Barcelonas Innovation Hub: Wie Barça seine Werte pimpt

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Barça hat den ‚Innovation Hub‘ am Mittwoch letzter Woche in einem Event im Auditori 1899 öffentlich vorgestellt. Mit etwas Abstand betrachtet steckt das Projekt wohl voller innovativer Potenziale und könnte zugleich das Vereinsmotto modifizieren. Gastgeber Josep Maria Bartomeu und weitere involvierte Persönlichkeiten aus institutionellen, wissenschaftlichen, akademischen und geschäftlichen Kreisen waren ebenso wie die örtliche und internationale Presse anwesend. Der Informationstag begann mit einer emotionalen Schweigeminute und endete mit einem Ausblick auf Barças künftige offene Türen.

Bevor die Zeremonie begann, bat Präsident Bartomeu das Publikum um eine Schweigeminute für den ehemaligen Präsidenten Agustí Montal Costa, der bereits am Morgen desselben Tages im Alter von 82 Jahren verstorben war. Die Veranstaltung, bei welcher der FC Barcelona sein jüngstes Projekt hinsichtlich Innovation und Wissen vorstellte, wurde weltweit online ausgestrahlt. Wie der FC Barcelona auf seiner Internetseite berichtete, wurde dem Auditorium noch vor dem Event ein Makeover verpasst. So diente eine riesige Anzeigetafel mit gebogenem Display zur visuellen Unterstützung der Redner. Diese kamen aus den fünf für das Hub relevanten Wissensbereichen: Maurici López (Mannschaftssport), Francesc Cos (Sportliche Leistung), Gil Rodas (Gesundheit und Ernährung), Marc Subirà (Technologie), Russell Stopford und William T. Manarelli (Sozialwissenschaft).

Wissen und Innovation als Identität

Während seiner Darbietung erklärte Bartomeu, dass das ‚Barça Innovation Hub‘ ein „sehr aufregendes Projekt für den Klub“ sei. Er fügte hinzu: „Wir haben seit einem Jahr daran gearbeitet, und es ist eine der Säulen des Wissensbereich, neben ‚Masia 360‘, einem Bereich, dem sich der Klub voll und ganz verpflichtet hat, um das was wir sein wollen, zu erreichen: Die am meisten bewunderte, geliebte und globalste Institution.“ Barças Anspruch sei es zudem, Wissen und Innovation zu einem Kernelement der Vereinsidentität zu formen.

Dr. Jordi Monés ging anschließend explizit auf den Siegeswillen der Katalanen ein: „Wir sind ein sehr spezieller Club, wir können sagen dass wir einzigartig sind, weil wir lokal und global sind. Wir sehen unsere Werte als Pflicht und alle unsere Vereinsmitglieder haben hohe Erwartungen, deswegen haben wir immer das Ziel, in einer gewinnenden Position zu sein, wir müssen immer die Ersten sein, und dafür müssen wir uns immer wieder neu erfinden, was Wissen und Innovation bedeutet, und das ist der Grund, weshalb wir das Projekt wollen und brauchen.“

Die Methodik bezüglich des Informationsaustausch umschrieb Monés wie folgt: „Wir müssen akzeptieren, dass wir demütig sind und nicht alles wissen, und wir müssen von den Besten lernen. Wenn wir etwas nicht finden, müssen wir es kreieren, und dann müssen wir es erklären und an unsere Mitglieder, Agenten und Universitäten heraustragen. Manchmal werden wir das kostenlos tun und manchmal werden wir einen (finanziellen) Nutzen daraus ziehen (um in die Projekte investieren zu können). Schließlich müssen wir dieses Wissen transferieren, um es realisieren zu können, um es in Dinge zu wandeln, die auf unser tägliches Leben anwendbar sind.“

Die Vertreter der Forschungsbereiche über die Inhalte

Im Verlauf des Events kamen diverse Repräsentanten der fünf Wissensgebiete zur Rede. Maurici López sprach darüber, den Fußball aus einer wissenschaftlichen Perspektive zu betrachten. Es ginge darum, die Komplexität des Fußballs zu verstehen und an die Spieler zu vermitteln. Dieses generierte Wissen könne den Spielern helfen neue und kreative Lösungen auf dem Spielfeld zu finden. Zudem würde dadurch der ‚Barça Style‘ gefördert, und seine Grundlage gefestigt werden.

Francesc Cos referierte über die sportliche Leistung des Teams. Er ging von der Idee aus, dass Barça wenn es anders spielen würde, auch anders trainieren müsse. Im Mittelpunkt seiner Aussagen stand primär die Analyse der Daten und spielerischen Charakteristika der einzelnen Spieler. Aus diesen Forschungsmethoden solle dann ein personalisiertes Trainingsprogramm hervorgehen, um die maximale Leistung und die vorbeugenden Maßnahmen gegen Verletzungen zu erzeugen.

