Ronaldinho: „Ich habe den Applaus nicht gehört“

StartFC BarcelonaSonstigesRonaldinho: „Ich habe den Applaus nicht gehört“
- Anzeige -
- Anzeige -

Ihm wurden am heutigen Tag vor genau zehn Jahren im Estadio Santiago Bernabéu, das Stadion des Barça-Erzrivalen Real Madrid, während des El Clásicos stehende Ovationen geschenkt. Er geht als einer der besten Spieler in die Geschichte des Fußballs ein und hat jedem Fußballfan ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Die Rede ist nicht von einem Real-Madrid-Star, sondern von Ronaldinho – einem ehemaligen Spieler des FC Barcelona.

Der FC Barcelona hat im Hinblick auf die Barça-Karriere von Ronaldinho eine Interviewreihe mit dem Brasilianer geführt und ging unter anderem auch auf die Ovationen im Estadio Santiago Bernabéu ein, die Ronaldinho nach zwei fantastischen Toren selbst von den Real-Madrid-Fans geschenkt bekam. In dieser Interviewreihe melden sich noch weitere ehemalige Spieler zu Wort, die die erfolgreiche Spanne unter Frank Rijkaard mitprägten.

Die Tabellenkonstellation vor dem Spiel der Spiele: FC Barcelona und Real Madrid trennt nur ein Punkt

Nach dem elften Spieltag der Saison 2005/06 in der Primera División trennte die Katalanen von den Madrilenen nur ein einziger Punkt; der FC Barcelona war Tabellenzweiter, Real Madrid der Drittplatzierte. Real Madrid hatte gerade gegen Deportivo La Coruña mit 3:1 verloren, wohingegen die Blaugrana einen Spieltag vor dem El Clásico mit 2:0 gegen den FC Málaga gewinnen konnte, sodass Barça mit einem Sieg in den El Clásico ging.

Die „Galaktischen“ wollten ihren Ruf, nicht zusammenspielen zu können, vor den Augen der Welt ablegen, denn sie galten damals letztendlich als zusammengekaufte Mannschaft, die nur für das Geld spiele. Dementsprechend äußerten sie sich vor dem Spiel hochmotiviert und wollten mit aller Kraft das Spiel für sich entscheiden, um dann auch den FC Barcelona zu überholen und der erste Verfolger von CA Osasuna zu sein.

Der FC Barcelona hatte bis auf eine einzige Niederlage kaum Rückschläge hinzunehmen und konnte nach einer starken Rückrunde aus der vorigen Saison den Schwung in die darauffolgende Spielzeit mitnehmen. Der einzige Makel der bisherigen Saison waren die vielen Punkteteilungen, mit denen sich die Katalanen das Leben schwer machten.

Der Clásico wird zur einseitigen Partie: Ronaldinho führt Real Madrid vor und erntet Applaus

Im Estadio Santiago Bernabéu trat Real Madrid mit folgenden Spielern auf: Iker Casillas, Salgado, Sergio Ramos, Helguera, Roberto Carlos, David Beckham, Pablo García, Raúl, Zidane, Robinho und Ronaldo.

Der FC Barcelona schickte folgende Formation auf das Feld: Víctor Valdés, Oleguer, Puyol, Edmilson, van Bronckhorst, Xavi, Márquez, Deco, Lionel Messi, Samuel Eto’o und Ronaldinho.

Schon früh in der Partie stellte Samuel Eto’o nach einem tollen und zielgerichteten Vertikallauf des damals noch jungen Argentiniers Lionel Messi die Weichen auf Sieg (15. Minute). Lionel Messi nahm sich den Ball nahe dem Mittelfeld und ließ diesen nicht mehr von seinen Zauberfüßen, leitete die Kugel rechtzeitig an Eto’o weiter, der eiskalt verwandelte.

Der FC Barcelona spielte sich so langsam in einen Rausch und dennoch: Das nächste womöglich spielentscheidende Tor wollte noch nicht fallen. In der zweiten Halbzeit kam es dann so, wie es kommen musste: Der Ball wurde von Deco zu Ronaldinho gespielt. Der Rest ist Geschichte. Ronaldinho nimmt den Ball im Mittelfeld an, der FC Barcelona schaltet gerade in die Offensivbewegung um, Real Madrid kommt nicht so richtig mit. Der Brasilianer lässt Sergio Ramos wie ein Schulkind aussehen, aber auch der nächste Verteidiger blieb nicht unverschont. Casillas dreht sich nach dem Abschluss nicht einmal um, da er weiß, dass der Ball sich bereits im Tor befindet (60. Minute). Was Casillas allerdings macht, ist seine Vordermänner anzumeckern, da er weiß, dass sie zu leichtsinnig agierten.

