DAZN – funktioniert noch nicht perfekt: Doch der neue Streaming-Riese macht Fortschritte

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Seit dem 19. August läuft die spanische Saison wieder in vollem Gange. Dem regelmäßigen La-Liga-Schauer dürfte spätestens vor einer Woche allerdings aufgefallen sein, dass Langzeit-Anbieter Laola1.tv keinen Livestream zu der anlaufenden Saison in La Liga mehr anbieten wird. Nach viel Hektik, Aufregung und Verwirrung brachte dann ein neuer Name Licht ins Dunkle – ‚Dazn‘. Der angebotene Probemonat des Anbieters ist zugleich eine Testphase für den Anbieter selbst. Trotz eines stimmigen Gesamteindrucks gibt es noch einige Stellen, an denen getüftelt werden muss – nicht zuletzt nach den Erfahrungen im Spiel gegen Bilbao. Nachfolgend findet ihr die wichtigsten und aktuellsten Informationen zum neuen Streaming-Dienst aufbereitet und kurz kommentiert.

Laola verschwindet von der Bildfläche

Seit der Saison 2016/17 hat der österreichische Anbieter Laola1.tv die Übertragung der spanischen Liga eingestellt. Dabei führt die Existenz von Laola tatsächlich bis in das Jahr 2001 zurück. Damals wurde das Unternehmen von den Geschäftsführern Thomas Krohne, Karl Wieseneder und Rainer Greiner gegründet. Was zunächst mit dem Publizieren von Highlight-Videos begann, änderte sich einige Jahre später 2008, als Laola die Ausstrahlungsrechte an der Primera División erwarb. Aufgrund der hohen Besucherzahlen beschrieb www.trend.at die Seite ein paar Jahre später als größtes Sportportal Österreichs.

Die Online-Streams auf Laola waren und sind grundsätzlich kostenlos. Für weniger Werbung und eine bessere Videoqualität muss(te) der Nutzer 4,99 Euro im Monat draufzahlen. Parallel zu den Streams unterschiedlicher Sportarten wie Volleyball, Tischtennis, Handball, Basketball und natürlich Fußball bieten die Österreicher auch eine weitere Seite namens ‚laola1.at‘ an, welche sich primär auf das Publizieren von kurzen Sportnews konzentriert.

Doch im harten Onlinebusiness des 21. Jahrhunderts ist es scheinbar keine einfache Sache, Jahr für Jahr die Rechte für die Ausstrahlungen zu erhalten. So kam es, wie es vielleicht kommen musste – Laola strahlt fortan nur noch die Highlights, Supercopa und die Copa del Rey aus. Ein anderer Anbieter ist fortan mit der Aufgabe betraut die Messis, Ronaldos und Griezmanns auch am Wochenende in die deutschsprachigen Haushalte zu beamen.

Dazn: Mediathek und Minimalismus

Als „Netflix des Sports“ wurde Dazn schon bezeichnet. Die Plattform gehört zur 2007 gegründeten ‚Perform Group‘, die auch ‚Goal.com‘ und ‚Spox‘ beherbergt. In der Tat erinnert die formale Anordnung des Menüs an die des Serien-Riesens. Die Oberfläche ist simpel aufgebaut: Weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund, Kacheloptik und Slider von links nach rechts und umgekehrt, reduzieren die Seite auf das Nötigste, nämlich die Auswahl von Videos und Livestreams. An der obersten Stelle der Webpage startet bereits automatisch nach dem Aufrufen der Seite einer von zahlreichen Livestreams. Dieser kann dann bei Bedarf im Vollbildmodus vergrößert werden, geht ansonsten aber nahtlos in das minimalistische Auswahlmenü über. Umso weiter der User nach unten scrollt, desto mehr verringert sich dich Lautstärke des Streams. Dass die Menüführung in Zukunft nochmal überarbeitet wird, ist aufgrund der zum Teil überflüssig wirkenden Automatismen dennoch vorstellbar.

