Spanien – Italien: Fabregas kontert Führungstreffer von di Natale

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Das bislang stärkste Spiel bei dieser EM ging soeben zu Ende. Spanien und Italien trennen sich nach einem hochattraktiven und sehr intensiven Spiel mit einem 1:1. Di Natale brachte die Squadra Azzura in Führung und schockte die Spanier in der zweiten Halbzeit. Ein Traumpass von Silva entblößte allerdings wenige Minuten später die italienische Hintermannschaft und verschaffte Fabregas den nötigen Raum für den Ausgleichstreffer.

Von Raphael Lugowski

Fünf Spieler des FC Barcelona von Beginn an

Dass der Standfußball von gestern heute keine Rolle mehr spielen sollte, war von vornherein klar. Der Welt- und Europameister gab sich die Ehre und empfing ein junges italienisches Team, das nach einer Überraschung dürstete. In der Startformation von Spanien standen entgegen der Erwartungen nicht vier, sondern fünf Barca-Akteure. Fabregas hat seinen Weg in die Startelf gefunden und agierte im Sturmzentrum als falsche Neun. Flankiert wurde Fabregas von Silva auf rechts und Iniesta auf links, der damit zumindest nominell den Flügel bearbeiten sollte. Dass dem nicht so war, wird sich gleich zeigen. Durch das Aufgebot von Iniesta auf dem Flügel war es del Bosque möglich, im Mittelfeld sowohl auf Busquets als auch auf Xabi Alonso zu setzen. Im Vorfeld der Partie sind Bedenken geäußert worden im Hinblick auf eine Koexistenz von Busquets und Alonso, weil es auf eine unnötige Doppelung hinausliefe. Neben diese beiden Akteure gesellte sich Selbstredend Xavi, der Verbindungsspieler der Mannschaft. Komplettiert wurde das Barcelona-Ensemle durch Pique, der zusammen mit Sergio Ramos die Innenverteidigung bildete.

Kein Stürmer in der Startelf

Eine Barca-typische Dominanz konnte trotz der Vielzahl der Akteure mit katalanischen Wurzeln zunächst nicht beobachtet werden. Grund hierfür war vor allem die intelligente Spielweise der Italiener, die sich hervorragend auf den Titelverteidiger eingestellt hatten. Bei Ballbesitz agierte die Mannschaft von Buffon mit einer Dreierabwehrkette, die allerdings nach Bedarf und bei fremdem Ballbesitz von den Außenspielern zu einer Fünferkette erweitert wurde. Vor dieser Fünferkette positionierten sich drei weitere Spieler, die sehr eng beieinander standen und die Passwege verengten. Ein Kombinationsspiel im Zentrum gestaltete sich unter diesen Voraussetzungen schwierig und häufig endeten die Angriffsversuche in einem engen Getümmel. Das grundlegendste Problem für die Spanier war damit, manch ein Barca-Fan möge an dieser Stelle die Augen zukneifen, die fehlende Breite. Ihr Spiel war auf das kreative Moment im Zentrum ausgelegt, wie die Aufstellung von del Bosque verdeutlicht. Im Sturm bot er mit Iniesta, Fabregas und Silva drei verkappte Mittelfeldspieler auf, die zudem eine bedeutsame Gemeinsamkeit teilen. Alle der vorgenannten Spieler orientieren sich naturgemäß in Richtung Zentrum und können den Flügeln nur wenig abgewinnen.

