Joan Gamper – Die Anfänge

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Heute auf den Tag genau vor 114 Jahren gründete Joan Gamper zusammen mit elf anderen Männern den FC Barcelona. Keiner von ihnen hatte damals eine Vorstellung davon, zu welch einer Institution sich der Verein entwickeln würde. Heute gehört der FC Barcelona zu den größten Vereinen der Welt und erfreut sich großer Beliebtheit. Die Menschen bewundern den Club für seinen Fußball und für die Werte, die dieser verkörpert. Am 29. November 1899 nahm die Geschichte mit Joan Gamper ihren Anfang. Aus aktuellem Anlass möchten wir euch daher einen Artikel aus unserem Archiv präsentieren, der sich mit den Anfängen beschäftigt. Dem einen oder anderen Leser könnte er noch unbekannt sein, alle anderen können nochmal ihr historisches Wissen auffrischen.

Geboren in Winterthur am 22. November 1877, war Hans-Max, katalanisch „Joan“ Gamper schon zu seinen jungen Jahren ein Pionier und großer Liebhaber vieler Sportarten wie Tennis, Rugby, Leichtathletik, Golf und Radfahren. Einzelne Erfolge feierte Hans Gamper als Rugby-Spieler in Frankreich und als Radrennfahrer in der Schweiz. Seine größte Hingabe diente jedoch dem Fußball, sodass er an den Gründungen von mehreren Fußballvereinen in der Schweiz mitwirkte. So war Hans Gamper einer der ersten Kapitäne des FC Basel sowie Mitgründer und Spieler des FC Zürich und galt als einer der besten Fußballer seiner Zeit. Trotz seiner Begabungen für den Sport bemühte sich sein Vater stets die Karriere seines Sohnes in die bürgerliche Richtung zu lenken, weshalb er ihn mit 20 Jahren nach Spanien schickte, wo ihm sein in Spanien lebender Onkel eine Stelle als Buchhalter bei Crédit Lyonnais besorgte. Später arbeitete er als Chefbuchhalter bei der Sarria Eisenbahngesellschaft und auch als Sportkolumnist. Gamper schloss sich auch der lokalen evangelischen Kirche an und spielte mit anderen Protestanten im Bezirk Sarrià-Sant Gervasi Fußball. Etwa ein Jahr danach startete er das Vorhaben, einen eigenen Fußballverein zu gründen. Am 22. Oktober 1899 veröffentlichte Gamper eine Kleinanzeige in der Zeitung „Los Deportes“, bei deren Gründung Gamper mitgewirkt hatte. Mit der Veröffentlichung der Anzeige legte Gamper den Grundstein für die Gründung des FC Barcelona. „Unser Freund und Partner, Hr. Kans Kamper, von der Fußballsektion der «Sociedad Los Deportes» und früherer Schweizer Meister, sich wünschend in Barcelona einige Spiele zu organisieren, erbittet jeden, der diesen Sport mag, ihn zu kontaktieren, dienstags oder freitags von 9 bis 11 Uhr abends in sein Büro zu kommen“, waren die Worte an Interessenten, die sich bei der Gründung eines Fußballvereins beteiligen wollten. Die gewählte Formulierung der Anzeige, die nur so von Fehlern strotzte, zeigte das damals geringe Interesse am Fußball in der Presse und Öffentlichkeit. Neben der Anzeige sollte eine kurze Erklärung der Sportart für Aufklärung sorgen: „Das Spiel beinhaltet das Spielen eines Balls durch ein Tor, welches mit hölzernen Balken umrandet ist, dessen Bewachung einem Wächter des jeweiligen Teams überlassen ist.“

Anders als bereits existierende Fußballvereine in Katalonien, die keine Ausländer und nur katholische Spieler aufnahmen, da die spanische Verfassung nur den Katholizismus als Religion erlaubte, sollte sein Klub Spieler aus der ganzen Welt aufnehmen. Nach mehreren Treffen mit den weiteren Gründungsmitgliedern, Otto Kunzle aus der Schweiz, Walter Wild, John und William Parsons aus England, Otto Maier aus Deutschland, Lluís d’Ossó, Bartomeu Terradas, Enric Ducal, Pere Cabot, Carles Pujol und Josep Llobet aus Katalonien, gründete Joan Gamper schlussendlich am 29. November 1899 in der Turnhalle des Gymnasiums Solé den Football Club Barcelona mit anfangs nur 36 Vereinsmitgliedern, die ausschließlich Protestanten waren – über hundert Jahre später hat der FC Barcelona über 170000 Mitglieder. Da Gamper das Amt des Klubpräsidenten nicht ausüben wollte, wurde der englische Fußballspieler Walter Wild der erste Präsident des Vereins. Unter anderem war Walter Wild ein wohlhabender Geschäftsmann und der älteste Anwesende, was ihm dazu verhalf, zum ersten Präsidenten bestimmt zu werden. Joan Gamper übernahm die Rolle des ersten Kapitäns der Mannschaft. Blau und Rot wurden zu den Vereinsfarben bestimmt – bis heute ist unklar, wieso sich die Gründer für diese Farben entschieden. Eine Theorie besagt, dass die Auswahl der Farben auf die früheren Jahre von Joan Gamper beim FC Basel zurückzuführen sei und eine Hommage an die Basler sein soll.

