Riqui Puig: Kurz ausgiebig freuen, dann Ruhe bewahren

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Im April dieses Jahres trainierte er erstmals mit Barças Profis, nun gab er knapp vier Monate später sein Debüt mit der ersten Mannschaft und dazwischen war er der gefeierte Star beim Sieg der Juvenil A in der UEFA Youth League. Zugegeben, das Jahr hätte für Riqui Puig schlechter verlaufen können. Der fast 19-jährige ist bei den Barça-Fans in aller Munde und ließ in beiden Spielen bei der USA-Tour seine Klasse aufblitzen. Viele Talente zerbrachen in der Vergangenheit daran, der nächste Messi, Iniesta oder Xavi zu sein. Bei Riqui ist das hoffentlich anders, aber damit kein Unglück passiert, sollte man vermutlich etwas auf die Euphorie-Bremse drücken.

Seit fünf Jahren in La Masia

Riqui Puig ist zwar nicht so lange in La Masia groß geworden wie beispielsweise Sergi Samper oder Gerard Deulofeu, aber wie man an den Karriereverläufen der beiden genannten sieht, ist die „Aufenthaltsdauer“ in La Masia keineswegs ein Freibrief für eine großartige Karriere. Während bei Samper theoretisch noch Hoffnung auf eine Barça-Karriere besteht, hat Gerard Deulofeu das Kapitel mit seinem Wechsel zu Watford diesen Sommer wohl endgültig abgeschlossen.

Der junge Ricard Puig, der liebevoll Riqui gerufen wird, hat dieses Kapitel keineswegs abgeschlossen. Ganz im Gegenteil, für ihn hat es gerade so richtig begonnen.

Der gebürtige Katalane aus Matadepera, einer Kleinstadt in der Provinz Barcelona, die knapp 10.000 Einwohner_innen beheimatet und ca. eine Autostunde vom Camp Nou entfernt liegt, begann seine fußballerische Karriere relativ „spät“. Erst im Alter von acht Jahren trat Puig seinem ersten Fußballverein, UFB Jàbac Terrassa, bei. Nach einiger Zeit sprachen sich seine Leistungen bis in die Metropole Barcelona herum und Barça, aber auch Espanyol, zeigten erstmals Interesse. Die Familie von Puig entschied sich aber, mit einem Wechsel noch etwas zu warten. Im Sommer 2013 war es dann soweit: Riqui wechselte, nachdem er im Mai erstmals mit Barça trainiert hatte, in die Jugend des FC Barcelona, wo er bei der Cadete B begann. Für seine Familie gab es bei diesem Karriereschritt aber fünf wichtige Bedingungen: Demut, Arbeit, Lernen, Spaß und gute schulische Leistungen.

Diesen Bedingungen Genüge tuend zeigte Riqui bald durch tolle Leistungen auf dem Platz auf. Besonders seine technische Beschlagenheit, gerade bei kurzen, schnellen, wendigen Bewegungen beeindruckten. Obwohl er sich gerne zurückfallen ließ war er vor dem Tor eiskalt und gerade sein letzter Pass hinterließ einen bleibenden Eindruck. Seine große Spielintelligenz verhalf ihm dabei, seine körperliche Unterlegenheit gut zu kaschieren. Man soll nicht vergessen: Riqui Puig begann ursprünglich als „falsche 9“, auch wenn er jetzt in der ersten Mannschaft immer im Mittelfeld zum Einsatz kam.

Der Star bei der UEFA Youth League

Nachdem seine Entwicklungskurve immer steil nach oben zeigte, hätte es in dieser Saison eine größere Überraschung geben können als dass er mit der Juvenil A in der Youth League aufzeigte. Puig ließ sich nun schon immer tiefer ins Mittelfeld zurückfallen und dirigierte das Spiel von dort aus. Er war einer der entscheidenden Faktoren für den Sieg in der Youth League und entwickelte sich dabei immer mehr zu einem Publikumsliebling. Zwischenzeitlich durfte er auch schon Luft bei der B-Mannschaft schnuppern und gab für diese sein Debüt beim 1:1 gegen Gimnàstic de Tarragona am 24. Februar dieses Jahres. Sowohl beim B-Team als auch in der Youth League musste Puig gegen Spieler antreten, die gefühlt doppelt so groß und doppelt so schwer waren wie er. Dabei wirkte er aber in keinster Weise verunsichert und versuchte immer, die Situation technisch zu lösen. Einige Eindrücke aus dieser Saison werdet ihr durch folgendes Video erhalten:

Für Barça entschieden

Nach seiner beeindruckenden Leistung in der vergangenen Saison sah es kurzzeitig so aus, als würde Barça sein Juwel verlieren. Tottenham war mehr als nur interessiert an den Diensten des 168 cm großen Mittelfeldspielers. Schlussendlich hörte Puig auf sein Herz und verlängerte bei den Katalanen bis 2021. Wer ihn nun von Barça loseisen möchte, der muss 100 Millionen Euro locker machen – zumindest in der Theorie – denn das ist Puigs Ausstiegsklausel.

