Carles Rexach: Ein Leben für die Blaugrana

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Bloß wenigen Culés wird der Name ‚Carles Rexach‘ wahrscheinlich noch ein Begriff sein, war der Katalane doch quasi in der Steinzeit des Fußballs beim katalanischen Ausnahmeverein angestellt, dafür dann aber auch richtig. Mit insgesamt 44 Jahren beim FC Barcelona hat ‚Charly‘ mehr Jahre als Arbeiter bei den Katalanen auf dem Buckel, als jede andere Person in der mehr als 100 Jahre andauernden Geschichte der Blaugrana. Anlässlich seines 68. Geburtstages am heutigen Tag noch einmal eine Rückschau auf das außergewöhnliche Leben eines Mannes mit blaurotem Herz.

Will man Werte wie Loyalität, Treue und Ausdauer einem Mann beim FC Barcelona zuschreiben, dann käme Charles Rexach wohl auf jeden Fall in die engere Auswahl des Favoritenkreises. Der gebürtige Katalane schaffte es auf nicht weniger als 44 Arbeitsjahre beim FC Barcelona und hat erst im Jahre 2003 seine ruhmreiche Karriere beendet. Vielen wird Rexach wahrscheinlich noch als ein überragender Talentscout und Co-Trainer in Erinnerung geblieben sein, dabei hatte der Katalane in seiner Spielerkarriere mindestens genauso viel zu bieten.

Die Anfänge eines langen Weges

Carles Rexach i Cerdà wurde am 13. Januar 1947 im kleinen Örtchen Pedralbes, einem Nachbarort des katalanischen Bezirks ‚Les Corts‘, geboren und wuchs auch dort auf. Schon in seinen Anfangsjahren zeigte der kleine Junge ein großes Interesse für den Fußball und spielte des Öfteren in den Straßen Pedralbes herum, was ihm laut eigener Aussage auch später den Spitznamen ‚El noi de Pedralbes‘ (der Junge aus Pedralbes) einbrachte. Neben diesem wurde Rexach auch oftmals schlicht nur ‚Charly‘ genannt.

Sein Vater nahm den kleinen ‚Charly‘ in frühen Anfangsjahren mit ins Stadion des damals schon weltberühmten katalanischen Ausnahmevereins Futbol Club Barcelona, der ein Aushängeschild für die Bekämpfung des diktatorischen Franco-Regimes darstellte. Somit stand außer Frage, dass der kleine Mann auch ein Fan dieses außergewöhnlichen Klubs werden sollte, ja gar werden musste. Besonders der damalige Weltstar Laszlo Kubala habe Rexach beeindruckt und war laut ihm „ein Mythos in der Fußballwelt“. Doch Rexach sollte eine Stufe weitergehen. Im Alter von 12 Jahren wurde er in die Jugendakademie des FC Barcelona, die zu damaligen Zeiten bei Weitem nicht über die heutigen hochprofessionellen Strukturen und Ausbildungszentren verfügte, aufgenommen. Ein Traum hatte sich für den Jungen aus Pedralbes somit erfüllt.

Auf einfachen Bolzplätzen mit sandigem Untergrund als Rasen und ein paar Toren ausgestattet durfte sich auch Rexach dann in die lange Liste von Schülern der Ausbildungsstätte ‚La Masia‘ eintragen. Es sollte ein Gefühl sein, das der Katalane für ewig im Leben bei sich behalten sollte. Ganze sechs Jahre verblieb Charly im heiligen Ausbildungsmekka, ehe er gegen Mitte der Sechziger-Jahre in die erste Mannschaft des FC Barcelona vorstoßen sollte.

Das Ziel ‚Blaugrana‘ erreicht

Da Barcelona in den letzten Jahren stetig Misserfolg verzeichnen musste, war man gezwungenermaßen auf Sparmaßnahmen angewiesen, um die negative Bilanz auszugleichen. Somit kam es zu immer weniger stattfindenden Transfers und es wurde vermehrt auf Spieler der eigenen Jugend aus der Cantera beziehungsweise aus der Reservemannschaft zurückgegriffen. Unter diesen befand sich auch Carles Rexach.

