Vorzüge von Neymar und Arda Turan in der direkten Gegenüberstellung

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Der FC Barcelona kann sich glücklich schätzen: Mit Neymar und Arda Turan hat er zwei Spieler in seinen Reihen, die momentan beide in Hochform zu sein scheinen. In ihrem letzten Spiel konnten sowohl der türkische Nationalspieler als auch der brasilianische Dribbelkünstler eine großartige Leistung zeigen. Dementsprechend haben sich beide Akteure ihre Noten in unseren Spielerkritiken redlich verdient. Bekannterweise kann der „türkische Messi“ sein Potenzial aber nur abrufen, wenn er auf dem linken Flügel eingesetzt wird – das hat auch Luis Enrique mittlerweile eingesehen. Folglich drängt sich die Frage auf: Wie verteilt man die Einsatzminuten auf dieser Position? Zur Beantwortung dieser Frage bietet sich ein Vergleich zwischen beiden Spielern an. 

Der Vergleich soll nach Möglichkeit Erkenntnisse darüber liefern, ob Arda Turan irgendwelche Vorteile gegenüber Neymar bietet. Und wenn ja, worin bestehen diese? Bereits beim ersten Hinsehen fällt auf, dass beide auch gewisse Ähnlichkeiten aufweisen. So verfügen beide über eine exzellente Technik und sind dribbelstark. Beide machen das Spiel je nach Situation schnell oder verlangsamen es, um auf ihre Mitspieler zu warten und sodann Kombinationen zu starten. Das sind Eigenschaften, die gute Flügelspieler ausmachen. Daher ist es auch nicht verwunderlich, wenn sich beide hinsichtlich dieser Punkte ähneln. Somit muss man sich genauer und ausführlicher mit beiden Spielern befassen, um die obige Frage beantworten zu können. Beginnen wir mit einem Blick auf die Statistik.  

Arda Turan und Neymar im Zahlenvergleich   

Die Statistik ist in diesem Punkt sehr aufschlussreich. Zu erwähnen ist, dass die folgende Tabelle alle Wettbewerbe zusammenfasst. 

  Turan

Neymar
Spiele  21 23
Minuten 1265 2051
Tore 10 9
Vorlagen 6 15
Minuten pro Tor 127 228
Minuten pro Torbeteiligung 79 85

Die Zahlen zeigen, dass Neymar und Turan beide ungefähr gleich oft zum Einsatz kommen. Im Unterschied zu Arda spielt Neymar jedoch fast jedes Spiel über die volle Zeit durch, Turan kommt nur auf ungefähre 60 Einsatzminuten pro Spiel. Ferner zeigt die Statistik, dass Turan mit zehn geschossenen Toren in dieser Saison so torgefährlich ist wie in keiner der Spielzeiten zuvor. Doch auch als Vorbereiter agiert er durchaus mit Erfolg. Im Unterschied dazu schießt Neymar etwas weniger Tore als der Türke, bereitet aber mehr als doppelt so viele vor. Stellt man sich die Frage nach der Effizienz beider Spieler, gewinnt Turan eindeutig: Nur 127 Minuten braucht er für ein Tor, Neymar hingegen 228 Minuten. Bei den benötigten Minuten pro Torbeteiligung nähern sich beide Spieler stärker an. Die logische Konsequenz aus diesen Fakten wäre dennoch, Turan auf Grund seiner Effektivität vor Neymar aufzustellen. Denn Zahlen lügen schließlich nicht. Oder doch?

In diesem Fall ist die Aussagekraft der Tabelle zu relativieren. Die meisten Torbeteiligungen Turans ergeben sich aus Spielen, in denen der Gegner eher schwach war, so zum Beispiel der Hattrick Ardas gegen Mönchengladbach im letzten, nicht entscheidendem Spiel der Gruppenphase der Champions League. Neymar hingegen überzeugte auch gegen starke Gegner, so auch gegen Bilbao letzte Woche. Und bei aller Objektivität ist es dennoch beinahe schon überflüssig, wirkliche Argumente für Neymar vorzubringen. Sind beide Spieler in guter Verfassung, so ist Neymar deutlich der bessere von beiden. Sein Potenzial ist enorm, das hat Neymar in der Vergangenheit oft bewiesen und keiner der Titel unter Enrique wäre ohne ihn möglich gewesen. Auch wenn der Fokus in den Medien zu stark auf MSN gelegt wird, ist Neymar ein unverzichtbarer Spieler. Er kann Spiele entscheiden, und selbst wenn er in einigen Spielen hintereinander nicht überzeugt, kann er von einem Spiel aufs andere mit einer unglaublichen Vorstellung aufwarten und alle Meinungen umstimmen. 

