Copa-América-Vorschau: Kann Lionel Messi die Finalniederlage in Brasilien vergessen machen?

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Mit dem großen Finale zwischen Gastgeber Chile sowie dem 14-fachen Copa-América-Sieger Argentinien geht die diesjährige Ausgabe des größten Turniers in Südamerika zu Ende. Dabei treffen im Endspiel gleich zwei grundverschiedene Philosphien aufeinander: Sampaolis pressingstarke Chilenen um die Superstars Alexis Sánchez und Arturo Vidal auf Martinos Weltklasse-Individualisten rund um Lionel Messi und Ángel di María. Wer besitzt also die besseren Voraussetzungen für den Sieg? Wer kann sich welche Vorteile erarbeiten? Wir wagen anlässlich dieses besonderen Spiels einen kleinen taktischen Blick auf die beiden Mannschaften.

Die 44. Ausgabe der diesjährigen Copa América neigt sich langsam, aber sicher dem Ende zu. Mit Chile sowie Argentinien hat das Turnier auch schon seine zwei Finalisten gefunden. Dabei setzten sich die Chilenen in einer Gruppe mit Bolivien, Ecuador sowie Mexiko als Gruppenerster relativ souverän durch, wobei der 5:0-Sieg über den Gruppenzweiten Bolivien den beeindruckenden Höhepunkt bildete. Im Viertelfinale wurde anschließend der Titelverteidiger aus Uruguay mit einem 1:0-Sieg aus dem Wettbewerb geschossen, bevor man sich darauf folgend noch mit einem etwas glücklichen 2:1-Sieg gegen Peru den Weg ins Finale gesichert hat. Auf der anderen Seite konnte sich Argentinien nach dem Auftaktpatzer gegen Paraguay letztendlich auch als Gruppenerster für die K.O.-Phase qualifizieren. Nach einem packenden 4:3 n.E. gegen Kolumbien konnte man im Halbfinale – neuerdings gegen Paraguay – mit einem imposanten 6:1-Sieg seine Titelambitionen untermauern.

Der Gastgeber im Fokus: Chile als Pressing- und Dominanzmonster

Auffallend an den Chilenen ist ihre neue Komponente im Spiel. Neben ihrem jagdähnlichen und läuferisch unfassbar anstregenden Pressing schafften es die Gastgeber mittlerweile, auch mit drückender Dominanz in Form von Ballbesitz den Gegner in der eigenen Hälfte reinzudrücken. Dabei wurde im Verlauf des Turniers die systematische Ausrichtung verändert. Nach dem Versuch einer reinen Dreierkette im Auftaktspiel gegen Ecuador übernahm Sampaoli in weiterer Folge eine „normale“ Viererkette mit Mena und Isla als Außen- sowie Medel und Jara als Innenverteidiger. Díaz bekleidete und interpretierte erneut seine interessante und dominante Ausrichtung als alleiniger Sechser, während Vidal und der zum Aufbau tendierende Aránguiz die Halbpositionen besetzten. Vorne sorgen der – man möge es kaum glauben – Zehner Valdivia sowie die Stürmerpaarung Vargas und Ex-Barcelona-Stürmer Sánchez für Furore.

Mit durchschnittlich über 70 Prozent Ballbesitz sowie einer Passquote von knapp 87 Prozent lässt sich schon erahnen, mit welcher Dominanz die Chilenen in den bisherigen Spielen der Heim-Copa aufgetreten sind. Dabei agieren sie im Aufbau mit Díaz als abkippenden Sechser in einer Dreierkette und zwei Außenverteidigern, die äußerst weit nach vorne rücken. Dies hat zur Folge, dass Breite gegeben werden kann und die gegnerischen Flügelstürmer nach hinten gedrängt beziehungsweise vom Herausrücken auf den ballführenden Spieler behindert werden. Zudem können im Aufbau Diagonalbälle auf die Außen eingestreut als auch Halbraumverlagerungen bei zu dichterer Besetzung des Raumes auf den ballfernen Flügel vollzogen werden. Des Weiteren dient diese auffallend hohe Positionierung auch dem Einbinden der Stürmerleute beziehungsweise in allererster Linie von Alexis Sánchez. Sollte es die Situation allerdings auch erfordern, dann positioniert man sich auch ein wenig tiefer, um besser eingebunden zu werden.

