Kommentar: Barça und die Globalisierung

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Més que un club (Mehr als ein Klub): Ein Vereinsmotto, welches viele Jahre die Vorgabe für das war, was der FC Barcelona sein wollte: ein Verein, welcher nicht nur sportlichen Erfolg erzielen möchte, sondern, insbesondere für seine Anhänger, mehr zu bieten habe als das kontinuierliche Veranstalten von Sportereignissen. Mit dem Auftreten des FC Barcelona ging stets mehr einher als dies bei anderen Fußballvereinen der Fall war. Diese Zeiten scheinen endgültig vorbei, schwingt Barça sich momentan doch zu einer Art Speerspitze der global operierenden Fußballklubs auf.

Anders als andere Klubs

Barça grenzte sich seit seiner Gründung im Jahr 1899 konsequent von anderen Vereinen ab, welche in der Welt des runden Leders operierten. Angefangen hat dies mit der politischen Bedeutung, die der Verein in Zeiten des Franquismus hatte. Der katalanische Klub fungierte damals bereits als eine Art Sprachrohr der Katalanen, die in dem Klub eine Möglichkeit sahen, ihrer Kritik an der Unterdrückung des Franco-Regimes Ausdruck zu verleihen. Diese politische Bedeutung zieht sich bis in die Gegenwart durch, in welcher der FC Barcelona allerdings nicht mehr als Instrument gegen faschistoide Tendenzen dient, sondern als Fürsprecher für eine Abspaltung der Region Katalonien vom spanischen Staat. Dazu sei gesagt, dass eine Besprechung der politischen Dimension einer möglichen Abspaltung nicht Teil dieses Artikels sein soll. Es geht hier nicht darum, Stellung zu dieser brisanten Frage zu beziehen und die Bemühungen des FC Barcelona in diese Richtung kann man sehen, wie man will. Es geht einzig und allein darum, die Bedeutung Barças für Diskussionen dieser Art herauszustellen. Abgesehen von politischen Fragen, gibt es nämlich noch andere Aspekte, die den FC Barcelona stets von anderen Klubs abgegrenzt haben.

Fußball ist ein Sport, in welchem sich die größten Vereine schon lange nicht mehr als reine Klubs, in welchen der Kampf in einem sportlichen Wettstreit im Vordergrund steht, betrachten, sondern eher als global-operierende Wirtschaftsunternehmen. In erster Linie geht es ihnen um globale Vermarktung, welche schlussendlich im Erzielen eines Maximums an finanziellem Gewinn resultieren soll. Auch der FC Barcelona operiert schon seit Ewigkeiten auf diese Art und Weise, vergaß dabei allerdings nie die Basis und verlor noch weniger aus den Augen, dass der sportliche Aspekt im Vordergrund des Ganzen stehen sollte. So verzichtete Barça beispielsweise bis ins Jahr 2006 darauf, den Platz auf dem Trikot an einen Sponsor zu verkaufen. Diese Regel wurde allerdings nur gebrochen, um einen Vertrag mit dem Kinderhilfswerk UNICEF zu vereinbaren, welcher dem Verein keine finanziellen Erlöse brachte. Hinzu kommt, dass Barça seit seiner Gründung immer bemüht war, bestimme Traditionen zu erhalten. So lief der Klub über Jahrzehnte hinweg immer mit längsgestreiften Trikots auf – eine Regel, die seit jeher als unantastbar galt und stets die Wichtigkeit von Traditionen im Klub symbolisierte. Auch das Einbinden möglichst vieler eigens ausgebildeten Jugenspielern ist im Weltfußball seit jeher einzigartig gewesen, wodurch speziell in der Ära Guardiola regelmäßig eine Mannschaft im Camp Nou bestaunt werden konnte, deren Schlüsselpositionen von Spielern aus dem eigenen Nachwuchs besetzt wurden. Vom traditionell dominanten Fußballstil möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen. Barça war also seit Jahrzenten ein Klub, welcher anders war als andere und bei dem das Einhalten von gewissen Traditionen vielleicht einen höheren Stellenwert hatte als es bei anderen Vereinen dieser Welt der Fall war. Der Klub bildete somit eine Art Gegenentwurf zum modernen Abbild eines Fußballklubs, welcher sich immer mehr als global-operierendes Wirtschaftsunternehmen verstand. Doch daran hat etwas sich etwas geändert.