Doch was ist mit dem Leistungsprinzip? Kann sich ein Spieler, der gute Leistungen zeigt, nicht berechtigte Hoffnungen auf einen Startelfeinsatz machen? Grundsätzlich ja. Aber das Leistunsgprinzip besagt auch, dass man besser sein muss als alle anderen, die um denselben Platz konkurrieren. Und Arda ist nicht besser als Neymar. Dennoch ist er ein großartiger Spieler und ihn nicht zu berücksichtigen, wäre sehr schade. Um ihm dennoch genug Einsatzmöglichkeiten zu geben, gibt es mehrere Möglichkeiten: Erstens kann man Turan wie bisher in den Spielen aufstellen, in denen Neymar eine Pause braucht oder der Gegner nicht so stark ist. Das sind die Einsätze, die für einen Backup-Spieler bestimmt sind. Aber Turan ist zu gut für einen Backup und mit ihm hat Barcelona den Vorteil, taktisch variabel zu agieren. Wie könnte das aussehen?

Turan und Neymar zur gleichen Zeit für mehr Durchschlagskraft   

In dieser Saison kam beim FC Barcelona eine Formation zum Einsatz, die man bei Barça schon öfter gesehen hat, das 3-4-3. In der Regel spielt dann Jordi Alba im linken Mittelfeld. Diese Position könnte auch von Arda besetzt werden. Einer seiner Vorteile im Vergleich zu Neymar ist seine kämpferische Einstellung und Laufbereitschaft sowohl nach vorne als auch nach hinten. Natürlich gibt es Spiele, in denen auch Neymar mit seinem Beitrag zur Defensive auffällt. Doch dies ist nicht unbedingt die Regel. Somit bietet diese Formation den großen Vorteil, Neymar und Arda gleichzeitig spielen lassen zu können, ohne den Türken im zentralen Mittelfeld aufstellen zu müssen, wo er grundsätzlich nicht überzeugt. Ferner hätte man auf der linken Außenbahn zwei Spieler, die gut miteinander kombinieren könnten. Dies ist bei dem Duo Alba-Neymar meistens nicht der Fall. Somit böte dieses System noch mehr Durchschlagskraft auf der linken Außenbahn. 

Abgesehen von der Einbindung Turans bietet dieses System aber auch den Vorteil, dass man drei Verteidiger aufstellen kann. Jetzt, wo man Umtiti in den eigenen Reihen hat, kann man zusammen mit Pique und Mascherano auf eine starke Verteidigung setzen und würde nicht allzu viel riskieren, wenn man alle drei aufstellt. Hinzu kommt, dass im Mittelfeld beispielsweise auch Rafinha für die rechte Seite zum Einsatz kommen könnte. Grundsätzlich bietet das 3-4-3 viele Vorteile, die dank des Kaders von Barça gut ausgenutzt werden können. MIt dieser Formation kann man den Gegner überraschen und selbst wenn es einem auf Grund der heiklen Situation in der Liga doch zu riskant ist, kann man es beispielsweise in einem der beiden Spiele in der Champions League oder der Copa del Rey nutzen.

Abschließend lässt sich sagen, dass der Vergleich zwischen den beiden Offensivakteuren wohl immer zugunsten des Brasilianers ausfallen wird. Doch das heißt nicht, dass Turan schlecht ist. Im Gegenteil, er ist ein großartiger Spieler und stünde in vielen europäischen Topmannschaften in der Stammelf. Seine Situation ist ansatzweise vergleichbar mit der von Aleix Vidal – beide sind gut, aber einfach nicht gut genug, um ihre jeweiligen direkten Konkurrenten um einen Stammplatz zu übertreffen. Kommen wir nun auf die in der Überschrift aufgeworfene Frage zurück: Der einzige augenscheinliche Vorteil ist Ardas großer Beitrag zur Defensive. Doch vielleicht sollte man die Frage erweitern und danach fragen, welche Vorteile er für die gesamte Mannschaft bietet. Mit Turan hat man einen Spieler, der es erlaubt, taktisch unterschiedlich zu agieren und somit für Gefahr zu sorgen. Am Trainer liegt es nun – oder seit langem -, diesen Umstand auszunutzen.  

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