„Més que un club“ – Ein historisches Motto

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Das Motto des FC Barcelonas „Mehr als ein Verein“ ist jedem Culer geläufig. Doch was genau hat es mit diesem Leitspruch auf sich? Welchen Ursprung hat diese Devise und welche Werte werden mit ihr verbunden? Um diese Fragen zu beantworten, lohnt sich ein Blick in die ehrwürdige Geschichte des FC Barcelona. Die Thematik rund um die politische Positionierung Barças ist auch im Hinblick auf die aktuellen Ereignisse in Katalonien und Spanien von größter Bedeutung für den Verein, seine Mitglieder und ebenso auch für seine Fans auf der ganzen Welt.

Mit der Devise „més que un club“ – „mehr als ein Verein“ soll die Verbundenheit des FC Barcelona zur Gesellschaft, die der Verein jenseits des Sportes bisher aufrechterhielt und weiterhin aufrecht halten wird, ausgedrückt werden. Während vieler Jahre bezog sich diese Verbundenheit speziell auf die katalanische Gesellschaft, die während vieler Dekaden des 20. Jahrhunderts von Diktaturen unterdrückt wurde, welche ihre Sprache und Kultur verbot. Aufgrund dieser Umstände vertrat Barça immer die katalanischen Interessen, wie z.B. die Verteidigung der katalanischen Sprache und Kultur sowie der Demokratie. Deshalb verfasste der Verein im Jahre 1921 seine Satzungen in katalanischer Sprache, obwohl jene nicht offizielle Amtssprache war. Ebenfalls in dieser Epoche, im Jahre 1918, unterzeichnete der Klub eine Petition, welche den Autonomiestatus für Katalonien erreichen sollte, der von allen Bereichen der katalanischen Bewegung gefordert wurde.

Diese politische Orientierung des Vereins hatte Sanktionen und politischen Druck der spanischen Autorität zur Folge, sodass der Verein während der Diktatur unter Primo de Rivera für sechs Monate geschlossen wurde. Während der zweiten spanischen Republik betonte der FC Barcelona seine Ausrichtung hin zur Einbeziehung der katalanischen Kultur und politischen Institutionen. Der damalige Präsident Josep Sunyol verdeutlichte diesen Prozess mit dem Leitspruch „esport i ciutadania“ – „Sport und Bürgerschaft“, welcher genau jene Einbeziehung der sportlichen Welt in soziale und kulturelle Angelegenheiten darstellte. Sunyol, welcher auch Abgeordneter war, wurde zu Beginn des Bürgerkrieges im Jahre 1936 erschossen. Von diesem Zeitpunkt an stellte sich der Verein als Verteidiger der Republik dar, was mit der Tour durch Mexiko und den Vereinigten Staaten deutlich gemacht wurde. Als der Bürgerkrieg endete, versuchte die Diktatur Francos die soziale und gesellschaftliche Komponente des FC Barcelona zu beenden. Sie machten den spanischen Namen des Klubs geltend und entfernten die vier Streifen der katalanischen Flagge aus dem Vereinswappen.

Obwohl die Diktatur andauerte, versuchte der Verein Ende der 60er Jahre seine Identität wiederzuerlangen, was in einer Rede des damaligen Präsidenten Narcís de Carreras deutlich wird. Dieser prägte erstmalig im Jahre 1968 das bekannte Motto „més que un club“. In vielen Orten außerhalb Kataloniens wurde Barça ein Symbol für Demokratie und Antizentralismus. Als die Demokratie nach dem Tod Francos in Spanien wiedereingeführt wurde, behielt der Klub seine gesellschaftliche Verbundenheit bei und begann auf neue Weise solidarische Unterstützung zu demonstrieren, was sich später durch die Gründung der Stiftung des FC Barcelona zeigen sollte. Als Teil einer sich globalisierenden Welt, weitete der FC Barcelona sein gesellschaftliches Engagement rund um die Welt aus. Dies zeigt sich speziell in der Kooperation mit UNICEF, welche im Jahre 2006 vereinbart wurde. Auf diese Weise soll ausgedrückt werden, dass sich ein Sportverein sozial engagieren sollte, wie in diesem Fall Kindern in Not auf der gesamten Welt zu helfen. Darum wird der FC Barcelona auch weiterhin, sowohl in Katalonien, als auch im Rest der Welt „mehr als ein Verein“ sein, indem er sich kulturell und sozial engagiert und sich für wohltätige Zwecke einsetzt.

Im Folgenden sollen noch einmal vier der charakteristischsten Leitgedanken des FC Barcelona zusammengefasst werden:

Katalanische Identität:

Der FC Barcelona ist seit seiner Gründung tief in seinem Land, Katalonien, verwurzelt. Sein soziales Engagement ist zwar aus der katalanischen Gesellschaft hervorgegangen, wird aber auch von Barcelona – Anhängern aus dem Rest Spaniens und der ganzen Welt mitgetragen. Der Klub repräsentiert weltweit Katalonien mit Überzeugung und Standhaftigkeit. Barça steht für ein offenes, multikulturelles, gerechtes und wohltätiges Katalonien.

Universalität:

In der Hymne des Vereins heißt es: „tant se val, d’on venim“ – „egal, woher wir kommen“. Damit soll der Geist eines für jeden offenen Verein ausgedrückt werden, der Fans aus fünf Kontinenten vereint und sich über seine Geschichte identifiziert, in welcher hervorgehoben wird, dass die Hälfte der Gründer des FC Barcelona keine Katalanen waren. Der FC Barcelona erfreut sich über Mitglieder und Fanklubs in über 50 Ländern, von Kamerun bis China und Millionen von Fans zeigen, welche Stärke die Fangemeinschaft Barças besitzt.

Gesellschaftliche und soziale Verpflichtungen:

Barça ist ein offener, wohltätiger und integrativer Verein, der seine Werte Tag für Tag, beispielsweise mit Projekten seiner Stiftung, durch Vereinbarungen mit internationalen Institutionen, wie UNICEF oder durch die Zusammenarbeit mit lokalen Vereinen, wie z.B. mit der „banc dels aliments“, umsetzt. Die dabei entstehenden Projekte beziehen sich sowohl auf Ausbildungen, in den Bereichen Kunst und Kultur, als auch auf die Unterstützung der Gemeinden und die Ausbildung von Entwicklungshelfern.

Demokratie:

Die Mitglieder des Vereins sind die Eigentümer desselben und wählen demokratisch die Personen, die den Klub leiten sollen. Die Demokratie bildet einen entscheidenden Pfeiler Barças und wurde nur vernachlässigt, als die Diktaturen sie verboten. Der FC Barcelona ist heute einer der wenigen großen Vereine, die auch weiterhin eine demokratisch gewählte Leitung besitzen, – eine Tatsache, die eine weitere Einzigartigkeit des Vereins darstellt.

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