El Clásico – Carlo Ancelotti ‚vercoacht‘ sich

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Nicht nur viele Real-Fans haben sich gefragt, was sich Carlo Ancelotti mit seiner Aufstellung gedacht hat, sondern auch viele Barça-Fans. Vor dem Spiel war man sich einig: Der Trainer hat auf ein offensives Barça gehofft und wollte durch diese defensive Aufstellung vor allem die Angriffe durch das Zentrum verhindern, wo die eigentliche Stärke bei den Katalanen liegt. Überraschenderweise agierte diesmal auch Sergio Ramos neben Khedira und Modric im defensiven Mittelfeld. Aber nicht nur die defensive Ausrichtung hat überraschen können, sondern auch das Spiel ohne echten Neuner.

Warum wurde Ramos im defensiven Mittelfeld aufgestellt?

Wie schon Florian Rahbari Nejad

 erwähnt hat, sollte Ramos als „Kettenhund“ fungieren und Messi aus dem Spiel nehmen. Carlo Ancelotti hat erwartet, dass der flinke Argentinier wieder als ‚Falsche Neun‘ agieren wird. Allerdings hat das Tata Martino geahnt und zog Messi auf die rechte Außenposition. Fàbregas bekleidete die Position im Zentrum. Doch agierte er nicht unbedingt als reiner ‚Falscher Neuner‘. Nicht selten ließ er sich tief fallen, um für Kompaktheit im Mittelfeld zu sorgen. Etwas, was Ancelotti nicht erwartet hatte. Mit diesem Positionswechsel wurde quasi sein ganzer Plan zerstört. Man wollte den Ball im Zentrum schnell zurückerobern und Messi keinen Platz bieten. Der Ball sollte dann mit hoher Geschwindigkeit zu den konterstarken Spielern wie Bale, Ronaldo oder auch Di María gespielt werden. Doch das sollte nicht passieren. Durch die Positionierung von Messi wurde das Dreiermittelfeld der Madrilenen auseinandergezogen. Es boten sich somit mehr Freiräume für die Katalanen im Zentrum, die sich dort mit wenig Gegenwehr den Ball zuspielen konnten. Ein brillanter Schachzug von Tata Martino.

Seltsam ist auch die Tatsache, dass Ancelotti scheinbar nur auf einen kreativen Spieler gesetzt hat. Doch Modric schien aufgrund der Taktik der Heimmannschaft ziemlich überlastet zu sein und konnte dem Spiel nicht seinen Stempel aufdrücken. Spieler à la Isco oder Illaramendi hätten dem Spiel der Madrilenen wohl besser getan, doch war Ancelotti anscheinend nur auf Zerstörung und Konter aus.

Real Madrids Konter im Keim erstickt

Apropos Konter: Tatsächlich kamen die Madrilenen einzig und allein nur zu einer wirklich guten Kontermöglichkeit. Dann passierte auch der Anschlusstreffer zum 2:1. Zuvor waren die Konter allerdings inexistent. Der FC Barcelona hat sich darauf eingestellt, dass sich die Madrilenen wohl nur auf das Kontern fokussieren werden. Alves und Adriano zügelten daher ihre Sturmläufe und waren mit dem Stellen der Gegenspieler und dem Schließen der Lücken beschäftigt. Fàbregas agierte, wie schon vorher erwähnt, nicht als reiner ‚Falscher Neuner‘. Er agierte tatsächlich als weitere Mittelfeldkraft mit einem leichten Drang zur rechten Seite, um das Fehlen von Messi auf der rechten Abwehrseite zu kompensieren. Um die Konter aufzufangen, agierte der FC Barcelona deshalb meist in einem 4-4-2 oder auch in einem 3-5-2, bei dem Alves oder Adriano etwas offensiver aufgestellt waren. Das nahm dem dünn besetzten Mittelfeld von Real dann auch die Luft weg. Zu kompakt standen die Katalanen, es gab kaum ein Durchkommen. Nach Ballgewinn der Madrilenen waren die Barça-Akteure schnell wieder formiert und boten den Gästen nur wenig Platz.

