Kurzanalyse: Frankreich entzaubert Spanien

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Im Rahmen der Länderspiel-Woche traf Gastgeber Frankreich in Paris auf den entthronten Weltmeister Spanien. Nach dem blamablen Ausscheiden in der Gruppenphase der Weltmeisterschaft 2014 sah sich Teamchef Vicente del Bosque gezwungen, seine Mannschaft ordentlich umzukrempeln. Doch alle Veränderungen sollten sich vorerst als wirkungslos herausstellen. Der Europameister verliert gegen die ‘Equipe Tricolore’ mit 1:0.

Die Aufstellungen

Teamchef del Bosque bot in seinem Kader einige Veränderungen. Zum einen stand für den kurzfristig aussortierten Gerard Piqué San José auf dem Platz und zum anderen gab Raul García sein Debüt im Dress der ‘Seleccion’. Des Weiteren stand Atlético-Mittelfeldspieler Koke zum zweiten Mal nach dem WM-Spiel gegen Australien in der Startformation der Spanier. Zudem ersetzte Daniel Carvajal Barça-Linksverteidiger Jordi Alba. Diego Costa sollte wieder die gewohnte Stürmerrolle einnehmen, neben dem erwähnten García sowie Santi Cazorla. Auf der Torhüterposition erfolgte die Ablöse von Iker Casillas in Person von Manchester Uniteds David de Gea. Einziger Spieler des FC Barcelona in der Startformation war damit Sergio Busquets.

Auf der französischen Seite änderte sich im Vergleich zur Weltmeisterschaft in Brasilien relativ wenig. Sissoko ersetzte Matuidi und löste damit gleichzeitig eine Systemumstellung aus. Aus einem 4-3-3 wurde nun ein 4-2-3-1. Ansonsten deckte sich die Aufstellung vom Donnerstag mit den meisten Spielen der Weltmeisterschaft in Brasilien.

Spanien in Holland-Manier und mit Rechtslastigkeit

Die spanische Nationalmannschaft setzte in diesem Spiel nur bedingt auf permanenten Ballbesitz, was die, in Relation zu früheren Partien, geringe Anzahl von 58 Prozent Ballbesitz im gesamten Spiel belegt. In der Defensive platzierte sich die ‘Seleccion’ in einem 4-1-4-1 beziehungsweise im – bei der Weltmeisterschaft besonders von Louis Van Gaals Niederländern praktizierten – 5-3-2. Hierbei kam es speziell auf die Bewegungen von Sergio Busquets sowie Raul García an. Der Mittelfeldspieler des FC Barcelona ließ sich bei einem Herausrücken von García in die Viererkette fallen. Somit kam es zum oben genannten Schema. Mit Diego Costa bildete García im Mittelfeldpressing ein Sturm-Duo, das auf die beiden Sechser und bei einem Rückpass auf die Innenverteidiger pressen sollte.

Im Spielaufbau sah die ganze Sache schon ein bisschen anders aus. Wie üblich ließ sich Sergio Busquets situativ zwischen das Innenverteidiger-Pärchen fallen. Wurde aber auf den Mittelfeldspieler des FC Barcelona Druck ausgeübt, ließ sich in den meisten Fällen Koke auf halbrechts fallen. Selten war es Cesc Fàbregas, der diese Rolle ausübte beziehungsweise sich in der zentralen Position auf seine Spielmacher-Rolle konzentrierte. Somit kam es zu einer zu weiten Teilen der Partie ausgeübten Rechtslastigkeit im Spiel der Spanier, was auch die Statistik belegt. Insgesamt 41 Prozent der Angriffe Spaniens wurden auf der rechten Seite gespielt. Im direkten Gegenzug lässt sich auch sagen, dass die Franzosen auf ihrer linken Seite, der rechten Seite Spaniens, die mit Abstand meisten Angriffe ausübten (43 Prozent), was ihren Kontern zuzuschreiben oder besser gesagt den damit verbunden Ballgewinnen auf der rechten spanischen Seite zu verdanken war. (Angaben: whoscored)

In Ansätzen war bereits zu erkennen, was die oberste Maxime von Teamchef del Bosque sein sollte. Die Rolle von Mittelfeldgenie Busquets sollte wesentlich erleichtert werden, womit dem heutigen modernen Pressing schon im Spielaufbau vorgebeugt wird. Es scheiterte allerdings in der offensiven Ballzirkulation im letzten Spielfelddrittel sowie an der Vertikalität. Häufige Ballverluste im gegnerischen Drittel sowie zu komplexe Kombinationen beziehungsweise fehlende Zielstrebigkeit lassen die katastrophale Statistik von keinem einzigen abgegebenen Torschuss auf den Kasten von Hugo Lloris erklären.

Frankreich: Dynamisches Verteidigen und genialer Spielzug sorgen für Sieg

Die französische Equipe zeigte sich als konkurrenzfähiger Gegner, der mit den Mannen von Vicente del Bosque durchaus mithalten konnte. Zwar beschränkte man sich im Wesentlichen auf das Verteidigen der eigenen Spielfeldhälfte, tat dies aber in einer unglaublich dynamischen Art und Weise. Die Defensive formatierte sich immer in einem 4-5-1 oder in einem 4-4-2. Dabei rückten stets Spieler des Mittelfeldbundes heraus und liefen den Ballführenden aggressiv an. Dies wurde dann von einem anderen Mitspieler ebenso praktiziert und ging in dieser Tonart stetig weiter, bis die Spanier aus der eigenen Hälfte wieder draußen waren.

Das erste und einzige Tor an diesem Abend sollte ein Paradebeispiel für die Ästhetik von Kombinationsfußball darstellen. Was war geschehen? Über Griezmann sowie einer schnellen Weiterleitung von Sissoko gelangt der Ball an Valbuena im Strafraum der Spanier. Der Franzose bewahrt allerdings einen kühlen Kopf und passt das Spielgerät noch einmal zurück an die Strafraumkante zu Rémy. Dieser braucht die Kugel nur mehr in das rechte Kreuzeck einzuschieben, womit die französische Führung perfekt war und an diesem Abend nicht mehr wanken sollte.

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