Xavi: „Ich denke, dass Barça geschlafen hat“

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Am vergangenen Dienstag traf sich Barcelonas Mittelfeld-Legende Xavi Hernández mit Martí Perarnau von The Tactical Room zu einem sehr ausführlichen Interview. In der Fragerunde ging es vor allem um Ex-Coach Pep Guardiola und seine legendäre Mannschaft, aber unter anderem auch die schwächelnde Einbindung von Jugendspielern bei Barça, die Brillanz Leo Messis und Xavis persönliche Pläne, Barça-Trainer zu werden, waren Thema.

Xavi über …

… eine mögliche Abweichung Barças von der eigenen Philosophie:

„Generell denke ich, dass wir ein wenig geschlafen haben. Ich glaube, die Leute haben sich gedacht: »Ab jetzt kommen immer neue Spieler nach und alles läuft gut. Wir haben sicher jedes Jahr zwei neue La Masia-Absolventen, die es schaffen werden.« Aber es ist nicht so, so läuft es nicht. Ich habe (in der Akademie) nicht gelernt, in der ersten Mannschaft zu spielen. Ich habe gelernt, im Infantil-Team, in der Cadete und der Juvenil zu spielen, weil ich Joan Vilá als Trainer hatte. Dieser war sehr anspruchsvoll, im positivsten Sinne. Anspruchsvoll im Sinne von dem Konzept, der Technik, der Taktik, der Theorie, der Praxis, in allem. Er gab dir einen Master-Studiengang. Die Jugend-Trainer müssen Spieler formen, müssen sie lehren. Die Liga zu gewinnen ist dabei nicht wichtig. In diesem Alter musst du Spieler formen. Wenn du dabei gewinnst ist das gut, aber es ist nicht das Hauptziel.

Wir haben zum Beispiel gesehen, wie die B-Mannschaft in die Segunda (División) aufgestiegen ist. Ich freue mich für sie, aber das ist nicht wichtig. Pep Guardiola hat das B-Team in der Tercera División übernommen und hat später Busquets, Pedro und auch Jeffren, Victor Sánchez und Bojan im ersten Team eine Chance gegeben. Und diese Spieler haben in der Tercera gespielt. Und es war ok: Sie haben den Sprung von der Tercera in die Primera División ohne Probleme geschafft. Warum? Weil sie Barças Stil verinnerlicht hatten. Ob das B-Team in der Segunda, der Segunda B oder der Tercera División spielt, spielt keine Rolle. Natürlich freue ich mich über ihren Erfolg, aber für ihre Entwicklung ist das nicht das Wichtigste. Das ist nämlich, den Spielern genau diesen Spielstil mitzugeben. Das ist die Priorität. Wie viele Spieler in diesem Team können den Sprung in das A-Team schaffen? Das ist die wichtigste Frage. Und momentan kann man darauf keine positive Antwort geben. Das Ziel der B-Mannschaft ist es, sechs, acht oder zehn Spieler mit dem Potenzial, den Sprung in die erste Mannschaft zu schaffen, zu haben, nicht nur zwei oder drei. So, dass sich der Trainer des ersten Teams zum Beispiel auf den Außenverteidiger oder den Mittelfeldspieler (des B-Teams) verlassen kann, sollte sich einer von seinen Spielern verletzen. Das ist der Sinn einer Akademie. Und generell denke ich, dass Barça diesbezüglich geschlafen hat.“

… ein wiederkehrendes Problem im Spiel Barças, die physischen Komponente:

„Man muss alle Aspekte des Spiels beachten und es ist offensichtlich, dass die physische Komponente ein wichtiger Bestandteil des Fußballs ist, aber für Barças Spiel ist es nicht die wichtigste Sache. Ich verachte sie nicht, aber sie ist auch nicht die Hauptsache. Als Pep da war, hatten wir (Seydou) Keita oder Yaya Touré, welche Duelle gewonnen haben, aber das Team hat nicht gespielt, um Duelle zu gewinnen. Wir haben versucht, die Duelle zu vermeiden und dass wir uns vom Gegner und Zweikämpfen fernhalten. Wenn etwas passiert ist, hatten wir immer noch Keita oder Yaya, die versucht haben, diese Zweikämpfe zu gewinnen, aber die Idee war, sie zu umgehen. Ich sehe Barças Zukunft nicht anders, sondern mit einem Stil, der sich nicht vom damaligen Barça unterscheidet. Wir sind das Team mit den meisten Titeln in diesem Jahrzehnt.

