Barça bezwingt Real Madrid – Wie viel ist dieser Sieg wert?

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Nach dem Sieg gegen Real Madrid sprach Tata Martino teilweise von einer exzellenten Vorstellung. Insbesondere das Mittelfeld hätte sich besonderer Anerkennung verdient gemacht – Busquets, Xavi und Iniesta hätten „sehr gut gespielt“. Auch in unserer taktischen Analyse kommt die Mannschaft sehr gut weg. Doch ist tatsächlich alles Gold was glänzt? Tata Martino verschaffte der Mannschaft einen taktischen Vorteil gegenüber dem Gast aus Madrid. Hinzu kommt, dass die Partie vor fast 100.000 frenetischen Fans stattfand, welche die letzten Prozent aus der Mannschaft herauszukitzeln suchten. Vor diesem Hintergrund könnte die gezeigte Leistung in einem etwas blasseren Licht erscheinen.

In unserem Taktikbericht haben wir detailliert herausgearbeitet, wo die Überlegenheit der Mannschaft in der ersten Halbzeit herrührte. Real Madrid hat sich auf die Anwesenheit von Lionel Messi im Zentrum eingestellt

, wohingegen Tata Martino seinen Landsmann auf den rechten Flügel beorderte. Man hat sich erhofft, dass das Mittelfeld bestehend aus Modric, Khedira und Ramos hinreichend ist, um das Spielfeldzentrum, Barças bevorzugtes „Jagdrevier“, abzudichten. Aus diesem Grund beteiligten sich Di Maria, Bale und C. Ronaldo anfangs kaum in der Defensive – ein Fehler, wie sich schnell herausstellen sollte. Der Mittelverbund musste sich strecken, um Messi oder Neymar zu erreichen, offenbarte dabei aber Schnittstellen, in welche die Barça-Mittelfeldakteure hineinstechen konnten.

Tata Martino verschafft seiner Mannschaft einen taktischen Vorteil

Carlo Ancelotti spekulierte auf Balleroberungen im Zentrum und schnelle Konter über seine drei weitgehend von Defensivverbindlichkeiten befreiten Offensivkräfte, wurde dann aber selbst Opfer eines Konters von Tata Martino. Das war aber nicht das einzige Problem von Real, selten hat man die Spieler mit so wenig Intensität spielen sehen. Das Arbeiten gegen den Ball war ebenso schwach wie die Antrittsintensität beim Schließen von Passwegen. Angesichts dieser Beobachtungen muss man hinterfragen, ob für den FC Barcelona in der ersten Halbzeit nicht sogar mehr drin gewesen wäre.

Im Vergleich zu anderen Mannschaften aus der Primera División hatten die Katalanen gegen Real Madrid nämlich leichtes Spiel. Fast mühelos konnten sie sich Platz verschaffen, doch vor dem Tor sprangen lediglich zwei Tormöglichkeiten heraus. Nach der Möglichkeit durch Lionel Messi zog sich die Mannschaft zurück und überließ dem Gegner das Spielfeld. Das zumindest ist die vorherrschende Meinung. Aber taten sie das wirklich oder war dies der Anfang eines Abbauprozesses, der in der zweiten Halbzeit seine Fortsetzung gefunden hat?

Real Madrid kam immer besser in Fahrt

Cesc Fàbregas war in diesem Spiel kein echter ‚Falscher Neuner‘. In Wahrheit war er ein weiterer Mittelfeldspieler, der sich stark in die Defensive einbrachte und zusätzliche Stabilität vermittelte. Trotzdem kam Real Madrid immer besser in Fahrt und konnte das Spiel immer ausgeglichener gestalten, bevor sogar eine Feldüberlegenheit eintrat. Diese wurde eklatant, als Fàbregas für Alexis Sánchez weichen musste. Sánchez sorgte für Stabilität auf dem rechten Flügel, das Zentrum mussten Iniesta, Busquets und Xavi alleine bearbeiten. Damit schaffte Tata Martino ein großes Problem.

Die Defensivleistungen von Xavi und Iniesta erinnerten ab einem gewissen Punkt an Standfußball. Sie konnten keinen Druck mehr auf die Gegenspieler ausüben und ließen die Madrilenen sehr nah vor das eigene Tor rücken. Erst die Einwechslung von Alexandre Song gab der Mannschaft wieder Sicherheit und stellte ein neues Gleichgewicht im Defensivspiel her.