Der FC Barcelona im Wandel

Stark verbunden mit dem Erhalt vieler der genannten Traditionen ging in der jüngeren Vergangenheit der Name Joan Laporta. Von 2003 bis 2010 war dieser der Präsident des Vereins und war dabei stets um den Erhalt der Werte und des ausgezeichneten Rufes bemüht, den sich der Klub über so lange Zeit aufgebaut hat. Darüber hinaus führte er den Verein in die sportlich erfolgreichste Zeit seit seiner Gründung. Seit seinem Ausscheiden als Präsident wird man das Gefühl nicht los, dass sich Barça in einer Art Transformation befindet. Eine Transformation, welche den so lange erarbeiteten Ruf eines traditionalistischen, werteorientierten und bescheiden arbeitenden Fußballklubs Stück für Stück von sich abwirft und stattdessen klassische Konzerninteressen im Sinne von Umsatz- und Gewinnmaximierung in den Fokus rückt. Der Klub ergriff in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Maßnahmen, die diesen Eindruck zulassen. Bemerkenswert ist allerdings, dass die Katalanen dabei nicht nur immer mehr wie alle anderen global operierenden Klubs handelten, sondern über deren Maß sogar hinausgingen. So lief Barça zur Saison 2011/12 nicht nur erstmals mit kommerziellem Trikotsponsor auf, der Deal mit der Qatar Foundation und später mit Qatar Airways bedeutete sogar den zur damaligen Zeit lukrativsten Sponsorendeal, den es im Profifußball überhaupt gab. Auch das Brechen einer anderen Tradition hinsichtlich des Trikots gehört seit dem Abgang Laportas dazu. Erstmals seit 1899 lief der FC Barcelona in der Saison 2015/16 in quergestreiften Trikots auf. Zwar kehrte Barça in der darauffolgenden Saison bereits wieder zum altbekannten Muster zurück, dennoch stellt diese Tatsache einen großen Bruch in der langen Historie des Klubs dar. Der Grund kann hierbei eigentlich nur das Profitinteresse, sowohl von Seiten des Klubs, als auch von Ausrüster Nike sein, die mit diesem Trikot augenscheinlich ein Unikat schaffen wollten, um die Verkaufszahlen zu erhöhen. Gerüchteweise soll der Klub Nike im Übrigen erlaubt haben, das Heimtrikot zur Saison 2019/20 in Karomustern zu designen. Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.

Doch nicht nur in Fragen zum Design des Trikots gleicht sich der FC Barcelona anderen Fußballvereinen an. Auch in anderen Aspekten geht der Bezug zur Basis immer mehr verloren und weicht den normalen Interessen eines herkömmlichen Unternehmens. In Spanien gibt es gerade eine große Diskussion über die Ausrichtung von La-Liga-Spielen außerhalb des Landes. So sollen Spiele der dort ansässigen Klubs künftig beispielsweise in den vereinigten Staaten von Amerika stattfinden. Nun könnte man meinen, dass sich gerade der FC Barcelona auf die Seite der Widerständler stellt und ein Austragen der Spiele in den eigenen Stadien bevorzugt. Ein Klub mit einer solchen heimatlichen Verbundenheit, noch dazu in Katalonien, wo sich die Menschen so sehr mit ihrer Region identifizieren, wie es vielleicht in keinem anderen Teil Spaniens der Fall ist, muss sich doch gegen diesen radikalen Schritt der internationalen Vermarktung stellen. Dies sollte man zumindest meinen, denn die Realität ist eine ganz andere. Tatsächlich lässt sich Barça als eine der zentralen Antriebskräfte dieser Unternehmung identifizieren. Und auch wenn das geplante Rückrundenspiel gegen den FC Girona vermutlich doch nicht in den USA stattfinden wird, so kommen einem die aktuellen Pläne des Vereins unglaublich falsch vor. Noch dazu ist es fast lächerlich, wenn Barça dadurch ausgerechnet Florentino Pérez, dem Präsidenten von Real Madrid, die Möglichkeit bietet, seinen Klub im Gegenzug als Speerspitze im Kampf gegen eben jene Pläne darzustellen.

Diese Tatsache bildet nur die Spitze des Eisberges einer Entwicklung, wie es sie beim FC Barcelona seit den Präsidentschaften von Sandro Rosell und Josep Bartomeu gibt. Unlautere Methoden bei einigen Transfers der jüngeren Vergangenheit sind in diesem Artikel noch nicht mal ausführlich dargestellt, selbsverständlich jedoch gehören auch diese dazu und trugen ihren Teil zum Rufmord des FC Barcelona bei. In jedem Fall muss sich an der Spitze des Vereins einiges ändern, denn schon jetzt erinnert der FC Barcelona eher an einen globalen Wirtschaftsplayer als an einen an der Basis verwurzelten Fußballklub. Das Vereinsmotto jedenfalls kann in naher Zukunft genauso verworfen werden, wie all die anderen Traditionen, die den FC Barcelona so auszeichneten, wenn die Entwicklung auf diese Art und Weise fortgesetzt wird.

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