Das neue Wappen und erste Erfolge

Bis 1910 stellte das Wappen der Stadt Barcelona gleichzeitig das Wappen des Klubs dar. 1910 veranstaltete der FC Barcelona einen Wettbewerb zwischen allen Mitgliedern des Vereins, die ihre Vorschläge für das neue Wappen einbringen konnten. Der Gewinner dieses Wettbewerbs war der Medizin-Student Carles Comamala, der für seine künstlerische Begabungen bekannt und unter anderem zwischen 1903 und 1912 bei den Blau-Roten als Spieler aktiv war. Das neue Wappen bestand aus drei Teilen: dem Sankt-Georg-Kreuz auf der oberen linken Seite, gegenüber das gelb-rote Muster der Senyera, darunter die Buchstaben F.C.B und die Vereinsfarben des FC Barcelona mit einem Fußball in der Mitte. Alle drei Teile befinden sich in einer Form, die eine Schale darstellen sollte. Abgesehen von der Abänderung des Schriftzuges auf dem Wappen in C. de. F.B. unter der Diktatur Francisco Francos von 1939 bis 1975, die aber nach seinem Tod 1975 wieder rückgängig gemacht wurde, hat sich das Wappen bis heute nicht sonderlich verändert.

Das erste Spiel des FC Barcelona ließ nach der Vereinsgründung nicht lange auf sich warten. Am 8. Dezember 1899 veranstaltete man eine Begegnung gegen eine Auswahl von ausgewanderten Engländern im Velòdrom de la Bonanova, der ersten Spielstätte der Katalanen. Die englische Auswahl gewann kurioserweise durch ein Tor von Barcelona-Spieler Arthur Witty, der nur deshalb für die Engländer spielte, weil ihnen ein Spieler fehlte, um mit der gleichen Anzahl von zehn Spielern auflaufen zu können. Bei der im Jahr 1900 zum ersten Mal ausgetragenen katalanischen Meisterschaft Copa Macaya belegte der FC Barcelona den zweiten Platz hinter Hispània AC. Den ersten Titel sicherte sich der Klub ein Jahr danach im gleichen Wettbewerb.

Am 15. Mai 1902 unterlag Barça im Finale des ersten inoffiziellen spanischen Pokals, der Copa de la Coronación, Club Vizcaya (Heute Athletic Club) mit 2-1. Den Treffer für Barça erzielte der deutsche Fußballer Udo Steinberg. Im gleichen Wettbewerb kam es am 13. Mai zum ersten Aufeinandertreffen zwischen den Katalanen und Real Madrid. FC Barcelona konnte durch zwei Tore von Steinberg und einem Tor von Gamper das erste „Clásico“ mit 3-1 für sich entscheiden.

Nach einigen erfolgreichen Jahren erlebte der Klub 1908 die erste große Krise. Nach dem Gewinn der katalanischen Meisterschaft 1905 konnte Barça keinen Titel mehr gewinnen und stand kurz vor dem Bankrott. Bis auf 38 treue Mitglieder verließen alle anderen den Verein und auch der letzte Präsident, Vicenç Reig, machte alle Hoffnungen auf bessere Zeiten zunichte und erklärte den FC Barcelona für „praktisch tot“. Der Vater des Klubs, Joan Gamper, wollte nicht mit ansehen, wie sein Lebenswerk zugrunde ging und übernahm zum ersten Mal seit der Gründung des Klubs das Amt des Präsidenten. Während der ersten Amtsperiode von Gamper erhielt der FC Barcelona 1909 das erste eigene Stadion, das Camp del Carrer Indústria. Das Stadion mit einem Fassungsvermögen von rund 6000 Zuschauern war gleichzeitig das erste Stadion in Spanien, das eine eigene künstliche Beleuchtung besaß und eine zweistöckige Haupttribüne vorweisen konnte. Obwohl der FC Barcelona das Stadion nur von 1909 bis 1922 als Heimstätte nutzte, waren diese 13 Jahre eine prägende Zeit für den Verein. Dadurch, dass die Zuschauer in der letzten Reihe auf der Mauer Platz nehmen mussten, die das Stadion umgab, sahen die Passanten von außerhalb eine Reihe von Hinterteilen der Zuschauer. Durch diesen Umstand bekamen die Barça-Fans ihre noch bis heute geltende Bezeichnung „Culés“, was vom katalanischen Wort „cul“ (Arsch) abgeleitet wird.

