Das Mittelfeld: Die Problemzone von Barça

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Es ist ein heiß diskutiertes Thema – das Mittelfeld in den Reihen des FC Barcelona. Von vielen Culés wird dieser Mannschaftsteil als schwächstes Glied angesehen, und das nicht mit Unrecht, wie ich meine. In diesem Artikel beschränken wir uns auf die Spieler auf den offensiveren Halbpositionen, die allesamt hinter ihren Qualitäten zurückbleiben.

Xavi Hernández, Andrés Iniesta, Ivan Rakitić, Rafinha, Sergi Roberto – Quantität hat Barças Mittelfeld auf alle Fälle. Vor allem bei den ersten zwei Namen der Liste läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Xavi Hernández und Andrés Iniesta: Was war das nur für ein goldenes Duo zu Zeiten der Champions-League-Triumphe 2009 und 2011? Doch nicht nur seit kurzem ist offensichtlich, dass jene zwei Spieler zusammen nicht mehr gut funktionieren. Vor allem, wenn hinter ihnen noch Sergio Busquets agiert. Zu wenig Dynamik, zu wenig Intensität und eine schlechte Rückwärtsbewegung zeichnen dieses Mittelfeld aus. In einigen großen Spielen (vor allem gegen Bayern und Real) sah man, wie dieses Trio an seine Grenzen gekommen ist.

In Valencia und gegen Paris hat man Javier Mascherano und Sergio Busquets gemeinsam im Mittelfeld auflaufen sehen. Diese Variante ist in der Zukunft keineswegs auszuschließen, doch war es offensichtlich, dass sich Busquets auf der Position im defensiven Mittelfeld wohler fühlt. Je nachdem, ob Busquets und Mascherano gemeinsam agieren, bleiben noch ein oder zwei Plätze auf der Acht übrig – doch das Angebot lässt zu wünschen übrig.

Xavi Hernández – der Altmeister steigert sich

Jeder Culé wird äußerst froh über den Verbleib von Xavi Hernández beim FC Barcelona sein. Nach heftigen Gerüchten letzten Sommer, wonach Xavi die Katalanen nach Katar oder USA verlassen könnte, blieb er seinem Verein treu und wurde zum Kapitän ernannt. Nachdem Xavi in der letzten Saison einen Tiefpunkt erlebte und seine schwächste Saison seit langer Zeit hatte, fing er sich in der aktuellen Spielzeit. Mit seiner Ruhe am Ball strahlt er viel Sicherheit aus, doch das tat er ohnehin schon immer. Viel wichtiger ist, dass Xavi den Konkurrenzkampf angenommen hat und dementsprechend auch in die Partien geht. Er ist um einiges spielfreudiger als im letzten Jahr und spielt direkter und schneller in die Spitze. Die vielen Verschnaufpausen tun ihm sichtlich gut und lassen ihn sowohl in den Beinen als auch im Kopf frisch in ein Spiel gehen. Seine Zweikampfführung und die Wege in die Defensive sind aber das größte Problem. Gegen Real Madrid hat man gesehen, wie er überrannt wurde. Xavi sollte in La Liga helfen können, ob er das aber auch gegen Manchester City in der Champions League kann, ist fraglich. Außerdem wird der Welt-und Europameister nicht mehr allzu lange im Verein bleiben, deshalb muss man sich nach anderen Optionen in der Startelf umsehen.

Andrés Iniesta – droht sogar ein Platz auf der Bank?

