Gastbeitrag: Quo vadis, Ernesto Valverde?

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Wir haben heute einen Gastkommentar für euch. Viel Spaß beim Lesen und los geht es: Diese Zeilen schreibe ich aus therapeutischer Sicht, da mich die letzten Wochen und Monate ziemlich aufgeregt hatten, damit meine ich natürlich die Spiele des FC Barcelona. Meine Wut, meinen Ärger, meinen Frustm aber vor allem meine Enttäuschung verbinde ich in diesem Zusammenhang mit einer Person, nämlich Ernesto Valverde.

Doch wer ist dieser Valverde, der all diese negativen Emotionen in mir hochgehen lässt? Allen voran war er ein sehr guter Stürmer, der unter anderem auch für uns (ja, ich identifiziere mich mit dem FC Barcelona) sehr erfolgreich auflief. Wie viele von euch wissen, spielte er von 1988-1990 für uns unter Cruyff und im Zuge dessen war er aktiv dabei, wie das Dream-Team aufgebaut wurde. Und ´89 war da noch was in Bern J.

Nach seiner aktiven Spielerlaufbahn begann er seine Trainerkarriere bei Athletic im Nachwuchsbereich. Nach diversen Stationen in Griechenland und Spanien kam er letztes Jahr zu uns und löste Lucho als Cheftrainer ab. Gemischte Gefühle kamen damals in mir hoch, denn ich konnte mit ihm nicht so richtig was anfangen. Beim Supercopa-Hinspiel war ich live im Stadion und musste mit ansehen, wie Real uns im eigenem Haus demütigte. Da dachte ich mir, was um Gottes Willen hat dieser Trainer bei uns verloren? Noch dazu hatten wir Neymar an PSG verkauft und mir schwante für die Saison nichts Gutes. Doch, oh Wunder, die Mannschaft steigerte sich von Spiel zu Spiel.

Und dann kam der Clásico am Vorweihnachtstag, der für uns Cules ein Meilenstein werden sollte. Die Vorzeichen waren nicht die allerbesten, Umtiti (unser eigentlicher Chef in der Innenverteidigung) war verletzt und wurde durch Vermalen ersetzt, der bis dahin ganz wenige Auftritte hatte. Um es vorweg zu nehmen, Vermalen spielte das, was er am besten kann, einen konservativen, trockenen und sehr zuverlässigen Innenverteidiger, der zur Stelle war, als er benötigt wurde. Der Clásico begann, wie ich es befürchtet hatte, Real war anfangs dominant und das Mittelfeld um Modrić, Kroos und Casemiro beherrschte das Geschehen nach Belieben. Das ging etwa 20 Minuten so, doch dann hatte Valverde den genialsten Schachzug seiner bisherigen Tätigkeit ausgespielt. Just in der Sturm und Drangperiode Reals stellte er im Mittelfeld um. Rakitić wurde hinter Busquets beordert und auf einmal verpuffte die anfängliche Dominanz Reals im Mittelfeld und wir konnten langsam aber sicher das Spiel an uns reißen. In der zweiten Halbzeit wurden schnell zwei Tore erzielt und das 3:0 in der Nachspielzeit war das Sahnehäubchen und ein riesen Weihnachtsgeschenk an all die Cules, die sich so sehr diesen Sieg gewünscht hatten. Da dachte ich mir: Holla die Waldfee, der Junge hat´s taktisch drauf und wird uns noch sehr viele schöne Momente bescheren.

Ich finde, wenn Ernesto so weitergemacht hätte, hätte er sich letztes Jahr unsterblich machen können. Das Triple war zum Greifen nahe, eine perfekte Saison stand auch im Raum. Leider hat uns dann das Frühjahr etwas anderes gelehrt. Mit zwei Spielen hat er sich selber demontiert und uns erfolgsverwöhnte Fans sehr enttäuscht.

Von welchen zwei Spielen rede ich da? Richtig einerseits vom CL-Retourspiel in Rom und andererseits vom Spiel in Levante.

