Die ewige Suche nach dem ‚Plan B‘ – Ist Gerardo Martino fündig geworden?

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Bildquelle: fcbarcelona.com

In regelmäßigen Abständen kursiert in den Medien das Gerücht umher, dass der FC Barcelona einen reinrassigen Mittelstürmer verpflichten wolle. Dieser soll die Katalanen noch durchschlagskräftiger machen, wenn es gegen tiefstehende und kopfballstarke Gegner geht. Auch in den vergangenen Wochen war der ‚Plan B‘ wieder in vollem Munde. Diesmal soll Tata Martino höchstpersönlich einen solchen Spielertyp eingefordert haben, einen Spieler, der sich auch in unbequemen Zweikämpfen durchsetzen und Tore erzielen kann. Angesichts der bisher zutage getretenen Spielweise des FC Barcelona ist aber mehr als fraglich, ob damit die Absichten von Tata Martino einwandfrei wiedergegeben sind.

Pep Guardiola habe ihn gewollt, Tito Vilanova soll auch mit ihm geliebäugelt haben und jetzt stehe er in Tata Martinos Notizblock in Großbuchstaben vermerkt – der klassische Mittelstürmer. Man mag fast meinen, die Diskussion um einen Mittelstürmer ist fast so alt wie der FC Barcelona selbst. Es vergeht kaum eine Länderspielpause, ohne dass dieses Thema in den Medien sein Unwesen treiben würde. Auch im Sommer ist der Mittelstürmer ein gern gesehener Gast in den einschlägigen Sportgazetten. Dass gerade Tata Martino es auf diesen Spielertyp abgesehen haben soll, verwundert aber sehr. Der FC Barcelona spielt eine beispielhafte Saison und es scheint, als habe Tata Martino seinen ‚Plan B‘ längst entwickelt und erprobt.

Pragmatismus – Ein neues Element im Spiel

Derzeit greift beim FC Barcelona nämlich ein Rädchen ins andere und in Abhängigkeit zum Gegnerprofil passt die Mannschaft ihre Spielweise den Gegebenheiten an. Deutlich machte dies das Spiel gegen Rayo Vallecano, als die Mannschaft zum ersten Mal seit 315 Spielen weniger Ballbesitz hatte als der Gegner. Und dennoch hat die Mannschaft das Spiel mit 4:0 klar für sich entschieden, weil sie nicht darum bemüht war, eine Spielphilosophie aufrechtzuerhalten, sondern vielmehr pragmatisch mit hohen Bällen den Weg zum gegnerischen Tor suchte. In einem anschließenden Gespräch mit Xavi, der um die Preisgabe der Spielphilosophie besorgt war, erklärte Tata Martino dem zweiten Kapitän der Mannschaft seine Motive und den Sinn der konkreten Spielweise.

Der argentinische Trainer hat das Spiel des FC Barcelona um einige Dimensionen erweitert – aber das ist noch nicht der ‚Plan B‘, den Medien und Fans im Sinn haben. Ihnen geht es darum, gegen tiefstehende Gegner mehr Torchancen herauszuspielen und mehr Durchschlagskraft zu entwickeln. Ein klassischer Mittelstürmer wäre in dieser Hinsicht gewiss eine Bereicherung. Gerardo Martino hat aber andere Wege gefunden, die Durchschlagskraft in solchen Spielen zu steigern. Eine zentrale Rolle hierbei spielt die Innenverteidigung der Katalanen.

Die stürmenden Innenverteidiger

Sowohl Gerard Piqué als auch Marc Bartra bringen es in dieser Spielzeit auf jeweils ein Tor und einen Assist. Piqué hat bisweilen zehn Mal auf das Tor geschossen, während Bartra bisher fünf Abschlussversuche verbuchen könnte. Es ist unverkennbar, dass die Innenverteidiger in dieser Saison in vielfacher Hinsicht anderen Aufgaben gegenüberstehen. Sie tragen eine große Verantwortung beim Spielaufbau bis zur Mittellinie und sollen bewirken, dass die Mittelfeldspieler sich höher positionieren und ihre Qualitäten in tornäheren Regionen zur Geltung bringen können. Das ist aber nur die erste Beobachtung, die man im Hinblick auf die Innenverteidiger machen konnte.

Zum anderen wurde man Zeuge von Abwehrspielern, die sich regelmäßig in das Sturmzentrum begeben haben und dort für Gefahr sorgten. Wann immer Piqué oder Bartra den Weg nach vorne suchten, wurde es für den Gegner gefährlich. Das lag daran, dass beide Aktuere zu den kopfballstärksten Spielern in der Mannschaft gehören und ihre Qualität auch im gegnerischen Strafraum ausspielen können. Für Abwehrspieler sind sie zudem technisch sehr beschlagen und wissen etwas mit dem Ball anzufangen. Unvergessen die Szene, als Marc Bartra mit Können und etwas Glück mit dem Ball fast bis zum gegnerischen Kasten durchmarschierte. Was die Ballbehandlung anbelangt, brauchen sich die La Masia-Absolventen nicht zu verstecken.

Marc Bartra hat einen richtigen ‚Hammer‘

Und im Fall von Marc Bartra kommt noch eine weitere Fähigkeit hinzu. Wer hätte gedacht, dass der Youngster über einen richtigen ‚Hammer‘ im rechten Bein verfügt? Zweimal setzte Marc Bartra in den letzten Spielen außerhalb des Sechzehners zum Schuss an und brachte den jeweiligen Schlussmann stark ins Schwitzen. Die Schüsse von Bartra sind nicht nur schnell und hart, sondern auch ziemlich präzise. Gerade bei einer Mannschaft wie dem FC Barcelona, bei der Weitschüsse die Durchbrechung eines bestimmten Spielmusters darstellen, sind Schüsse aus der zweiten Reihe Gold wert – insbesondere dann, wenn sie wie bei Marc Bartra daherkommen.

Marc Bartra konnte deshalb die letzten Spiele nicht nur dazu nutzen, seine Defensivqualitäten zu kommunizieren; ihm ist es vielmehr auch gelungen, Tata Martino seine relative Vorteilhaftigkeit gegenüber Javier Mascherano zu vermitteln. Wenn im Angriff mehr Durchschlagskraft gefragt ist, ist man mit Bartra sehr gut bedient. Zusammen mit Piqué bildete er ein außergewöhnliches Innenverteidiger-Duo, das in Zukunft noch von sich Rede machen könnte – nicht nur defensiv. 

Zurück zum Ausgangsthema: Vor diesem Hintergrund stellt sich ernsthaft die Frage, ob Tata Martino einen echten Mittelstürmer, der realistisch betrachtet bei Barça aus mehr als 20 Gründen nicht zum Zug kommen kann, anstrebt, oder ob der innovative Trainer seinen ‚Plan B‘ nicht bereits gefunden hat.

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