Kommentar zur Kaderplanung: Hoffnung und Realität

StartFC BarcelonaKommentareKommentar zur Kaderplanung: Hoffnung und Realität
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Wenn man sich Barças erschreckende Transferpolitik in den vergangenen Jahren ansieht, dann hat man eigentlich nicht viel Grund für Hoffnung, dass sich daran großartig etwas ändern wird. Dennoch klammert man sich schlussendlich an jeden Medienbericht, der einen Wunschspieler mit Barça in Verbindung bringt und hofft bis zum Schluss, dass sich die gut informierten Medien mit einer hohen Trefferquote vielleicht doch irren. Und am Ende holt Barça Willian und Rabiot.

Verkaufen, um zu kaufen

André Gomes, Aleix Vidal, Yerry Mina, Marlon Santos, Douglas, Ortolá, Rafinha, Munir, Paco Alcácer, Lucas Digne, Denis Suárez, Sergi Samper, Jasper Cillessen. Das ist die Liste an Spielern, die in den Planungen entweder keine Rolle spielen sollen oder bei einem guten Angebot verkauft werden würden. Die Liste ist gleichzeitig auch eine gute, wenn auch nicht vollständige Zusammenfassung von der Transferpolitik des FC Barcelona in den letzten Jahren. Schlussendlich wird es aber spannend zu beobachten sein, wie viele der Spieler schlussendlich endgültig verkauft werden.

Wenn man die obige Liste objektiv betrachtet, dann sollte man eigentlich feststellen, dass kaum einer der Spieler darauf eine ernsthafte Rolle bei Barça spielen sollte, was entweder die Qualität oder das Spielerprofil oder sogar beides anbelangt. Cillessen ist dabei ein Ausreißer, dem es aber vergönnt sei, bei einem Team die Nummer 1 im Tor zu sein. Bei Samper, Denis, Munir und Rafinha tut den meisten Fans das Herz weh, doch die Chancen, dass einer dieser Spieler bei Barça noch ernsthaft Fuß fassen wird, sind unter dieser Vereins- und sportlichen Führung – vom Präsidium bis zum Trainerteam – leider eher gering.

Die Hoffnung

In einer optimalen Transferperiode, die zusätzlich auch noch im entferntesten realistisch scheint – sprich Modrić klonen und um fünf Jahre verjüngen ist nicht möglich – würde der FC Barcelona versuchen, Thiago oder Pjanic zu verpflichten. Beide Spieler wären bei Verhandlungsgeschick wohl zu haben, immerhin hat Bayern München Thiago fast ein Preisschild umgehängt und auch Juventus ist nach der Verpflichtung von Cristiano Ronaldo sicherlich nicht abgeneigt, zumindest einen Top-Spieler zu verkaufen, um finanziell etwas Boden gut zu machen. Damit hätte man einen international etablierten Mittelfeldstrategen auf Top-Niveau verpflichtet, der zusätzlich auch noch in das Profil passt, das die Katalanen benötigen würden, um dominanten Ballbesitz zu spielen.

Damit die Planung auch auf lange Sicht Nachhaltigkeit hätte, müsste man sich außerdem intensiver um Frenkie de Jong von Ajax Amsterdam bemühen. Der Niederländer ist ein bekennender Barça- und Messi-Fan(boy) und ist neben der Tatsache, dass er als Spieler sehr polyvalent ist, auch noch jung und seine Entwicklung ist bei guter Planung noch steuerbar und hat, so wirkt es zumindest aktuell, noch keine festgesetzte Grenze. Klar steht hinter so einer Verpflichtung immer ein großes Risiko, aber derzeit gibt es wohl keinen Spieler, der in Zukunft derart große Chancen hätte, Barça spielerisch weiterzuhelfen. Ein Vertrag für eine fixe Verpflichtung zur Saison 2019/20 wäre keineswegs schlechter als Verpflichtung zum jetzigen Zeitpunkt, da man mit Arthur und Aleñá bereits zwei junge Mittelfeldspieler im Kader hat, die unbedingt Einsatzzeit brauchen werden, um das Niveau zu erreichen, das bei Barça erforderlich ist. Die Anlagen sind zweifelsfrei bei beiden vorhanden und daher wäre es leichtfertig, mit einer Überbesetzung die Spielzeit für alle Talente zu reduzieren. Im nächsten Sommer muss man dann ein Fazit ziehen und schauen, wie es weiter geht. Die Chance bei de Jong darf man aber nicht verpassen, denn Pep Guardiola wird mit ziemlicher Sicherheit auch bald an die Tür klopfen und wenn man Barça- und Messi-Fan(boy) ist, wird man wohl kaum „nein“ zu Pep sagen.

