Kommentar: Griezmann se queda

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Nachdem Barça- und Atlético-Fans im übertragenen Sinn gleichermaßen in der Blumenwiese saßen und Gänseblümchen mit „er kommt“ und „er kommt nicht“ bzw. „er bleibt“ und „er bleibt nicht“ Blättchen für Blättchen zerpflückten – macht man das heute noch so? Ich habe keine Ahnung – ist die Entscheidung nun gefallen. Antoine Griezmann kommt nicht zu Barça und nimmt stattdessen Atlético Madrids Verlängerungsangebot an, um, so wurde berichtet, 25 Mio. Euro jährlich zu verdienen.

Manche Bartomeu-Anhänger mögen nun sagen, er wollte die Gehaltsstruktur nicht durcheinander bringen und ging bei dem Gebot deshalb nicht mit. Kritiker sagen eher, Barcelona hatte bei seiner ohnehin schon schwierigen Gehaltsstruktur nicht das Geld, um mitzugehen.

Ich persönlich bin sehr froh darüber, dass dieser Kelch an Barça vorüber gegangen ist, gleichermaßen wird mir unwohl zumute bei Namen, die gar nicht unrealistisch wirken, wenn man sich den Markt ansieht. Di María, Rabiot, Ruiz, aber auch Pastore fallen mir ein. Die 100 Mio. für Griezmann wären wohl da gewesen, zumindest theoretisch, da erscheint es dann nicht unrealistisch, dass ein teurer, aber vielleicht sinnloser Kauf ziemlich bald vor dem Barça-Wappen posiert. Nachdem man in der jüngeren Vergangenheit (seit Sommer 2014) knapp 700 Mio. Euro für Spieler ausgegeben hat, von denen nur Suárez, Rakitić, Ter Stegen, Bravo und Umtiti (insgesamt 130 Mio.) eingeschlagen haben und auch nur Semedo, Dembélé und Coutinho (insgesamt gut 300 Mio.) noch das Potenzial haben, einzuschlagen, fällt es schwer, optimistisch sein, da zu den 230 Mio., die für Spieler ausgegeben wurden, die nicht klappten, schnell weitere Mio. dazu kommen könnten. De Jong und Arthur gelten als Ziele. Allein mir fehlt der Glaube, da diese Transfers Cruyffs Philosophie entsprechen würden, von der das Präsidium nicht viel zu halten scheint.

Die Transfer-Politik haben wir jetzt aber schon unzählige Male durchgekaut, und sie wird davon nicht besser. Eine neue Wendung in der transfertechnischen „Schwächephase“, die Barça aktuell durchlebt, ist aber, dass ein Spieler Barças willentlich und wissentlich daran beteiligt ist, den Verein durchaus lächerlich zu machen. Die Rede ist dabei von Gerard Piqué, der mit seiner Firma einen maßgeblichen Anteil an der Doku-Soap von Griezmann gehabt haben soll, die gestern um 21:15 Uhr ausgestrahlt wurde. Wäre es nicht so traurig, wäre es ziemlich witzig ist, dass mittlerweile Piqué bei Barça besser über das Transfergeschehen Bescheid zu wissen scheint als die Vereinsführung. Ariedo Braida beispielsweise macht keinen Hehl daraus, dass er in der jüngeren Vergangenheit den Markt nicht intensiv verfolgt hat. Pep Segura hat in der Kabine mittlerweile Hausverbot, wenn man Medienberichten Glauben schenkt und Bartomeu hat diese angeblich seit Februar nicht mehr besucht. Die Stimmen, die behaupten, die Spieler hätten vom Präsidium die Nase voll, werden lauter, auch die Legenden bekennen Farbe. Xavis private Meinung wurde geleaked und Puyol ließ ziemlich unmissverständliche Tweets von der Leine. Führungsspieler wie Messi, Busquets und Alba äußerten sich mehr oder weniger kritisch und Piqué legt sich indirekt öffentlich mit der Vereinsführung an. Konkrete Äußerungen gab es trotzdem noch nicht und das ist auch der Punkt, warum ich Piqués Handeln nicht gutheißen kann. Er patzt damit nämlich in erster Linie den Verein und nicht das Präsidium an. Umtiti hätte sich anstatt eines Tweets auch etwas mehr auf das Fußballspielen konzentrieren können, aber seit Vertragsverlängerungssaga wirkt er nicht im Ansatz so professionell wie zuvor.

Nun müssen wir aber auch noch über den eigentlichen Hauptakteur in dieser Saga, Antoine Griezmann, reden. Dass ihm Atlético und seine Fans am Herzen liegen, kann ich ihm bei dieser Herangehensweise nur schwer abnehmen. Viel eher wirkt es so, als ob das viele Geld bei Atlético sowie die Tatsache, der alleinige Star zu sein, ihm schlussendlich wichtiger waren, als bei Barça den nächsten Schritt auf der Karriereleiter zu wagen (zugegeben, ohne Messi wäre das Barça, um es etwas drastisch zu sagen, aktuell wohl nicht einmal mehr). Das muss man nicht gutheißen, ist aber durchaus legitim. Barça kann froh sein, nach Neymar nicht den nächsten Spieler mit sehr großen Starallüren an Land gezogen zu haben. Denn Griezmanns Agieren toppt Neymar im letzten Transfersommer sogar noch. Schade, in welche Richtung sich der Fußball aktuell zu entwickeln scheint.

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