Barça-Legende Carles Puyol: „Wir haben mit dieser Generation Geschichte geschrieben”

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Vor nicht allzu langer Zeit gab Carles Puyol – seines Zeichens zehn Jahre Kapitän des FC Barcelona – in einem Interview mit der spanischen Tageszeitung ‚El País‘ wieder einige interessante Informationen kund. Darin sprach der ehemalige katalanische Innenverteidiger über die UEFA Champions League und die vielzitierte ‚Goldene Generation‘ der Blaugrana. Des Weiteren waren die Anfänge seiner ruhmreichen Karriere, seine besonderen Momente und auch Lionel Messi höchst interessante Themen in Puyols Fragerunde.

Wissen Sie, wie viele Spiele in der Champions League Sie insgesamt bestritten haben?

Nein, ich kenne lediglich die Gesamtanzahl an Spielen, die ich für Barcelona gespielt habe, aber die Anzahl an Spielen in der Champions League kenne ich nicht. Wie viele waren es denn?

120 Spiele. Wissen Sie denn, wie viele Tore Sie währenddessen erzielt haben?

Ein oder zwei Tore, nicht wahr? Ich kann mich aber nicht erinnern.”

Rühren diese fehlenden Erinnerungen aus ihrem fehlenden Ego oder aus ihrem schlechten Gedächtnis her?

Ich habe kein großartiges Gedächtnis, aber es war immerhin auch nicht mein Job [Tore zu schießen; Anm.], deswegen beunruhigt mich das eine Tor mehr oder weniger nicht sonderlich. Ich kann mich erinnern, dass ich ein Tor einmal nach einem Freistoß erzielt habe. Der Ball war im Strafraum, gelangte über ein paar Stationen dann auf meinen Fuß und ich schoss. An das andere Tor erinnere ich mich nicht, vielleicht kam es nach einem Eckball zustande. Ich habe aber immer gewusst, dass mein Job das Verteidigen war.”

Sie sind schon Hunderten von Stürmern in ihrer Karriere begegnet und mussten genauso viele manndecken. Wer war der Unangenehmste, mit dem Sie es zu tun hatten?

Drogba. Es ist sehr hart, ihn unter Kontrolle zu bekommen. Er ist ein kompletter Stürmer, sehr stark und sucht den Kontakt mit dem gegnerischen Verteidiger, um seinen Referenzpunkt zu erhalten. Wegen seiner Physis war ich der kleine von uns beiden, deswegen musste ich den Kontakt mit ihm vermeiden, andernfalls wäre ich auf verlorenem Posten gewesen. Ich musste sehr vorsichtig sein, um meine richtige Position zu finden, und ihn davon abhalten, den Kontakt zu bekommen, den er wollte.”

Ihr intensives Verteidigen hat uns bereits ein ikonisches Bild ihrer Karriere beschert, wo Sie mit Ihrer Brust einen Ball vor dem freistehenden Tor stoppen. Können Sie sich daran erinnern?

Ja, daran kann ich mich erinnern. Es sind hauptsächlich die Leute, die mich oft daran erinnern, und es macht auch im Social Media seine Runden. Ich habe meinen Job stets genossen. Ich habe das Verteidigen gemocht. Der Fußball hat mir eine Menge an Erinnerungen und Momenten beschert. Das betrifft nicht nur jene Erinnerungen während den Spielen, Siegen und der Euphorie, sondern auch die schlechten Momente. Und natürlich auch noch die Erinnerungen an meine Freunde und die Stunden, die ich in der Umkleidekabine mit meinen Teamkameraden verbracht habe.”

Können Sie sich an Ihr Debüt erinnern? Ging damit ein Traum für Sie in Erfüllung?

Ja, das war damals gegen AIK. Wir gewannen mit 5:0. Viele Youngsters haben an jenem Tag gespielt und Gabri hat auch ein Tor erzielt. Ich habe meine Träume Stück für Stück erfüllen können. Ich war ein Kind von La Pobla, der lediglich einen Traum hatte: für Barça zu spielen. Als ich dies erreicht hatte, wollte ich die meiste Zeit, in der es mir möglich war, in der ersten Mannschaft bleiben. Und Stück für Stück bin ich meinen Weg gegangen und habe mich wie ein Protagonist gefühlt. Ich schaue zurück und bin sehr befriedigt. Ich bin sehr glücklich, dass ich 15 Jahre lang trainieren und Fußball spielen durfte und dass wir alles gewonnen haben. Seit ich geboren bin, war ich bereits ein Culé, deswegen kann man sich in etwa vorstellen, was ich fühle, wenn ich in die Vergangenheit zurückblicke.”