Fehlende Breite im Spiel

Aufgrund der der hohen Spielerdichte im Zentrum bestanden jedoch kaum Möglichkeiten, sich bis zum Tor durchzukombinieren und zum Abschluss zu kommen. Del Bosque muss sich die Frage gefallen lassen, warum er dieses Problem nicht antizipiert hat bzw. was er mit dieser Aufstellung bezweckt hat. Seine Mannschaft tat sich unnötig schwer gegen die Italiener und fand nur wenige Mittel gegen Spieler, die sehr gut verschoben und die Räume eng machten. Vielleicht ist er davon ausgegangen, dass der linke Außenverteidiger Jordi Alba für die nötige Breite im Spiel sorgen werde. Die Vorstöße von Alba in der ersten Halbzeit verliefen aber zumeist fruchtlos, weil seine linke Seite zumeist ein Ballungsgebiet darstellte. Busquets und Xavi leiteten den Ball fast immer auf links oder in die Mitte, weil auf rechts schlichtweg keine Anspielstationen vorhanden waren. Silva zog es immer wieder in das Zentrum und Arbeola positionierte sich ziemlich tief, sodass die Einleitung eines Angriffs auf rechts wenig erfolgversprechend erschien. Wenn Arbeola sich doch einmal vorwagte, wurde er kaum berücksichtigt, weil man seinen Qualitäten im offensiven Flügelspiel offenbar kein Vertrauen schenkte. Damit war es den Italienern möglich, ihren Fokus auf die Mitte und auf rechts zu legen.

Xavi offensiver als bei Barca

Vor diesem Hintergrund war es für Xavi schwierig, seine gefürchteten Pässe an den Mann zu bringen. Xavi agierte ohnehin offensiver als gewohnt, weil seine Anwesenheit im ersten Spielfelddrittel und um den Mittelfeldkreis herum eine unnötige Doppelung der Rolle von Alonso oder Busquets wäre. Auch seine Laufwege unterscheideten sich von jenen, die man bei ihm in Barcelona beobachten konnte. Für gewöhnlich liegt Xavis Stärke in der horizontalen Ballverteilung und der Einstreuung von tödlichen Pässen auf die Stürmer. In dieser spanischen Mannschaft muss er die Angriffe aber vermehrt mittragen, sich also direkt in die Angriffe einschalten und das Zusammenspiel mit den Mannschaftskameraden in unmittelbarer Strafraumnähe fördern. Diese Spielweise liegt dem Spielgestalter weniger, da er nicht über die nötige Dynamik und Schnelligkeit verfügt. Dass er sich in dieser Rolle nicht unbedingt Wohl fühlt, zeigte sich zuweilen daran, dass er sich hinter die Mittellinie zurückbegab und von dort aus das Spiel in Angriff nahm. Man hatte auch in einigen Situationen den Eindruck, als würde er sich zwingen, sich weiter vorne zu positionieren. In diesen Momenten rückte er zielstrebig zehn Meter weiter nach vorne.

Jesus Navas‘ Einwechslung goldrichtig

Das Spiel veränderte sich in der zweiten Halbzeit deutlich. Den Italienern gelang es nicht mehr so extrem eng zu stehen wie in Halbzeit eins. Damit war es vor allem Busquets möglich, mehr Lochpässe zwischen die nun weiter auseinander stehenden Spieler Italiens zu spielen. Überraschenderweise spielten beide Mannschaften weiterhin unbeirrt auf Sieg. Dies war vor allem für die Italiener ein Problem, die bei Ballverlust in der Vorwärtsbewegung erhebliche Schwierigkeiten hatten, die Konter des Gegners abzufangen. Spanien schaltete schnell um und gelangte innerhalb kürzester Zeit vor das Tor von Buffon. Bei den Einwechslungen traf del Bosque teilweise die richtigen Entscheidungen. Um mehr Breite im Spiel herzustellen, brachte er den klassischen Flügelspieler Jesus Navas für Silva. Das hat sich bezahlt gemacht, der neue Mann war an einigen gefährlichen Situationen beteiligt und die Italiener mussten der rechten Seite nun mehr Beachtung schenken. Hieraus resultierte mehr Raum zwischen den italienischen Spielern, die nun ihre Verteidigungslinie verbreitern mussten. Weniger glücklich war die Einwechslung von Fernando Torres, der es versäumte, seine Mannschaft in Führung zu schießen. Die Spanier waren zum Ende der Partie hin eindeutig überlegen und erspielten sich angeführt von einem starken Iniesta immer mehr Torchancen, die der Edelreservist von FC Chelsea allerdings allesamt nicht verwerten konnte. So blieb es bei einem Unentschieden, mit dem wohl beide Mannschaften gut leben können. 

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