Ich muss sagen, dass Luis Enrique einiges verändert hat, aber das System ging dabei nicht verloren. Aber wir müssen zum Ursprung zurück. Wir müssen zu dem zurückkommen, was wir immer gemacht haben.

Man sah das B-, Juvenil- oder generell ein Jugendteam und es war ein Spektakel. Ich bin zu ihren Spielen gegangen und habe gesehen, wie sich die Muster wiederholt haben. Wenn allerdings jeder Coach sein eigenes Spiel macht, dann ändern sich Dinge, egal ob man es will oder nicht. Wir müssen zu dieser einheitlichen Idee zurückkehren. Wir können keinen Alles-oder-Nichts-Stil spielen. Das kann funktionieren, wie im Bernabéu dieses Jahr, aber es ist nicht unsere Philosophie. Und ich weiß, dass Messi außergewöhnlich ist und unmögliche Spiele alleine gewinnen kann, aber unser Konzept dreht sich nicht ums Spekulieren, weil man in neun von zehn Fällen das erwünschte Ergebnis nicht erreicht.“

… Cristiano Ronaldos Positionswechsel, dessen Vergleiche mit Leo Messi und Messi im Mittelfeld:

„Das war ein kluger Zug. Er ist ein Spieler, welcher viele Tore schießt. Er ist ein unglaublicher Torjäger. Er hat die Qualität, welche David Villa hatte, er trifft sogar, wenn er schlecht schießt. Ich weiß nicht, ob es seine oder Zidanes Idee war, aber es war intelligent, ihn im Strafraum spielen zu lassen. Ich würde sagen, dass er jetzt sogar noch entscheidender ist, als er es vorher schon war. Wenn du ihm den Ball zugespielt hast, als er noch auf dem Flügel war, hattest du nicht unbedingt das Gefühl, dass er jetzt etwas kreiert, wie es mit Messi der Fall war. Bei ihm ist es so, dass es egal ist, wo er den Ball bekommt. Du weißt, er kreiert immer etwas. Bei Cristiano hat das so nicht funktioniert, weshalb ich der Meinung bin, dass ein Vergleich zwischen ihnen nicht möglich ist, weil Leo überall am Spielfeld den Unterschied ausmacht: Leo kann eine Bewegung abschließen, sie starten, das Teamplay organisieren, als Spielmacher agieren… Leo ist alles, Cristiano macht den Unterschied im Strafraum aus. Er ist ein außergewöhnlicher Vollstrecker.

Die Sache ist, dass Leo gleichzeitig als Xavi, Iniesta und Busquets und doch immer noch wie Messi spielen kann. Du kannst dir nicht vorstellen, welch Spektakel es ist, ihn als Mittelfeldspieler spielen zu sehen. Es ist unglaublich. Er macht alles gut und findet immer die bestmögliche Lösung. Wenn du drei Optionen hast, nimmt er immer die beste. Es ist beeindruckend. Er ist ein Maschine, die gebaut wurde, um mit den Füßen, die den Ball anziehen, Fußball zu spielen. Er ist der ideale Fußballer. Der Unterschied zwischen Leo und Cristiano ist die Tatsache, dass du Leo den Ball überall am Feld geben kannst, auch am schlechtesten möglichen Punkt, und in acht von zehn Fällen kreiert er etwas und macht auch unter diesen schlechten Umständen den Unterschied. Cristiano ist da anders, weil er nicht den Unterschied außerhalb des Sechszehners macht. Innerhalb ist er ein Monster.“

… die Gefühle nach einer hohen Niederlage und ob man die Verantwortung auf sich selber nimmt, oder doch vieles auf den Trainer schiebt:

„Es ist deine Niederlage. Also, ich spreche für mich alleine hier. Nachdem wir gegen Bayern 4:0 verloren haben (im CL-Halbfinal-Hinspiel 2013) verloren haben, hab ich mich komplett verantwortlich für dieses Desaster gefühlt. Ich habe darunter sehr gelitten. Ich habe mich bei Barça sehr wichtig gefühlt und darum fühlte ich mich sehr verantwortlich für alles. Auch Niederlagen.“