Würde dieses Szenario eintreten, dann wäre der FC Barcelona wir zumindest im Mittelfeld gut versorgt. Mit Thiago oder Pjanic hätte man einen etablierten Neuzugang, mit Arthur, Aleñá und de Jong geballtes Talent für die Zukunft und mit Busquets und Rakitić ein eingespieltes Duo mit viel Klasse und Erfahrung, das hoffentlich auch genug Pausen bekommen würde, um a) geschont zu werden und b) den jungen Spielern die Minuten zu geben, die sie für eine gute Entwicklung benötigen.

Die Frage nach Coutinho im Mittelfeld ist natürlich berechtigt, aber als Außenstürmer würde er mindestens genauso viel Bereicherung für das Spiel bedeuten. Mal ganz abgesehen davon, dass eine Saison lang ist und Valverde mit einem derartigen Mittelfeld auch endlich wieder die Möglichkeit hätte, an verschiedenen Spielsystemen zu basteln. Damit wäre der FC Barcelona, so unwahrscheinlich es auch klingen mag, eigentlich auf allen Positionen (relativ) gut versorgt. Man kann jetzt natürlich sagen, dass es auf der Rechtsverteidigerposition noch Probleme gäbe und kein Ersatz für Luis Suárez vorhanden wäre, aber nach jahrelanger Fehlplanung kann der Kader eigentlich, noch dazu bei den exorbitant hohen Transferausgaben der jüngeren Vergangenheit, kaum in einem Sommer korrigiert werden. Aber die genannten Einkäufe wären eben wichtige Schritte, wenn Barça wieder dominanten Fußball spielen wollen würde. Semedo sollte auf rechts außerdem keineswegs bereits abgeschrieben werden. Die erste Saison ist bei Barça immer schwierig und, dass er über enormes Potenzial verfügt, hat er in einigen Spielen bereits aufblitzen lassen. Außerdem ist Sergi Roberto in Form auf rechts wahrlich alles andere als ein Problem. Hinter Luis Suárez könnte man es auf jeden Fall noch ein Jahr mit Paco Alcácer oder noch besser mit Munir probieren. Dieser hat bei Alavés aufgezeigt und hätte sogar La Masia Vergangenheit. Die Vorzeichen könnten also auch hier schlechter stehen.

Bezüglich Denis Suárez und Sergi Samper gibt es einige Fragezeichen. Denis könnte auf der Außenbahn auf jeden Fall noch eine Chance als Backup erhalten. Seine Stärken würden auf der Position vielleicht sogar besser zum Ausdruck kommen. Der Einsatz und Wille stimmen bei ihm und mit Dembélé und Coutinho ist man auf Außen derart teuer besetzt, dass Denis eine logische Lösung wäre, die nichts kostet und auch technisch das benötigte Level mitbringen würde. Bei ihm hapert es vor allem an der Entscheidungsfindung in vielen Situationen. Das kann aber auf jeden Fall behoben werden, wenn er denn einmal eine fixe Position hätte und nicht auf drei verschiedenen eingesetzt werden würde.

Bei Samper würde ein Verbleib nur dann Sinn machen, wenn de Jong noch nicht heuer kommt und man sogar das große Risiko eingehen würde, keinen etablierten Mittelfeldspieler zu holen. Ansonsten hätte man ein Überangebot im Mittelfeld, bei dem sich die Entwicklung der jungen Spieler gegenseitig behindern würde. Samper wäre sicherlich eine sehr gute Option, um Busquets Pausen zu gönnen, aber die Frage ist, ob Barça dieses Risiko wirklich eingehen will. Ohne Frage hätte sich Samper eine Chance verdient und es wäre eigentlich ziemlich schwach vom Club, ihm keine zu geben, wo Gomes und Co. unzählige erhalten haben, die aber keine Barça-Geschichte haben. Ein weiteres „Problem“ ist aber, dass Mit Oriol Busquets und Riqui Puig noch zwei weitere Top-Talente bei Barça in den Startlöchern stehen, die aber jeweils vier Jahre jünger sind und in ihrer Entwicklung aufgrund der ganzen, in vielerlei Hinsicht auf von Barça verursachten, Strapazen bei Samper nicht wirklich hinter diesem sind.