Im Mittelfeld gibt es mit Marcelo Díaz sowie Jorge Valdivia zwei äußerst interessante Akteure zu beobachten. Widmen wir uns zuerst dem chilenischen Sechser. Im Aufbau agiert er abkippend zwischen Medel sowie Jara/Rojas und lässt sich situativ sogar in reiner Libero-Manier als tiefstes Glied der Dreierkette abfallen. Beim Übergang in das zweite Drittel stößt der 28-Jährige etwas weiter vor die Innenverteidigung und kann sich hier mit horizontalen Verschiebebewegungen in die Halbräume für freie Zuspiele anbieten beziehungsweise damit ebenso als Bindeglied zwischen Innenverteidiger und den hoch positionierten Außenverteidigern dienen. Zudem verlässt er in einigen Situationen ebenfalls diese Position und stößt raumöffnend nach vorne, womit sich Aranguiz oder auch Vidal in Díaz vorherigem Bewegungsfeld abkippen, im Spielaufbau einbinden und dynamischere Spielübergänge nach vorne initiiert werden können. Bei eigener Ballzirkulation sowie auch im Aufbau bewegt sich der Sechser geschickt in seinem Aktionsfeld, um die Zirkulation aufrecht zu erhalten beziehungsweise auch Gegenspieler auf sich zu ziehen, damit andere Mitspieler wiederum freistehend den Ball bekommen können. Insbesondere im Aufbau kann man dieses Verhalten beobachten, wenn für die Innenverteidiger durch Díaz Möglichkeiten sowie Räume zum Vorstoßen geboten werden.

Im heutigen Fußball gilt die Position des ‚Zehners‘ schon so gut wie als ausgestorben. Der Zehnerraum stellt mittlerweile einen Spielbereich dar, der flexibel von verschiedenen Akteuren temporär besetzt werden kann. Doch Jorge Valdivia stellt sich in diesem Fall als interessante Ausnahme heraus. Der Aktionsbereich des Chilenen beschränkt sich primär auf den Zehnerraum, den er allerdings situativ auch verlassen kann. Bei flügel-fokussierten Angriffen weicht Valdivia in den jeweiligen Halbraum aus und kann dort mit dem Außenverteidiger, dem Stürmer sowie einem absichernden Mittelfeldspieler für Überladungen gefolgt von Kombinationen sorgen. Vermehrt geschieht dies bei den Chilenen beziehungsweise bei Valdivia auf der rechten Seite, in der sich abwechselnd Vidal (Aranguiz absichernd) und Vargas (Vidal absichernd) anbieten und mithilfe der Breitenstaffelung des Außenverteidigers, was Lücken in der gegnerischen Staffelung zur Folge hat, den Halbraum durchbrechen könnten. Auf der anderen Seite kann er seinen Zehnerraum durch Aufrück- oder auch Abkippbewegungen temporär verwaisen lassen und damit zum einen einen Gegenspieler kurzzeitig aus seiner Position locken und Passwege ins Zentrum erstellen, zum anderen für einen weiteren Mitspieler diesen Raum öffnen, der den Zehnerraum dann für kurze Zeit besetzen und gleichzeitig neue sowie dynamischere Spielsituationen daraus kreieren könnte.

Selbstverständlich kann eine Analyse der chilenischen Fußballauswahl nicht ohne den Namen Alexis Sánchez verfasst werden. Doch im Zusammenhang mit dem Superstar von ‚La Roja‘ muss man auch das Wechselspiel des ehemaligen Barcelona-Stürmers mit Charles Aranguiz erwähnen. Der Mittelfeldspieler federt Sánchez‘ abkippende Bewegungen durch seinen linken Halbraum immer geschickt ab, lässt sich entweder unterstützend abkippen oder besetzt höhere Zonen im Zwischenlinienraum. Sánchez versucht hingegen sich aktiv ins Spielgeschehen einzubinden, den ballfernen Außenverteidiger mit diagonalen Zuspielen zu bespielen und die gegnerische Formation damit kurzzeitig auseinanderzuziehen beziehungsweise auch mit weiträumigen und bogenförmigen Ausweichbewegungen vom linken Halbraum mit dem Ball am Fuß ins Feld hinein denselben Effekt zu erzielen und dann die Lücken durch das Verschieben der gegnerischen Viererketten anzuspielen.

