Spanien wird seiner Favoritenrolle gerecht

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Ob Schnittstellenpässe, Bälle hinter die Abwehr oder traumwandlerische Kombinationen vor dem und im Strafraum: Das Repertoire der Spanier scheint nahezu unerschöpflich und es ist derzeit kein Grund ersichtlich, warum diese Mannschaft nicht das Finale dieser EM erreichen sollte. Die Harmonie zwischen den Spielern der unterschiedlichen Mannschaften ist beeindruckend, insbesondere weil die Barca-Fraktion „die Welt im Inneren zusammenhält“.

Von Raphael Lugowski

Iren limitiert

Noch nie wurden bei einer EM so viele Pässe gespielt. Die Begegnung zwischen Spanien und Irland wurde zur Demonstration des schönen Spiels, bei der La Furia Roja standesgemäß die Hauptrolle einnahm und den Iren das Privileg einräumte, diesen wundervollen Fußball hautnah miterleben zu dürfen. Es war von vornherein klar, dass die Iren die spanische Auswahl nicht herausfordern werden können. Zu limitiert sind ihre taktischen Mittel und zu gering ist die individuelle Qualität der Spieler. Die einzige Tugend, die sie dem Gegner entgegenhalten konnten, war ihr unbedingter Kampfgeist und ihre Bereitschaft, an die Grenzen ihrer körperlichen Belastungsfähigkeit zu gehen. Diese tolle Einstellung entlohnten ihnen die Fans mit minutenlangen Gesängen kurz vor Abpfiff der Partie. Mehr gab es aber an diesem Abend für diese irische Auswahl nicht zu holen.

Fabregas oder Torres?

Zu dominant traten die Spanier auf. Im Vergleich zum ersten Gruppenspiel gegen Italien zeigten sie sich nur auf einer Position verändert. Für Fabregas rückte Torres in die Startformation, und beim Tor vom im Verlauf der zweiten Halbzeit eingewechselten Fabgregas hat sich gezeigt, dass dieser diesem Wechsel nur wenig abgewinnen konnte. Seine Mimik nach seinem Tor zum 4:0 brachte sein Unverständnis über die Entscheidung von del Bosque zum Ausdruck, nicht einmal ein kurzes Lächeln konnte ihm sein zweiter Turniertreffer entlocken. Fabregas‘ Unmut über den Wechsel in der Sturmspitze ist trotz der Tore von Torres nicht gänzlich fernliegend. Als falsche neun hat Fabregas einem reinrassigen Stürmer wie Torres eine Sache voraus: Er kann sich zurückfallen lassen und im Mittelfeld eine zusätzliche Anspielstation generieren. Alternativ kann er wie ein richtiger Stürmer in die Spiele rücken und Abwehrspieler binden. Dies spricht für den Barca-Star. Gleichwohl ist er aber gegenüber Torres im Nachteil, was die Durchschlagskraft im Sturmzentrum betrifft. Del Bosque muss also von Spiel zu Spiel eine Abwägung dahingehend vornehmen, welcher Spielertyp der Mannschaft gegen den konkreten Gegner mehr helfen kann. Gestern fiel die Wahl auf Torres, was angesichts der antizipierten Mittelfelddominanz ob des fehlenden Mittelfeldpressings des Gegners durchaus nachvollziehbar war.

Llorente oder Torres?

