Neymar auf der ‚Falschen Neun‘ – Was hat Martino vor?

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Lange hat es nicht gedauert, bis Tata Martino sein Versprechen in die Tat umgesetzt hat. Neymar auf der Position der ‚Falschen Neun‘ – gegen Real Valladolid war es soweit. Trotz der damit verbundenen Verantwortung konnte Neymar diese Rolle ausfüllen, als hätte er sein Leben lang nichts anderes gemacht. Die Oberschenkelverletzung von Lionel Messi jedoch ist bald auskuriert, und an seine Rückkehr knüpft sich die Frage an, ob Neymar nur als Urlaubsvertretung fungierte oder Tata Martino mit seiner Aufstellung noch weitergehende Ziele verfolgt.

Es war ein rundum gelungener Abend für den FC Barcelona. Mit dem achten Sieg in Folge in der Primera División schraubten die Katalanen den Startrekord noch weiter in die Höhe und verabschiedeten sich damit standesgemäß in die Länderspielpause. Nach einem 0-1-Rückstand gegen Real Valladolid gelang es der Mannschaft von Tata Martino, das Spiel zu drehen und vier Zähler dem eigenen Torkonto gutzuschreiben. Es hätten sogar noch mehr Tore werden könnten, und daran hatte insbesondere Neymar entscheidenden Anteil.

Zum ersten Mal durfte er auf der ‚Falschen Neun‘ auflaufen, jener Position, die seit einer halben Ewigkeit untrennbar mit Lionel Messi verbunden ist. Und obwohl das Fehlen von Lionel Messi stets mit einer erheblichen Schwächung der Mannschaft einhergeht, könnte seine verletzungsbedingte Auszeit in den letzten Spielen auch eine kleine positive Seite haben. Tata Martino wurde dadurch nämlich in die Lage versetzt, ein kleines Experiment zu wagen und eine Idee umzusetzen, die er bereits auf einer der letzten Pressekonferenzen kundgetan hat. Angesprochen auf die Abhängigkeit vom vierfachen Weltfußballer gab er zu verstehen, dass er sowohl Neymar als auch Alexis Sánchez zutraue, die ‚Falsche Neun‘ zu bekleiden. 

Neymar auf der ‚Falschen Neun‘ – „Yes he can!“

Und weil Tata Martino kein Mann großer Worte, sondern der Taten ist, war es Neymar im Spiel gegen Real Valladolid vergönnt, auf dieser Position aufzulaufen. Auch wenn der Zeitpunkt für ein Experiment mit dem Heimspiel gegen Real Valladolid perfekt gewählt war, gab es im Vorfeld doch gewisse Zweifel, ob die Bürde nicht zu groß sei. Zwar hinterließ Neymar in den bisherigen Spielen einen blendenden Eindruck, auf der anderen Seite jedoch ist die zentrale Sturmposition bei Barça eine weitaus komplexere Rolle, als es gemeinhin den Anschein hat. Es drängte sich die Frage auf, ob er den damit verbundenen Anforderungen gerecht werden kann; oder ob die neue Rolle für ihn eine Überforderung bedeutet und seinen guten Lauf hemmt. Um kurz vor Mitternacht kam dann eine klare Botschaft: „Yes he can.“

Und wie er kann – Assists, Tore, Dribblings, der junge Angreifer hat dem Publikum eine überragende Show geboten. Und wenn er in der ersten Halbzeit mit seinem leidenschaftlichen Solo Erfolg gehabt hätte, würden die Zuschauer gewiss in Ekstase verfallen. Anfangs hatte er noch ein paar Schwierigkeiten, ins Spiel zu finden. Wie auch die gesamte Mannschaft noch nicht so richtig in Fahrt war. Je länger das Spiel aber dauerte, desto offenkundiger wurde die Klasse von Neymar. Wie Pylonen ließ er seine Gegner stehen, um im nächsten Moment seine Mitspieler in Szene zu setzen und die Bälle punktgenau an den Mann zu bringen. Beeindruckend auch seine Laufbereitschaft und die Selbstlosigkeit seines Spiels. Die Mitspieler durften sich über Räume freuen, die Neymar ihnen verschafft hat.

Tata Martino strebt mehr Variabilität im Sturm an

Kurzum: Das war ein kompletter Auftritt des brasilianischen Youngsters. Weil eine Schwalbe aber bekanntlich keinen Sommer macht und die Position je nach Gegner auch schwieriger zu bespielen ist, muss man auch diese Leistung unter Vorbehalt sehen und sie in Relation zum Gegner setzen. Zeitgleich darf man Neymars Leistung aber auch nicht unterbewerten und muss sich aus diesem Grund die Frage stellen, wie mit diesem Erkenntnisgewinn zu verfahren ist. 

Tata Martino hätte auch in diesem Spiel eine bequemere, bereits erprobte Aufstellung wählen können. Neymar links, Fàbregas im Zentrum – und voilà, fertig ist eine schlagkräftige Angriffsformation. Dass er Fàbregas nicht auf die ‚Falsche Neun‘ beordert hat, hat womöglich einen Hintergrund. Bereits vor einigen Wochen verkündete Tata Martino, dass er langfristig mehr Variation im Angriffsspiel anstrebt. Einige Ansätze hat man bereits beobachten können. So lässt Lionel Messi verhältnismäßig häufig nach rechts hinaustragen. Intuitiv betrachtet kann das aber noch nicht das Ende der katalanischen Unberechenbarkeit im Angriff sein. 

Immer noch können sich die Gegenspieler ziemlich gut auf die Barça-Angreifer einstellen. Neymar kommt über links, Sánchez oder Pedro über rechts und Messi vereinnahmt die Mitte – das Standardbild in einem Spiel. Ein Positionstausch findet zeitlich begrenzt zwischen den Außenstürmern statt, während das Zentrum fast immer von Messi besetzt wird. Wäre es nicht sinnvoller, auch die zentrale Sturmposition stärker zur Disposition zu stellen? Bis ein Tausch zwischen den Flügelstürmern vollzogen ist, hat sich der Gegner längst auf den neuen Gegenspieler eingestellt. Es ist eine überwiegend uninspirierte Form, den Gegner zu überraschen und die Effektivität ist zweifelhaft.

Auf dem Weg zu einem neuen Angriffsmodell?

Der Überraschungseffekt könnte unter Umständen gesteigert werden, wenn die Variabilität im Sturm noch weiter ausgebaut wird. Wenn ein Messi nicht ausschließlich oder überwiegend im Zentrum auftaucht, sondern noch häufiger über rechts und als Vorbereiter auch über links kommt. Wenn ein Sánchez auch mal im Zentrum agiert oder ein Neymar auf der rechten Seite für Wirbel sorgt. Für die Gegenspieler ist es nahezu unmöglich, sich auf drei verschiedene Spielertypen einzustellen. Alle haben andere Qualitäten und unterschiedliche Stärken. Und diese Vorgehensweise hätte noch weitere Vorteile zu bieten: Die Unstimmigkeiten beim ‚Übergeben-Übernehmen‘ würden beim Gegner zunehmen und damit noch mehr Lücken für nachrückende Spieler entstehen lassen.

Ob Tata Martino ein solches Angriffs-Modell anstrebt, bleibt abzuwarten. Und es steht ein Fragezeichen hinter Lionel Messi – wäre er gewillt, seine geliebte Position zum Wohle der Mannschaft ein Stück weit aufzugeben? Die Zeit bringt die Antworten. Das Angriffspotenzial zumindest ist gewaltig.

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