Kommentar: Hat Montoyas Stunde geschlagen?

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Wohl jeder Culé sah El Clásico, ebenso wird den meisten Barça-Nahen der Name Martín Montoya ein Begriff sein. Doch die restliche Fußballwelt kennt ihn eher weniger. Der 21-jährige kam am Sonntag für Dani Alves in die Partie, der früh verletzungsbedingt ausschied. Und wie schon im Supercopa Rückspiel erledigte Montoya seine Sache sehr ordentlich. Auch im letztjährigen Copa del Rey Finale agierte er äußerst abgebrüht.

Wir stellen uns die Frage, ob jetzt schon seine Chance gekommen ist, dauerhaft regelmäßige Einsatzzeiten, eventuell sogar in der Startelf zu erhalten. Denn es ist sicher, dass er früher oder später den rechten Außenverteidiger geben wird. Es stellt sich nur noch explizit die Frage nach dem wann, die nach dem ob ist schon gewiss.

Für Dani Alves läuft es im Moment nicht wirklich rund. Er macht ungewohnt viele Stellungsfehler, seine Ballverluste haben eine um einiges höhere Quote als früher, und auch seine Spielfreude, das Feuer, das Spezielle geht bei ihm gegenwärtig ein wenig abhanden. All diese Eigenschaften, die ihn zum besten Rechtsverteidiger der Welt machten, sind im Moment wenig zu Gesicht zu bekommen. Das lässt sich freilich auf sein Privatleben zurückführen – er wurde vor nicht all zu langer Zeit geschieden -, und auch seine vielen Rückschläge durch Verletzungen sind mitverantwortlich für seine überschaubaren Leistungen.

Das Element Alves fehlt auch in Messis Spiel immens. Viele Glanztaten des kleinen Argentiniers in der Vergangenheit wurden zumeist durch die starke Offensivpräsenz von Dani Alves begünstigt. Alves war der ideale Co-Partner von Messi und an zahlreichen Traumkombinationen beteiligt. Zudem war in den abgelaufenen Spielzeiten derjenige, der dem Spiel des FC Barcelona Breite verlieh und die gegnerischen Ketten dadurch weitete. In dieser Saison interepretierte Dani Alves seine Rolle als offensiver Außenverteidiger zumeist sehr restriktiv. An Breite mangelte es dem Spiel der Katalanen gleichwohl nicht, da die rechten Flügelstürmer zeitgleich sehr positionstreu agierten und die defensivere Stellung von Alves damit auffingen. Aber auch unter Berücksichtigung dieses Umstandes wirken die Auftritte des brasilianischen Nationalspieler sehr gehemmt und offenbaren nur halb so viel Elan wie gewohnt. Als Martin Montoya im Clásico für den verletzten Alves in die Partie kam, konnte er mit einer guten Leistung aufwarten. Es war eine erfrischende Vorstellung des Youngstars, der im Verhältnis zu Alves sowohl den offensiven als auch den defensive Part seiner Rolle besser im Griff hatte. Während Alves sich primär an C. Ronaldo orientierte und die Offensive vernachlässigte, fand Montoya eine gute Balance zwischen Defensive und Offensive. Mit seinen gemäßigten Offensivaustritten ging er kein allzu hohes Risiko ein und hatte stets das richtige Gespür für die Situation, wusste demnach genau, wann er sich angesichts eines starken Arbeitens gegen den Ball durch die Madrilenen eher etwas zurückzuhalten hatte.

Man mag befinden, dass Alves’ Zurückhaltung nicht so schlimm sei, da es im Spiel der FC Barcelona durch die hohe Positionstreue nicht an Breite mangelt. Gleichwohl hat der Auftritt von Montoya verdeutlicht, dass es besser geht. Eine Betrachtung der gegenüberliegenden linken Angriffsseite, auf der Alba und Adriano regelmäßig aufdrehen, bestätigt diese Beobachtung. Es ist nicht vorstellbar, dass Tito Vilanova auf eine Asymmetrie im Spiel seiner Mannschaft abzielt. Der begrenzende Faktor sind nicht die Vorgaben des Trainers, sondern die Formkurve des Spielers. Defensiv sieht es, wie bereits erwähnt, auch nicht sonderlich rosig aus. Aber ist es bei Alves eine Formkrise, oder doch mehr? Die Mehrheit von uns kennt die Klischees über die brasilanischen Fußballspieler. Nach 30 ist in Europa spätestens Schluss mit der Spielfreude und den guten Leistungen. Wird das bei Dani Alves genauso eintreten? Ist es schon geschehen? Tatsache ist, der Braslianer kommt nicht ansatzweise an seine Spiele der vorletzten und vorvorletzten Saison an. Und die zweite Tatsache ist, dass Montoya bereit steht. Wird Alves also verdrängt? Oder steht er doch noch hoch im Kurs, sodass weiterhin kein Weg an ihm vorbei führt? Kann man sich wirklich auf einen spannenden Zweikampf gefasst machen?

Eines ist jedenfalls klar, jeder Culé wünscht sich, dass Alves so spielt wie er es früher getan hat. Man mag ihn einfach. Man wünscht sich aber ebenso, dass Montoya zu mehr Einsätzen kommt. Wer weiß, vielleicht hat Barça auf rechts bald zwei Weltklassespieler. Das Potenzial ist zweifelsohne vorhanden, bei beiden.

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