1965 wurde Rexach erstmals in einem Spiel der ersten Mannschaft Barcelonas eingesetzt, und zwar gegen Racing Santandar in der Copa del Generalísimo (die heutige Copa del Rey). Der damals 18-jährige rechte Flügelspieler erzielte schlussendlich das vierte Tor beim 4:0-Sieg der Katalanen. Doch in den folgenden zwei Jahren ging es für Rexach eher bergab als bergauf. Der Katalane kam nur mehr in der zweiten Mannschaft Barcelonas zum Einsatz und es dauerte schlussendlich auch bis 1967 bis sich der nun schon 20-jährige Rexach in der ersten Mannschaft etablieren konnte.

Auch für den FC Barcelona verliefen die letzten Jahre der Sechziger enttäuschend. 11 Trainerentlassungen in einem Jahrzehnt wollte man nun endlich mit einem passenden Mann wieder richten, namentlich Rinus Michels. Der Niederländer kam nach einer glorreichen Trainer-Karriere von Ajax Amsterdam zum FC Barcelona und galt beziehungsweise gilt absolut zu Recht als einer der (r)evolutionärsten Trainergrößen, den die Fußballwelt in den letzten 100 Jahren zu sehen bekommen hat, nicht zuletzt wegen seiner von Jack Reynolds übernommenen und neu abgewandelten beziehungsweise konstruierten Spielweise, dem sogenannten ‚Totaalvoetbal‘.

Doch die Einstellung Michels rief zunächst nicht den erwarteten Umschwung beziehungsweise den Erfolg seines vorherigen Teams Ajax Amsterdam hervor. Rexach konnte zwar die Pichichi-Trophäe für den besten Torschützen der Saison 1970/71 gewinnen, doch Michels benötigte trotz alledem eine essenzielle Komponente in seinem Offensivspiel, die er prompt in seinem Ex-Team fand. Mit einer damaligen Rekordablösesumme von umgerechnet knapp 2 Millionen Euro wechselte ein zweifacher Gewinner des Goldenen Balles zu den Katalanen. Sein Name? Hendrik Johannes Cruyff, auch bekannt unter dem Namen Johan Cruyff.

Ich glaub, ich seh orange

Die Verpflichtung Cruyffs sollte nicht nur für den FC Barcelona unter Michels ein goldener Griff gewesen sein, sondern sich auch für die Zukunft als nützlich erweisen. Zudem begann Cruyff eine nicht ganz unnütze Freundschaft mit Rexach, doch alles erst einmal der Reihe nach.

Michels beziehungsweise der ‚Totaalvoetbal‘ war bekannt dafür, dass das Spiel durch stetige Positionswechsel dominant erscheint und den Gegner somit nie zur Ruhe kommen lässt. Schon früh etablierte Michels sein persönliches 4-3-3-System in die Mannschaft hinein, das bis heute beim FC Barcelona Einzug hält. Doch im Vergleich zu damals gab es einige Unterschiede zur heutigen Mannschaft.

Rexach war unter Michels nicht der klassische Flügelstürmer, der durch Unterstützung seines Außenverteidigers dynamisch bis zur Grundlinie vorstoßen konnte. Der Katalane besetzte hingegen seinen rechten Halbraum und ließ sich in diesen auch situativ zurückfallen. Nicht selten kam es vor, dass er oder Sotil ins Zentrum einrückten und mit Cruyff für Präsenz zwischen den letzten Verteidigungslinien des Gegners sorgen sollten. Selbstverständlich hatte der Niederländer aber eine fast gänzliche Freirolle im Spiel der Blaugrana. Meistens war es zudem der Fall, dass Cruyff durch das Herausrücken aus seiner Position viele weitere Positionsänderungen, eine Art Domino-Effekt, verursachen sollte.

