Luis Suárez im Talk mit Gerard Piqué über Euphorie, Schuld und Heiligkeit (Teil 2/3)

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Im ersten Abschnitt des Interviews zwischen Gerard Piqué und Luis Suárez haben wir die Anfänge des Urus in der Nationalmannschaft verfolgt sowie einen Blick auf dessen Torwartspiel gegen Ghana 2007 geworfen. Im zweiten Teil erfahrt ihr, welchen Wert die Copa America für Barças Offensivmann hat und wie er sich trotz des Spotts der englischen Presse aus einer Verletzungspause zur WM 2014 nach Brasilien kämpfte.

Meister Südamerikas

Piqué

Dann kam die Copa America 2011. Du hast da sogar ein passendes Tattoo… hahaha!… Ich scherze ja immer darüber, dass es der einzige Titel ist, den du dir stechen lassen hast… Hahaha!

Suárez

Du müsstest deinen kompletten Körper mit Tinte versehen, wenn du nach deinen Titeln gehen würdest.

P

Du hast in Argentinien ein perfektes Turnier gespielt. Du wurdest zum besten Spieler gekürt und beide Treffer gegen Peru im Halbfinale erzielt. Im Finale hast du ebenfalls getroffen… gegen…

S

… Paraguay.

P

Genau, das stimmt. Ihr habt 3:0 gewonnen, wenn ich richtig liege. Einen Titel mit Uruguay zu gewinnen muss für dich als Uru das ultimative Ding sein, oder?

S

Ja, dazu kam, dass Uruguay 1987 ebenfalls die Copa in Argentinien gewonnen hat. Argentinien in den K.O-Spielen zu schlagen hat uns einen massiven Boost gegeben. Sicher ein harter Schlag für Argentinien als Gastgeber. Und doch haben wir verdient gewonnen. Wir hatten keine schlechten Momente und als wir das Semifinale gegen Peru gewannen, sagten wir uns selbst, dass wir an einem guten Platz seien. Paraguay kam dann ins Finale. Sie absolvierten die letzten beiden Spiele über 120 Minuten und schafften es jeweils ins Shootout. Sie waren physisch erschöpft, auch das spielte uns in die Karten.

P

Mit El Tata?

S

Ja, mit El Tata. Das Stadion war gefüllt mit Uruguayern. Der beste Spieler des Turniers zu werden war ein Plus. Ich wäre auch fast Torschützenkönig geworden. Perus Paolo Guerro hatte einen Treffer mehr auf dem Torekonto.

P

Exakt.

S

Guerrero schoss im Spiel um Platz drei drei Tore.

P

Oh, wirklich? Das wusste ich nicht.

S

Ja, was das anging, war ich sehr aufmerksam – hahaha! Die Wahrheit ist, dass es ein unglaubliches Turnier war. Für mich als Uru hat es einen riesigen Wert.

WM-Kampf

P

Dann kam die WM 2014 und du bist mittlerweile der beste Spieler der Premier League. In der Gruppenphase bist du mit elf Toren Topscorer. Siehst du? Ich habe mich gut vorbereitet!

S

Ich habe Leo um ein Tor geschlagen. Mit einem Tor mehr!

P

Oh ja! Hahaha! Ich werde es ihm bei Gelegenheit mitteilen. Kurz vor der WM hast du eine Meniskusverletzung am Knie. Du bekommst eine Arthroskopie und schaffst es geradeso zurück. Du verpasst das erste Spiel gegen Costa Rica und die Mannschaft verliert. Als Nächstes stehst du gegen England und Italien, zwei starke Teams, aber wieder auf dem Rasen. Gegen England schießt du beide Tore.

Erzähl mir ein bisschen wie sich das angefühlt hat, immerhin kamst du damals gerade von einer Verletzungspause zurück. Es waren die Engländer, und wir haben gehört, wie sie im Vorfeld mit dir umgegangen sind. Ich kann mir vorstellen, dass du sie schlagen und eine Revanche wolltest, oder?

S

Das war eine schwierige Phase, weil ich mir die Verletzung erst im letzten Spiel zwischen Liverpool und Newcastle zugezogen hatte. Wir befanden uns mehr oder weniger im Titelkampf. Es war das letzte Spiel und City hatte die Meisterschaft bereits gewonnen… Es passierte in einem Zweikampf gegen einen Verteidiger. Ich spürte einen Schlag und das wars dann. Im Anschluss war ich für eine Woche im Urlaub. Ich weiß noch, wie ich hier in Barcelona war und dann ohne Beschwerden zum Training nach Uruguay flog und mich gut fühlte. Am zweiten Tag machte ich eine Bewegung im Training und spürte sofort einen Schmerz am Knie. Der Doc erklärte mir, dass es bereits eine vorherige Verletzung von einem früheren Schlag an meinem Knie gab. Das Ganze spielte sich am 20. Mai ab, ich hatte also weniger als einen Monat bis zum ersten Spiel Zeit. Zwischendurch hatte ich die Befürchtung, dass ich aufgrund einer Operation das Turnier verpassen würde.

In dem Moment halfen mir mein Optimismus und der Support meiner Familie… außerdem hatte ich großes Vertrauen in Uruguays Trainer, Walter Ferreira. Er sagte mir: ‚Mach dir keine Gedanken, du wirst es packen‘. Außerdem war ich mir nicht sicher, ob mich Manager El Maestro zur WM mitnehmen würde, falls ich für die ersten Spiele nicht einsatzbereit wäre. Die Wahrheit ist, dass ich in dieser Zeit sehr hart gearbeitet habe, um es zur WM zu schaffen. Im ersten Spiel saß ich auf der Bank, aber dickköpfig wie ich bin, habe ich mich selbst dazu entschieden mich warmzulaufen. Ich wollte unbedingt in das Spiel, koste es, was es wolle. El Maestro hatte zu keinem Zeitpunkt im Sinne mich einzuwechseln, aber Hauptsache, ich machte mich schon mal warm. (lacht)

P

Er hatte dich nicht im Kopf.

S

Weil ich nicht spielte, war ich richtig angefressen. Wir verloren das erste Spiel und in den Tagen vor dem England-Match gab ich alles, um spielfähig zu sein. Ich weiß noch, wie die Headlines in der englischen Presse lauteten, als meine Verletzung öffentlich gemacht wurde. Es waren die typischen Sprüche wie ‚Hoffentlich dauert die Genesung lange an‘. Gegen sie zu spielen und zwei Tore zu machen war der emotionalste Moment meiner Nationalmannschaftskarriere.

P

Du hast das zweite Tor mit dem Trainer gefeiert, oder?

S

Nein, das erste Tor. Viele Leute wissen nicht, dass er gerade von seinem Kampf gegen den Lymphkrebs zurückkam. Sechs Monate nach der WM ist er gestorben. Ich hab ihm immer gesagt, dass ich nur zur WM fahre, wenn er an meiner Seite ist. Das war eine wundervolle Geschichte, die wir beide da gemeinsam erlebt haben. Bis heute denke ich oft an den Moment.

Im letzten Teil des Interviews erfahrt ihr, wie Suárez heute über das Foul an Giorgio Chiellini denkt und welcher Mannschaft der Offensivstar die meisten Chancen bei der kommenden WM einräumt… 

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