Kommentar: Adriano erwägt Wechsel zu Juventus

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Zur Saison 2010/2011 wechselte Adriano für 9,5 Millionen vom FC Sevilla zum FC Barcelona. Er war die erste Verpflichtung unter dem neuen Präsidenten Sandro Rosell. Zwei Jahre später bahnt sich womöglich der Abgang des 27-jährigen Brasilianers an. Die intensive Suche nach einem neuen Linksverteidiger und die erfolgreiche Verpflichtung von Jordi Alba haben Adriano dazu veranlasst, seine Einsatzchancen beim FC Barcelona gründlich gegen einen sicheren Stammplatz bei einem anderen Topklub abzuwägen. Zusammen mit seinem Berater prüft er alle Optionen und wählt unter allen verfügbaren jene, die ihn persönlich weiter bringt. In diesem Rahmen fällt auch eine Zusammenkunft mit dem neuen Trainer Tito Vilanova, bei dem der Trainer Adriano die Frage beantworten muss, wie er zu ihm steht und ob er überhaupt mit ihm plant.

Das ist angesichts der herausragenden Leistungen von Jordi Alba bei der diesjährigen EM keineswegs selbstverständlich. Man braucht kein Hellseher zu sein, um zu erkennen, dass Jordi Alba von Beginn an zum Stammpersonal gehören wird. Noch nie hat ein offensiver Linksverteidiger so gut mit Iniesta harmoniert wie Jordi Alba bei der EM. Das wird auch dem Trainer nicht entgangen sein und im Zweifel wird die Affinität von Iniesta im Verhältnis zu Alba und Adriano entscheiden. Als Abkömmling der Jugendabteilung La Masia hat Alba die Spielphilosophie von Barca vollkommen verinnerlicht, ein weiteres Argument für den jungen Nationalspieler. Adriano hingegen, so der Eindruck, hat mehr Schwierigkeiten mit der Spielart von Barca. Im Vergleich zu Alba wirkt er im Spiel zuweilen wir ein Fremdkörper. Ihm fällt es offenkundig schwer, die richtige Mischung zwischen Selbstaufgabe zugunsten des taktischen Systems und der Akzentuierung seiner individuellen Fähigkeiten zu finden. 

Das ist aber nicht gleichbedeutend damit, dass Adriano der schlechtere Spieler sei. Individuell betrachtet besitzt er Qualitäten, die ihn zu einem der besten Spieler auf seiner Position emporheben. Er ist technisch stark, sehr athletisch, schnell, beidfüßig und verfügt über einen guten Abschluss. Guardiola hatte gute Gründe, Adriano zu verpflichten. Es ist ihm lediglich nicht gelungen, ihn in sein umfassendes Konzept zu integrieren. Das fängt schon mit der Aufgabe der asymmetrischen Formation an; seit jeher positioniert sich Alves höher als Abidal. Eine Veränderung dieses Formationsmusters macht gewisse strukturelle Umstellungen auf dem Platz notwendig. Wann immer Adriano auf dem Platz stand, musste er tiefer agieren, als dies seinem spielerischen Naturell entspricht. Das aber wiederum bedeutet eine Verschwendung von Adrianos grundsätzlich gutem Offensivpotenzial.

In dieser Saison soll der Linksverteidiger bei Barca eine Waffe im Offensivspiel werden, das zeigt schon allein die Verpflichtung von Alba, der ebenfalls mit einem großen Offensivdrang gesegnet ist. Damit würde sich aber auch die Bedeutung von Adriano verschieben. Nichtsdestotrotz kann Adriano nicht erwarten, zum Stammpersonal zu gehören. Aber das kann mit Ausnahme von fünf bis sechs Spielern niemand bei Barca. Barca bedeutet gewissermaßen auch Unterordnung unter ein erfolgreiches Konzept. Nur so wird der Erfolg planbar. Die Vergangenheit zeigt aber, dass jeder Spieler im Verlauf einer Saison ausreichend Einsatzzeit bekommt; eine Saison ist lang und Verletzungen sind vorprogrammiert. Das wird auch Vilanova dem Spieler mitteilen und versuchen, ihn zum Verbleib zu bewegen. Und Adriano täte gut daran, zu erkennen, dass jeder Spieler in der Mannschaft wichtig ist und gebraucht wird.

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