Paris St. Germain gegen FC Barcelona – Spielanalyse

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2:2 trennten sich Paris St. Germain und der FC Barcelona nach der regulären Spielzeit. Im anschließenden Elfmeterschießen konnte Pinto seine Qualitäten auf der Linie unter Beweis stellen und sicherte seiner Mannschaft den Sieg. Wertvoller als der Sieg ist aber die Erkenntnis, dass die Mannschaft für diesen frühen Zeitpunkt der Vorbereitung schon sehr weit ist und Paris St. Germain in der ersten Halbzeit deutlich überlegen war. Tito Vilanova nutzte die Gelegenheit, um möglichst vielen Spielern Spielpraxis zu geben und überraschte mit einigen interessanten Aufstellungsvarianten.

Die Startaufstellung

In der Startaufstellung gab es eine große Überraschung. Planas, ein 21-jähriger linker Außenverteidiger, vertrat den verletzten Adriano und rechtfertigte mit einer soliden Vorstellung das Vertrauen des Trainers und des Vereins. Im Juni ist der Vertrag von Planas bis 2014 verlängert worden. Ansonsten gab es in der Aufstellung keinerlei Besonderheiten. Puyol feierte sein Comeback und besetzte zusammen mit Mascherano die Innenverteidigung der Katalanen. Auf der rechten Außenverteidigerposition wirbelte wie gewohnt Dani Alves. Im Mittelfeld hat Vilanova zunächst darauf verzichtet, Iniesta und Xavi aufzubieten. Stattdessen setzte der neue Trainer auf die Youngstars Sergi Roberto und Rafinha, die von Sergio Busquets abgesichert worden sind. Im Sturm spielte neben Messi und Sanchez auch Affelay, der allerdings zum wiederholten Male mit einer eher blassen Vorstellung daherkam.

Hohes Umschaltmoment und Pressing

Das Spiel des FC Barcelona zeichnete sich in der ersten Halbzeit insbesondere durch ein hohes Umschaltmoment aus. Es waren weniger die horizontalen Ballstaffetten, welche die Räume in dem gegnerischen Defensivverbund weiteten und zu gefährlichen Situationen vor dem Tor führten, sondern vielmehr jene Situationen, in denen die Blaugrana blitzartig von Verteidigung auf Angriff umschaltete und das Feld in Rekordzeit überbrückte. Daraus wird auch ersichtlich, dass Paris St. Germain sich nicht ausschließlich mit einer passiven Grundhaltung begnügte. In der Verteidigungshaltung agierten die Franzosen in einem 4-4-2 bzw. 4-5-1. Bei der Balleroberung suchten sie aber durchaus den Weg nach vorne und rückten zuweilen mit fünf bis sechs Spielern aus. Mit zunehmender Spieldauer vermochten allerdings immer weniger Spieler von ihnen, diese Wege zu gehen. Eine Woche vor Beginn der französischen Meisterschaft offenbarten die Spieler einige physische Defizite. Diese fanden ihren Ausdruck auch in einem zögerlichen Zweikampfverhalten, bei dem sie den Gegenspielern zu viel Raum und Zeit ließen. 

Insgesamt versprühte Paris St. Germain bei den Vorstößen aber nur wenig Gefahr. Nur in den Phasen der Un- und Umordnung konnten sie im Ansatz gefährlich werden, scheiterten aber oftmals an einer zu geringen Besonnenheit in der Vollendung der Angriffe. Die linke Angiffsseite war die starke Seite der Franzosen. Sie waren bestrebt, die systematisch hohe Stellung von Alves zu ihrem Vorteil auszunutzen und spielten den Ball ein bis zwei Mal in den freien Raum hinter Alves, in den entweder Maxwell oder Lavezzi hineinstießen. Einmal ist es PSG gelungen, den FC Barcelona ein wenig auszutricksen. Puyol klebte geradezu an Ibrahimovic’ Fersen und wurde von ihm immer wieder aus der Verteidigung, mitunter sogar weit in die gegnerische Hälfte hinausgetragen. Dadurch änderte Alves seine Stellung auf dem Feld und rückte weiter nach hinten in die Abwehr. So entstand einmal ein gefährlicher Freiraum für den Gegner, der diesen Freiraum in Gestalt von Ibrahimovic aus dem Mittelfeld heraus sofort zu bedienen wusste. Der Abnehmer Nene verstolpterte den Ball glücklicherweise kurz vor einer Flankenhereingabe.

Viel mehr kam nicht von PSG in der ersten Halbzeit. Das katalanische Angriffs- und Mittelfeldpressing machte den Hausherren stark zu schaffen. Immer wieder waren die Pressingversuche des FC Barcelona erfolgreich und sorgten für eine schnelle Ballrückeroberung im Mittelfeld oder in für den Gegner weitaus gefährlicheren Regionen. Das erste Tor durch Rafinha war das Produkt eines solchen Vorgehens und verdeutlicht damit die Effizienz eines abgestimmten Angriffspressings. Selbstverständlich birgt diese Spielweise auch Risiken, doch der PSG war an diesem Tag nicht in der Lage, diese auszuloten. Demnach waren insbesondere zwei Faktoren für die Überlegenheit der Blaugrana verantwortlich, neben dem Pressing das oben angesprochene schnelle Umschalten.  