Nur 18 Minuten später dasselbe Spiel: Deco passt zu Ronaldinho, der im Mittefeld die Kugel bekommt. Er läuft wieder auf das Tor zu, lässt wieder Sergio Ramos wie einen Schuljungen aussehen und verwandelt wieder einmal eiskalt – diesmal allerdings in die andere Ecke. 3:0 und das Spiel ist nun endgültig entschieden.

Das Unvorstellbare sollte allerdings noch passieren. Nach dem Treffer zum 3:0 erheben sich die Fans im Stadion und applaudieren dem König des damaligen Fußballs: Ronaldinho. Eine Tatsache, die nicht alle Tage zu sehen ist. 

Ronaldinho, Eto’o und Co. melden sich zu Wort

Ronaldinho …

… zur Frage, ob er den berühmten Real-Madrid-Fan kenne, dessen Applaus von der Kamera aufgefangen wurde: „Ja (lacht). Ich habe ihn in den letzten zehn Jahren so oft gesehen. Es scheint so, als ob ich ihn bereits kenne. Wenn ich ihn auf der Straße sehe, werde ich ihn erkennen.

… über El Clásico: „El Clásicos sind immer anders, oder nicht? Und in Spanien umso mehr, weil das ganze Land zusieht. Außerdem ist die Vorbereitung auf den El Clásico während der Woche immer anders und dieser Tag war sehr speziell für mich.“

… über die Teamleistung am 19.11.2005: „Es war nicht nur ein großartiges Spiel von mir, sondern auch des Teams. Wir haben sehr gut gespielt. Ich erinnere mich sehr gut an das gesamte Spiel.“

… über seine Tore: „Meine Tore waren leicht. Ich kam laufend mit dem Ball am Fuß vorbei und hatte jedes Mal ein bisschen Glück, als die Schüsse in die jeweils andere Ecke an Casillas vorbeigingen. Es waren zwei Spielzüge; bei einem Spielzug musste ich in hoher Geschwindigkeit eine lange Distanz laufen. Ein sehr schöner Moment.“

… zur Frage, ob er den Applaus auch gehört hatte: „Nein, in dem Moment nicht. Ich erinnere mich daran, als wir alle zur Umkleidekabine gingen, dass jeder darüber redete und ich zum Fernseher schaute. Die Emotionen während des Spieles, der Torjubel und all das, aber nein, ich habe den Applaus erst hinterher im Fernseher realisiert, weil jeder darüber sprach, was passiert ist.“

… über seine Gefühle zum Applaus: „Wundervoll! Nicht jeder Spieler genießt diese Erfüllung in einem Clásico mit den Fans deines größten Gegners. Und diese applaudieren dir.“

… über das Feiern des Sieges: „Wir haben viel gefeiert. Zu dem Zeitpunkt war jeder glücklich, da man ein Spiel wie dieses gewonnen hat.“

… äußert seine Dankbarkeit: „Ich möchte eine dicke Umarmung zu jedem schicken, weil man mich immer mit viel Liebe und Respekt behandelt hat. Ich möchte mich bei jedem bedanken. Die Liebe, die man mir entgegenbrachte und auch heute noch entgegengebracht wird, wenn ich mal in Spanien bin. Egal ob Madrid oder Barcelona: Die Menschen haben mich immer mit viel Liebe empfangen.“

… lässt alles nochmal Revue passieren: „Heute ist es wesentlich leichter zu realisieren, was mit mir passiert ist. Ich begreife all das nun und realisiere die großartigen Dinge, die passiert sind.