Beim Viertelfinalspiel gegen die Roma war ich im Stadion und sah ein gut aufgelegtes Barça, das anfangs die Giallorossi nach Belieben dominierte und schließlich mit 4:1 besiegte. Zu diesem Zeitpunkt war ich felsenfest davon überzeugt, dass wir die CL gewinnen konnten und so träumte ich vom Finale gegen Real. Hinzu kam noch, dass ich bei der UEFA beim Ticketvorverkauf erfolgreich war und ich somit in Kiew im Finale dabei sein würde. Meine Vorfreude war grenzenlos, ich konnte ja nicht ahnen was sich in Rom noch abspielen wird. Dann kam das Retourspiel und anfangs traute ich meinen Augen nicht, als ich die Aufstellung las. Kein Dembélé, dafür Roberto und ein Umtiti, der in den letzten Wochen sehr schlecht spielte, weil er scheinbar geistig bei Mourinho und Manchester war. Da frage ich mich bis heute, wieso Valverde nicht Vermalen aufgestellt hatte, genau den Vermalen, der verlässlich die Defensive zusammenhielt und fokussiert auftrat, wenn er denn ran durfte. Viel gravierender fand ich, dass Dembélé nicht von Beginn an aufgestellt war, sondern Valverde sich auf Roberto verließ, um möglichst defensiv gut aufgestellt zu sein. Die Vergangenheit hatte immer wieder gezeigt, dass Barça nicht auf ein 0:0 spielen kann und genau das passierte dann auch. Das Unmögliche wurde zur Realität, wir machten einen mittelprächtigen Gegner ganz stark und am Ende verloren wir mit 3:0. Für mich ist es bis heute unbegreiflich, wieso Dembélé erst ganz spät eingewechselt wurde, ich komme aus dem Kopfschütteln noch immer nicht heraus.

Dass ich in Kiew neben einem Madritista saß und mir seine Schmähungen anhören musste, war nur die Draufgabe eines unrühmlichen CL-Finales. Ernesto, das werde ich dir nie vergessen und verzeihen.

An Wenger werden sich die meisten Fußballfans nicht deshalb erinnern, weil er sehr oft Vierter wurde, sondern an die Tatsache, dass er in der Saison 2003/2004 eine perfekte Saison mit seinen Mannen ablieferte, soll heißen, dass er keine einzige Partie verlor. Tja, lieber Ernesto, du hattest auch die Chance, etwas Historisches zu schaffen, doch dann kam Levante. Dieses 4:5 aus unserer Sicht war doppelt bitter, einerseits, weil diese Niederlage aber sowas von unnötig war und zweitens hätten es sich die Spieler auch verewigen können. Sei´s drum, eine tolle Chance, um Fußballgeschichte zu schreiben, wurde vergeben.

Eigentlich hättest du schon letzte Saison Historisches leisten können, zwei nationale Titel sind ja nicht ohne, aber die Unsterblichkeit wäre dir sicher gewesen.

Kommen wir zu dieser Saison, am Transfermarkt wurde fleißig und gut eingekauft. Coutinho kam ja schon im Winter zu uns, was absolut positiv war, somit konnte er sich bereits einspielen. Im Sommer wurden Arthur, Lenglet, Malcolm (auch wir können mal die Roma besiegen) und Vidal verpflichtet. Aleñá wurde vom B-Kader in die Kampfmannschaft hinaufgehievt. Riqui, Miranda und Oriol durften auch schon mit der Ersten mittrainieren. Bis auf Vidal waren das für mich sehr gute, nachhaltige Verpflichtungen, die darauf hindeuten sollten, dass der Umbruch nach Iniesta, Xavi aber auch der bevorstehende Abgang (aus Altersgründen) von Messi, Busquets und Alba kompensiert gehört und, dass diese verheißungsvollen jungen Spieler allmählich in die erste Mannschaft integriert werden sollen. Zumindest dachte ich das anfangs.