Die Sportarten lassen sich direkt, aber auch komplett nachträglich schauen. Dafür sind die Videos mit den Hinweisen „Jetzt Live“ und „Re-Live“ versehen. Innerhalb einer Livesitzung lässt sich außerdem zurückspulen. Mit dem Klick auf den Live-Button kann jederzeit zum aktuellsten Punkt des Geschehens geskipped werden. In den Halbzeiten werden außerdem hilfreiche Analysen und Statistiken eingeblendet, die für so manchen Taktik-Fuchs eine übersichtliche Einsicht in das Spielgeschehen liefern.

Wechselseitiger, euphorischer Kommentar als Sprachkultur

„Kann irgendjemand bei denen eigentlich nicht alles?“ – meinte der eine Kommentator aufgeregt zum anderen am vorvergangenen Spieltag, als Barça Betis Sevilla furios mit 6:2 aus dem eigenen Fußballtempel fegte. Die Einschätzung der Qualität von Fußballkommentatoren ist fast immer Geschmackssache. Stimmen können zu hoch, zu tief, zu gelangweilt oder zu hektisch sein und den Genuss eines Spiels deutlich trüben. Bei den Sprechern von Dazn fällt zu mindestens deren lockere, ungezwungene Art zu reden auf.

Das Ganze hat dann mehr etwas von einem Stammtisch, einer geselligen Runde oder dem Plausch mit einem Arbeitskollegen als vom festgefahrenen ‚Spieler-X- spielt-den-Ball-auf-Spieler-Y- Stil‘. Hin und wieder könnten Hintergrund- und Zusatzinfos zwar genauer recherchiert werden, die junge, dynamische Art überzeugt bislang dennoch. Auch, wenn einem die Kommentatoren bei Dazn zum Teil bekannt vorkommen, wirken die Stimmen doch recht unverbraucht und euphorisch. Die Faszination für den Fußball war mittlerweile bei mehreren Spielen unterschiedlicher Ligen deutlich herauszuhören. Man freut sich irgendwie automatisch mit, wenn die Sprecher sich wie zwei kleine Kinder über die Tricks und perfekten Flanken der Stars amüsieren.

Dadurch, dass bei Dazn in der Regel zwei Kommentatoren zu hören sind, erhält der Fußballabend eine zusätzliche unterhaltsame Note. Es entsteht eine Diskussion, ein Wechselspiel an Meinungen und Einschätzungen, mit denen der Zuschauer seinen Wissenshorizont hin und wieder erweitern kann.

Eigentlich gibt es da nichts, was es nicht gibt

Dazn zeigt nicht in jedem Fall alle Spiele aus den Ligen, sondern zum Teil nur die großen Kracher.

Das Angebot von Dazn umfasst folgende Fußballveranstaltungen: La Liga, Serie A, Premier League, Allsvenskan (Schweden) Ligue 1, Superligaen (Dänemark) , Regionalliga, Superliga Srbije (Serbien), International Championscup, Freundschaftsspiele, K League Classic (Südkorea), Premjer-Liha (Ukraine), Scottish Premiership (Schottland) etc.

Dazu gesellen sich dann auch noch American Football, Tennis, Motorsport, Basketball, Darts, Rugby League, Pferderennen, Bowling und Sportfischen.

Neben der Liveübertragung der Sportarten gibt es bislang auch diverse informative Specials, wie Spieltagsrückblicke, die La-Liga-Vorschau, ‚das Goooal Magazin‘ usw.

Dazns Qualität auf dem…

… Smart TV (LG)

Auf einem LG Smart TV ließ sich die App bislang zwar herunterladen, allerdings erschien nach jedem Anwählen des Icons eine Fehlermeldung die darauf hinwies, dass es sich bei dem installierten Programm nicht um die neuste Version handeln würde.

… Ultrabook (Dell)

Auf einem Dell XPS Ultrabook lief der Stream von Barça gegen Betis zunächst wie geschmiert. Nachdem sich die Qualitätsstufen zu Beginn kurz selbst kalibrieren mussten, funktionierte der Stream ohne Störungen und in bester Qualität – bis zum letzten Viertel der Spielzeit. Ab ca. Minute 75 kam es immer wieder vermehrt zu Bildstörungen und Grafikfehlern, die sich mit einem blaustichigen Farbton über das ganze Bild zogen und das Seherlebnis überdeutlich erschwerten. Neben der schwachen FPS kam es auch zu einer Art Nachblenden, bei dem das Vorheringe Bild immer für 2-3 Sekunden weiterhin zu sehen war.  

