Der FC Barcelona präsentiert Katalonien weltweit

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Der FC Barcelona ist für den ein oder anderen, der sich noch nicht mit der Materie auseinandergesetzt hat, einfach nur ein Verein wie jeder andere auch. Doch für eine große Menge ist der katalanische Klub das Aushängeschild einer ganzen Nation und damit mehr als ein Garant für sportlich herausragende Leistungen. Was bedeutet es eigentlich, wenn ein Fußballverein eine Region, die nach Unabhängigkeit schreit, repräsentiert?

Hans-Max ‚Joan‘ Gamper Haessig gründet FC Barcelona

Bei diesem Namen sollte es bei jedem Fan des FC Barcelona klingeln. Hans-Max Gamper Haessig, besser bekannt als Joan Gamper, ist nämlich der Gründervater der Blaugrana. Haessig, Hans-Max, das klingt doch gar nicht katalanisch? Richtig, der gute Herr war ursprünglich Schweizer. Gamper, auch Mitgründer des FC Zürich, zog auf Bitten seines Onkels nach Katalonien. Dort angekommen fing er an, die verschiedensten Jobs auszuüben, wie z.B. Buchhalter oder Kolumnist. Um sich heimischer zu fühlen, trat Hans Gamper einer lokalen Schweizer Kirche bei, welche evangelisch gesinnt war. Gemeinsam mit seinen Landsmännern fing der Schweizer an, Fußball zu spielen und fasste nach 30 gefundenen Mitgliedern den Entschluss, einen Fußballverein zu gründen. Das Fundament war geschaffen. Gamper sah den FC Barcelona als seine Aufgabe, die er bis zum bitteren Tod weiterführen müsse. Die Redewendung mit dem Tod nahm Gamper leider zu ernst. Nachdem der Verein erste Höhen und Tiefen überwand, wurde Gamper wegen „katalanischem Nationalismus“ (14.000 Anhänger pfiffen die spanische Hymne bei einem Spiel von Spanien aus) eine Strafe ausgesprochen, die sein Leben ruinierte. Man verweigerte ihm jeglichen Kontakt zum FC Barcelona. Das gab dem Schweizer den Rest. Fünf Jahre später, 1930, geriet Gamper darüber hinaus in eine finanzielle Krise, die ihn schlussendlich dazu brachte, sich das Leben zu nehmen.
Der Grundstein war aber dennoch gelegt. Ein Schweizer gründet einen katalanischen Verein und identifiziert sich mit diesem so sehr, dass er in ihm sein Lebensziel sieht.

Katalonien ist eine Herzenssache

„Du musst nicht hier geboren sein, um einer von uns zu sein“, so oder so ähnlich könnten die Worte von jemandem lauten, der in Katalonien lebt und die Barça-Familie in einem globalen Zusammenhang sieht. Der Katalanismus ist eine besondere Form des Nationalismus. Anders als der baskische Nationalismus ist es bei den Katalanen durchaus vorstellbar, dass man sich auch ohne nachweisbare Wurzeln als „Katalane“ bezeichnen und somit seiner Verbundenheit zur Region Ausdruck verleihen kann. Letzteres spiegelt sich auch im Fußballverein wider. Während beim Athletic Club ausschließlich Spieler unter Vertrag genommen werden, die baskische Vorfahren haben, ist es beim FC Barcelona wie folgt: Man muss nicht in Katalonien geboren sein, um Katalane zu sein; des Weiteren ist es nicht zwingend erforderlich, dass man katalanische Vorfahren besitzt. Es zählt allein, ob man repräsentativ für Katalonien stehen und Verantwortung für Katalonien übernehmen möchte, inwieweit man sich selbst mit den Katalanen identifizieren kann – sei es auch nur über die Passion zum FC Barcelona. Und hier wären wir schon beim nächsten Punkt: Der FC Barcelona stellt Katalonien auf der ganzen Welt dar! Und dabei spielt es keine Rolle, dass ein kleiner Argentinier, der als einer der Weltbesten gilt, die Masse verzaubert. Lionel Messi ist ein La-Masia-Eigengewächs und somit „ein katalanisches Produkt“, welches der FC Barcelona der Welt mit stolz präsentiert. La Pulga ist nur eins von vielen Beispielen. Man erkennt jedoch schon eine Route, wie es möglich ist, sich als Nichtkatalane zu katalanisieren