Nur wer sollte dann zur Grundlinie vorstoßen beziehungsweise Druck in die Tiefe verursachen? Die Außenverteidiger schalteten sich eher selten in den Angriff und gaben vielmehr die Breite im Spiel beziehungsweise eine Absicherung für gegnerische Konter. Es waren eher Spieler der zentralen Mittelfeldkette, die vorstießen. Besonders Marcial und Asensi sind in diesem Zusammenhang zu erwähnen. Während sich Juan Carlos immer wieder in Sechser-Manier abkippen ließ und selten nach vorne lief, waren es Asensi eher auf rechts und Marcial auf links, die für gefährliche Vorstöße auf den Flanken sorgten. Währenddessen sicherten die jeweiligen Flügelstürmer, die Außenverteidiger und Juan Carlos hinten ab. Falls Juan Carlos einmal vorstieß, schob Marcial horizontal zum ballnahen Spieler, um abzusichern.

Die Positionierung beziehungsweise das Einrücken in das Zentrum kam Rexach auf mehrere Weisen zugute. Der Katalane stand zum einen immer wieder für Ablagen von seinen Stürmerkollegen bereit und konnte mit seiner hervorragenden Schusstechnik oftmals für gefährliche Chancen sorgen. Des Weiteren war ihm mit Johan Cruyff ein Partner wie auf den Leib geschnitten, mit dem er sich in einigen Kombinationen gefährlich durch die gegnerische Abwehr spielen konnte.

Besonders das Spiel in der Saison 1973/74 gegen Real Madrid im Santiago Bernabéu war eine demonstrative Darstellung der Stärke des ‚Totaalvoetbals‘. Barça kam als Tabellenführer in die Heimstätte des ärgsten Rivalen und konnte diesen in einer beeindruckenden Art und Weise mit 5:0 vom Platz fegen. Für viele Katalanen bedeutete dieses beeindruckende Resultat das herannahende Ende der Militärdiktatur Francos, was nur ein Jahr später tatsächlich Realität wurde.

Das erste Tor war ein perfektes Paradigma für die oben erklärte Spielweise. Durch ein Vorrücken von Marcial auf den rechten Flügel, nach Steilpass des im Zentrum eingerückten Rexach, konnte er die Kugel in den Strafraum schicken. Der aufgerückte Asensi hatte sich an Cruyff orientiert, der sich zuvor fallen ließ, und konnte im Strafraum einschieben. Darunter die Situation veranschaulicht dargestellt.

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Das zweite Tor geschah nach einem Tänzchen Johan Cruyffs mit den Verteidigern des weißen Balletts. Zuvor war ein Steilpass auf den Niederländer vorausgegangen. Das dritte kam, nachdem Asensi einen versuchten langen Ball abgefangen hat und auf das Tor zugesprintet ist und dann auch vor dem Tor abgeschlossen hat. Das vierte Tor war ein gut gespielter Konter, der bei Marcial sein Ende fand und der fünfte Treffer resultierte aus einem Standard, der auf dem Kopf von Juan Carlos seinen Abnehmer fand.

Barcelona gewann in dieser Saison erstmals seit 14 Jahren endlich wieder den Meistertitel. Doch darauf folgend blieb der sportliche Erfolg für Rexach und die Katalanen wieder aus. Michels wurde 1975 entlassen und hatte in der Saison 1976/77 noch einmal eine Gaststation bei der Blaugrana, die die Copa del Rey gewinnen konnte. 1978/79 konnte man erstmals in der Vereinsgeschichte den Europapokal der Pokalsieger gewinnen. Mit einem Pokaltriumph in seiner letzten Spielzeit, der Saison 1980/81, endete die ruhmreiche Spielerkarriere des Carles Rexach. In 449 Spielen erzielte Rexach mehr als 120 Tore und hatte am Ende seiner Karriere insgesamt 22 Jahre als Spieler des FC Barcelona auf dem Buckel.