Sergi Roberto und Rafinha andere Spielertypen

In der zweiten Halbzeit veränderte sich das Bild ein wenig. Das lag vor allem an den vielen Wechseln, welche die Trainer durchgeführt haben. Sie führten dazu, dass die klare Struktur im Spiel des FC Barcelona abhanden gekommen ist und die Ballverlustquote zunahm. Bevor wir uns aber den Gegebenheiten der zweiten Halbzeit zuwenden, lohnt noch ein kleiner Blick auf die Leistung von Rafinha und Sergi Roberto, den Iniesta/Xavi-Vertretern. Zunächst einmal ist festzuhalten, dass beide Spieler mit guten Leistungen aufgewartet haben. Dem ein oder anderen wird aber vielleicht nicht entgangen sein, dass die beiden andere Spielertypen sind als die Europameister. Dass Tiqui Taca beherrschen sie ebenso gut wie die “Großen”. Im Vergleich zu Iniesta oder auch Xavi sind sie aber athletischer und das drückt sich auch in ihrem Spielverhalten aus. So macht z.B. Rafinha auch viele vertikale Laufwege und dringt verhältnismäßig oft in den Strafraum vor. Das wiederum hat zur Folge, dass mit diesem Verhalten ein oder zwei Verteidiger gebunden werden und so mehr Freiraum für die Stürmer entsteht. Weiterhin bedeutet dies, dass z.B. Sanchez von seiner Aufgabe als “Lückenreißer” für Messi befreit ist und sich anderen Dingen zuwenden kann, beispielsweise dem Toreschießen. Auch Sergi Roberto ist in seiner Anlage dynamischer als die beiden, zieht aber eher selten in den Strafraum. Diese Beobachtung soll nicht bedeuten, dass die beiden besser oder schlechter sind als Xavi und Iniesta. Durch ihre Eigenart eröffnen sie allerdings andere Optionen als jene, die bei einer Anwesenheit der Europameister realisierbar sind.

Vilanova zieht die richtigen Konsequenzen

In der zweiten Halbzeit wurde der Unterschied sichtbar. Mit der Einwechslung der Europameister war das Umschaltmoment nicht mehr ganz so hoch, da das Spiel von Fabregas, Iniesta und Xavi zunächst darauf ausgelegt ist, die vollständige Kontrolle zu erlangen. Tempoverschleppungen sind diesen Spielern also immanent, weil sie mangels Athletik für schnelle Vorstöße nicht geboren sind. Während der zweiten Halbzeit brachte Vilanova also Iniesta, Fabregas und Xavi. Für Dos Santos musste Busquets das Feld räumen. Iniesta rückte für Affelay auf den linken Flügel, während die anderen sich das Mittelfeld teilten. In der Abwehr kamen Marc Bartra und Pique für Mascherano und Puyol. Montoya ersetzte auf der linken Außenverteidigerposition den soliden Planas, der sich für weitere Einsätze empfohlen hat. Sanchez räumte das Feld für Pedro. 

Im Verlauf der zweiten Halbzeit hat Vilanova die Notwendigkeit erkannt, mehr Ruhe und Stabilität in den Spielaufbau seiner Mannschaft zu bringen. Paris St. Germain war nun etwas giftiger in den Zweikämpfen und die Katalanen nicht mehr so konzentriert wie noch in der ersten Halbzeit. Vilanova sah sich darum veranlasst, Tello für Dani Alves einzuwechseln. Dies hatte einige bedeutsame Umstellungen zu folgen. Tello rückte selbstredend auf den linken Flügel, seine angestammte Position. Dadurch war es Iniesta möglich, auf halblinks zu wechseln und damit eine bessere Anbindung zu Xavi und Fabregas zu erhalten. Damit sollten die relativ schnellen Ballverluste im Mittelfeld unterbunden und das Spiel beruhigt werden. Die Position von Dani Alves übernahm Dos Santos, der auf dieser Position bereits erfahren ist. Im letztjährigen Audicup spielte Dos Santos als rechter Außenverteidiger gegen große Mannschaften wie den FC Bayern. Das war ein cleverer Schachzug von Vilanova, mit dem er allen signalisiert, dass mit ihm als Trainer durchaus zu rechnen ist. Die Maßnahme hatte das Potenzial, den Flügel zu beleben und gleichzeitig das eigene Spiel zu beruhigen. 

Fazit

Ein durchaus gelungener Auftritt des FC Barcelona, auch wenn man eine 2:0-Führung verspielt hat. Das Pressing funktionierte gut und das Umschalten von der Defensive auf die Offensive ebenso. Mit Sergi Roberto und Rafinha besitzt der Verein tolle Spieler, die in der Zukunft noch einiges von sich hören lassen werden. Die Leistung in der zweiten Halbzeit hat angesichts der zahlreichen Wechsel und Veränderungen ein wenig abgenommen. Die Europameister sind erst seit einer Woche wieder im Training und sicherlich physisch noch nicht ganz auf der Höhe. Die Reaktion von Vilanova auf die zunehmende Zerfahrenheit im Spielaufbau war interessant und ist nicht zu beanstanden. Freuen wir uns auf das nächste Spiel.

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