Zusammengefasst würde ein aufregender, interessanter Barça-Kader für nächstes Jahr also wie folgt aussehen (Lenglet wurde jetzt gar nicht weiter erwähnt, da ein Wechsel angeblich nur eine Frage der Zeit ist):

  • TW: 1 Ter Stegen, 13 Cillessen (bzw. neue #2)
  • RV: 20 Sergi Roberto, 2 Semedo
  • IV: 3 Piqué, 23 Umtiti, 15 Lenglet, 25 Vermaelen
  • LV: 18 Alba, 19 Digne (bzw. Cucurella oder Miranda)
  • MF: 5 Busquets, 4 Rakitić, 16 Arthur, 7 Thiago, 8 Aleñá
  • AS: 11 Dembélé, 14 Coutinho, 6 D. Suárez
  • HS: 10 Messi
  • MS: 9 L. Suárez, 17 Munir

Zu erwähnen wäre hier selbstverständlich noch der Vorvertrag mit de Jong. Mit einem Kader, der insgesamt 21 Leute umfassen würde (Nummern 12, 21, 22, 24 unbelegt), hätte Valverde wie gewünscht einen kleineren Kader, der aber in der Breite sogar besser aufgestellt wäre als der der vergangenen Saison. Mit vier freien Plätzen hätte man sogar noch die Gelegenheit, Oriol Busquets und Riqui Puig einige Einsatzminuten in der ersten Mannschaft zu geben oder sogar Samper einen Fixplatz zuzugestehen. Damit würde man aber Gefahr laufen, dass im Mittelfeld einige Spieler schlichtweg zu wenig zum Zug kommen. Das hängt schlussendlich auch damit zusammen, welches System Valverde plant. Gegenwärtig wirkt ein derartiges am sinnvollsten, wobei hier sehr viel von Coutinhos und Dembélés Laufleistung abhängen würde und Alba und Sergi Roberto ihre Position etwas konservativer auslegen müssten bzw. auch Coutinhos Position noch nicht restlos geklärt wäre:

Ter Stegen
Sergi Roberto – Piqué – Umtiti – Alba
Busquets – Rakitić
Messi
Dembélé – L. Suárez – Coutinho

Die Realität

Der obige Kader wäre mit Verhandlungsgeschick und Weitblick gar nicht allzu unrealistisch, aber, wenn man den gut informierten Medien glauben schenkt, dann hat Barça gegenwärtig andere Pläne: Adrien Rabiot und Willian sollen die Transferziele mit der höchsten Priorität heißen. Diese Transfers würden traurigerweise auch viel besser ins Muster bei Barça passen. Rabiot ist vom Profil her einem Gomes sehr ähnlich, wenn gleich seine Spielintelligenz doch schon deutlich ausgeprägter ist und er auch im Pass- und Kombinationsspiel deutlich weiter ist. Er wäre, um es auf den Punkt zu bringen, ein Upgrade zur Personalie Gomes. Willian wäre zu Saisonbeginn 30 und würde, so wird zumindest berichtet, um die 80 Millionen kosten. Mal ganz abgesehen davon, dass es für seine Position bei Barça bisher keinen wirklichen Platz gab, wäre er als äußerer Mittelfeldspieler bzw. Außenstürmer eine klare Ansage an Dembélé. Die beiden könnten in de facto keinem System gemeinsam auf dem Platz stehen. 80 Millionen für einen Backup würden aber noch weniger Sinn machen, höchstens etwas mehr Sinn als bis zu 140 für einen Backup, der Dembélé dann wäre, aber auch keinen Sinn. Insofern würde diese Personalie fast mehr Fragen aufwerfen als jeder andere Transfer.

Nach dem Gesetz der großen Zahl bezüglich Leihen, muss man auch bei den Verkäufen skeptisch sein, noch dazu, wo bereits Trainingsstart ist, aber noch immer keine ernsthaften Gerüchte in den Medien kursieren. Eine traurige, aber nicht unrealistische Prognose ist daher folgende:

  • Douglas (Leihe)
  • Rafinha (Leihe)
  • Paco Alcácer (Verbleib)
  • Munir (Leihe)
  • Gomes (Verbleib)
  • Aleix Vidal (Verbleib)
  • Mina (Leihe)
  • Marlon (Verkauf)
  • Samper (Leihe)
  • Ortolá (Vertragsauflösung)

 

Und übrigens: Mit der Verpflichtung von Rabiot und Willian wären es wohl wieder ca. 120 bis 160 Millionen Euro, die auf kurze oder lange Sicht in den Wind geblasen würden …

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