Der Weg und die Erfolge mit dem ‚Dreamteam‘

Nur kurz nach seiner Spielerkarriere schlug sich Rexach erst in der Jugendmannschaft Kataloniens und anschließend in den Jugendabteilungen des FC Barcelona durch. Insgesamt konnte der Katalane damit fünf Jahre Erfahrung als Trainer beziehungsweise Co-Trainer erlangen, bevor er im Jahre 1987 zum Co-Trainer von Luis Aragonés ernannt wurde. Rexach gewann zusammen mit Aragonés als Cheftrainer in der Saison 1987/88 die Copa del Rey. Im Finale schlug man den damaligen Titelverteidiger Real Sociedad, der zuvor Real Madrid mit einem Gesamtergebnis von 5:0 aus dem Turnier rausgeschossen hatte, durch ein Tor vom damaligen Kapitän José Ramón mit 1:0. Aragonés sollte allerdings anschließend nicht mehr lange beim Klub bleiben dürfen. In einem der geschichtsträchtigsten Ereignisse des FC Barcelona, der sogenannten „Meuterei von Heredia“, verlangten Spieler den Rücktritt des damaligen Klub-Präsidenten Josep Lluíz Nuñez. Aragonés befand sich unter den Meuterern und wurde am Ende der Saison entlassen.

Rasch wurde ein neuer Trainer, der insgesamt zehnte in den 80er-Jahren, präsentiert, nämlich der ehemaligen Starspieler Johan Cruyff. Mit Cruyff sollten die Katalanen eine Erfolgsära einleiten sollen. Rexach, in den letzten Jahren ein enger Freund Cruyffs geworden, verblieb im Trainerteam des Niederländers und behielt seine Position als Co-Trainer. Das dynamische Duo beschloss anfangs die Strukturen in ‚La Masia‘ zu verändern. Durch die erfolgreiche Zeit unter Michels veranlasst, beschlossen die beiden, Spieler zu finden, die das Profil für das damals schon erfolgsversprechende System erfüllten.

„Als Cruyff und ich Barcelona übernommen haben, beschlossen wir, den Fußball einzubauen, der uns einst inspiriert hat; den Fußball von Rinus Michels. Man darf keine Fehler machen – es kostet dich möglicherweise das Spiel.“ – Carles Rexach

Und auch unter Cruyff und Rexach sollte das Michels-System, inklusive einiger Adaptionen, ein Erfolgsrezept bleiben. Rexach übernahm dabei im Training einige Aspekte des Spiels separat, während Cruyff am Gesamtkonzept tüftelte. Dabei war der Katalane hauptsächlich für die gruppentaktischen Elemente im Spiel der Katalanen eingeteilt und predigte bestimmten Spielern beispielsweise ein, wann sie denn als Anspielstation und für den Raumgewinn abkippen sollen. Dies wurde dann mit zunehmender Zeit permanent besser sowie feiner bearbeitet und mit mehr Tempo versehen. 

Besonders auf die Spielintelligenz seines damaligen Schützling ‚Pep‘ Guardiola sollte sich dieses Training positiv auswirken. Nicht selten kam es auch vor, dass Rexach und Cruyff zusammen mit dem peniblen Guardiola während der Spiele kurze Konversationen führten. Eine Maxime, die Rexach Guardiola dauerhaft predigte und die der Katalane anschließend als eine der Grundsäulen in seinem späteren ‚Juego de Posición‘ (Positionsspiel) einbaute, war folgende:

„Wenn du den Ball auf dem Feld bekommst, dann versuche dich immer so zu positionieren, dass du den anderen 10 Mitspielern problemlos einen Pass spielen könntest. Die beste Option wählst du dann aus.“ – Carles Rexach

Die in den folgende Jahren als ‚Dreamteam‘ bezeichnete Mannschaft mit legendären Akteuren wie Christo Stoichkov, Andoni Zubizarreta, dem bereits erwähnte Josep Guardiola, Ronald Koeman oder auch José Bakero sollte in der ersten Hälfte der 90er-Jahre große Erfolge feiern. Neben dem Gewinn des Europapokals der Landesmeister 1991/92 gegen Sampdoria Genua – unvergessen bleibt in diesem Zusammenhang sicherlich der Hammer-Freistoß von Ronald Koeman zum Siegestor in der 110. Minute – kamen noch vier Meistertitel hinzu. Selten hatte der FC Barcelona Europa in diesem Ausmaße dominiert, wie es das ‚Dreamteam‘ konnte.