Andrés Iniesta auf der Bank? Das war für lange Zeit unvorstellbar, jetzt aber nicht mehr. Der Goldtorschütze des WM-Finales 2010 sucht schon seit Beginn der Saison vergeblich seine Form. Bislang hat er selten bis nie einem Spiel seinen Stempel aufdrücken können. Der Zauber vergangener Tage scheint verblasst zu sein. Noch dazu machen ihm Blessuren und Verletzungen immer wieder zu schaffen. Der 30-Jährige war zwar meistens kein Frühstarter, doch so extrem wie diesmal war es noch nie. Natürlich ist Iniesta ein klasse Spieler, der mit seiner Genialität ein Spiel entscheiden kann. Doch davon sieht man bisher leider wenig. Weder gegen Real Madrid noch in den Spielen gegen Paris St. Germain ist es Iniesta gelungen, zu zeigen, was er drauf hat. Oft wurde als Argument für seine schwächeren Leistungen der Umstand benannt, dass Luis Enrique die zwei Achter weiter außen hat agieren lassen. Dies sollte für einen Spieler, der auf Linksaußen zum besten Spieler der EM 2012 gewählt wurde, aber kein großes Problem darstellen. Noch dazu hat Enrique dies wieder umgestellt, an der Leistung von Don Andrés hat sich aber wenig bis gar nichts geändert. Gegen Paris zählte Barças Vize-Kapitän noch  zur Startformation, das heißt allerdings nicht, dass es so bleiben muss. Deshalb ist es auch durchaus möglich, dass sich der dreimalige Champions-League-Sieger vermehrt auf der Bank wiederfindet, wenn sich seine Leistungen nicht bessern.

Ivan Rakitić – zuerst top, dann flop

Die Meinungen zu Ivan Rakitić haben sich innerhalb kürzester Zeit stark geändert. Zu Beginn von vielen noch als DER Transfer dieses Sommers gesehen, hieß es einige Spiele später, dass er Barças nicht in dem erforderlichen Maße weiterhelfen würde. Knackpunkt war das Spiel in Paris, als der Kroate überfordert wirkte und nicht zu seinem Spiel fand. Feststellen kann man, dass Rakitić dem Spiel von Barça eine neue Komponente gibt, die von Wichtigkeit ist. Er geht Wege, die wehtun. So einen Spielertypen hatte man auf dieser Position zuvor nicht. Hier kann man einen großen Unterschied zu Xavi und Iniesta beobachten. Während diese die direkten Zweikämpfe eher meiden, haut sich Rakitić in jeden Ball und ist vor allem im Pressing stärker. Doch fußballerisch zeigt er oftmals Schwächen, die bei Barça sofort erkannt und bemängelt wurden. Bei der Meinung zu Rakitić ist man zu schnell von top auf flop gewechselt. Oftmals aber spielte der 26-Jährige in einer neuen Rolle, die für ihn nicht maßgeschneidert ist, und konnte seine individuellen Stärken nicht immer in vollem Umfang einbringen. Momentan gehört der Kroate nicht mehr zur ersten Elf, denn sowohl gegen Real als auch gegen Valencia und zu Hause gegen Paris wurde er nur eingewechselt. Abschreiben darf man ihn aber keineswegs. In den letzten Spielen konnte man wieder einen Aufwärtstrend erkennen, des Weiteren kann Rakitić mit seiner Art von Fußball und einer genauen für ihn vorgesehenen Rolle noch ein ganz wichtiger Spieler werden.

Rafinha – auf dem Sprung

Alle waren auf den Rückkehrer Rafinha Alcântara, den jüngeren Bruder von Thiago, gespannt. Nach einer Verletzungspause zu Beginn der Saison kam der Brasilianer zurück und zeigt seitdem gute Leistungen. Sowohl im Mittelfeld als auch auf der Falschen Neun bringt Rafinha seine Dynamik und Dribbelstärke ins Spiel, die dem Spiel von Barça sehr guttun. Dennoch blieb ihm ein Platz in der Startelf meistens noch verwehrt. Das lag zum einen daran, dass Luis Enrique genügend Optionen hat und wohl nicht immer einen Sinn darin sieht, einen Xavi, Rakitić oder Iniesta zweimal in Folge auf die Bank zu setzen, aber auch an der noch fehlenden Erfahrung Rafinhas. Gegen APOEL Nikosia zeigte er eine starke Partie, wurde aber wegen zwei überflüssigen Fouls mit Gelb/Rot vom Platz gestellt. Rafinha hat sein Potential zwar schon manchmal gezeigt, allerdings ist noch viel Luft nach oben.

Sergi Roberto – keine Verbesserung der Situation

Für Sergi Roberto hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht viel geändert, nur dass er in letzter Zeit sehr oft nicht mal mehr den Weg in den Kader schafft. Gegen Huesca zeigte er zwar seine Stärken und spielte stark, doch hier muss man bedenken, dass dies nur ein Drittligist war. Gegen eine bessere Mannschaft zeigt sich der 22-Jährige ängstlich, scheut jedes Risiko und ist so für die Mannschaft keine große Hilfe. Eine Leihe wäre für beide Seiten das Beste, da man nicht erwarten kann, dass sich an seiner Position großartig viel ändern wird.

