhinein natürlich leicht sagen, aber wenn wir unseren Innenverteidiger Diego Lugano, den besten linken Außenverteidiger des Turniers, Jorge Fucile, und mich dabei gehabt hätten, wäre die Partie sicher anders ausgegangen.

Die Niederlande hatten schon ein wenig Glück. Dennoch war das 2:3 in Anbetracht der Umstände ein faires Ergebnis. Andererseits hatten wir die eine oder andere Chance, das Finale zu erreichen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob wir dieses dann gewonnen hätten. 

Die Hand des Urus

P

Erzähl mir, wie du dich nach dem Handball gegen Ghana im Viertelfinale gefühlt hast. Danach sah ich dich in der Umkleide, als du beobachtet hast, wie sie den Elfer vergeben haben…

S

Das war nicht in der Umkleide sondern im Spielertunnel.

P

Du warst im Tunnel der Umkleide. Da gibt es sogar ein Bild von dir, wie du den Moment zelebrierst, als der Ball gegen das Aluminium knallt.

S

Hahaha!

P

Was für ein Spiel – erst stoppst du den Ball ohne die Hand und dann landet sie doch am Ball.

S
Ja.

P

Es muss schon eine seltsame Sensation für dich gewesen sein, vom Feld zu fliegen und dann nicht am Halbfinale teilnehmen zu dürfen. Und trotzdem hast du dein Team gerettet.

S

Es war ein Auf und Ab der Gefühle. Ich war deprimiert und traurig über den Platzverweis. Auf der anderen Seite war es eben die einzige Möglichkeit, Ghana daran zu hindern, ein Tor in dieser Situation zu schießen. 30 Sekunden danach verspürte ich bei dem Elfmeter Zufriedenheit… Ich bin das Risiko in einem Moment eingegangen, für welchen ich aufgrund des unfairen Verhaltens bestraft wurde. Das Ghanas Schütze verschossen hat, ist jedoch nicht meine Schuld.

P

Auf keinen Fall.

S

Ich habe niemanden getreten oder Ähnliches, deshalb konnte ich es mir erlauben, in dem Maße zu jubeln. Und ich erinnere mich daran, dass ich das Ding mehr gefeiert habe als jedes selbstgeschossene Tor. Ein Mannschaftskollege, ist deswegen sogar auf der Ersatzbank in Ohnmacht gefallen, hahaha.

P

Hahaha. Im Ernst? Das wusste ich  nicht. Wer war das?

S

Castillo. Juan Castillo.

P
Er war ohnmächtig! Hahaha.

S

Er sagt, er wäre inmitten des Jubels nach dem Elfer ohnmächtig geworden. Ich rannte schreiend in die Umkleide, um mir das Elferschießen anzuschauen. Es war furchtbar. Ich sage dir, als El Loco Abreu zum Elfer antritt…

P

Er macht einen Panenka.

S
Ja, ja, ja. Er lupft den Ball. Wir alle schauten zu, was er tat. Plötzlich fingen alle zu rennen an. Wir hatten noch gar nicht realisiert, dass wir gewonnen hatten. Als ich auf das Feld rannte, war das einer der besten Momente im Trikot des Nationalteams.

Macht euch auf die nächsten beiden Teile dieses spannenden Interviews gefasst…

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