Das Goldene Jahrzehnt

Ein Jahr nach Amtsantritt verließ Gamper den Verein wieder, ließ aber den FC Barcelona als einen der stärksten Klubs Spaniens zurück. Ein weiteres Jahr später trat Gamper seine zweite Amtszeit als Präsident an, die bis 1913 andauerte. Gleich zu Anfang dieser Periode wurde mit der Copa del Rey 1910 auch die damals erste inoffizielle spanische Meisterschaft ausgetragen, da es eine Primera División, wie wir sie heute kennen, noch nicht gab. Mit dem FC Barcelona, Español Madrid und Deportivo La Coruña traten nur drei Mannschaften an, weshalb man im Modus „Jeder gegen jeden“ spielen musste. Nachdem Barça und Español Madrid gegen Deportivo gewannen, traten beide Mannschaften im Finale gegeneinander an. Nach der ersten Halbzeit führten die Madrilenen mit 2-0, Barça gab das Spiel aber nicht auf und konnte die Partie noch mit drei Toren drehen und die Copa del Rey 1910 für sich entscheiden.

Zwei Jahre später verpflichtete man das 15-jährige Talent Paulino Alcántara, der mit 369 Toren bis heute der Rekordtorschütze des FC Barcelona ist. Nach weiteren Verpflichtungen von Spielern wie Ricardo Zamora, Josep Samitier und Sagi-Barba in der dritten Amtszeit von Hans Gamper von 1917 bis 1919 formte man eine der besten Mannschaften der Geschichte und mit der Saison 1918/19 begann Barças sogenanntes „Goldenes Jahrzehnt“. In dieser Zeit, welche bis heute als eine der erfolgreichsten der Vereinsgeschichte angesehen wird, konnte Barça neun Mal die Katalanische Meisterschaft sowie fünf Mal die Copa del Rey gewinnen.

Dank der vielen Erfolge finanzierte Joan Gamper während seiner vierten Amtszeit als Präsident im Jahre 1921 den Bau eines neuen Stadions, welches Platz für 20.000 Zuschauer bot. 1922 wurde schlussendlich das Camp de Les Corts als neue Heimstätte des FC Barcelona eingeweiht.

Skandal im Les Corts und Gampers letzten Jahre

Während eines Freundschaftsspiels am 17. Dezember 1925 gegen eine in Katalonien beheimatete englische Amateurauswahl wurde die spanische Hymne mit einem Pfeifkonzert seitens der Zuschauer begleitet, weshalb das Militärregime des Generals Miguel Primo de Rivera das Stadion für sechs Monate schließen und Joan Gamper als Vereinspräsidenten absetzen ließ, der nach diesem Ereignis das Land verlassen musste. Es war das Ende der „Gamper Ära“ beim FC Barcelona, da es auch seine letzte Amtszeit als Präsident des FC Barcelona war. Eine Zeit lang muss Gamper im Exil leben, er darf jedoch wieder unter der Bedingung, dass er keinen Kontakt mehr mit dem FC Barcelona unterhält, nach Barcelona zurückkehren, allerdings sind auch diese Jahre nicht von Glück geprägt. Nachdem Gamper in der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre sein ganzes Vermögen verlor, erschoss sich der Gründer des FC Barcelona am 30. Juni 1930 in seinem Haus in der Carrer de Girona Nr. 4 in Barcelona.

Während seiner gesamten Karriere als Fußballer erzielte Gamper 51 Tore in 120 Spielen und führte den Verein als Präsident an die Spitze des spanischen Fußballs. Ihm zu Ehren ist die Mitgliedsnummer Eins für alle Jahre für ihn reserviert. Seit 1966 veranstaltet der FC Barcelona das „Joan-Gamper-Turnier“, welches an den Vater des Vereins und den wichtigsten Menschen in der Geschichte des FC Barcelona erinnern soll.

Das Ende des „Goldenen Jahrzehnts“ feierte Barça mit dem Sieg in der erstmals ausgetragenen Primera División 1928/29. Der FC Barcelona gewann die Liga mit zwei Punkten Vorsprung auf Real Madrid und verewigte sich in den Annalen der Geschichte als erster Titelträger in der Primera División.

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