… die Klatsche gegen die Bayern damals:

„Der Strom hat uns überrollt. Wir waren physisch auf keinem guten Level. Wir haben das Spiel nicht genug dominiert. Zwar hatten wir den Ball, aber wir waren zu locker und hatten viele kleine Verletzungen, welche uns zwar erlaubten zu spielen, aber nicht gut zu performen: Busquets, Leo, ich selber… Und wir hatten den Coach verloren. Tito (Vilanova) konnte nicht zu den Trainings kommen, weil er in New York behandelt wurde. Ob du willst oder nicht, fällt so die Intensität automatisch. Und Bayern hatte das beste Team ihrer Geschichte: Alaba, Lahm, Javi Martínez, Schweinsteiger, Robben, Ribéry, alle in Topform. Sie haben uns überrollt. Sie waren der Gegner, dem wir in den letzten zehn Jahren am heftigsten unterlegen waren. Wir haben nicht gut mitgehalten.

Der Fußball hängt stark von Form ab. Wenn du in der entscheidenden Phase nicht in Topform bist, ist es egal, wer du bist und wie groß dein Name ist. Es ist nicht einmal relevant, gegen wen du spielst: Wenn du dich in diesen entscheidenden Wochen nicht auf dem physischen, technischen, taktischen und emotionalen Maximum befindest, bist du raus. Du kannst deinem Gegner überlegen sein, weit sogar, trotzdem können einige Details reichen, dass du aus einem Bewerb ausscheidest: Die Verletzung eines wichtigen Spielers oder eine schlechte Reise drei Tage zuvor, alles kann dich aus dem Kampf um die Trophäen raushauen. Das sind die Sachen, die der Trainer und sein Team unter Kontrolle haben müssen, vor allem in der Champions League, weil du in der Liga mehr Spielraum für Fehler hast. Bei der Champions League geht es um die Form. Du musst zum richtigen Zeitpunkt bei 100 Prozent sein.“

… jene Details, die der Trainer nicht kontrollieren kann:

„Dafür gibt es die Kabine. Ich habe Pep, als er noch hier war, erzählt: »Du hast eine gute Kabine, gute Leute und keine Probleme.« Hatten wir Probleme? Prinzipiell nicht, nur einige Details. Als einheimische Spieler haben wir die Kabine kontrolliert und es war wundervoll. Während den Jahren mit Pep hatte ich das Gefühl, dass wir auf jeder Position auf und neben dem Platz die richtige Person hatten: Manel Estiarte, Pepe Costa, Emili Ricart, Juanjo Brau, Dr. Pruna, Lorenzo Buenaventura, Dr. Cugat, Pao Seirullo … Es war eine gute Gruppe. Wie wunderbar! Wir lebten im neunten Himmel. Die Trainings hätten aufgenommen werden sollen. Wir hatten Positionsübungen oder Konversationsübungen und das Level war unglaublich. Abidal hat sich so sehr verbessert. Oder Puyol und Henry, welche einen sehr großen Sprung in ihren Leistungen gemacht hatten. Yaya Touré, Keita, sie alle verstanden, was der Trainer wollte. Die Ära von Guardiola war unglaublich.“

… seine Meinung, dass Fußball den Teams und nicht den einzelnen Spielern gehört:

„Es ist offensichtlich, dass das stimmt. Fußball gehört einer Gruppe. Natürlich sind die Spieler die Protagonisten, aber der menschliche Aspekt ist der Schlüssel in der Kabine. Gebt mir Leute, die sich in die Gruppe integrieren, Leute, die keine Probleme machen, ob sie jetzt spielen oder nicht. Mascherano ist so ein Typ. Egal, ob er jetzt auf dem Platz steht oder nicht, er ist ein Vorbild. Oder Dani Alves, Abidal oder Puyol, Leute, die das Team über sich selber stellen. Das ist schwierig und war eine Herausforderung für mich, weil ein gewisses Ego immer da ist, aber du musst dich überwinden. Das ist schwierig und braucht sehr viel Arbeit, ist aber der Schlüssel: Der humane Aspekt, dass du Leute, die sich in die Gruppe integrieren und einen Friedenstifter als Trainer um dich hast. Der Coach muss seinen Schwerpunkt darauf legen, in der Gruppe, die jeden Tag zehn Stunden miteinander verbringt, Frieden zu haben. Ein Team, in dem die Spieler miteinander nicht auskommen, kann nicht gewinnen.“

