Fabregas: “Es war schwer für mich, im zentralen Mittelfeld zu spielen”

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Für gewöhnlich sind Interviews mit Fußballspielern nur wenig gehaltvoll. Häufig kommen nur sinnentleerte formelhafte Aussagen, die zum Verständnis der Fans nur wenig beitragen und demzufolge überflüssig ist. Ein Interview der ganz anderen Art hat nun die spanische Zeitung “Marca” mit Fabregas geführt, in dessen Rahmen der Star des FC Barcelona seine Rolle auf dem Platz in der vergangenen Saison rügte. “Im zentralen Mittelfeld zu spielen, war hart für mich, weil ich mehr Bewegung brauche und auf den ersten Metern nicht so stark bin”, erklärte Fabregas verblüffend ehrlich seinem Gegenüber. Ein kurzes Statement, das sehr viel über seine Empfindungen im Hinblick auf die Vorsaison verrät und darüber hinaus auch zum Ausdruck bringt, wie er seine Rolle im Team der Katalanen sieht.

Fabregas kann nicht an Leistungen anknüpfen

Man hat schon geahnt, dass Fabregas mit seiner Leistung in der ersten Saison für den FC Barcelona nicht unbedingt zufrieden sein dürfte, sofern man seine Auftritte im Dress von Arsenal London zum Maßstab nimmt. Er konnte nicht an die herausragenden Momente in England anknüpfen und ging im Kollektiv der Katalanen fast ein wenig unter. An Xavi, Iniesta und Busquets gab es kein Vorbeikommen und auch im Sturm war aufgrund der Präsenz von Lionel Messi kein Platz für diesen tollen Spieler. Die hohe Ablösesumme und das endlose Theater im Vorfeld der Verpflichtung haben Pep Guardiola dazu veranlasst, Fabregas in der Mannschaft unterzubringen, um nicht in den Verruf zu geraten, sinnlose Transfers zu tätigen. Es lastete also ein gewisser Druck auf dem Trainerstab, der allein durch regelmäßige Einsatzzeiten des “verlorenen Sohnes” gemildert werden konnte.

Die Rolle von Fabregas unter Guardiola

Fabregas’ Einsatzgebiet bildete zumeist das Mittelfeld sowie die nähere Umgebung. Entweder Guardiola schuf durch die Umstellung auf ein 3-4-3 eine zusätzliche Position im Mittelfeld oder aber Fabregas ersetzte Iniesta oder Xavi im Mittelfeld, was freilich nur dann geschah, wenn diese verletzt waren oder aber einer Ruhepause bedurften. Auf der Position im Mittelsturm gab es kein Vorbeikommen an der besten falschen Neun der Welt, namentlich Lionel Messi. Sehr selten besetzte Fabregas auch die Position des Linksaußen im Wechsel mit Iniesta, pendelte also zwischen dem halblinken Mittelfeld und der vorgenannten Position. Da sich Fabregas im Interview ausschließlich auf seine Rolle als Mittelfeldspieler bezieht und dies auch jene Stellung auf dem Platz darstellt, die von ihm am häufigsten bekleidet worden ist, wollen wir uns in der folgenden Analyse auf die Besonderheiten der Ausfüllung dieser Rolle durch Fabregas beschränken. 

Fabregas anderer Spielertyp als Xavi, Iniesta und Busquets

Es sei hart für ihn gewesen, im zentralen Mittelfeld zu spielen, da er auf den ersten Metern nicht der Stärkste sei und mehr Freiraum benötige. Tatsächlich handelt es sich bei Fabregas um einen Spieler, der nur wenig Dynamik und Athletik ausstrahlt und darum nicht gerade durch einen starken Antritt besticht. Seine Höchstgeschwindigkeit hängt auch weit hinter der von Usain Bolt zurück. Gleichwohl muss beim FC Barcelona ein Mittelfeldspieler nicht über diese körperlichen Voraussetzungen verfügen. Bei Iniesta, Xavi und Busquets handelt es sich um Spieler, die über ihre Technik und Passgenauigkeit ihre körperlichen Defizite nicht nur kompensieren, sondern in eine Überlegenheit ummünzen. Eine Gleichstellung mit den drei Mittelfeldstars wäre aber dennoch verfehlt. Eine solche Gleichstellung würde nämlich verkennen, dass es in Fabregas’ Spielernaturell liegt, die vertikalen Wege zu gehen und auch Zug zum Tor zu entwickeln. 

Eingeschränkter Bewegungsradius

Als zentraler Mittelfeldspieler beim FC Barcelona konnte er diese natürlichen Eigenheiten nur selten zur Geltung bringen. Ein Grund hierfür ist mit Bestimmtheit in den restriktiven Vorgaben von Guardiola, aber auch in den beengten Raumverhältnissen im Mittelfeldzentrum zu erblicken. Wenn die Außenverteidiger vorrücken und Messi sich ins Mittelfeld zurückfallen lässt, hat das zur Folge, dass die Spielerdichte im Zentrum enorm zunimmt. Dies wiederum führte zu einem Einschnitt des Bewegungsradius von Fabregas; in Verbindung mit seinen körperlichen Gegebenheiten war es für ihn nur sehr schwer möglich, sich dem Zugriff seiner direkten Gegenspieler zu entziehen. Damit waren ihm auch die vertikalen Wege häufig versperrt. Vor diesem Hintergrund ist es nur allzu nachvollziehbar, dass sich Fabregas in der ihm von Guardiola zugewiesenen Rolle im Mittelfeld nur sehr unwohl fühlte.

Fazit

Fabregas bevorzugt eine Aufgabe auf dem Platz, die ihm mehr Freiheiten verschafft. Die Falsche Neun ist sicher eine Position, für die er eine hohe Affinität besitzt. Diese ist aber bereits belegt von Lionel Messi. Für Vilanova wird es darum gehen, Fabregas besser in das mannschaftliche Gesamtgefüge einzugliedern. Es bestehen vielfältige Möglichkeiten, wie dies realisiert werden könnte. Eine Option bestünde darin, nicht nur die horizontale, sondern auch die vertikale Fluidität im Spiel zu verstärken, d.h. noch stärker auf vertikale Positionsrochaden zu setzen. Es bleibt abzuwarten, wie Vilanova mit dem Problem umgeht. Die Worte von Fabregas verraten, dass das Thema mannschaftsintern bereits Gegenstand von Diskussionen war und Gespräche mit Vilanova hierüber stattgefunden haben. 

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