Spanien – Ukraine: Neues Iberer-Mittelfeld dominiert die Ukraine

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Im Spiel der spanischen Nationalmannschaft gegen die Ukraine stand die ‚Furia Roja‘ ordentlich unter Zugzwang, wollte man doch zum einen den Rückstand auf die Slowakei nicht auf sechs Punkte anwachsen lassen und sich zum anderen gegen einen direkten Konkurrenten um den zweiten Platz durchsetzen. Die Spieler des Europameisters konnten ihre Aufgabe mit Bravour erfüllen sowie einen 1:0-Heimsieg einfahren. Wir haben die Analyse zum Spiel für euch.

Nach der 1:2-Auftaktniederlage der spanischen Nationalmannschaft gegen die Slowakei konnte sich das Team von Trainer Vicente del Bosque schnell rehabilitieren und drei Siege ohne Gegentor feiern. Somit war die Ausgangslage für die Mannen von Vicente del Bosque vor dem Spiel klar. Es mussten auch gegen die ukrainische Nationalmannschaft drei Punkte im heimischen Estadio Ramón Sánchez Pizjuán, dem Heimstadion des FC Sevilla, her, um einen weiteren wichtigen Schritt Richtung Europameisterschaft 2016 in Frankreich zu machen.

Spanische Flexibilität und Rechtsfokus

Besonders gespannt durfte man auf das spielstarke Mittelfeld des Europameisters sowie dessen individuelle sowie kollektiv-taktische Aufgaben sein. Dieses stach durch viele Positionsrochaden und Überladungen heraus. So zeigte sich Koke sehr fokussiert im Aufbauspiel der Spanier beziehungsweise ließ sich in den rechten eigenen defensiven Halbraum fallen, was Juanfran eine deutlich höhere Grundposition ermöglichte und ihn zum Breitengeber machte. Zudem konnte sich dadurch Iniesta zentraler orientieren, während mit Silva im gegnerischen defensiven Halbraum sowie Morata zwei Tiefengeber zur Verfügung standen. Je nach Spielsituation war auch Isco im Zwischenlinienraum oder als weitere Anspielstation im Zirkulationsspiel der Spanier vertreten.

Zur Folge hatte dies einen gewissen Rechtsfokus im Aufbauspiel der Spanier, die sich zum einen kombinativ durch den fokussierten gegnerischen Halbraum spielten oder auch durch Diagonalzuspiele zum tendenziell nach links abdriftenden Morata Gefahr erzeugen konnten. Besonders Iniesta konnte in diesem Aspekt als hervorragender Nadelspieler herausstechen und einige gefährliche Situationen initiieren.

Auf links waren die Strukturen nicht derartig interessant, dennoch gab es mit Isco, Alba sowie Iniesta hervorragende Akteure, die sich in engen Zonen herausragend durch kluge Läufe und flexible Positionierungen zurechtfinden konnten. So wundert es nicht, dass das einzige Tor des Abends auf der linken Seite seinen Ursprung fand, als all diese drei Spieler manngedeckt wurden und somit Raum für den ins Zentrum sprintenden Koke entstand. Dieser wurde von Iniesta angespielt und legte schnell für Morata in die Spitze ab, der nur noch einschieben musste.

Das Gegenpressing der Spanier funktionierte durch diese guten Staffelungen relativ souverän und einwandfrei. Pressing- sowie Verteidigungsphasen gab es aufgrund der langen Ballbesitzphasen selten, sie waren auch nicht allzu spektakulär. Ausgehend von einer mal höheren und mal tieferen Positionierung von Koke war ein 4-1-4-1 beziehungsweise 4-2-3-1 im Pressing zu beobachten, während in der eigenen Hälfte ein 4-4-2 mit Morata und Silva an der Spitze gespielt wurde.