Rückzug der Mannschaft in der ersten Halbzeit – Taktik oder Unvermögen?

In Ansehung dieser Umstände muss bezweifelt werden, ob das Zurückweichen der Mannschaft in der ersten Halbzeit tatsächlich einen taktischen Hintergrund hatte oder ob sich hierin schlicht die ersten Verschleißerscheinungen spiegelten. Dass Real Madrid den Angriff suchen und vor das Tor von Víctor Valdés kommen wird, war von vornherein klar. Es war allerdings überraschend, wie lange sich die Madrilenen in der gegnerischen Hälfte festsetzen und den Ball halten konnten. Desgleichen war zu beobachten, dass Barça kaum mehr in der Lage war, nach vorne hin für Entlastung zu sorgen – die Bälle wurden schnell verloren.

Der Verdacht liegt also nahe, dass bereits in der ersten Halbzeit ein Abbauprozess eingesetzt hat, der sich im weiteren Verlauf noch verstärkte. Gegen eine Mannschaft mit dieser Anzahl an torgefährlichen Akteuren mutet es seltsam an, ihnen das Spiel zu überlassen. Auch an einem schlechten Tag kann Madrid aus dem Nichts zu Torchancen gelangen, wie die fast schon hundertprozentige durch Khedira beweist. Die fortwährende Kontrolle des Spiels durch Ballbesitz wäre angesichts des bis dato erfreulichen Spielverlaufs die richtige Wahl gewesen – doch hierzu war man anscheinend nicht mehr in der Lage. Nach der Chance durch Messi kam recht wenig von den Katalanen, die totale Kontrolle konnte nicht mehr aufrechterhalten werden.

Wie viel ist diese Leistung im Kontext der Champions League wert?

Die Hauptverantwortlichkeit für die Veränderung des Spiels kann mit Bestimmtheit im Mittelfeld verortet werden. Schon seit längerem kursiert die Frage durch die Fanlandschaft, ob der FC Barcelona den Zeitpunkt hin zu einer neuen Ära verpasst hat. Xavi und Iniesta sind weiterhin in der Lage, hervorragende Leistungen zu erbringen – das gestrige Spiel ist der beste Beweis. Allerdings treten in großen Spielen immer wieder Defizite zum Vorschein, die den Glauben an einen internationalen Erfolg erodieren. Kann der FC Barcelona mit diesen zwei Lichtgestalten die Champions League gewinnen? Oder hat man den Zeitpunkt verpasst, neue Spieler an die Mannschaft heranzuführen? 

Mit Sergi Roberto hat die ‚Blaugrana‘ einen Spieler in den Startlöchern, der über ein großes Potenzial verfügt. Allein zeigen konnte es der Spieler bisweilen nicht. Abwechselnd führt sich der Spieler die Partien des FC Barcelona von der Bank oder von der Tribüne aus zu Gemüte. Dabei war seine Vorbereitung sehr vielversprechend und nährte die Hoffnungen auf einen reibungslosen Übergang in eine neue Ära. Im Vergleich zu Iniesta, Xavi oder auch Fàbregas bringt der Spieler gänzlich andere Qualitäten mit, die dem modernen Fußball mehr entsprechen, zumindest was die Defensive angeht. Des Weiteren ist auch sein Offensivprofil ein anderes und könnte der Mannschaft neue Impulse vermitteln.

Man kann nur Mutmaßungen darüber anstellen, wie der FC Bayern oder die Dortmunder gegen Real Madrid ausgesehen hätten. Wahrscheinlich hätten die ‚Blancos‘ bei der an den Tag gelegten Intensität kein Land gesehen. Als Fan darf man sich über den Sieg gegen den ewigen Widersacher freuen, Illusionen hingeben sollte man sich aber nicht. Der FC Barcelona ist noch ein gutes Stück von der Intensität der großen Mannschaften entfernt, vor allem was die Konstanz im Mittelfeld anbelangt. Man kann nur hoffen, dass der Blick auf die wesentlichen Defizite nicht durch den Sieg im Clásico versperrt wird. 

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