Kommentar: Über die Chancen von Rafinha nach seiner Verletzung

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Rafinha – gerade im Begriff aufzustreben und sich einen festen Platz in der erweiterten Stammelf des FC Barcelona zu erarbeiten – wird er am 17. September 2015 beim ersten Champions-League-Spiel der Saison beim Stand von 1:1 ausgewechselt. Nur vier Minuten nach seiner Einwechslung. Die Schock-Diagnose: Kreuzbandriss. Fieberhaft arbeitete der jüngere Bruder von Thiago und Sohn der brasilianischen Fußballlegende Mazinho seither an seinem Comeback und hat vor dem Spiel gegen Villarreal das grüne Licht der medizinischen Abteilung erhalten. Im Kader stand er noch nicht, sein Comeback steht jedoch unmittelbar bevor. Das war für Barçawelt Grund dazu, auf seine Zukunft zu blicken.

Rafinha: Ein polyvalenter Spieler

Rafinha hat einen großen Pluspunkt, der dafür spricht, dass er auch nach seiner Verletzung wieder Fuß fassen kann – seine Vielseitigkeit. Er zählt zu jenen Spielern, die Ex-Barça-Coach Pep Guardiola, unter dem er sein Debüt in der ersten Mannschaft der Katalanen geben durfte, besonders schätzt. Es sind die polyvalenten Spieler. Auch Luis Enrique ist ein Trainer, der sich dieser Tatsache durchaus bewusst ist. Nicht umsonst hat Rafinha unter ihm auch schon Positionen im Angriff bekleidet. Rafinha kann vom zentralen Mittelfeld bis hin zum Flügel jede Position besetzen, auch die der ‚Falschen 9‘. Seine Stärken liegen aber mit Sicherheit in der gegnerischen Hälfte, etwas hinter den Spitzen, noch vor Busquets. Mitunter gehörte in seiner Zeit mit der zweiten Mannschaft aber auch offensive linke Außenbahn und sogar die ‚Echte 9‘ zu seinem Repertoire.

Seine Spielweise ist vertikal ausgelegt. Defensiv wie offensiv ist Rafinha zweikampfstark. Seine brillante Technik erlaubt es ihm, Tempo gut aufzunehmen und zu bestimmen und auch auf engem Raum Herr der Lage zu sein. Sein Talent gepaart mit seiner Einstellung im Training, die sich auch jetzt bei der fieberhaften Arbeit an seinem Comeback offenbarte, sind eindeutig Pluspunkte für den jungen Brasilianer.

Von den spielerischen Aspekten, seiner Arbeitsmoral und seinem Talent her steht einem erfolgreichen Comeback im Team des FC Barcelona also nichts im Wege, dennoch gibt es einige Faktoren, die für Rafinha den Weg steinig gestalten können.

Die Faktoren Arda Turan, Sergi Roberto und Aleix Vidal

Sergi Roberto war derjenige Spieler, der in der bisherigen Saison mit am meisten aufblühen konnte. Als Rechtsverteidiger, im defensiven als auch im offensiven Mittelfeld konnte der Spanier in der Abwesenheit von Dani Alves und einigen weiteren Stammkräften nahezu bei jedem Einsatz überzeugen. Er und Rafinha sind beide aus der eigenen Jugend und beide im Mittelfeld beheimatet.

In dieses gesellte sich kurz nach Neujahr auch Arda Turan. Der türkische Mittelfeldspieler, der im Sommer 2015 von Atlético Madrid losgeiest wurde, wirkt aktuell noch nicht perfekt in das Spiel der Blaugrana integriert, ist aber dabei, von Spiel zu Spiel besser zu werden. Gerade im Camp Nou konnte er schon einige Male überzeugen. Im Gegensatz zu Rafinha und Sergi Roberto ist er bereits ein gestandener Spieler, der in der türkischen als auch in der spanischen Liga reichlich Erfahrung sammeln durfte und sicherlich auch weiterhin Stammplatz-Ambitionen hat.

Ein weiterer Name, der auf den ersten Blick nicht allzu viel mit der Position des zentralen Mittelfeldspielers zu tun hat, ist Aleix Vidal. Dennoch ist auch er zu berücksichtigen, wenn es um Rafinhas Einsatzzeiten geht. Er hat ebenfalls Ambitionen auf reichlich Spielzeit und kann auf der rechten Seite so ziemlich jede Position abdecken. Wenn davon ausgegangen wird, dass Dani Alves auch weiterhin mehr oder weniger gesetzt ist, werden sich Aleix Vidal und Sergi Roberto um die Restminuten auf rechts „streiten“ müssen. Sergi Roberto kann ins Mittelfeld ausweichen; dort ist, wenn man ihn dazu zählt, jede Position allerdings doppelt besetzt, seitdem Arda Turan spielberechtigt ist. Insofern erweist es sich für Rafinha mit Sicherheit als schwierig, konstant Minuten auf einer Mittelfeldposition zu sammeln.

Sergi Samper, Gerard Gumbau und Alen Halilović: Der Nachwuchs drängt

Die drei in der Überschrift genannten Namen sind ebenfalls nicht außer Acht zu lassen. Samper und Gumbau bekamen von Luis Enrique in dieser Saison bereits Einsatzzeit, Halilović macht währenddessen bei Sporting de Gijón auf sich aufmerksam. Zwar sind Samper und Gumbau vom Typus her Rafinha nicht wirklich ähnlich, dennoch sind es Spieler, die im nächsten Jahr bzw. in den nächsten Jahren auf Einsatzzeit im Mittelfeld drängen werden. Halilović wird wohl, so er denn nicht noch ein Jahr verliehen wird, ebenfalls Bestandteil der ersten Mannschaft sein. Die Mittelfeldpositionen platzen beim FC Barcelona in Zukunft wohl aus allen Nähten.

Fazit

Für Rafinha kam seine Verletzung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Hätte er diese nicht erlitten, hätte er sich vermutlich einen Vorsprung gegenüber seinen Kontrahenten erspielen können. Zumindest deutete seine Form vor der Verletzung das an. Schlussendlich wird Enrique wohl die Qual der Wahl haben. Rafinha hat enormes Potenzial, auf das er in Zukunft bauen kann. Nichtsdestotrotz müssen aus Sicht des FC Barcelona bedachte Personalentscheidungen getroffen werden. Das Überangebot birgt Gefahren: Behält man alle Spieler, wird vermutlich keiner ausreichend Einsatzzeit erhalten und das volle Talent entfalten können. Die Verantwortlichen müssen klare Entscheidungen treffen, um die sportliche Zukunft der Spieler und des Vereins nachhaltig zu sichern. Sonst könnte auf einmal auch ein Spieler von Champions-League-Format wie Rafinha am Ende verloren gehen.

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