Gil Rodas erklärte indes, wie der Klub in Kollaboration mit dem Partner ‚Gatorade‘ die Ernährung und das Trinken der Athleten beeinflussen möchte. Durch medizinische Forschung soll ein personalisiertes Produkt den Bedürfnissen von jedem Spieler nachkommen und überdies die Leistung steigern. Ziel sei es auch durch innovative Prozesse ein marktfähiges Produkt für Sportler herauszubringen.

Marc Subià redete über die technologischen Möglichkeiten, die in der Datenerfassung liegen würden. Die ‚FCBme app‘ wurde hierbei extra für die Spieler entwickelt um durch spielerische Elemente unter anderem Veränderungen in ihrem Verhalten zu bewirken. Durch diese Nutzererfahrungen sollen Spieler, das medizinische Team und die Trainer informiert werden um die sportliche Leistung steigern zu können.

Zu guter Letzt sprach Russel Stopford über die digitale Strategie des Vereins, um sich auf die Bedürfnisse des Nutzers und dessen Art zu denken zu fokussieren. Ziel sei es digitale Eigentümer zu schaffen, zu optimieren und auszunutzen. Mit Facebook, Google und Instagram habe man dafür bereits wichtige Partner.

William T Manarelli ging zum Schluss darauf ein, dass es hinsichtlich des Projektmanagements im Rahmen des ‚Espai Barça‘ eine neue Denkweise geben werde. Die Anlage soll für jedermann zugänglich sein. Barrierefreiheit, offene Türen für die Nachbarschaft und ein Camp Nou ohne Fassade fallen sinnbildlich unter diese Philosophie. Auch die Verbindung des Projekts mit den teilnehmenden Architekten stünde für diesen demokratischen Anspruch.

Ausblick: Wer in der Sportindustrie der größte Player sein will investiert 

Barça stellt mit dem ‚Innovation Hub‘ einige beeindruckende Aspekte zur Verbesserung der sportlichen Leistungen vor. Ähnlich wie das einst erfolgreiche ‚Milan Lab‘ des AC Mailand, soll ein Zentrum für technische Errungenschaften durch Kernkompetenzen die spielerische Dominanz, kulturelle Vielfalt und ökonomische Strahlkraft Barcelonas gewährleisten. Gemeinsam mit talentierten und professionellen Partnern, Studenten und der Stadt Barcelona soll das Wissen an die Sportler und Mitarbeiter des Klubs sowie an Fans und Bevölkerung selbst herausgetragen werden. Der amtierende spanische Meister kommt somit den eigens gesetzten sozialen Ambitionen nach und verleiht diesen zugleich ein frisches Design und eine Funktionalität, die ohne Kooperationen und Vernetzungsmechanismen nicht auskommt. Inwieweit die Culés von diesem Networking und speziell von möglichen Schulungen, Events oder Informationstagen profitieren können, wird sich in Zukunft sicher noch detaillierter herauskristallisieren. Angemerkt wurde während der Präsentation am Mittwoch auch, dass Barça nicht mit Quantität sondern Qualität operieren möchte. Demgegenüber stehen die Kosten, über die es bislang noch wenig Auskünfte gibt, und die Flut an auszuwertenden Datenmengen. Denn wer mehr als ein Klub sein will muss aus dieser Perspektive heutzutage auch kräftig in die technologischen Erfindungen investieren. Vor allem die Erfassung von relevanten Kennzahlen scheint nicht nur eine modischer Trend, sondern ein maßgeblicher Bestandteil für die Leistungsoptimierung zu sein. Die digitale Kontrolle und Überwachung hat auch ein Rundumpaket zur Folge, das zur Zufriedenheit von jedem einzelnen Spieler auf dessen Eigenschaften zugeschnitten werden soll. Der FC Barcelona möchte immer ganz oben sein, folglich scheint für Bartomeu und Co. das Stichwort ‚Entwicklung‘ das A und O für den stetigen Ausbau der sportlichen Performance und wirtschaftlichen Stärke zu sein. Daher werden Partner und Fans immer mit offen Armen aber auch mit einer gewinnorientierten Absicht empfangen. Die Erträge sollen laut den Verantwortlichen dennoch zu großen Teilen in neue Projekte investiert werden. Inwieweit dann aber noch das Klubmotto in den kommenden fünf Jahren auf Barça als sportliches und soziales Phänomen in der Realität anwendbar ist, bleibt aufgrund der hohen Geldsummen, welche zwischen den beteiligten Akteuren durch Großprojekte, wie den Stadionbau zirkulieren, abzuwarten.

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