… das Ego gewisser Trainer wie Cruyff, Pep und Zidane:

„Das ist nicht wichtig. Wenn die Leute über Peps Barça reden, fühle ich dasselbe. Es ist Peps Barça, Messis Barça und Iniestas Barça. War es Peps Team? Natürlich. Er hat uns den Erfolg gebracht. Guardiola hat uns so viel mitgegeben. Ich wusste, dass er es machen würde, weil Joan Vilá es mir erzählt hat. Trotzdem war es schön zu sehen, wie sich dieses Team entfaltete und wie Henry und Abidal die neuen Konzepte verstanden – weil sie von anderen Fußballschulen waren – und sie sich dadurch verbesserten, weil Pep immer darauf bestand, den Pass zu wiederholen und den Gegner anzulocken. Peps Übermittlung der Konzepte war sehr gut. Ich mochte es, weil er meine fußballerische Sprache sprach. Zum Beispiel würde ich in der Halbzeit denken: »Ich würde dem Team das sagen« … und bam! Pep kam in die Kabine und sagte genau dieselben Sachen. Ich bin sehr eng mit Busquets befreundet, weshalb ich ihm einmal sagte: »Glaubst du nicht, dass uns diese drei Sachen fehlen?«, und Pep kam in die Kabine und sagte: »Busi, wir müssen diese drei Sachen machen: bam, bam, bam, …« Es war ein Höhepunkt. Natürlich lernten wir in der Akademie denselben Spielstil. Für mich war es ein Höhepunkt. Schade, dass es vorbei ist… “

… das „Gute Spiel“:

„[Lacht] Du musst gut spielen … so wie du halt spielen willst. Diego Simeones Team zum Beispiel spielt gut.“

… die Tatsache, dass jeder Trainer seine Ideen in die Praxis umsetzen will und das es so ganz verschiedene Ansätze gibt:

„Ohne Zweifel. Ich will damit nur sagen, dass unsere Idee die schwierigste ist, oder zumindest eine der schwierigsten. Das kann ich euch versichern. Wenn ein Team den Ball nicht haben möchte, ist das leichter umzusetzen als der Plan einer Mannschaft, die auf Ballbesitz spielt, weil diese nicht nur den Ball von Mann zu Mann passen muss, sondern auch immer einen dritten Mann oder freie Räume bzw. Räume, wo wir überlegen sein könnten, suchen muss. Unser Spiel beginnt mit dem Torhüter, der die Bälle nicht nur ohne Ansatz rausdreschen darf. Er startet alles. Er kontrolliert den Ball und bestimmt über den Platz, wo wir zu spielen beginnen. Manchmal bekommt er einen schlechten Pass und er muss ihn kontrollieren und einen freien Mann suchen, also beginnt alles damit, dass er entscheidet, wo und wer unser freier Mann ist. Und ab da an spielst du die Pässe, startest das Aufbauspiel und machst die nötigen Abläufe im Angriff, um Überzahl zu schaffen. Dieser ganze Aufbau ist komplex. Ein tief stehender Gegner braucht sich um solche Probleme nicht kümmern, wenn er den Ball nicht will. Diese interessiert es nicht, ob sie dann Ball nach vorne, nach links, nach rechts oder sonst wo hin bringen. Wenn sie den Ball nicht wollen, ist es ihnen egal, wo sie ihn hinbringen. Darum ist unser Stil komplexer und schwerer zu spielen. Aber es ist der Weg, den wir gewählt haben. Für mich ist es der schwierigste, aber auch der erfreulichste Weg und der, den ich wähle. Ich spiele Fußball, um den Ball zu haben. Ich genieße es nicht, wenn das andere Team den Ball hat. Ich verstehe es, wenn Teams den Ball nicht gerne haben, aber ich gehöre nicht zu denen“