Aktive Passivität der Ukraine

Wie schon viele andere Gegner zuvor war die Ukraine darauf bedacht, aus einer tiefen Defensivstellung heraus Gefahr zu erzeugen. Die Truppe von Trainer Fomenko stand in einem klassischen 4-4-2 in der eigenen Hälfte, wobei sich die zwei Flügelspieler Yarmolenko sowie Konopljanko stark an den spanischen Außenverteidigern orientierten. Die höher positionierten Silva sowie Isco wurden von der Doppelsechs in Gewahrsam genommen und bis in den eigenen Halbraum verfolgt. So kam es, dass die Ukraine teilweise Fünfer- oder gar Sechserketten gegen die Spanier aufbot und sich 5-4-1- oder auch 6-3-0-ähnliche Staffelungen ergaben.

Dass die Ukraine so gut wie gar keine längeren Passstafetten aufziehen konnte, lag an mehreren Faktoren. So war der eigene Spielaufbau des Öfteren nicht klar genug strukturiert, um ein gutes Ballbesitzspiel aufzuziehen. Mal war die Doppelsechs im wahrsten Sinne des Wortes nur eine Doppelsechs im Spielaufbau, womit sich zum einen niemand zwischen die Innenverteidiger abkippen ließ und zum anderen Präsenz in höheren Zonen fehlte. Außerdem waren ebenfalls die Übergänge im ukrainischen Spiel zwischen den aufbauenden Spielern und den Mittelfeldspielern nicht gegeben beziehungsweise die Verbindungen in Form von Abkippbewegungen der vorderen Akteure fehlten. Konnten sich die Akteure aber an der Seitenlinie, bevorzugt auf der Seite des spielstarken Yarmolenko, durchtanken, so war der ballführende Spieler aufgrund von fehlenden Anspielstationen abgeschirmt und verlor relativ schnell den Ball.

Fast verändertes Rollenbild in Hälfte zwei

Ein weiteres riesiges Manko im ukrainischen Spiel war das Pressing. Grundsätzlich war man darauf bedacht, die Spanier auf die Flügel zu zwingen und dort mittels kompaktem Verschieben einzukesseln. Dies funktionierte aber insofern nicht, als die abkippende Bewegungen des iberischen Mittelfeldes ins Zentrum für den ballführenden Akteur auf den Außen eine freie Anspielstation darstellten. Fomenko reagierte deswegen in der Pause und brachte seine Elf mit einer 4-3-1-2-ähnlichen Pressingformation auf das Feld. Ziel war es nun, das Zentrum zu verdichten. Hatte man die Spanier auf den Flügeln, so konnten aufgrund der größeren Präsenz im Zentrum Pressingsituationen schwerer von den Iberern überwunden werden. Durch diese verbesserten Staffelungen sowie ein strukturierteres Aufbauspiel in Form einer Torwartkette und eine engere Angriffsreihe für Zuspiele der Aufbauspieler konnten die Spanier einige Male in Verlegenheit gebracht werden.

Doch das grundsätzliche Bild der Partie blieb erhalten. Die Staffelungen der Spanier im Aufbau- und Kombinationsspiel wurden aber zunehmend schlechter, gute Anordnungen wurden nicht effektiv genug ausgespielt. Zudem vernachlässigte man die Präsenz im Zwischenlinienraum. Man hatte zwar die Kontrolle über das zweite Spielfelddrittel, doch diese konnte kaum ausgespielt werden, da die Tiefe im Spiel fehlte. Insgesamt wirkte die spanische Nationalmannschaft nun lässiger in ihrem Spiel, steckte etwas weniger Intensität in ihrer Laufleistung und konnte somit auch aussichtsreiche Situationen schlechter zu Ende spielen.

Del Bosque reagierte im Verlaufe des Spiels und brachte Pedro für Morata rein, was Silva auf die Stürmer-Position trieb und den Barcelona-Stürmer auf die rechte Außenposition. Womöglich wollte Del Bosque damit einen technisch stärkeren Spieler für Ablagen und schwierige Ballannahmen bei höherem Pressing der Ukrainer zur Verfügung haben. Doch einen großartigen Effekt sollte dies nicht mehr haben. Die Spanier spielten die Partie nach der guten Pressingphase der Ukrainer zwischen den Minuten 50 und 65 herunter und konnten letzten Endes einen verdienten 1:0-Sieg einfahren. Einzig der Verlust von Linksverteidiger Jordi Alba hinterließ bei den Anhängern des FC Barcelona einen faden Beigeschmack.

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