Bye Bye, José Mourinho

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„Wir wünschen José viel Glück für seine Zukunft, egal, wie es bei ihm weitergeht“

, sagte Florentino Pérez auf der gestrigen Pressekonferenz. Das war es also, José Mourinho kehrt Real Madrid nach drei Jahren Amtszeit den Rücken – wohin, ist noch ungewiss. Laut dem Präsidenten war es eine einvernehmliche Entscheidung, er hätte Mourinho aber gerne weiterhin bei Madrid beschäftigen wollen. Der mediale Druck wurde für den Portugiesen jedoch unerträglich und kumulierte in der Entscheidung, seinen Hut zu nehmen. Er kann auf eine nur mäßig erfolgreiche Vergangenheit zurückblicken, gemessen an den Ansprüchen der Madrilenen. Ein Sieg in der Copa del Rey und ein Meistertitel stehen zu Buche, angesichts der Qualität seiner Akteure und seiner vermeintlichen Begabung nicht viel. Es ist ihm aber gelungen, die Vorherrschaft des FC Barcelona in Spanien zu durchbrechen. Nach der fast historisch anmutenden 5:0-Klatsche gegen die Katalanen waren die Madrilenen am Boden, doch er hauchte der Mannschaft neues Leben ein, sowohl taktisch als auch psychologisch, sodass sie sich fortan auf Augenhöhe präsentierte und zuletzt gar im Vorteil war.

Nun nähert sich das Kapitel „Madrid und Mourinho“ dem Ende. Es war trotz sportlicher Lichtblicke ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Fußballs, ein Schatten, der sich über den vielen ausgetragenen Clásicos ausbreitet. José Mourinho ist nicht nur Fußballtrainer, sondern auch Politiker, der es vorzüglich versteht, sein Umfeld eindrücklich zu manipulieren. Er bedient sich hierzu banaler Argumentationen, die den Empfängern leicht zugänglich sind und von ihnen adaptiert werden – das Idealbild eines Populisten. Unvergessen seine selbstzerstörerische Geste gegen Tito Vilanova, dem er am Spielfeldrand seinen Finger in das Auge drückte; vor einem Millionen-Publikum, bei dem sicherlich nicht wenige junge Menschen zugegen waren. Die Trauer über Mourinhos Fortgang hält sich im Lager des FC Barcelona daher gewiss in Grenzen, auch bei den Culés, die seiner Erscheinung sehr bald überdrüssig wurden. 

Aus sportlicher Sicht kann vor diesem Hintergrund jetzt nur noch bergauf gehen, wenngleich auch die letzten Clásicos erstaunlich ruhig verliefen, wie es der Zufall will in einer Phase, in der die Madrilenen auf dem Platz Oberwasser hatten. Sie hatten Oberwasser, obschon immer wieder Meldungen über mannschaftsinterne Differenzen an die Oberfläche drangen. Wird Real Madrid in der nächsten Saison dem FC Barcelona noch gefährlicher werden? Diese „Gefahr“ besteht durchaus, sollte es dem Nachfolger – Carlo Ancelotti wird von den Medien favorisiert, wenngleich Pérez betont, bisher keine Gespräche geführt zu haben – gelingen, die Anhäufung widerstreitender Meinungen und Interessen zu einer Gemeinschaft zu formen. Diese Saison jedenfalls war kein Spiegelbild ihrer Leistungsfähigkeit und so muss man sich in der nächsten Saison auf heftige Gegenwehr in allen Wettbewerben einstellen. In Topverfassung sind die Madrilenen auf Augenhöhe mit den Bayern oder gar darüber hinaus, wenn man sich die Klasse ihrer Spieler vergegenwärtigt, die in der Sommerpause bestimmt den ein oder anderen namhaften Neuzugang begrüßen dürften.

Für den FC Barcelona erscheint es deshalb umso wichtiger, in der Sommerpause die richtigen Entscheidungen zu treffen, um nicht ins Hintertreffen zu geraten. In der nächsten Saison wird es schwerer denn je, einen Titel zu erringen – sowohl national als auch international. 

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