Doch bei all der Ballbesitzdominanz sollte man schlussendlich auch nicht das Pressing der Chilenen außer Acht lassen. Konkret muss man in diesem Zusammenhang vom unfassbar erfolgsstabilen Gegenpressing der Sampaoli-Elf sprechen. Dabei rücken die balffernen Außenverteidiger in das Feld hinein und sollen diagonale Zuspiele von der anderen Seite ins Zentrum früh abfangen. Diáz rückt hierbei nicht derartig aggressiv heraus wie seine Mittelfeldkollegen Vidal und Aranguiz, die sich ebenso wie die Außenverteidiger, stark zur ballnahen Seiten orientieren und versuchen, lokal eine äußerst dichte Staffelung zu erzeugen.

Bei mehr als 70 Prozent Ballbesitz kommt das immer noch gute Pressing von Sampaoli zwar schwer zum Vorschein, dennoch ist es immer noch äußerst interessant, wie die Chilenen bei Scheitern des Gegenpressing anschließend verteidigen. Dabei erinnert die Staffelung an eine 4-3-3-Formation, oftmals mit Valdivia als oberstem Akteur, der den ballführenden Spieler leitend auf eine Spielfeldseite lockt und dabei seinen Deckungsschatten sehr geschickt einzusetzen weiß. Sánchez und Vargas halten dabei ihre Halbräume dicht, was dem Gegner die Möglichkeit für kombinative Übergänge in die nächsten Drittel nimmt. Dahinter agieren Vidal und Co. mit geschickten Ausrückbewegungen, wenn der Gegner mit dem Rücken zum eigenen Tor steht und gerade den Ball erhält, was zu öfteren Ballgewinnen führt. Bemängeln muss man allerdings die Endverteidigung der Chilenen, bei der sich des Öfteren Staffelungsprobleme, sowohl vertikal als auch horizontal, ergeben – ein Umstand, der die Stürmer zu weiten Wegen nach hinten zwingt.

Argentinien: Als Kollektiv gut, individuell herausragend

Die ‚Albicileste‘ hat international schon seit längerem eine andauernde titellose Durststrecke zu ertragen. Der letzte WM-Titel liegt schon 29 Jahre her; die letzte Ausgabe des bedeutendsten Nationenturniers verloren die Argentinien gar in einem bitteren Endspiel mit 0:1 gegen Deutschland. In der Copa América ist die Sachlage nicht bedeutend anders: 1993 konnte der 14-fache Copa-América-Sieger dieses Turnier zuletzt gewinnen. Mit dem heurigen Finale hat die Mannschaft von ‚Tata‘ Martino erneut die Chance, diesen Leidensweg zu beenden.Argentinien Copa America

Dafür hat der Argentinier in der Defensive, neben Sergio Romero, mit Marcos Rojo, Ezequiel Garay, Nicolás Otamendi sowie Pablo Zabaleta eine phyisch starke und defensiv äußerst stabile Viererkette. Dabei agieren Zabaleta und Rojo ähnlich wie Chiles Außenverteidiger weit aufrückend, dennoch nicht in derartig extreme Maße wie es beim Gastgeber der Fall ist. Davor befindet sich mit Javier Mascherano ein abkippender Sechser, der sich auch seitlich abfallen lässt, das Spiel somit auf eine Seite zieht und damit dem ballfernen Innenverteidiger Möglichkeiten für einen Vorstoß bietet.

Lucas Biglia bekleidet vor dem Innenverteidiger der Blaugrana einen äußerst aufbauenden Teil. Der Spieler von Lazio Rom befindet sich in einer Art Hybrid-Funktion zwischen Sechser und Achter, stößt eher selten nach vorne und beteiligt sich, was die Spielzirkulation anbelangt, eher absichernd und balancierend. Eine etwas höhere Rolle nimmt da schon Javier Pastore ein. Der Mittelfeldspieler agiert halbrechts mit Tendenzen zu einrückenden Bewegungen ins Feld. Der Spieler von Paris Saint-Germain soll zudem Lionel Messis Läufe in die Zentrale ausbalancieren und ist damit eigentlich der hauptsächliche Akteur, der die verwaiste rechte Seite oftmals einnimmt. 

