Kommentar: Einige Gedanken zum Barça-Präsidium und Jérémy Mathieu

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Heute ist ein historischer Tag in der Geschichte von Barça: Nach ganzen fünf Jahren ohne Verpflichtung eines Innenverteidigers ist der Moment nun endlich gekommen. Der Auserwählte hört auf den Namen Jérémy Mathieu, ist 30 Jahre jung und kann nicht schlechter abschneiden, als es der ukrainische Witz auf zwei Beinen – Dmytro Chygrynskiy – damals tat. Wenn ich die Verpflichtung des Franzosen ganz nüchtern betrachte, muss ich feststellen: Die Freude überwiegt!

Nun haben wir Culés endlich unseren lang herbeigesehnten Innenverteidiger. Jérémy Mathieu vereint alles, was wir Fans uns für die Abwehr von Barça nur so erträumten. Doch bevor ich genauer auf die Personalie Mathieu eingehe, möchte ich mich zu dem Herren äußern, dessen Name Bestandteil hitzigerer Debatten war als jener des 30-jährigen Franzosen: Andoni Zubizarreta.

Andoni Zubizarreta: Ein Sportdirektor zum Fürchten

Der 52-jährige Spanier ist seit dem Jahr 2010 Sportdirektor des FC Barcelona. Somit leitete der Rekordspieler der Primera División also die lange Innenverteidiger-Abstinenz ein. Bereits vor Pep Guardiolas Abschiedssaison 2011/12 wurden Gerüchte vernommen, dass der Rekordtrainer gerne einen Innenverteidiger verpflichten würde. Am Ende des Transfersommers standen die Käufe von Cesc Fàbregas und Alexis Sánchez für insgesamt 60 Millionen Euro zu Buche.

Spätestens im Sommer 2012 fand die Debatte in der Öffentlichkeit jedoch ein Ende: Der FC Barcelona müsse einen Innenverteidiger verpflichten, koste es, was es wolle. Dieser Ansicht war auch Neo-Coach Tito Vilanova – möge er in Frieden ruhen. Ziel der Begierde: Thiago Silva vom AC Milan. Der Brasilianer ließ sich tatsächlich schnell von einem Wechsel überzeugen, allerdings landete sein Flugzeug in Paris. Man habe sich einfach zu spät bei ihm gemeldet, so der 42-Millionen-Euro-Mann lapidar. Als Kompromiss wurde schließlich Alex Song verpflichtet. Jeglicher weitere Kommentar überflüssig.

Im Sommer 2013 wurde das Trainer-Zepter notgedrungen an Tata Martino übergeben. Von Anfang an gab es nur eine Devise: Ein Innenverteidiger muss her! Nach einigen Zusammentreffen zwischen Neucoach Martino, Zubizarreta und Bartomeu war schließlich schnell klar, dass sich der neue Mann für die Defensive bereits im Kader befinde. Der Langzeitverletzte Carles Puyol sollte zu Beginn der Saison wieder fit sein und wurde als die lang ersehnte Neuverpflichtung für die Innenverteidigung vorgestellt. Man hatte schließlich an anderen (Steuer-)Fronten zu kämpfen: Neymar Jr. wurde unter Vertrag genommen.

Von ‚més que un club‘ zu ‚un club més‘

Somit sind wir nun im Sommer 2014 angekommen und die jahrelangen Versprechungen wurden endlich Realität: Der FC Barcelona nimmt einen gestandenen Innenverteidiger unter Vertrag. Doch weshalb fiel die Wahl nun auf einen Spieler wie Monsieur Mathieu? Ganz einfach aufgrund der Tatsache, dass die Herren Sandro Rosell, Josep Bartomeu, Javier Faus und die gesamte wahnwitzige Gefolgschaft nur auf eines aus sind: Den FC Barcelona zu einer weltweiten Wirtschaftsmacht zu transformieren. Lasst mich versuchen eine Verbindung herzustellen.