… Tower-PC  (Asus)

Bei einem Heim-PC, welcher in einer relativ großen Entfernung zum Router steht, kam es bei den Fußballstreams oft zu einer verzögerten Bildrate. Das Spielgeschehen fand dann mit Rucklern in Zeitlupe statt und war kaum bis gar nicht nachzuvollziehen. Die Streaming-Qualität schien sich dann immer wieder selbst umzustellen. Bei Laola 1.tv ließ sich damals im Falle einer schlechten Verbindung die Quali auf einen bestimmten Wert manuell herunterdrosseln – so kam es nicht zum nervigen Bildflackern.

… Iphone 6 (Apple)

Das Iphone brauchte eine ganze Weile (ca. 5 Minuten), bis der Stream sich auf Full-HD stellte, danach lief der Stream nahezu fehlerlos.

… Smartphone (Android / Huawei)

Auf dem mobilen Android-Gerät liefen mehrere Streams während einer W-Lan-Verbindung fehlerfrei, bis die Verbindung komplett abbrach.

… Windowsphone (Microsoft)

Dazn wird bislang nicht für Microsofts Softwareauskopplung im Handyformat angeboten.

Ein Tablet/Ipad-Test steht noch aus.

Unsere Tests geben selbstverständlich keine Sicherheit darüber, wie sich dass Stream-Verhalten bei jedem anderen Anwender, Gerät und Netzanbieter anpassen wird. Mehrere User haben sich jedoch in diversen Internetforen bereits ebenfalls über die mangelhafte Ton-Bild-Qualität während der Übertragungen beschwert. Auch zu Standbildern, Pixelfehlern und Disconnects kam es bei einigen Benutzern.

Langer Ausfall im Spiel Barça-Bilbao

In keinem guten Licht präsentierte sich der Dienst am vergangenen Spieltag, als der FC Barcelona im San Mamés auf Athletic Bilbao traf. Die Freude über den Kracher des Spieltags schwappte wenige Minuten vor dem Spiel in Frustration und die Suche nach anderen Gelegenheiten, das Spiel doch noch zu sehen. Über eine Fehlermeldung wurde den gespannten Zuschauern suggeriert, dass die Partie bedingt durch fehlende Rechte nicht in ihrem Land ausgestrahlt werden könne. Diese Meldung stimmte inhaltlich natürlich nicht, Dazn verfügt über die entsprechenden Rechte, hatte an diesem Abend aber mit technischen Problemen zu kämpfen. Die Übertragung des Spiels begann somit mit erheblicher Verzögerung und lief auch danach nicht einwandfrei.

Mitglieder aus dem Barçawelt-Forum berichteten, dass der Streaming-Dienst im Vorfeld bestens funktionierte. Insbesondere die Premier League soll in einwandfreier Qualität ausgestrahlt worden sein. Ob die vorgehaltenen technischen Ressourcen oder der große Andrang auf die Spiele des FC Barcelona ursächlich dafür war, dass die Streams ausgerechnet beim spanischen Meister mehr schlecht als recht funktionierten, kann aus der Ferne nicht beurteilt werden. Bei den Barça-Fans zumindest wird Dazn sich einen guten Kredit erst hart erarbeiten müssen.

Dazns Aussagen zufolge wurde der Totalausfall während der Barça-Niederlage gegen den Liga-Neuling durch „Probleme mit dem Dienstleister“ ausgelöst und ist nicht auf die Konstitution des Servers zurückzuführen. Während der Zeit vom 09. – 11. September war DAZN kaum bis gar nicht erreichbar. Vielen Nutzern wurde beim Aufruf der Startseite ein Fehler-Screen angezeigt, welcher unterstellte, dass der „Dienst in dem Land nicht verfügbar“ wäre. Somit waren keine Streams, zum allgemeinen Ärgernis der Kunden, aufrufbar. Auf Facebook entlud sich dann die gesamte Wut unzähliger Fußballfans und DAZN kämpfte fortan nicht nur gegen Verbindungsabstürze, sondern auch gegen einen riesigen Facebook-Shitstorm an. 
Am letzten Spieltag beim Barça-Leganes-Spiel gab es hingegen weniger auszusetzen. Der Stream lief, wenn auch zum Teil mit Rucklern und Nachblenden.