Vorne lässt sich mit Di María ein Spielertyp finden, der in dynamischen Situationen unfassbar effizient durchstoßen kann und durch seine Geschwindigkeit und die damit einhergende Ballbehandlung auffällt. Auch Martino versucht bei seinem Schützling diese Stärken auszuspielen. Di María lässt sich im Spiel über den linken Halbraum abkippen und kann – ebenso wie Messi – verstärkt im Spiel eingesetzt werden, während Rojo den Part der Breitengebung übernimmt. Anschließend kann er aus dieser etwas tieferen Position nach vorne stoßen und Lücken mit seiner Dynamik anvisieren. Mascherano und Biglia sichern und gleichen mit ihren Bewegungen diese Positionsverschiebungen aus, bewegen sich kohärent zueinander, was zur Folge hat, dass beispielsweise Biglia die zentrale Spielerposition einnimmt, wenn sich  Mascherano halblinks abkippen lässt, um die die Ballzirkulation aufrecht zu erhalten.

Sergio Agüero nimmt vorne eine hauptsächlich stürmerbezogene Aufgabe ein. Das bedeutet, dass sich der Manchester-City-Akteur relativ selten ins Spielgeschehen einbinden kann, was sich mit durchschnittlich 12.8 Pässen pro Spiel auch in der Statistik niederschlägt. Zum Vergleich: Seine Kollegen Di María und Messi haben mit 38.6 beziehungsweise beeindruckenden 56 Pässen pro Spiel eine deutliche bessere Spieleinbindung zu verzeichnen. Daneben kümmert sich der Stürmer auch noch um die Sicherung von direkten Zuspielen, die er anschließend gegen den Gegenspieler abschirmt, sich dabei etwas fallen lässt und dadurch seinen Mitspielern bei Schnellangriffen offene Räume bietet und dann zu ihnen durchsteckt oder einen horizontalen Pass zu einem Mitspieler vollzieht und dieser dann den vertikalen Pass zum sprintenden Akteur sucht. Zudem soll er mit seinen Bewegungen die Viererkette bearbeiten und damit raumöffnend für den Zwischenlinienraum dienen; das heißt, er versucht mit seinen Bewegungen die beiden Ketten voneinander zu entfernen und seinen Mitspielern somit wichtige Räume für Kombinationn zu geben.

Zu guter Letzt wollen wir uns noch dem Superstar der ‚Albicileste‘, Lionel Messi, widmen. Martino übernahm in einigen Aspekten die Ausrichtung von Luis Enrique und ließ seinen Schützling erst einmal auf der rechten Seite starten. Von dort aus verlässt Messi seine Position für zwei konkrete Fälle. Zum einen lässt er sich halbrechts fallen und agiert damit unterstützend im Spielaufbau, zum anderen kann er sich wie im Extrembeispiel gegen Kolumbien zentral aufhalten und für eine Aufrechterhaltung der Ballzirkulation sorgen. In allen Fällen entsteht auf der rechten Seite ein riesiger Raum, der entweder von Pastore besetzt oder gleich völlig offen gelassen wird, was zu einigen Spielsituationen führt, die nicht optimal ausgespielt werden können. Denn durch das Fehlen einer Besetzung des ballfernen Halbraums bleibt den Argentiniern in verdichteten Zonen auf der linken Seite nur der Weg zurück zu den aufbauenden Akteuren, wodurch der Spielzug erneut gestartet werden muss.

Durch die Öffnung des Zwischenlinienraums kommen auch Messi einigen Vorteile zugute. Der Argentinier kann durch den vorhandenen Raum seine Dribblings unter besseren Bedingungen in Szene setzen, da sein Gegenspieler mit riskanten Bewegungen aufgrund des hinter ihm vorhanden Raumes aufpassen muss. Des Weiteren kann er mithilfe von Doppelpässen zusammen mit Di María, Agüero oder auch Pastore diese Räume ausnutzen und schnell sowie direkt in gefährliche Zonen des Gegners stoßen.