Seit dem Jahr 2010 wurden sage und schreibe 267 Millionen Euro in Offensivtransfers gesteckt. Auf diese Summe kommt man, wenn man den offiziellen Statements der Vereinsführung Vertrauen schenkt. Nicht eingerechnet wurden 13 Millionen Euro für den Zwangsrückkauf von Bojan Krkić. Auf der Gegenseite wurden 82,5 Millionen Euro für defensiv-orientierte Akteure investiert (Adriano, Mascherano, Song, Alba sowie Mathieu).
Unter diesen Käufen waren zwei absolute Hammertransfers, nämlich jener von Neymar Jr. und Luis Suárez. Ohne auf ihre sportliche Klasse einzugehen, wurde hier vor allem Wert auf das Prestige gelegt. Diese Transfers soll Barça weltweit in neue Bekanntheits-Sphären katapultieren und den Weg für neue Sponsoren freimachen.

Apropos Sponsoren: Der FC Barcelona bietet hier eine sehr facettenreiche Auswahl. Von moralisch verwerflich bis hin zu hoffnungslos lächerlich ist hier alles dabei. Qatar Airways, Qatar Foundation, Beko, Intel (im Inneren des Trikots) oder Maurice Lacroix, um nur einige der teils seltsamen Partner zu nennen. Gipfel der Ironie ist sicherlich der weiterhin bestehende Deal mit Unicef.

Um den Bogen wieder zurückzuspannen: Ein Transfer eines Innenverteidigers würde die Pläne der Vereinsführung um keinen Schritt voranbringen. Mit Sicherheit will man Barça triumphieren sehen, aber man setzt zuerst auf Prestigetransfers, um sich wenig später eingestehen zu müssen: Der Zug für namhafte, starke Innenverteidiger ist wieder einmal vielerorts abgefahren. Spieler wie Laporte, Musacchio, Thiago Silva, Iñigo Martinez hätte man längst unter Vertrag nehmen können. Doch hier waren dem Präsidium die falsche Prioritätensetzung und eine gehörige Portion an Naivität im Weg. Somit musste Zubizarreta schweißgebadet auf einen 30-Jährigen mit einer Ausstiegsklausel von 20 Millionen Euro setzen. Dieser Zug war als einer der letzten noch im Bahnhof.

Jérémy Mathieu: Eine sportliche Bereicherung

Zu schwach, zu alt, zu teuer! Das Fazit vieler Culés wurde schnell gezogen nach der Bekanntgabe dieses Transfers. Ich hingegen konnte meiner Freude kaum Ausdruck verleihen. Wer es noch nicht mitbekommen hat: Der FC Barcelona hat mit dem heutigen Tag einen gestandenen Innenverteidiger unter Vertrag genommen. Dieser Mann ist 1 Meter und 92 Zentimeter groß, pfeilschnell, physisch stark, kopfballstark und hat ein nicht zu verachtendes Passspiel. Sportlich passt er somit genau ins Profil.

Natürlich, er ist mit 30 Jahren nicht mehr der Jüngste und wurde zu teuer verpflichtet, aber den Herren Zubizarreta und Bartomeu waren schlichtweg die Hände gebunden. Dank ihrer Vermarktungspolitik, der falschen Prioritätensetzung und purer Naivität, haben sie sich in eine Ecke manövriert, aus der es kaum einen anderen Ausweg gab. Nach der Verpflichtung von Luis Suárez waren die Barça-Verantwortlichen tatsächlich eifrig auf der Suche nach einer Verstärkung für die Innenverteidigung, aber das Budget, die zugegebenermaßen große Konkurrenz, die drohende Transfersperre und eine zu spät eingeleitete Suche verurteilten das Vorhaben einer langfristigen und namhaften Verstärkung schon im Vorhinein zum Scheitern. Der Kompromiss heißt nun Jérémy Mathieu. Ein Mann, der uns sportlich trotz alledem voranbringt und von allen Culés unterstützt werden sollte.

Fazit

Meine Suche nach den Hintergründen zum Transfer von Jérémy Mathieu ließ mich einen ganz langen Bogen spannen. Wenig überraschend muss ich zu dem Urteil kommen, dass das derzeitige Präsidium des FC Barcelona eine wahrhaftige Katastrophe ist, welche sich nur schwer in Worte fassen lässt. Berücksichtige ich meine eigene These zum Vermarktungsplan dieser Herren, muss ich mich über den Transfer des 30-jährigen Franzosen freuen. Jérémy Mathieu ist ein kompromissloser, flinker und physisch starker Spieler. Eine absolute Bereicherung für unsere Innenverteidigung.

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