Die schwärzeste Stunde in der Karriere des Trainerduos Cruyff/Rexach sollte allerdings das Ende des ‚Dreamteams‘ einleiten. In einer pechschwarzen Nacht im Athener Olympiastadion wurde die Mannschaft vom AC Milan auseinandergenommen. Dabei war im Spiel der Mailänder besonders ein gewisser Fokus auf die rechte Seite, auf den Linksverteidiger Sergi Barjuán, zu beobachten. Das erste und dritte Tor fielen jeweils nachdem der AC Milan mit geschickten Mannorientierungen und Staffelungen die Passoptionen für Barjuán zustellte und dann auf den Linksverteidiger dynamisch lospresste. Des Weiteren sollte der an diesem Abend unglückliche Spanier die Abseitsfalle beim vierten Tor zunichtemachen, was aber wohl seiner Manndeckung gegen Roberto Donadoni zuzuschreiben ist.

In den folgenden Jahren zeigte die Leistungskurve der Mannschaft stetig weiter nach unten. Dabei konnte Cruyff zahlreiche Abgänge wie Stoichkov, Koeman oder Laudrup nicht kompensieren und es kam, wie es kommen musste. Vereinspräsident Núñez führte hinter dem Rücken Cruyffs bereits Gespräche mit neuen potenziellen Kandidaten für die Rolle des Cheftrainers und gegen Ende der Saison 1995/96 wurde der Niederländer nach 15 Dienstjahren als Spieler und Trainer beim FC Barcelona entlassen. Dabei ging auch die Freundschaft von Cruyff und Rexach zu Bruch. Rexach wurde danach kurzfristig Trainer und später auch Scout des neuen Trainers Bobby Robson. Cruyff fasste diese Aktion später als Vertrauensbruch zwischen dem Duo auf und beendete die Freundschaft mit dem Katalanen. Dieser Zustand hat sich bis zum heutigen Tage nicht verändert.

Die Serviette, die alles veränderte

Im Verlauf des Jahres 1996 hatte Rexach ein kurzes Gastspiel beim japanischen Verein Yokohama F. Marinos. 1998 kehrte Rexach zum FC Barcelona zurück und arbeitete fortan in der Jugendabteilung. Dabei sollte der Katalane mit später nicht ganz unbekannten Größen wie Andrés Iniesta und Xavi Hernández in Kontakt treten. Wie in seiner Zeit mit Cruyff führte Rexach die bis heute vorhandenen Trainingsstrukturen fort und konnte einige spätere Spielerlegenden in die erste Mannschaft befördern.

Doch der große Coup sollte Rexach mit einem ganz bestimmten Spieler gelingen. Wir schreiben den 14. Dezember 2000. Ein damals noch gänzlich unbekannter Lionel Messi, der mit seiner Familie vor der argentinischen Wirtschaftskrise flüchtete, bewarb sich beim FC Barcelona für einen Platz in der Jugendakademie. Doch der kleine Messi (die Redundanz sei in diesem Fall erlaubt) hatte zu damaliger Zeit ein großes Defizit. Mit einem Alter von 13 Jahren war der Argentinier nicht größer als 1,40 m. Schon in Argentinien hatten ihn alle Jugendtrainer aufgrund dieser Tatsache zurückgewiesen und auch in Barcelona schien sich dieser Umstand beinahe fortzusetzen. Mitarbeiter Rexachs schätzten den Körper Messis als nicht fähig für den Fußball ein, doch zum Glück für alle Culés war Rexach anderer Meinung. Der Katalane habe laut eigener Aussage „nicht mehr als ein paar Minuten“ gebraucht, damit die Zweifel endgültig verschwanden.