… die Frage, ob Peps Ideen ihre Richtigkeit haben:

„Pep kennt sich selber sehr gut. Er ist sehr klug und er denkt vielleicht, dass er den Spielern zu viel wird.“

… das Gerücht, dass Pep streng sei:

„Ein Wort, das ihn besser beschreiben würde, wäre anspruchsvoll, sehr anspruchsvoll. Er ist akribisch, besessen von dem, was er macht. Er denkt am Tag 24 Stunden darüber nach, wie er den Gegner angreifen kann. Ich weiß das, weil ich ihn gut kenne. Weil er Dinge ein oder zwei Züge vor den anderen sieht, denkt er, dass die Spieler von seinen hohen Ansprüchen müde werden und er eine Erschöpfung vermeiden möchte. Darum geht er, bevor die Spieler müde sind. Das ist vernünftig. Außerdem interessieren ihn Reisen an verschiedene Orte. Das sind Erlebnisse, welche ihm helfen, sich mit anderen Visionen des Spiels und anderen Methodiken zu ergänzen. Im Leben musst du immer herumziehen. Du kannst nicht dein ganzes Leben an einem Ort verbringen.“

… die scheinbare Unschlagbarkeit von Peps Barça:

„Also sechs Titel in einem Jahr sind definitiv unschlagbar, aber das »Wie« war unglaublich. Noch unglaublicher als die Zahl der Trophäen. Ich respektiere jene die sagen, dass es langweilig war, aber basierend auf meinem Konzept, wie Fußball gespielt werden sollte, war das das, was am ehesten an Perfektion herankommt. Wir hatten den Ball, spielten schnelle Pässe, haben den Ball schnell zurückgeholt und dieses 30 Meter lange kollektive Pressing war beeindruckend. Wir haben es genossen zu verteidigen. Und das war das, was er uns immer sagte: »Ihr werdet sehen, dass ihre eine gute Zeit haben werdet, wenn ihr zusammen verteidigt.« Und er hatte Recht. Ich habe die Innenverteidiger angepresst, obwohl ich wusste, dass ich den Ball nicht bekommen würde. Aber ich wusste, dass ich den Verteidiger dazu zwingen würde, den Ball weit heraus zu schlagen und wusste dabei außerdem, dass Puyol dort stehen würde, um ihn zurück zu erobern, da er die Bewegung seines Gegenspielers gut antizipieren konnte, während die anderen Manndeckung spielten. Und zack! Wir eroberten den Ball und für mich war es eine Freude, 30 Meter für etwas, das ich nicht bekommen würde, zu laufen, weil es das Team dann bekommen würde.«

… Peps Probleme, dies bei Bayern München und Manchester City zu wiederholen:

„Es macht Sinn, weil die Spieler bei Bayern und Manchester City eine andere Basis haben als unser Team es hatte. Es ist alles anders, einschließlich der deutschen Spieler bei Bayern, die eine ganz andere fußballerische Ausbildung hatten als wir. Was Pep macht, ist eine Gegenkultur, in Deutschland und in England noch mehr. Darum ist es so schwer, aber er bekommt Spieler, welche dem Profil, welches er benötigt, ähneln. De Bruyne, Silva, Touré, die Flügelspieler… Er hat defensiv in seinem ersten Jahr sehr gelitten, weil Peps Defensiven anders sind, sie dürfen keine Fehler im Aufbauspiel machen. Es ist ein schwierig zu implementierender Spielstil, weil er zuerst eine Basis, von wo der Aufbau beginnt, schaffen muss, aber sie haben ziemlich gut gespielt.“

… das Verlieren, und ob Pep daraus Lehren gezogen habe:

„Natürlich. Dasselbe ist mir auch in Katar passiert. Ich kann das Verlieren nicht tolerieren. Ich komme nach Hause und bin sauer. Hier habe ich realisiert, wie schwer es ist, einen Ligatitel zu gewinnen. Es ist sehr kompliziert.“

… die Unmöglichkeit, dass sich eine beste Idee, Fußball zu spielen, herauskristallisiert:

„Weil der Fußball das verhindert. In anderen Sportarten, wie zum Beispiel Tennis, verlierst du, wenn du schlecht bist. In Golf oder Basketball ist es dasselbe: Derjenige, der schlechter spielt, verliert auch. Im Fußball ist das nicht so. Du kannst schlecht spielen und trotzdem kannst du das Spiel gewinnen oder einen Titel in der 90. Minute holen. Der Fußball hat diese Besonderheit, was ein Teil der Großartigkeit dieses Sports ist. Ein kleines Team kann immer überraschen, auch wenn sie desaströs spielen. Es gibt keine direkte Korrelation zwischen gut spielen und gewinnen. So funktioniert das nicht. Wir denken, dass wir, indem wir gut spielen, meist gewinnen, aber in einer Saison gibt es immer Spiele, die ganz anders laufen. Diese Saison hat Barça gegen Alavés zuhause verloren, in einer Saison kam Hércules und gewann 0:2 mit zwei Toren von Nelson Valdez. Es war verrückt. Waren sie besser als wir in diesen 90 Minuten? Keinesfalls, wir hätten das Spiel hoch gewinnen müssen, aber haben verloren. Das ist passiert, weil es im Fußball kein magisches Rezept gibt und du keinen Zauberstab hast.“

… zu den verschiedenen Ideen:

„Simeone glaubt, dass er mit seinem Spielstil die meisten Spiele gewinnt und es ist logisch, dass er auf diesen setzt, sowie Conte auf seine gemischte Idee (Anm.: aus Guardiolas und Simeones Fußball) oder wir auf unsere, den Ball solange wie möglich haben zu wollen, was ein anderes Extremum ist. Das alles sind valide Ideen, so wie Griechenlands Taktik, als sie 2004 die Euro gewannen. Keiner hat diese eine, magische Idee, mit der man alles gewinnt. Aber wir sind stolz, so zu spielen und haben Spaß. Es ist ein wundervoller Weg, zu konkurrieren.“

… mögliche Gedanken, Barça-Trainer werden zu wollen:

„Ja. Ich denke schon über die Lizenz, meine Idee und wie ich diese Konzepte vermittle nach. Aber ich bin immer noch sehr unerfahren. Ich muss noch sehr viel lernen, bevor ich Trainer werden kann. Im Moment kann ich noch kein Trainer sein, ich kann keinem etwas vormachen. Ich habe sehr viele Leute um mich, wie meinen Bruder oder Sergio Alegre oder auch Félix Sánchez (Anm.: Katars Nationalteamcoach), aber habe noch kein Team, mit dem ich arbeite. Ich muss auch die Methodik noch lernen. Ich muss mich mit Joan Vilá treffen, meinem fußballerischen Vater, und Paco Seirul, um von ihnen zu lernen. Ich kenne die Methodik, aber muss lernen, diese zu benutzen. Das heißt, ich habe sehr viel Informationen in meinem Kopf, aber ich muss lernen, diese zu organisieren und zu strukturieren, um sie überbringen zu können und ein Trainer zu werden. Was ich weiß, ist, dass ich auf der Bank sitzen, konkurrieren, Sachen korrigieren und über Fußballideen nachdenken sowie diese anwenden will. Ich möchte den Gegner studieren. Das habe ich als Spieler auch immer gemacht. Ich habe einigen Teamkameraden erklärt, wie die gegnerischen Spieler spielen und sagte ihnen alle Details, weil ich das alles aufgesogen habe.

Meines ganzes Leben konzentrierte ich mich auf die Details im Fußball: Spieler, Vereine, Spiele und Ligen. Ich bin fußballverrückt. Ich stelle mir gerne vor, wie wir gegen ein Team spielen und was wir machen können. Besonders habe ich mich auf meine Gegenspieler im Mittelfeld fokussiert, ob sie physische Spieler oder sehr technisch veranlagte waren, ob ich ihnen mit einem First Touch in eine bestimmte Richtung ausweichen könnte, ob sie reinfallen würden. Madrids Verteidiger zum Beispiel haben immer eine Tendenz zu grätschen, um Schüsse zu blocken. Das ist schon seit Helguera so. Da ich das weiß, würde ich also, anstatt zu schießen, lieber antäuschen, dass sie grätschen und ich an ihnen vorbei kann. Das sind Dinge, die ich gerne analysiere und darum will ich Coach werden.“

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