Problematisch für die Argentinier entwickelt sich allerdings die Rolle von Lucas Biglia. Durch seinen absichernden und unterstützenden Part kann er zu unflexibel und selten durchbruchsstark agieren. Martino erhofft sich von der Präsenz des Mittelfeldspielers defensive Stabilität im Aufbau sowie Pressing, was sich im bisherigen Turnierverlauf auch durchaus bezahlbar gemacht hat. Denn mit dem Duo Mascherano/Biglia hat die argentinische Auswahl lediglich ein Tor erhalten. Doch die Kehrseite der Medaille ist, dass auf der Seite Biglias durch seinen zu eingeschränkten Aktionsraum kaum dynamische Aktionen möglich sind und quasi ständig auf der anderen Seite nach vorne gestoßen werden muss. Zwar ist es verständlich, dass zugunsten der Stabilität auf derartiges Potenzial verzichtet wird, was sich mit den Diagonalbällen Mascheranos auf die aufrückenden Außenverteidiger und mit einem Lionel Messi in Topform im Turnier auch wieder kompensiert hat, dennoch sollte sich Martino nach der Copa dieses noch reichlich vorhandenen Potenzials auf jeden Fall wieder zuwenden.

Auch im Pressing existiert für die argentinische Auswahl noch Verbesserungspotenzial. Dabei agieren die ‚Himmelblauen‘ in einem 4-2-3-1, das aufgrund der Bewegungen von Pastore auf die jeweiligen ballnahen Flügel immer etwas verschoben wirkt. Auf den Flügeln agieren Messi sowie Di María, während dahinter Mascherano sowie Biglia absichern. Doch durch die Freirolle Messis im Rückwärtspressing sowie im Nachbesetzen von Räumen werden große Problematiken im Spiel ohne Ball sichtbar. Denn die Doppelsechs im argentinischen Spiel sorgt für fehlende Präsenz und Zugriff in der zweiten Verteidigungslinie, was sich insbesondere auf der rechten Seite mit Messi auswirkt. Pastore braucht eine gewisse Zeit für das Verschieben und Zabaleta agiert im Gegensatz zu Rojo situativ nicht derartig herausrückend, um den Raum hinter Messi zu verdichten. Zwar entstehen bei den argentinischen Verschiebebewegungen auf den Flügeln generell bedingt durch das suboptimale System auf beiden Seiten teilweise große Abstände, doch auf der rechten Seite werden sie oftmals äußerst eklatant. Durch Biglias nicht klar definierte Rolle muss dieser immer reaktiv herausschieben, doch weder Messi noch Zabaleta stopfen damit den Raum hinter ihm und Mascherano kann den Sechserraum nicht zu sehr verlassen ohne die Zentrale völlig zu entblößen. So wundert es nicht, dass in vier der bisherigen fünf Spiele Argentiniens die linke Seite des Gegners und damit die argentinische rechte Seite die Präferierte für einen Angriff war. Auf links können diese Lücken mit der Defensivarbeit Di Marías noch halbwegs abgefangen werden.

Fazit

Es wird zweifellos ein äußerst spektakuläres und höchst interessantes Finale. Die Chilenen mit ihrer dominanten Ballbesitz- und Pressingphilospohie bekommen es mit dem argentinischen Starensemble zu tun, das inviduell gesehen einzigartig ist. Vor allem die Reaktion Chiles auf die Klasse von Messi und Co. wird interessant zu beobachten sein. Riskiert man ein hohes Pressing und die damit einhergende Entblößung von eigenen Räumen, was von den Argentiniern ausgenutzt werden könnte? Wie wird man versuchen, Lionel Messi aus dem Spiel zu nehmen? Die Kolumbianer versuchten es mit einer Manndeckung von Linksverteidiger Arias, der Messis einrückende Läufe verfolgte, und gelangten zur Erkenntnis: „Stelle Messi niemals in Manndeckung”.

Für den Superstar selbst wird es die Chance sein, die WM-Niederlage gegen Deutschland vergessen zu machen und eine fantastische Saison nochmals zu krönen. Doch insbesondere im Pressing wird bei der Truppe von ‚Tata‘ Martino eine bessere Koordination im Pressing vonnöten sein, um nicht den vielzitierten Schritt zu spät am Ball zu sein und dem Gegner zu Schnellangriffen vor die letzte Linie kommen zu lassen. Des Weiteren wird es auf jeden Fall nötig sein, das fehlende Potenzial auf dem rechten Flügel besser zu nutzen, möglicherweise mit einem Pastore, der dauerhaft im Zentrum agiert und die Räume, die Messi gerade nicht besetzt, als Balancegeber anvisiert. So könnten neben mehr Fluidität im Aufbau auch bessere Dynamiken im letzten Drittel erzeugt werden. Oder aber der beste Spieler aller Zeiten zeigt uns normal-menschlichen Individuen einfach nochmals einen seiner Geniestreiche und verzaubert erneut die Fußballwelt.

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