Gabri García (Barça-Spieler von 1999 – 2006) …

… über einen Sieg im Bernabéu: „Im Bernabéu zu gewinnen, ist nicht üblich. So war es zumindest in den Jahren zuvor.“

… über das erste Tor von Ronaldinho: „Er setzt sich auf der Außenbahn gegen Sergio Ramos durch und macht daraufhin mit seinem ganzen Körper eine Finte, um an Helguera vorbeizukommen und schließt mit einem platzierten Schuss in Richtung des kurzen Pfostens ab. Casillas hat sich nicht einmal bewegt, ich erinnere mich daran. Er ist nicht einmal gesprungen.“

… über die Casillas-Phrase nach dem zweiten Ronaldinho-Treffer: „‚Ich kann es nicht glauben‘, ich weiß nicht, ob dies die Worte sind, aber es war klar, dass er ein Spieler war, bei dem man sehen konnte, dass er speziell ist. Er hat Dinge gemacht, die kein anderer Spieler machen konnte.“

… über seine Gefühle nach dem Sieg: „So wie Ronaldinho immer glücklich ist, dachte ich, dass es ein Tag wie jeder andere ist, aber nur mit etwas mehr Freude für Ronaldinho.“

 

Jesús Carrillo (Journalist bei Barça TV) …

… über das letzte Duell im Bernabéu: „In der vorigen Saison hat uns Real Madrid mit 4:2 bezwungen, als wir unsere erste Meisterschaft unter Frank Rijkaard gewannen und sie wollten es nochmal tun. Es war das Madrid der ‚Galaktischen‘ – es war ein Team mit Beckham und Ronaldo. Es war ein fantastisches Team, aber ein Team, das nicht funktionierte.“

… über die Tore von Ronaldinho: „Die Bewegungen bei beiden Toren waren identisch. Das erste Tor entstand nach einem Eckball für Real Madrid, als Deco daraufhin einen langen Ball zu Ronaldinho spielte und Ronaldinho von da an sein erstes starkes Dribbling machte. Nicht ein einziges Mal hat sich Casillas umgedreht, um zu wissen, wo der Ball ist. Etwas, was normalerweise 90 % der Torhüter machen.

Beim zweiten Tor läuft er mit jedem Schritt an Ramos vorbei. Er gewinnt das Duell mit 15 bis 20 Zentimeter Abstand, und als er das Ende erreicht, denkt jeder, dass es ein unmöglicher Winkel sei. Nach dem Tor entstand die bekannte Casillas-Phrase („Ich kann es nicht glauben“). Und es war das Tor, bei dem das berühmte Bild des applaudierenden Mannes mit dem Schnurrbart und seinem Sohn entstand. Dies tat dann auch ein großer Teil des Stadions. Diejenigen, die nicht applaudierten, haben das Stadion verlassen.“

… über den Applaus, den Ronaldinho erhielt: „Wenn man am Ende einem Sportler applaudiert, der etwas Spezielles geleistet hat, ist es so, als ob man ihn würdigen. Es ist eine Anerkennung für den Spieler.“

… über den damaligen Effekt Ronaldinhos auf die Culés: „An diesem Tage hat er die Culés sehr glücklich gemacht.“

… über den Schlüsselmoment unter Frank Rijkaard: „Es ist unglaublich und offensichtlich. Er hat Geschichte geschrieben. Es ist der Schlüsseltag des Teams von Frank Rijkaard.

 

Samuel Eto’o …

… über die Absicht des damaligen Real Madrids: „Ich bin mir sicher, dass Real Madrid seinen Wert zeigen wollte.“

… über sein Führungstor und das Spiel: „Wir haben uns auf das Spiel vorbereitet und als ich das erste Tor geschossen habe, hat niemand gedacht, dass ich in der Lage war, dieses Tor zu erzielen.“

… über das erste Tor von Ronaldinho: „Als Ronaldinho dieses Tor erzielte, bei dem er quasi das gesamte Spielfeld durchlief, stoppte ich und sagte: ‚Was geht hier vor sich?‘, es war unglaublich.

… über die Dominanz des FC Barcelona: „Die ganze Welt erkannte unsere Dominanz.“

… über die Atmosphäre: „Es war unglaublich. Und als wir das Stadion erst verlassen haben …“

 

Albert Jorquera (Spieler zwischen 2003 – 2009) …

… über die fehlende Wahrnehmung während eines Torjubels: „Man vergisst einiges, wenn man jubelt. Aber am Ende hat man gesehen, dass der Applaus in Richtung Ronaldinho einen großen Einfluss hatte.“

… über seine Gefühle nach dem Sieg: „Ich war sehr glücklich und die Begeisterung in der Umkleidekabine war unglaublich.“

… über Ronaldinhos Tore: „Wo er die Tore erzielt hat (Anm.: im Bernabéu), verdeutlicht die Wichtigkeit.“

- Anzeige -
- Anzeige -

AKTUELLE USER-KOMMENTARE