Was danach geschah, hätte in keinem Märchenbuch besser dargestellt werden können. Die Familie Messis bat um sofortige Klarstellung, ob ihr kleiner Junge die nötige Behandlung für seine Hormonstörung bekommen würde. Hektisch und panisch holte Rexach sofort eine Serviette, auf der der Katalane eine Absichtserklärung unterschrieb. Diese besagte, dass die Blaugrana „entsprechend der Abmachungen“ Messi verpflichten werde. Mit seiner Unterschrift sowie die von seinem Kontaktmann Horacio Gaggioli und Messi selbst wurde der erste Kontrakt Messis unterzeichnet. Nach einigen Jahren im Tresor des FC Barcelona verweilt das historische Stück nun im Museum der Katalanen.

In den ersten Wochen, die Messi beim Klub verbrachte, wurden dem Argentinier hauptsächlich körperlich fokussierte Übungen verordnet. Den Kontakt mit dem Ball gab es selten oder gar nie. Dabei wurden besonders die Muskelbereiche im Oberschenkel trainiert, um das angeborene Talent des damals 13-jährigen Messi, die unglaubliche Ballbehandlung, nochmals in einigen Aspekten, wie dem Antritt oder die Nutzung des Körpers zur Ballbehauptung, zu verbessern. Des Weiteren wurde Messi hauptsächlich in den höheren Jugendklassen aufgestellt und hatte mit Rexach zudem auch noch einen Art Patenonkel an die Seite gestellt bekommen. Besonders die sehr introvertierte und ruhige Ausdrucksweise des Argentiniers habe Rexach, während er taktische Vorträge hielt, bei Messi beobachten können. Später meinte Rexach, dass die Person ‚Messi‘ sein „gesamtes darauf folgendes Leben verändern sollte“.

Die letzten Jahre und das Leben danach

Rexach wurde in den letzten Spielen der Saison 2000/2001 für den abgelösten Llorenç Serra Ferrer erneut als Interimstrainer eingesetzt. Aufgrund der guten Endplatzierung der Mannschaft, einem vierten Platz in der Liga, durfte Rexach auch in der Folgespielzeit Cheftrainer der Mannschaft sein. Doch nach einer durchwachsenen Saison, die unter anderen mit einem vierten Platz in der Liga und einem Ausscheiden im Copa-Halbfinale gegen Real Madrid beendet wurde, entschied der Klub, Rexach zu entlassen. Die insgesamt 44-jährige Karriere des Carles ‚Charly‘ Rexach beim FC Barcelona war somit offiziell beendet gewesen. Gerüchte, wonach der Katalane in der nächsten Saison erneut als Trainer für Louis van Gaal eingestellt werden würde, stellten sich letzten Endes auch als falsch heraus.

Heute genießt Rexach seinen verdienten Ruhestand. In den letzten Jahren übernahm der Katalane einige Sonderposten beim FC Barcelona, unter anderem auch die Position eines Beraters während der Zeit Guardiolas. Insgesamt war Rexach von den 60ern des letzten Jahrhunderts bis zum neuen Jahrtausend beim Klub angestellt, was vor ihm und auch anschließend bisher keiner mehr schaffen sollte. 44 Jahre trug Rexach offiziell die Farben Blau-Rot, was umgerechnet mehr als 16 000 Tage sind.

Heute feiert Carles Rexach seinen 68. Geburtstag. Im Verlauf seines Lebens hat ‚Charly‘ sein gesamtes Engagement in die Entwicklung des FC Barcelona reingesteckt und maßgeblich zur Entwicklung des katalanischen Ausnahmevereins beigetragen. Wir von Barça

welt danken dem Katalanen für sein Lebenswerk und wünschen alles Gute!

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