Bale soll Busquets aus dem Spiel nehmen – Zweites Eigentor von Ancelotti

Wer hätte das gedacht? Ancelotti sagte tatsächlich auf der Pressekonferenz nach der Partie, dass man Bale aufgestellt habe, um den defensiven Mittelfeldspieler Sergio Busquets zu decken. Hat es geklappt? Nein. Reicht (nur) ein Spieler um Sergio Busquets aus dem Spiel zu nehmen? Nein, das schon gar nicht. Jeder weiß, dass Sergio Busquets zu den pressingresistentesten Spielern auf der Welt gehört. Mit seiner überragenden Technik und Übersicht weiß er jede Drucksituation zu lösen. Wie kommt man dann auf die Idee, dass ein einzelner Spieler ihn aus dem Spiel nehmen kann? Das weiß wohl keiner. Diese Aussage und die taktische Ausrichtung von Real Madrid sind an Naivität kaum zu übertreffen und es überrascht einen, dass ein begnadeter Taktiker wie Carlo Ancelotti sich solch ein Eigentor schießt. Mit Leichtigkeit konnte Busquets das Pressing mit einer cleveren Bewegung oder einem Pass umspielen. Außerdem war er der Spieler mit der höchsten Passgenauigkeit in der gestrigen Partie. Anzeichen, dass Busquets unter Druck gesetzt worden ist? Fehlanzeige! Tatsächlich gehörte Sergio Busquets gestern zu den stärksten Spielern auf dem Spielfeld. Selbst die frühe Gelbe Karte konnte sein überragendes Spiel nicht verhindern.

Erst die Einwechslungen von Illaramendi und Benzema bringen Struktur in das Spiel der Gäste

Wenig überraschend, dass Real Madrid dann erst durch zwei Einwechslungen stärker wurde. Zwei ‚taktische Eigentore‘ wurden dabei ausgewechselt. Mit Karim Benzema kam ein echter Neuner für Gareth Bale in die Partie. Er sollte die Verteidiger binden. Außerdem ist auch er für sein kreatives Spiel bekannt. Mit Illaramendi kam ein weiterer Kreativspieler in die Partie, der endlich Leben in das kreativlose Mittelfeld der Madrilenen einhauchte. Für ihn musste Sergio Ramos weichen. Die Wenigsten sind verwundert darüber, dass erst nach diesen Einwechslungen die Spieler von Real Madrid zu guten Tormöglichkeiten kamen. Man spielte nun wesentlich sicherer und drängte die Gastgeber in die eigene Hälfte. Barça konnte in der Zwischenzeit weiterhin mit Kontermöglichkeiten für Gefahr sorgen. Ronaldo wurde endlich öfter geschickt und man eroberte sich die Kugel schneller zurück. Benzema, der nicht nur im Sturmzentrum agiert hat, sondern auch in Mittelfeldnähe zu finden war, wusste seinen Freiraum sehr gut zu nutzen und erzielte durch einen strammen Schuss fast den Ausgleichstreffer. Einzig und allein die Querlatte hatte etwas dagegen. Man sah, wie müde das Mittelfeld bei Barça wurde. Der Ball wurde nun öfter dem Gegner überlassen. Durch die Einwechslungen von Alexis Sánchez und Alexandre Song sollte man noch mal für Stabilität im Mittelfeld sorgen und auch bei Kontern gefährlicher werden. Gut zu erkennen war, dass Real Madrid nach diesen Einwechslungen nur noch zu einer Torchance kam. Barça baute durch einen Konter die Führung auf 2-0 aus. Den Treffer erzielte Sanchéz nach einem außergewöhnlichen Lupfer. Den Assist lieferte der starke Neymar.

Barça steht zu hoch, Real Madrid nutzt das eiskalt aus

Den Umständen entsprechend agierte Barça in den letzten Minuten fahrlässiger. Man wollte nun zaubern, doch vernachlässigte man die Defensive. Auf einmal stand nur noch ein Spieler hinten. Die Akteure von Real Madrid erobern vor dem eigenen Strafraum den Ball, dieser wird zu Ronaldo gespielt. Mit einem starken Antritt lässt er sich die Kugel nicht nehmen und spielt den Ball quer zu Jesé, der inzwischen für Di María eingewechselt wurde. Jesé schiebt das Spielgerät unter Valdés in das Tor und verkürzt auf 2-1.

Das war der FC Barcelona, den Ancelotti erwartet hatte. Dieser Konter war perfekt ausgetragen. Man kann schon behaupten, dass er einstudiert war. Die Madrilenen erwarteten ein offensiveres Barça, das mit den Mittelfeldspielern und Außenverteidigern weit aufrückt. Die Gäste erhofften sich viel Platz, doch Tata Martino hat diese taktische Ausrichtung geahnt und das eigene Spiel dem Gegner entsprechend angepasst.

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