Bei seiner Verlängerung gab Puig zu verstehen: „Wenn du von Barcelona bist, dann willst du ganz einfach nicht bei einem anderen Club erfolgreich sein. Du willst bei Barça erfolgreich sein. Du willst beim besten Club bleiben, wo alle von uns Culés glücklich sind. […] Hier lieben dich die Menschen. Du hast die Unterstützung von deinen Fans, deinen Teamkollegen und dem Board. Deshalb bin ich sehr glücklich, wie ich hier behandelt werde. […] Ich habe die Barça-DNA immer geliebt. Sie macht uns nicht nur zu besseren Fußballern, sondern auch zu besseren Menschen.“

Riqui Puig ist ab der Saison 2018/19 ein fester Bestandteil des B-Teams.

Das erste Team ruft

Durch die vielen langen Urlaubszeiten der WM-Starter kam für Riqui Puig im Sommer eine ganz besondere Chance. Er konnte mit dem ersten Team regelmäßig trainieren und nach überzeugenden Leistungen sogar mit ihm auf Tour fahren. Dabei genoss er unter anderem das Privileg, bei den Spielern aus dem A-Team am Esstisch zu sitzen, beim „Trainings-Rondo“ ebenfalls bei den Spielern der ersten Mannschaft zu verweilen und nach der Verletzung von André Gomes spielte er sogar einen beträchtlichen Teil der ersten Halbzeit mit der „Erstbesetzung“ von Ernesto Valverde. Diese Privilegien genoss kaum ein anderer B-Team-Spieler. Qualität scheint sich manchmal eben einfach durchzusetzen.

Warum wir trotzdem ruhig bleiben sollten

Die Ereignisse der letzten Tage und Wochen geben Grund zur Euphorie. Gerade in diesem Zusammenhang sollte man aber auf die Bremse treten. Puig ist mit seinen 55 Kilogramm noch weit von „Wettkampfniveau“ entfernt, auch wenn man alles andere als ein Schwergewicht sein muss, um bei Barça im Mittelfeld zum Zug zu kommen – bis vor kurzem war das zumindest immer so – sind 55 Kilogramm doch eine Vorgabe und unterstreichen Riquis Schmächtigkeit auch in Zahlen. Das sollte zwar keinen großen Grund zur Sorge geben, da man körperliche Nachteile in diesem jungen Alter leicht ausgleichen kann und auch Messi und Co. mit 19 alles andere als Schwergewichte waren. Dennoch ist es nicht so, als würde Puig jetzt ein Jahr bei der B-Mannschaft spielen und dann locker in die A-Mannschaft marschieren. Das kann nur Lionel Messi und dementsprechend sollte man das auch von niemandem erwarten.

Die Probleme bei Puig werden wohl kaum sein Körper und noch weniger sein Talent sein, sondern viel mehr die unfassbar großen Erwartungen, die man schon jetzt in ihn setzt, sein. Daran können junge Spieler, wie häufig erwähnt und häufig erlebt, gut und gerne zerbrechen. Bei Masia-Talenten hat man oft das Gefühl, dass einzig und allein darüber diskutiert wird, ob das jetzt der nächste Messi, Xavi, Iniesta oder doch vielleicht der nächste Busquets wird – oder am besten eine Kombination der Stärken von allen, die aber gleichzeitig auch keine Schwächen der genannten Spieler hat. Ja, auch die größte Barça-Generation aller Zeiten hatte kleinere Schwächen, so wie jeder Fußballer und jeder Mensch im Allgemeinen.

Culés sollten sich stattdessen darauf besinnen, dass Riqui Puig der nächste Puig wird – sein Vater war Linksverteidiger bei Terrassa FC – und dabei wohlgemerkt sein ganz eigenes Spiel bei Barça entwickelt und prägt. Es gibt keinen nächsten Busquets, keinen nächsten Xavi, keinen nächsten Iniesta und erst recht, und zwar mit hundertprozentiger Sicherheit, keinen nächsten Messi. Hoffen wir einfach darauf, dass wir in 15 Jahren dasselbe von Puig sagen können – und zwar nicht: „Er war wie <<Spieler hier einsetzen>>.“ – sondern viel mehr: „Es gibt keinen nächsten Puig.“

Aber als Mutmacher zum Schluss: Die Vorzeichen könnten schlechter stehen. Das Talent gepaart mit der Tatsache, dass Barças Mittelfeld nicht jünger wird und man hoffentlich die ganzen Experimente mit externen „Mittelklasse-Stars“ beiseite lässt, geben Grund zur Hoffnung, dass wir Riqui bald auf Dauer in Barças erster Mannschaft sehen dürfen. Aber Stand jetzt sollten wir einfach ruhig bleiben und ihm die Gelegenheit geben, sich in Ruhe zu entwickeln.

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