DAZN kommt Nutzern entgegen

Aufgrund der zahlreichen Ausfälle am vorletzten Wochenende (09.-11. September) entschied sich DAZN dazu, jedem Nutzer eine zusätzliche Gratiswoche aufzubuchen. Das Angebot gilt auch für die Kunden, die bereits erste Zahlungen tätigen mussten. 

 

 

Fazit

Die Laola-Welle schwappt von nun an nicht mehr sinngemäß durch die Zimmer der La-Liga-Fans. Mit Dazn kommt aber ein durchaus interessanter, allerdings kostenpflichtiger Ersatz auf den Markt, der seine potenziellen Neu-Mitglieder mit einem freien Probemonat ködert. Wer auf die Bundesliga verzichten kann und sich für ein breites Angebot aus den wichtigsten Partien und Ligen des europäischen Fußballs interessiert, wird gut bedient. Zusätzlich lohnt es sich, auch in andere Sportarten reinzuschnuppern.

Die Ambitionen Dazns, etwas Neues im Vergleich zu Laola1.tv zu kreieren und anbieten zu können, sind im Bereich von Interface und Dienstleistungsangebot deutlich spürbar. Formal betrachtet bekommt der Nutzer für wenig Geld einen bunten Mix an Live-Entertainment. So scheint das Preisleistungsverhältnis zunächst zu stimmen. Mit einem Gerät kann – nach dem Netflix-Vorbild – auf zwei Geräten gleichzeitig gestreamt werden.

Lediglich die Übertragungsstörungen und Kompatibilitätsprobleme der App auf unterschiedlichen Geräten geben zu denken. Das Nutzungserlebnis scheint von Gerät, Internetverbindung, Browser, Hintergrund-Diensten abhängig zu sein – oder, wie im Fall von Bilbao, grundsätzlich zu wünschen übrig lassen. Es bleibt also abzuwarten, wann Dazn auf allen Endgeräten problemlos zu verwenden sein wird. Es wäre durchaus interessant in Erfahrung zu bringen, ob es auch manuell möglich ist – im Falle einer schwachen oder langsamen Internetverbindung -, die Übertragungsrate von Full HD auf HD oder niedriger zu regulieren. Am Dazn-Support äußerten manche Käufer aufgrund einer langen Rückmeldungsdauer Kritik.

Wir können zumindest bestätigen, dass auf nahezu jede noch so kleine Kritik, jeden Kommentar und auf jede Fragestellung im Facebookbereich eine Antwort seitens DAZN gepostet wurde. Die Rückmeldungen des Unternehmens fallen zwar oft knapp, aber immer freundlich und kollant aus, so dass nicht der Eindruck entsteht, als solle jemand vertröstet werden. Es wirkt, als wäre sich DAZN durchaus im Klaren, welche Monopolstellung sie unter den Streaming-Anbietern genießen und welche Verantwortung somit einhergeht. Dementsprechend greift man sich im Hause DAZN sicher an die eigene Nase und äußerte sich auch bereits enttäuscht darüber in den Kommentaren mit „wir haben auch keinen Bock auf einen Shitstorm“. 

Der nächste große Prüfstein für DAZN ist wohl der 04.12.17. Gleich am ersten Wochenende des letzten Monats im Jahr steigt El Clásico. Da erinnere man sich bloß mal an die ausgelasteten Laola-Server in den vergangenen Jahren während des Prestige-Duells.

Die Fehlerbehebung scheint jedenfalls im vollen Gange zu laufen. Auch den Vorschlägen, das Menü für den Nutzer besser selektierbar nach Lieblings-Sportarten zu machen, und die Speicherung der Login-Daten zu verbessern, stand DAZN offen gegenüber. Eventuell  wäre es auch denkbar, die originalen Kommentatoren sprechen zu lassen oder dem Zuschauer die Option, zwischen unterschiedlichen Sprachausgaben zu wechseln, anzubieten.  

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