Der verlorene Sohn scheint zurückzukehren…

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…nur nicht nach Barcelona. In den letzten Tagen lasen wir viel über die Rückkehr unserers einstigen Mittelfeldtalentes Thiago Alcántara nach Spanien. Seit eben jener Thiago Alcántara seinem einstigen Lehrmeister Pep Guardiola zum FC Bayern nach München folgte, wünschen sich viele Culés nichts sehnlicher, als dass der hochveranlagte Mittelfeldspieler zu Barça zurückkehrt. Nun macht ein wildes Gerücht die Runde, wonach Thiago ausgerechnet zum großen Rivalen nach Madrid wechseln könnte. Warum dieser Wechsel ein Super-GAU für den FC Barcelona wäre, soll hier dargelegt werden.

Der perfekte La-Masia-Spieler

Thiago galt einst als Musterbeispiel eines La-Masia-Absolventen. Ein Spieler, der es aus der eigenen Jugend über die zweite Mannschaft bis in den Profikader des FC Barcelona schaffte und dabei die typischen Fähigkeiten hatte, die es braucht, um eine tragende Rolle im Mittelfeld des FC Barcelona zu spielen. Er hatte eine unglaubliche Ballsicherheit, die es ihm erlaubte, auch auf engstem Raum den Überblick und die Kontrolle über den Ball zu behalten. Er hatte zudem enorme Fähigkeiten im Dribbling, war passsicher und hatte eine großartige Übersicht. Inmitten der Guardiola-Ära, welche im Mittelfeld vor allem von Xavi, Iniesta und Busquets geprägt wurde, war es Thiago, welcher Anlass zur Hoffnung gab, dass sich diese Dominanz auch die darauffolgenden Jahre fortsetzen würde. Alles war bereit dafür, dass die etablierten Kräfte das Zepter irgendwann an ihren Kronprinzen abgeben würden. Die Frage schien nur zu lauten: Wann ist es soweit?

Der Wechsel zum Lehrmeister

So sollte es geschehen, dass der junge Stratege ungeduldig wurde und lieber jetzt als gleich Stammspieler bei einem europäischen Topklub werden wollte. Pep Guardiola, welcher nach seinem Sabbatical inzwischen in München beim FC Bayern angeheuert hatte, beobachtete die Situation seines einstigen Schützlings sehr genau und sah seine Chance gekommen, die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Thiago an anderer Stelle fortzusetzen. Der Wechsel kam schließlich zustande und das einstige Dreamteam war wieder vereint. Sofort wurde Thiago zu einer wichtigen Säule im Mittelfeld des deutschen Rekordmeisters und spielte, bis zu einer schlimmeren Verletzung, eine fabelhafte Debütsaison für seinen neuen Klub. Dies gipfelte darin, dass Thiago sogar einen neuen Bundesligarekord aufstellte, als er in einem Spiel gegen Eintracht Frankfurt 185 Ballkontakte hatte. Durch verschiedene kleine Verletzungen und die dadurch fehlende Konstanz wurde Thiago allerdings nie zu dem unangefochtenen Stammspieler, welchen sich der FC Bayern von ihm versprochen hatte. So war Thiago den Großteil seiner Zeit in München zwar nach wie vor ein sehr guter Fußballspieler, aber auch ersetzlich, was dazu führte, dass die Münchner wohl kein Problem damit hätten, den Spieler in diesem Sommer abzugeben. Eine Situation wie gemalt für eine Rückkehr nach Barcelona, vor allem wenn man bedenkt, dass das einstige Wunderkind mit Sicherheit einer der Faktoren sein könnte, wenn es darum geht, den FC Barcelona wieder zu einstigem spielerischen Glanz zu verhelfen.

Der drohende Wechsel zu Real Madrid

Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Gerüchte um eine Rückkehr des verlorenen Sohnes in die katalanische Metropole. Dass der FC Barcelona in diesem Sommer, angesichts der greifbaren Gelegenheit nicht zuschlug, erscheint wie ein großes Rätsel. Thiago ist mit mittlerweile 27 Jahren ein gestandener Spieler, der Barça sofort helfen könnte und in dessen Schatten andere junge Spieler wie Aleñá und Puig reifen könnten, bis sie selbst soweit sind, die entsprechende Verantwortung zu übernehmen. Stattdessen liest man in den letzten Tagen immer wieder davon, dass Thiago ausgerechnet zu Real Madrid wechseln könnte, wo die Möglichkeit bestünde, den aktuellen Champions-League-Sieger vielleicht noch ein bisschen besser zu machen. Hinzu kommt, dass dort mit Julen Lopetegui seit diesem Sommer ein Trainer tätig ist, den er bereits von der spanischen Nationalmannschaft kennt und welcher, wie so viele andere, den großen Johan Cruyff als eins seiner zentralen fußballphilosophischen Vorbilder sieht. Ein Trainer, der schon jetzt eine Mannschaft zur Verfügung hat, welche unter seiner Führung vermutlich in der Lage wäre, die Cruyffsche Philosophie mit einer extremen Qualität auf dem Platz umzusetzen. Es ist davon auszugehen, dass Thiago diese Mannschaft unter jenen Umständen noch stärker machen könnte, kennt er diesen Stil doch seit seiner Jugend in- und auswendig. Für den FC Barcelona, der neben Ajax Amsterdam stets für die perfekte Symbiose aus Schönheit und Erfolg stand und dabei die Cruyffsche Lehre immer als Basis des eigenen Spielstils betrachtete, ein absoluter Super-GAU. Dies ist umso kritischer zu sehen, wenn man bedenkt, dass es diesen Sommer womöglich ein leichtes gewesen wäre, den verlorenen Sohn zurück nach Hause zu holen. Bleibt uns nur zu hoffen, dass der Wechsel schlussendlich nicht stattfindet und dass Thiago sich vielleicht eines Tages dazu entschließt, seine Karriere in der alten Heimat fortzusetzen – auch wenn die Hoffnung langsam schwindet.

 

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