Doch was ist passiert? Valverde, ein Spieler, der zu Cruyffs Zeiten aktiv und hautnah am Geschehen war als das offensive Fußballspiel eine neue Dimension erfuhr und er einen Lehrmeister der Extraklasse hatte – von eben diesem kann man erwarten, dass er im Sinne von König Johan die Idee des totalen Fußballs fortsetzen würde, noch dazu, wo er jetzt auch die Spieler zur Verfügung hat. Doch leider hat sich das Ganze ins Gegenteil gekehrt. Valverde lässt meistens mit einem 4-4-2 auflaufen. Er ist nur auf das Ergebnis bedacht, scheut das Risiko, sowohl personalpolitisch als auch taktisch. Ich habe das Gefühl, dass er glaubt, er trainiere noch immer Espanyol, Athletic oder Villarreal. Wieso behandelt er Malcolm so mies, wieso wurde er so lange ignoriert und wenn er dann eingewechselt wurde, immer nur für ein paar Minuten? Wieso hat es bei Arthur so lange gedauert, bis er endlich von Beginn an spielen durfte? Und wenn er dann spielte, wurde er dann vorzeitig ausgewechselt, obwohl er um Eckhäuser besser spielte als Rakitić? Wieso bekommt ein Vidal so viele Chancen und kein Aleñá? Ich muss aber dazu sagen, dass Vidal allmählich gut spielt – ist trotzdem ein falscher Ansatzpunkt. Wieso wurde Dembélé immer mehr und mehr aus der Startelf hinauskomplementiert oder nach guter Leistung vorzeitig ausgewechselt?

Die Krönung des Unvermögens aus meiner Sicht war die Aufstellung letzten Mittwoch gegen PSV. Ich hatte gehofft, dass ein Aleñá von Beginn an ran darf und, dass Malcolm an der Seite von Messi und Dembélé auflaufen würde. Doch es kam leider alles anders, als von mir erhofft. Die Krönung war dann die Einwechslung von Denis. Ja, der ist auch noch bei uns und so hat es sich angefühlt, ein Fremdkörper in der Mannschaft.

Leider muss ich feststellen, dass unser Team aktuell mehr Glück als Verstand hat und wir uns von Sieg zu Sieg oder zumindest zu einem Unentschieden hin stolpern. Beste Beispiele sind das Spiel gegen PSV oder auch der Clásico. Für viele war das 5:1 ein super Spiel. Stimmt, die erste Halbzeit war sehr leiwand, wie wir Wiener zu sagen pflegen, doch wir haben es verabsäumt, Real schon in den ersten 45 Minuten aus dem Camp Nou zu schießen. Man kann ja von Lopetegui halten. was man will. Ja, er hat bis zur Pause Angsthasenfußball spielen lassen, doch dann hat er die Problemstelle Reals entfernt (Varane) und auf ein 3-4-3 umgestellt. Prompt bekamen wir das 1:2 und Real bekam in der Anfangsphase der zweiten Hälfte Oberwasser. Ich weiß, man soll den Konjuktiv nicht überstrapazieren, aber was wäre passiert, wenn der Schuss von Modrić ins Tor gegangen wäre, und nicht an die Stange? Ich möchte mir dieses Szenario nicht ausmalen.

Es ist ja bald Weihnachten und da darf man sich ja für gewöhnlich etwas wünschen. Was wünsche ich mir? Hm, vor allem Gesundheit den Spielern, denn das ist das Wichtigste und ich wünsche Ernesto Mut. Mut zu mehr Barça, Mut zu mehr Spielwitz, Mut zu mehr Jugend, Mut zu mehr Kreativität und Mut zurück zu Johans Wurzeln zu gehen. Ich weiß, dass wir einen Messi in Topform haben, doch er alleine kann es leider nicht immer richten. Wir haben wieder so viele tolle, technisch versierte Spieler. Bitte lieber Ernesto, setze sie auch ein, lass sie das machen, was sie am besten können, nämlich tollen Fußball spielen. Dann wird sich der Erfolg einstellen und du kannst dann voller Stolz auf diese wunderbare Saison zurückblicken und dir auf die Schulter klopfen, denn dann hast auch du eine neue Ära mit jungen und hungrigen Spielern eingeleitet.

So, genug mit „Therapeutischem Schreiben”, mir würden noch so einige Punkte einfallen, doch dann würde niemand mehr weiterlesen und ich beende diesen Gastkommentar mit dem richtigen Spruch:

No risk, no fun ….

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