FC Barcelona: Kataloniens Werbetafel

So, werfen wir einen weiteren Blick auf den Verein und seine Verbundenheit zu den Nichtkatalanen. Zunächst sollte noch etwas festgehalten werden: Gegründet wurde der Verein von einem Schweizer. Der wahrscheinlich beste Spieler aller Zeiten ist ein Argentinier! Was sollte man noch wissen? Richtig, zu den besten Stürmern, die der Verein je hatte, zählen zahlreiche Brasilianer. Die Spielphilosophie wurde von Niederländern geprägt und ausgearbeitet und zudem wurde die wahrscheinlich beste Zeit des Vereins von einem Coach aus Katalonien begleitet. Pep Guardiola, Schüler des Niederländers Johann Cruyff, erreichte bei Barça das, was zuvor keinem Trainer auf der Welt gelungen war: Er holte mit dem FC Barcelona sechs Titel in einer Saison. Der Katalane wusste mit taktischem Verständnis und der Leidenschaft zu seinem Verein zu überzeugen. Guardiola sagte der Welt mit seinen Taten: „Hey, seht her! Das ist der FC Barcelona! Das ist Katalonien.“ Bei den Siegesreden ertönte der Schrei „Visca Catalunya!“ so häufig, dass er um die Welt ging! Parallel zur Trainerzeit von Guardiola gab es noch eine weitere Persönlichkeit, die mit dem Verein zur Verbreitung Kataloniens auf der Welt beitrug. Joan Laporta – dieser Mann wusste, wie er den FC Barcelona auf dem internationalen Markt bekanntmacht und wie er ihm zu einem guten Image verhalf. So brach der Katalane die Tradition des Vereins und führte einen Trikotsponsor ein. Wie macht man sich damit beliebt, könnte man jetzt fragen. Die Antwort darauf ist ganz simpel, es war kein normaler Trikotsponsor, der dem Verein Geld zahlt, um zu werben. Der Name UNICEF zierte das Trikot des FC Barcelona fortan und man zahlte der Kinderhilfsorganisation Geld statt es ihr zu nehmen. Damit untermalte man das Klub-Motto Mes qué un club. Daraus ergab sich für den FC Barcelona jedoch auch eine gute Ausgangslage für Trikotverkäufe – jeder wollte zur Schau tragen, wofür der FC Barcelona einsteht. Menschen auf der ganzen Welt sehen und sympathisieren mit dem FC Barcelona – und mit Katalonien. Das Ziel ist erreicht, Katalonien ist mehr als nur eine Region Spaniens.

Katalonien: Die Mischung macht’s

Zwar ertönt in Katalonien oft der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit von Spanien, doch soll dies nicht heißen, dass man Spanien strikt ablehnt – es gibt viele Meinungen dazu. So berichtete unser Forenmitglied Grandoli Newels Barça ( Zur Zeit in Barcelona unterwegs) über die Sicht eines Katalanen:

„Katalonien und Spanien sind wie zwei Brüder oder gute Freunde. Es gibt viele Gemeinsamkeiten, wir haben Ähnlichkeiten. Wir können in Frieden miteinander leben und eine gute Beziehung zueinander haben. Aber wir sind nicht eine Person. Katalonien ist nicht Spanien und solange Madrid das nicht akzeptiert, gibt es keine Lösung. Madrid sieht Katalonien als einen gewöhnlichen Teil von Spanien an, aber das ist nicht die Realität. Katalonien hat seine eigene Geschichte, seine eigene Kultur und seine eigene Sprache. Wir können alle in Frieden zusammen leben, aber wir sind nicht eins.“

Dass dies stimmt, spiegelt sich wunderbar im FC Barcelona wider. So wurde das Mittelfeld Spaniens jahrelang von einem Katalanen (Xavi) und einem Spanier (Iniesta) in unnachahmlicher Manier geleitet. Dass die beiden Zauberfüße als eines der besten Mittelfeldduos aller Zeiten gelten, ist unumstritten. Wirft man einen Blick auf den gesamten Kader, sieht man Katalanen wie Marc Bartra, Gerard Piqué oder Sergio Busquets, aber auch spanische Namen wie Pedro Rodríguez oder Andrés Iniesta lesen. Vervollständigt wird das Bild in Barcelona durch Spieler wie Lionel Messi, die zwar aus dem Ausland stammen, aber dennoch alles in Barcelona lernten. Und genau dieser bunte Mischmasch wird vom FC Barcelona auf Katalonien übertragen. Die Fans der Blaugrana kommen schon lange nicht mehr nur aus Katalonien, Barça ist mittlerweile eine repräsentative Marke auf der ganzen Welt. Auf Facebook kommt der Verein auf mittlerweile über 67 Millionen Likes, die aus der ganzen Welt kommen – so ist zum Beispiel Bangkok die Stadt mit den meisten aktiven Nutzern auf der Facebook-Seite. Zu guter Letzt werfen wir einen Blick auf eine Strophe der Hymne des FC Barcelona lassen diese stillschweigend als Abschluss stehen:

Das ganze Stadion!
Ist ein Schrei!
Wir sind die Blauroten,
Egal wo wir herkommen,
Ob aus dem Süden oder dem Norden,
Jetzt sind wir eins, wir sind eins,
Eine Fahne vereinigt uns.

Anmerkungen:

Ein spezielles Dankeschön an: Dietrich Schulze-Marmeling für sein Werk – Barça oder: Die Kunst des schönen Spiels, welches als Inspiration und teilweise als Wissensquelle diente.

In diesem Text wurden viele Aspekte der katalanischen Frage nicht miteinbegriffen. Es sollte lediglich ein Einblick in die Position des FC Barcelona in der Rolle der Katalanisierung ermöglicht werden.

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