Inwieweit aber Torres im Vergleich zu Llorente, der eine hervorragende Saison mit Bilbao gespielt hat und zu jeder Zeit überzeugen konnte, im Vorteil ist, kann nicht abschließend geklärt werden. Alle Tatsachen sprachen im Vorfeld der EM für den erstklassigen Stürmer vom Europa League- und Copa del Rey Finalisten, und Torres hat sich im Spiel gegen Italien nicht gerade aufgedrängt, nachdem er eingewechselt worden ist. Llorente konkurriert hier nicht mit einem weiteren Stürmer, sondern mit einer Institution im spanischen Fußball. Es wird schwer für ihn werden, del Bosque von seiner relativen Vorteilhaftigkeit zu überzeugen, zumal Torres gestern doppelt erfolgreich war. Trotz dieser Tore gab der Auftritt von Torres aber auch Anlass zu Kritik. Nach seinem ersten Tor in der vierten Spielminute wirkte er in einigen Situationen unglücklich. Die Abstimmung der Laufwege war nicht immer ideal und auch die Funktion als permanente Anspielstation in der Spitze erfüllte er nicht immer zu aller Zufriedenheit. Das zweite Tor von ihm wurde begünstigt durch eine hohe extrem hohe Stellung der irischen Abwehrreihe, die ihm eine Eins-zu-Eins-Situation mit dem gegnerischen Torhüter ermöglichte. Alles in allem aber ein gelungener Auftritt von Torres, der seiner Hauptaufgabe, dem Toreschießen, nachkam.

Gute Aufgabenteilung im spanischen Mittelfeld

Wer letztlich die Stürmerposition bekleidete, war am gestrigen Abend nicht entscheidend. Die Musik spielte vor dem vordersten Mann der Spanier. Iniesta, Xavi und Silva agierten vor Torres und wurden von Busquets und Xabi Alonso abgesichert. Im Vergleich zur niederländischen Doppelsechs interpretieren Busquets und Alonso ihre Rolle auf dem Feld selbstredend völlig anders. Busquets rückte bei den Angriffen mit nach vorne aus und unterstützte Xavi beim horizontalen Spiel, das dazu dient, die Lücken im gegnerischen Defensivverbund auszuloten. Wenn Xavi in die Spitze rückte, was gestern aufgrund der Präsenz von Torres weitaus seltener der Fall war als gegen die Italiener, übernahm Busquets einfach seine Aufgabe als Ballverteiler aus dem Zentrum heraus. Xabi Alonso hielt sich beim Spielaufbau eher im Hintergrund und war auf die Sicherung der defensiven Ordnung bedacht. Ab und zu schaltete aber auch er sich mit in die Angriffe ein und nutzte die großen Abstände zwischen den irischen Spielern dazu, Schnittstellenpässe einzustreuen. Im Vorfeld der EM bestanden Zweifel daran, ob diese Mannschaft mit diesem Mittelfeld funktionieren könne. Man muss aber nach dem zweiten Spiel konstatieren, dass die Aufgabenteilung zwischen Xavi, Busquets und Alonso ausgezeichnet funktioniert. Keiner stellt eine unnötige Doppelung des anderen dar, auch weil Xavi sich in seiner neuen offensiveren Umgebung sichtlich wohl fühlt.

Iniesta stark, Pique souverän

Dies gilt auch für Iniesta, der auf halblinks gestern wieder vollends aufblühte, nein, weiterblühte. Iniesta war auch gestern wieder in einer tollen Verfassung und verschaffte der Mannschaft mit seinen Dribblings und Finten Raum und Zeit. Unterstützt wurde er dabei von Jordi Alba, der sich auf dem linken Flügel immer wieder ins Angriffsspiel einschaltete und den äußeren rechten Verteidiger der Iren an sich band. Dadurch hatte Iniesta eine Sorge weniger, wenn er mit dem Ball in Richtung Zentrum zog, weil er nicht vom Innen- und Außenverteidiger gedoppelt werden konnte. Interessant gestaltete sich zuweilen der Spielaufbau aus der Abwehr heraus. Wenn die Abwehr im Ballbesitz war und Anspielstationen suchte, positionierte sich Xabi Alonso zumeist auf links an die Grundlinie und band damit einen gegnerischen Spieler. Ein weiterer wurde von Jordi Alba beschäftigt. Damit waren die Voraussetzungen für eine Spieleröffnung der Abwehrspieler auf Iniesta gegeben – der Passweg auf ihn war geöffnet -, der sodann fast mühelos das Mittelfeld überbrücken und in Richtung Tor ziehen konnte. Eine klasse Option gegen stark pressende Gegner. Abschließend noch ein Satz zur Leistung von Pique: Ohne Fehl und Tadel, absolut souverän. So darf es weitergehen.

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