Was macht ein Spiel in der Champions League anders als ein Spiel in La Liga?

Zuerst einmal sind die Anstoßzeiten für ein Fußballspiel perfekt. Und dann das Ritual, die Art und Weise, wie man auf das Feld geht sowie die Hymne. Es ist ein Wettbewerb, bei dem jeder dabei sein will, weil historisch betrachtet immer die Meister hier gespielt haben, auch wenn es jetzt ein wenig anders ist. Auf jeden Fall sind die besten Mannschaften mit dabei und damit auch die besten Fußballspieler. Das Ritual beziehungsweise die Vorbereitung auf ein Spiel ändert sich auch ein wenig: man reist am Tag davor an, trainiert im Stadion des jeweiligen Gegners und wenn man zu Hause spielt, dann verbringt man die Nacht davor in einem Hotel.”

Könnten Sie sich speziell für eines der 120 Champions-League-Spiele entscheiden?

Wahrscheinlich eines der beiden Finals, aber das 2:0 im Bernabéu war auch wegen vielen Gegebenheiten speziell: was am Tag zuvor passiert ist, wie wir gespielt haben, die Atmosphäre und weil ich beide Spiele gegen Madrid bestritten habe, während ich noch eine Verletzung hatte. Ich habe den Spielball noch immer bei mir zu Hause. Mein Knie war eine einzige Schweinerei; aber ich habe für genau diese Spiele gelebt. Man hat mich aus der Eisbox rausgenommen, dann habe ich gespielt und danach bin ich wiederum in die Eisbox gestiegen. Wir haben uns qualifiziert, haben es ins Wembley geschafft und ein perfektes Finale gespielt. Ich glaube, dass es sehr schwer ist, besser zu spielen, als wir an diesem Tag gegen United.”

Also würden Sie von den drei Finals das Wembley-Finale wählen?

Nein, das wäre Paris. Es war mein erstes und mein Vater war anwesend. Es war das einzige Spiel von mir, das er sich angeschaut hat. Damit hat sich für mich wahrlich ein Traum erfüllt.”

Als Sie in die erste Mannschaft aufgestiegen sind, hatte Barça lediglich einen Champions-League-Titel errungen, nämlich denjenigen im Wembley-Finale 1992. Kluivert fragte, wo die anderen wären, als er hier war.

Das war auch für mich merkwürdig, weil Barça über mehrere Jahre viele gute Spieler gehabt hat und trotzdem nicht gewinnen konnte. Es war keineswegs normal.”

Die Frage ist nun: Denken Sie, dass Ihre Generation Geschichte geschrieben hat?

Absolut. Das ist auch ein Grund, um sich befriedigt und stolz zu fühlen. Ich hoffe, dass wir bald noch mehr Titel gewinnen, weil wir das Team haben, um um die Titel zu kämpfen. Das Wichtige ist nun, wo wir uns aktuell befinden. Die Champions League zu gewinnen, hängt von mehreren Details ab und auch von ein bisschen Glück. Schauen Sie einmal auf das Spiel an der Stamford Bridge zurück, als Iniesta getroffen hat. Chelsea war das bessere Team und doch haben wir gewonnen. Aber dann, beim nächsten Aufeinandertreffen, hätten wir es verdient gehabt, uns für das Finale zu qualifizieren, aber sie haben dies dann geschafft.”

Existiert in Barças Champions-League-Geschichte eine Zeit vor und nach Messi?

Ja, denn es gibt einfach einen Unterschied, wenn du den besten Spieler der Geschichte in deinem Kader hast oder nicht. Er kann Spiele ganz alleine für seine Mannschaft entscheiden, aber es stimmt, dass er außergewöhnliche Spieler um sich herum hatte. Er ist sich dessen bewusst. Er hatte einen Trainer, der auf Spieler aus der eigenen Akademie vertraut hat und dieser solide Kern machte seinen Plan sinnvoll. Wir sind uns auch bewusst, dass dieses Team nun anders ist. Unsere Größe ist es, dass wir all diese Champions-League-Titel mit einem konkreten Stil, einer Idee und einer Philosophie gewonnen haben, wobei acht Spieler auch noch in La Masia erzogen wurden. Das macht alles nur noch größer. Es war nicht nur lediglich Gewinnen; es ging auch um den Stil und die Art und Weise, wie wir gewonnen haben.” 

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