Hier gibt es noch eine Statistik über die Startelfeinstätze der fünf Spieler.

  Startelfeinstätze La Liga Startelfeinstätze Champions League Startelfeinstätze Copa del Rey Gesamt
Xavi Hernández 8 2 0 10
Andrés Iniesta 6 3 2 11
Ivan Rakitić 11 4 1 16
Rafinha 4 1 2 7
Sergi Roberto 1 1 1 3

Zu wenig Initiative

Momentan ist es tatsächlich so, dass kein Spieler ohne ein großes “Aber” aufgestellt werden kann. Xavi spielt zwar gut, aber der so nötige Umbruch muss endlich auch auf dieser Position stattfinden; Rakitić hat Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden; Iniesta mangelt es an Form, Rafinha an Reife und Roberto an Klasse. Im El Clásico sah man die Unterschiede im Mittelfeld zwischen Real und Barça. Während Real nur so vor Power und Schnelligkeit strotzte, konnte Barça überhaupt nicht dagegenhalten und das Mittelfeld der Katalanen wurde mühelos überbrückt. Doch nicht nur in der Defensive ist die Schaltzentrale des Spiels überfordert, auch nach vorne hin gibt es viel zu wenig Initiative. Suárez, Neymar und Messi. Dieser Sturm kann sich wahrlich sehen lassen und versetzt jede Abwehr in Angst und Schrecken. Doch es wirkt so, als ob sich diese drei Spieler alles selbst erkämpfen und erspielen müssen. Wie oft sah man schon die Kombination Neymar-Messi in dieser Saison? Vom Mittelfeld kommen viel zu wenige Impulse nach vorne. Es ist zwar schön und gut, wenn Messi die Motivation hat, die Bälle von der Mittellinie zu holen, aber vor allem ist es schade, da er sogar den Spielaufbau anstatt der Mittelfeldspieler übernehmen muss und somit vorne fehlt. Auch Neymar muss sich oft zurückfallen lassen, um den Spielaufbau anzukurbeln. Somit fehlen zwei unglaublich gute Spieler genau da, wo sie eigentlich hingehören. Luis Suárez hingegen stopft Löcher und reißt Wege auf, die aber konsequent nicht bespielt werden. Die Vorstellung, dass das Sturmtrio mit vielen Pässen vom Mittelfeld gefüttert wird, lässt einen jeden Culé mit der Zunge schnalzen. In La Liga lauten die ersten Drei der Mannschaft hinsichtlich der Assist-Wertung doch tatsächlich Lionel Messi, Neymar und Luis Suárez.

Hier zeigen wir euch noch eine Statistik über die fünf Mittelfeldspieler, welche die Harmlosigkeit dieser verdeutlicht. Quelle: whoscored.com

La Liga Tore Torvorlagen Schlüsselpässe pro Spiel Passquote
Xavi Hernández 1 2 1,8 92,4%
Andrés Iniesta 0 0 1,3 92,3%
Ivan Rakitić 3 1 1,1 90,5%
Rafinha 0 0 0,5 88%
Sergi Roberto 0 0 0,4 96,2%
Champions League Tore Torvorlagen Schlüsselpässe pro Spiel Passquote
Xavi Hernández 0 0 0,6 90,1%
Andrés Iniesta 0 3 1,5 91,7%
Ivan Rakitić 0 0 0,2 89,1%
Rafinha 0 2 0,8 93,1%
Sergi Roberto 0 0 0 93,5%

Vor allem die Zahl der Torvorlagen zermürbt. Lionel Messi hat in La Liga nur eine Vorlage weniger als alle anderen Mittelfeldspieler in La Liga und der Champions League zusammen. Mit der derzeitigen Situation in diesem Mannschaftsteil kann man nur unzufrieden sein. Auf Luis Enrique wartet noch viel Arbeit, um dieses Problem kleiner zu machen oder gar auszumerzen. Auf die Entwicklung und die in Zukunft berücksichtigten Spieler kann man nur gespannt sein und hoffnungsvoll auf eine Steigerung hoffen.

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